Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Festung Akershus

Die Festung Akershus (norwegisch Akershus festning) ist eine historisch wichtige Anlage im Herzen der norwegischen Hauptstadt Oslo. Sie befindet sich auf …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Entstehung und mittelalterliche Burg
  3. 3. Umbau zur Feuerwaffenfestung und zum Schloss
  4. 4. Ausbau, Stadt Christiania und spätere Entwicklung
  5. 5. Zweiter Weltkrieg und heutige Erinnerung
  6. 6. Wichtige Bauten und Nutzungen

Bedeutung und Aufbau

Die Festung Akershus (norwegisch Akershus festning) ist eine um 1300 gegründete historische Burg- und Festungsanlage in Oslo. Sie liegt auf der Halbinsel Akersneset am Oslofjord und prägt als Landmarke das Stadtbild. Akershus wurde in seiner Geschichte neunmal belagert, im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt und lange als Landesgefängnis genutzt.

Heute nutzt die norwegische Regierung die prunkvollen Schlossräume für Repräsentationszwecke. In der Anlage befinden sich das Norges Hjemmefrontmuseum zur norwegischen Widerstandsbewegung und das Forsvarsmuseet zur Militärgeschichte. Das äußere Gelände Hovedtangen dient weiterhin dem Militär, zugleich aber als Grün- und Freizeitfläche.

Die Anlage gliedert sich in drei Bereiche: das Schloss um den Burghof, die innere Bastionsfestung und das äußere Festungsgebiet. Die Bastionsfestung entstand Ende des 16. Jahrhunderts als Schutz gegen stärker werdende Feuerwaffen. Eine Bastion ist ein vorspringender, meist vieleckiger Festungsteil für Geschütze; Kurtinen sind die verbindenden Mauern zwischen Bastionen. Von den äußeren Erdwällen sind heute große Teile verschwunden.

Entstehung und mittelalterliche Burg

Der genaue Gründungszeitpunkt ist nicht überliefert; wahrscheinlich entstand die Burg zwischen 1287 und 1300, möglicherweise auf dem Platz einer älteren Wehranlage. Erstmals erwähnt wurde sie 1300, als König Håkon V. ein Dokument der Mariakirche dort aufbewahren ließ. Håkon V. wird der Bau zugeschrieben.

Die mittelalterliche Burg nutzte die Lage auf einem Felssporn: Im Süden und Westen schützte die steile Felskante zum Oslofjord, im Norden und Osten hohe Ringmauern. Zu ihr gehörten unter anderem Vågehalstårnet, Nordfløyen, Sydfløyen, Romeriksfløyen und Skriverstuefløyen. Der Jomfrutårnet war mit Zugbrücke der Hauptzugang. Der abgewinkelte Mørkegang war durch Tore und Fallgitter gesichert; wegen seines Winkels konnte kein Rammbock hindurchgeführt werden. Der versteckte Lønngang verlief in den drei Meter dicken Mauern und ermöglichte Wachen eine schnelle interne Verbindung.

Akershus war nötig, weil Konflikte zwischen König und Adel sowie Grenzstreitigkeiten mit Schweden neue Befestigungen verlangten. Håkon V. ließ auch Vardøhus und Båhus bauen und verstärkte Tunsberghus. Die Burg wurde zugleich königliche Residenz: Håkon V. verlegte seinen Regierungssitz nach Oslo, sodass Akershus Bergenhus als Königssitz ablöste.

Sie widerstand 1308 der Belagerung durch den schwedischen Herzog Erik Magnusson. Weitere erfolglose Belagerungen folgten 1338 und während des Thronfolgestreits um 1450. 1502 nahm Knut Alvsson Akershus kurz ein, wurde aber bei Verhandlungen mit Henrik Krummedike getötet; danach erhielt der frühere Kanniketårnet den Namen Knutstårnet.

