Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Finanzen

Umgangssprachlich sind hierunter die Geldmittel und die Bonität von Wirtschaftssubjekten (Privathaushalte, Unternehmen, Staat, Ausland) zu verstehen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Begriffliche Entwicklung
  3. 3. Private Finanzplanung
  4. 4. Unternehmensfinanzierung
  5. 5. Öffentliche Finanzen

Grundbegriff und Bedeutung

Finanzen ist der Sammelbegriff für das Finanzwesen und die Finanzwirtschaft. Gemeint sind damit alle Fragen, die mit Geldmitteln, Einnahmen, Ausgaben, Kapital, Kredit und wirtschaftlicher Zahlungsfähigkeit zusammenhängen. Speziell bezeichnet der Begriff oft die öffentlichen Finanzen, also Staatsfinanzen und Kommunalfinanzen. Umgangssprachlich meint man mit den Finanzen eines Wirtschaftssubjekts dessen Geldmittel und Bonität. Bonität bedeutet die Fähigkeit und Zuverlässigkeit, finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen, zum Beispiel Schulden zurückzuzahlen.

Finanzen betreffen verschiedene Wirtschaftssubjekte: Privathaushalte, Unternehmen, den Staat und das Ausland. Je nach Bereich unterscheiden sich die Ziele und Methoden. Private Haushalte planen Einkommen, Ausgaben, Sparen und Risiken. Unternehmen entscheiden über Finanzierung, Investitionen und Kapitalstruktur. Der Staat plant Einnahmen, Ausgaben, Haushalte und öffentliche Projekte.

Begriffliche Entwicklung

Der Begriff hatte historisch unterschiedliche Bedeutungen. „Finantien“ erschien in einem deutschen Text erstmals 1341 in Köln und wurde damals abwertend als „Geldgeschäft im üblen Sinn oder Wucher“ verstanden. Um 1549 galt der „Finanzer“ als Wucherer oder listiger Betrüger. Später verschob sich die Bedeutung stärker in Richtung öffentlicher Geldverwaltung. Georg Henisch beschrieb 1616 „Finantz“ als lateinisch pecunia publica und summa rei quaestoriae, also als öffentliche Gelder beziehungsweise Hauptsache der Quästoren.

Zahlungen an die Staatskasse wurden mit „finantia“ bezeichnet; daraus entwickelte sich die Bedeutung „Staatseinkünfte, Geldwesen des Staats“. Kaspar von Stieler definierte Finanzen 1695 als „Steuern, Einkommen einer königlichen und fürstlichen Kammer“. Die frühen Begriffe werden auf lateinisch finare („eine festgesetzte Abgabe bezahlen“) und finis („Ende“) zurückgeführt. In der heutigen Verwendung steht „Finanzen“ nicht mehr für Wucher, sondern neutral für Geldwesen, Finanzwirtschaft und Geldmittel.

Private Finanzplanung

Private Finanzplanung bezeichnet die Planung von Geldausgaben und Sparen von Privathaushalten unter Berücksichtigung möglicher zukünftiger Risiken. Dazu gehören Ausgaben für Bildung, die Finanzierung langlebiger Güter wie Immobilien und Kraftfahrzeuge, Versicherungen wie Kranken- und Sachversicherung, Investitionen und das Sparen für den Ruhestand. Auch Schuldendienst für einen Kredit oder die Aufnahme von Schulden können Teil persönlicher Finanzen sein.

Wichtige ökonomische Größen sind Einkommen, Ausgaben, Ersparnisbildung und Investieren. Einkommen sind Geldzuflüsse, Ausgaben sind Geldabflüsse. Ersparnisbildung bedeutet, einen Teil des Einkommens nicht sofort auszugeben. Investieren bedeutet, Geld in Vermögenswerte oder Projekte einzusetzen, von denen man später Nutzen oder Ertrag erwartet.

Das Financial Planning Standards Board nennt mehrere Punkte für sichere private Finanzplanung: Versicherungsverträge zum Schutz vor unvorhergesehenen Ereignissen, Verständnis der Auswirkungen der Steuerpolitik auf persönliche Finanzen, Verständnis der Auswirkungen von Verschuldung, Entwicklung eines Sparplans für große Investitionen wie Auto, Bildung oder Immobilien, Planung einer sicheren finanziellen Zukunft bei wirtschaftlicher Instabilität, Nachvollziehung eines Sparkontos sowie Vorbereitung auf den Ruhestand und langfristige Ausgaben. Dafür ist eine fundierte finanzielle Allgemeinbildung nötig.

Unternehmensfinanzierung

Unternehmensfinanzierung befasst sich mit den Finanzierungsquellen und der Kapitalstruktur von Unternehmen. Finanzierungsquellen sind Möglichkeiten, an Geld oder Kapital zu gelangen. Kapitalstruktur bezeichnet die Zusammensetzung aus Eigenkapital und Fremdkapital. Eigenkapital gehört den Eigentümern, zum Beispiel in Form von Aktien. Fremdkapital ist geliehenes Kapital, zum Beispiel durch Unternehmensanleihen.

