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Finanzanalyse
Gewinnschwellenanalyse (Break-even-Analyse), · Kreditwürdigkeitsprüfung, · Wertpapieranalyse und · Unternehmenswertanalyse.
Inhalt6 Abschnitte
Begriff, Zweck und Anwendungsbereiche
Die Finanzanalyse untersucht Finanzen und Finanzierung. Sie ist entweder das Arbeitsergebnis eines Finanzanalysten oder eine entsprechende betriebliche Funktion. Meist wird sie schriftlich erstellt. Ihr Zweck besteht darin, finanzielle Informationen systematisch auszuwerten, Risiken und Entwicklungen einzuschätzen und Entscheidungen vorzubereiten.
Untersucht werden insbesondere:
- Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Fonds, Staaten und staatliche Untergliederungen, etwa durch Bilanzanalyse, Gewinn- und Verlustrechnung, Analyse des Staatshaushalts, Due-Diligence-Prüfung, SWOT-Analyse oder kommunale Jahresabschlussanalyse;
- Privathaushalte anhand einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder privaten Liquiditätsrechnung;
- Wirtschaftszweige durch Branchenstrukturanalysen;
- Güter- und Finanzmärkte, darunter Geld-, Devisen- und Kapitalmarkt;
- Konkurrenten und Wettbewerbssituationen;
- Finanzinstrumente durch Wertpapieranalysen, insbesondere Aktienanalysen.
Finanzanalysen können internen oder externen Zwecken dienen. Intern nutzen Kreditinstitute sie beispielsweise zur Kreditwürdigkeitsprüfung und Versicherer zur Analyse ihres Sicherungsvermögens. Externe Analysen richten sich an Kunden oder die Öffentlichkeit, etwa die Bewertungen von Ratingagenturen. Auch Finanzjournalisten, beispielsweise Verfasser von Börsenbriefen, und individuelle Investoren erstellen Finanzanalysen.
Inhalte, Ablauf und Informationsquellen
Eine Finanzanalyse bereitet Informationen über die finanzielle Lage von Wirtschaftssubjekten, Branchen und Märkten systematisch auf und vermittelt die Ergebnisse. Sie trifft Aussagen über Finanzrisiken und enthält Prognosen sowie Bewertungen, darunter Ratings.
Der Arbeitsprozess besteht aus drei Abschnitten:
- Retrospektive: Daten aus der Vergangenheit werden zusammengestellt.
- Analyse: Die Zusammenhänge zwischen den Daten werden untersucht.
- Prognose: Auf Grundlage der Untersuchung werden Aussagen über mögliche zukünftige Entwicklungen getroffen.
Die Auswahl der Informationsquellen ist besonders wichtig. Primärquellen haben Vorrang, weil sie unmittelbare Informationen vom untersuchten Wirtschaftssubjekt liefern; bei Unternehmen gehören dazu beispielsweise Geschäftsberichte. Sekundärquellen sind dagegen andere Finanzanalysen, die ihrerseits Primärquellen ausgewertet haben.
Je nach Aufgabenbereich unterscheiden sich die Analysegegenstände: Das Research erstellt makroökonomische Analysen. Die Anlageberatung analysiert Finanzprodukte. Portfoliomanagement und Vermögensverwaltung untersuchen Portfolien, etwa Kredit- oder Wertpapierportfolien. Finanzanalysen liefern allerdings nur selten präzise Ergebnisse; Prognosen und Bewertungen bleiben daher mit Unsicherheit verbunden.
Zentrale Analysemethoden
Die Finanzanalyse verwendet mehrere methodische Ansätze:
- Die Chartanalyse untersucht die bisherigen Kursverläufe von Wertpapieren, Börsenindizes und ähnlichen Größen. Aus Mustern in den vergangenen Kursen versucht sie Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung zu ziehen.
- Die technische Analyse wertet die Kurs- und Umsatzhistorie eines Basiswerts aus. Damit sollen günstige Kauf- oder Verkaufszeitpunkte bestimmt und die künftige Kursentwicklung oder zumindest deren Eintrittswahrscheinlichkeit vorhergesagt werden.
- Die Fundamentalanalyse untersucht die betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens und sein wirtschaftliches Umfeld. Daraus versucht sie einen „fairen“ oder „inneren Wert“ des Unternehmens und gegebenenfalls seiner Aktien zu berechnen. Sie geht davon aus, dass sich Aktienkurse aufgrund einer nicht vollkommenen, aber vorhandenen Markteffizienz früher oder später diesem fairen Wert annähern. Die Fundamentalanalyse ist damit eine Form der Unternehmensbewertung.
- Die Sentimentanalyse berücksichtigt die Stimmung der Marktteilnehmer und versucht daraus die Entwicklung von Börsenkursen abzuleiten. Dazu werden unter anderem Zeitreihenanalyse mit Trendextrapolation und exponentielle Glättung eingesetzt.
Um ein zuverlässigeres Ergebnis zu erhalten, werden häufig zwei oder mehrere Analyseformen miteinander kombiniert.