Umbau zur Feuerwaffenfestung und zum Schloss

Im 16. Jahrhundert machte die Artillerie die hohen mittelalterlichen Mauern zunehmend unzureichend. Ein Blitzbrand von 1527 zerstörte große Teile der Burg, darunter Nordfløyen, Vestfløy, Knutstårnet und Fadeburet; der Vågehalstårnet wurde so stark beschädigt, dass sein oberer Teil etwa 30 Jahre später abgetragen wurde.

1531 bis 1532 belagerte der abgesetzte König Christian II. Akershus. Sein Heer umfasste zunächst 6.000–7.000 Mann, verlor aber auf der Überfahrt viele Schiffe und Menschen. Hauptmann Mogens Gyldenstjerne verteidigte die schlecht versorgte Burg zunächst mit nur 20–30 Mann. Dänisch-hanseatische Verstärkung traf schließlich mit 6.000 Mann ein; Christian II. musste sich ergeben und saß anschließend 27 Jahre in Kopenhagen in Haft.

Peder Hansen Litle und danach Christen Munk bauten die Burg aus: Wehrgänge, Nordfløyen und Knutstårnet wurden erneuert, der Jomfrutårnet und Sydfløyen erhöht und der Munkstårnet als Kanonenturm errichtet. Während des Dreikronenkriegs hielten die Verteidiger 1567 einer schwedischen Belagerung stand. Die schwedischen Truppen zogen sich nach schweren Kämpfen zurück, brannten aber die verbliebene Stadt Oslo nieder.

Nach 1567 plante Hans van Pæschen landseitige Erdwälle mit Dronningens- und Kongens batteri. Hans van Steenwinkel entwickelte ab 1592 ein Bastionssystem nach italienischem Vorbild. Erdwälle hinter den Mauern sollten Kanonentreffer abfangen; Gräben erschwerten Angriffe. Weil Akersneset ungünstig geformt war, konnten nur drei Bastionen und eine Halbbastion ideal ausgebildet werden.

Ausbau, Stadt Christiania und spätere Entwicklung

Unter Christian IV. wurden die Festungsarbeiten ab 1616 fortgesetzt und die Burg zugleich zum Renaissanceschloss umgestaltet. Romeriksfløyen und Skriverstuefløyen wurden neu errichtet; im Sydfløyen entstanden Kongens sal und Dronningens sal mit Goldledertapeten, Marmorkaminen und zeitgemäßen Möbeln.

Nach einem Stadtbrand ließ Christian IV. 1624 Oslo nördlich der Festung als Christiania neu anlegen. Das rechtwinklige Straßennetz mit 24 Alen, etwa 15 Meter, breiten Straßen sollte Brände hemmen. Die Nähe zur Festung hatte militärische Bedeutung: Die Stadt war besser zu verteidigen und konnte Angreifern nicht mehr als Unterschlupf dienen. Die innere Festung war mit der Fertigstellung der Prins Carl Bastion zwischen 1644 und 1646 nahezu abgeschlossen. Danach wurden auch Hovedtangen und weitere Außenwerke ausgebaut.

1716 griff Karl XII. Christiania mit 10.000 Mann an. Akershus war mit über 3.000 Verteidigern zu stark für einen Sturmangriff. Die schwedische Belagerung beschädigte die Festung kaum; nachdem eine dänische Flotte die Versorgungslinie unterbrochen hatte, trat Karl XII. am 29. April den Rückzug an. Um 1750 erreichte Akershus mit der Den nye Tenalje seine größte Ausdehnung.

Das Schloss verfiel im 18. Jahrhundert teilweise, wurde aber ab 1738 auf Initiative Michael von Sundts gesichert und restauriert. Nach der Union mit Schweden wurden Festungsteile ab 1815 stillgelegt und abgetragen. Gegen einen vollständigen Verfall regte sich Widerstand. Wilhelm von Hanno und Heinrich Ernst Schirmer leiteten 1858–1870 Ausbau und Rekonstruktion. Weitere große Restaurierungen begannen nach einem Parlamentsbeschluss von 1896; sie dauerten, mit Unterbrechung 1940–1945, bis etwa 1960. Die letzte Sanierung fand 2010 statt.