Zur Unternehmensfinanzierung gehören auch Maßnahmen, mit denen Manager den Wert des Unternehmens für die Eigentümer steigern sollen. Außerdem umfasst sie Instrumente und Analysen, mit denen Finanzmittel verteilt werden. Kurzfristiges Finanzmanagement wird häufig als „Working Capital Management“ bezeichnet. Es bezieht sich auf Cash-, Inventar- und Schuldenmanagement, also auf flüssige Mittel, Lagerbestände und Verbindlichkeiten.

Langfristig geht es in der Unternehmensfinanzierung meist darum, Risiko und Rentabilität abzuwägen. Rentabilität bedeutet, wie lohnend ein Einsatz von Kapital ist. Ziel ist es, das Vermögen eines Unternehmens, den Netto-Cashflow und den Wert seiner Aktien zu maximieren. Netto-Cashflow ist der Geldüberschuss, der nach Ein- und Auszahlungen übrig bleibt.

Die Kapitalallokation hat drei Hauptbereiche: Kapitalbudgetierung, Dividendenpolitik und Kapitalbeschaffung. Kapitalbudgetierung bedeutet die Auswahl der Projekte, in die investiert werden soll. Dividendenpolitik entscheidet über die Verwendung von „überschüssigem“ Kapital. Kapitalbeschaffung klärt, welche Finanzierung genutzt wird, also Eigen- oder Fremdfinanzierung. Dadurch entsteht eine Verbindung zu Investmentbanken und zum Wertpapierhandel.

Öffentliche Finanzen

Öffentliche Finanzen umfassen sämtliche ökonomischen Aktivitäten eines Staates und seiner staatlichen Untergliederungen, die zu Einnahmen und Ausgaben führen. Dazu gehören zum Beispiel Bund, Länder, Gemeinden und andere öffentliche Einrichtungen. Öffentliche Finanzen haben normalerweise eine langfristige strategische Perspektive, besonders bei Investitionsentscheidungen, die öffentliche Einrichtungen betreffen. Solche langfristigen strategischen Perioden umfassen normalerweise fünf oder mehr Jahre.

Die öffentlichen Finanzen beschäftigen sich vor allem mit der Ermittlung der erforderlichen Ausgaben einer Einrichtung des öffentlichen Sektors, mit Einnahmequellen wie Steuern, Abgaben und Gebühren, mit Haushalts- und Budgetplanung sowie mit der Emission von Anleihen für öffentliche Projekte. Anleihen sind Schuldverschreibungen, mit denen sich ein Staat oder eine Kommune Geld leiht. Genannt werden Staatsanleihen, Landesanleihen, Kommunalanleihen und Kommunalobligationen.

Zentralbanken sind wesentliche Akteure im Bereich der öffentlichen Finanzen. Beispiele sind die Europäische Zentralbank und das Federal Reserve System in den USA. Sie fungieren als Kreditgeber letzter Instanz und haben großen Einfluss auf die Zins- und Kreditbedingungen in der Wirtschaft. Kreditgeber letzter Instanz bedeutet, dass sie in Krisensituationen wichtige Liquidität bereitstellen können.

Lernvideos zu Finanzen

Weiterlesen

Plural Der englische Plural auf -(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort für den „Arm“: Niederländisch: arm … Englische Sprache Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Finanzwirtschaft Finanzwirtschaft. Teil des wirtschaftlichen Geschäftsprozesses und gliedert sich in Investition, Finanzierung und Risikomanagement. Artikel · Diskussion. Unternehmen Ein Unternehmen (oder eine Unternehmung), auch Firma genannt, ist eine wirtschaftlich selbständige Organisationseinheit, die mit Hilfe von Planungs- und … Staat Im weitesten Sinn bezeichnet er eine politische Ordnung, in der einer bestimmten Gruppe, Organisation oder Institution eine privilegierte Stellung zukommt. Es … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Überproduktion Überproduktion (englisch over-production) ist in der Wirtschaft ein Produktionsvolumen, das die auf einem Markt vorhandene Nachfrage dauerhaft übersteigt. Inflation die Geldmenge zunimmt (Geldschöpfung), · die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, oder · die reale Produktion (das Handelsvolumen) sinkt. Zahlungsbilanz Die Zahlungsbilanz erfasst in der Volkswirtschaftslehre für eine bestimmte Rechnungsperiode wertmäßig alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Inland … Sozialismus Der Sozialismus (von lateinisch socialis ‚kameradschaftlich') ist neben dem Liberalismus und dem Konservatismus eine der drei großen politischen Ideologien, … Krankenversicherung Eine Krankenversicherung (KV) ist die Absicherung gegen die mit einer Erkrankung oder Verletzung verbundenen wirtschaftlichen Risiken. Investition Unter einer Investition (lateinisch investire ‚einkleiden') versteht man in der Wirtschaft allgemein den Einsatz von Kapital oder Sachgütern für einen …