Arten der Finanzanalyse
Nach ihrem Zweck lassen sich vier wichtige Arten unterscheiden:
- Die Gewinnschwellenanalyse oder Break-even-Analyse ermittelt, welche Ausbringungsmenge ein Unternehmen erreichen muss, um Gewinne zu erwirtschaften.
- Die Kreditwürdigkeitsprüfung bewertet, ob ein Schuldner voraussichtlich in der Lage und bereit ist, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.
- Die Wertpapieranalyse untersucht Wertpapiere und dient häufig als Grundlage für Kursziele und Anlageempfehlungen.
- Die Unternehmenswertanalyse befasst sich mit der Bewertung eines Unternehmens.
Diese Arten verfolgen unterschiedliche Entscheidungsziele: Während die Gewinnschwellenanalyse vor allem den Übergang von Verlust zu Gewinn betrachtet, soll die Unternehmenswertanalyse den Wert eines gesamten Unternehmens bestimmen.
Ergebnisse und Empfehlungen bei Wertpapieren
Ausgebildete Finanzanalysten erstellen umfangreiche Unternehmensstudien. Dabei berechnen sie meist ein Kursziel und geben eine Empfehlung wie „Kaufen“, „Akkumulieren“ oder „Verkaufen“ ab. Zur Erfolgskontrolle kann eine Performancemessung verwendet werden: Sie vergleicht den vorhergesagten mit dem tatsächlich eingetretenen Kursverlauf.
Die grundlegenden Kategorien sind Kaufen (Buy), Halten (Hold) und Verkaufen (Sell). „Halten“ bedeutet üblicherweise, dass die erwarteten Kursänderungen unter Berücksichtigung der Transaktionskosten keine eindeutige Handlungsempfehlung erlauben. Wer das Wertpapier bereits besitzt, soll es nicht gegen ein mit „Kaufen“ bewertetes Papier tauschen. Wer es noch nicht besitzt, sollte vorzugsweise ein mit „Kaufen“ beurteiltes Wertpapier erwerben.
Eine feinere Skala lautet: Klarer Kauf (Strong Buy), Kaufen (Buy), Akkumulieren (Accumulate), Halten (Hold), Abbauen (Reduce), Verkaufen (Sell) und Klarer Verkauf (Strong Sell). Das Attribut „strong“ beziehungsweise „stark“ oder „deutlich“ hebt besonders empfehlenswerte, aber risikoreiche Aktien hervor.
Ohne weitere Kennzeichnung ist eine Empfehlung absolut, also unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung. Relative Bewertungen vergleichen ein Wertpapier dagegen mit dem Markt: Outperformer bedeutet „besser als der Markt“, Market Performer „dem Markt entsprechend“ und Underperformer „schlechter als der Markt“. Dafür muss ein Index als Benchmark, also als Vergleichsmaßstab, angegeben werden.
Empfehlungen können sich außerdem auf das Gewicht einer Anlage im Portfolio beziehen. „Übergewichten“ (Overweight) wird bei guten Wertsteigerungschancen empfohlen, „Untergewichten“ (Underweight) bei schlechten Wertsteigerungschancen. Häufig unterscheiden Analysten zusätzlich nach Anlagedauer und Risikobereitschaft. Beispielsweise kann ein Wertpapier kurzfristig mit „Halten“, langfristig aber mit „Verkaufen“ bewertet werden; dann erwartet der Analyst langfristig eine Wertminderung.
Rechtliche Anforderungen
Nach § 2 Abs. 3a WpHG ist die Finanzanalyse eine Wertpapiernebendienstleistung. Wer im Rahmen einer Berufs- oder Geschäftstätigkeit Informationen über Finanzinstrumente oder deren Emittenten erstellt, die direkt oder indirekt eine Empfehlung für eine bestimmte Anlageentscheidung enthalten und einem unbestimmten Personenkreis zugänglich gemacht werden sollen, muss nach § 34b Abs. 1 WpHG über die erforderliche Sachkenntnis verfügen und mit Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit arbeiten.
Diese Legaldefinition stammt aus Art. 3 Abs. 1 Nummer 34 der Marktmissbrauchsverordnung, die in allen EU-Mitgliedstaaten gilt.
Die im Januar 2018 aufgehobene Finanzanalyseverordnung (FinAnV) enthielt zusätzliche Vorgaben für die sachgerechte Erstellung und Darstellung. Anzugeben waren unter anderem die Namen und Berufe der Ersteller sowie das verantwortliche Unternehmen. Tatsachen, Werturteile Dritter wie Interpretationen oder Schätzungen und eigene Werturteile wie Hochrechnungen, Vorhersagen oder Kursziele mussten sorgfältig getrennt und kenntlich gemacht werden. Außerdem waren alle wesentlichen Informationsquellen zu nennen, besonders die betroffenen Emittenten. Es musste auch offengelegt werden, ob eine Analyse dem Emittenten vor ihrer Veröffentlichung oder Weitergabe zugänglich gemacht und anschließend verändert worden war.