Zweiter Weltkrieg und heutige Erinnerung

Von 1940 bis 1945 nutzte die deutsche Besatzungsmacht Akershus als Gefängnis für politische Häftlinge. Über 40 Menschen wurden an der Hinrichtungsstätte erschossen, darunter der Matrose Walter Gröger. Am 1. Februar 1942 erhielt der norwegische Faschistenführer Vidkun Quisling in der Festung den Titel „Staatspräsident“.

Nach Kriegsende wurde Quisling in Akershus hingerichtet, am 24. Oktober 1945 durch ein Erschießungskommando. Auch Albert Viljam Hagelin, Ragnar Skancke und deutsche Kriegsverbrecher wie der Osloer Gestapo-Chef Siegfried Fehmer, der am 16. März 1948 erschossen wurde, wurden dort hingerichtet. Der Richtplatz Retterstedet erinnert mit einem 1949 eingeweihten Mahnmal an die Opfer; dort werden jährlich Kränze niedergelegt.

Nach dem Krieg wurde das Schloss wieder für Staatsfeste verwendet. Die Nordhalle wurde 1975 als Olavshalle fertiggestellt. 1978 fand die Übergabe des Friedensnobelpreises an Menachem Begin wegen heftiger Proteste in Akershus statt.

In der Krypta der Schlosskirche liegt das königliche Mausoleum. Es enthält zwei Marmorsärge mit den ersten beiden Königspaaren nach der Unabhängigkeit Norwegens von 1905: Maud von Großbritannien und Irland und Haakon VII. sowie Kronprinzessin Märtha und Olav V. Nach dem Artikel wurde Harald V. im September 2026 zunächst allein beigesetzt. Außerdem sind die Gebeine Sigurds I. sowie die Schädel Håkons V. und Königin Eufemias in der Krypta eingemauert.

Wichtige Bauten und Nutzungen

Das Schloss bewahrt viele mittelalterliche Bauteile, wurde aber nach dem Brand von 1527 und besonders im 20. Jahrhundert umgestaltet. Die Restaurierung sollte keine vollständig historisch genaue Burg des Mittelalters oder der Renaissance schaffen, sondern verband historische Quellen mit moderner Interpretation; ihr Hauptthema war die Renaissance.

Der um 1300 angelegte Nordfløyen enthielt die Königshalle und königliche Gemächer. Der Vågehalstårnet war ursprünglich ein 20 Meter hoher zentraler Verteidigungsturm. Fadebursfløyen bewahrte wahrscheinlich königliches Archiv und Wertsachen; sein Keller diente als Münzlager. Sydfløyen enthielt den früheren Zugang durch den Mørkegang, später Kirche, Gefängniszellen und Räume des höchsten Gerichtshofs. Der Jomfrutårnet war zunächst Torturm und erhielt unter Christian IV. den repräsentativen Prinzensaal.

Zu den wichtigen Verteidigungswerken gehören Dronningens batteri und Kongens batteri, die zusammen als Store voll bezeichnet werden, die doppelte Batterie sowie die Bastionen Skarpenort, Kronprinsens und Prins Carls. In Kasematten, also gedeckten Geschützräumen, standen Kanonen zum Schutz der Mauern. Von Skarpenort werden bei festlichen Anlässen noch Salutschüsse abgefeuert.

Die Festung war außerdem lange Gefängnis- und Versorgungsort. Das Kornmagasin wurde ab 1820 Landesgefängnis mit Platz für 150 Insassen; zwei Gefangene mussten ursprünglich ein Bett teilen. Die Fengselkirken wurde 1866 fertiggestellt. Gebäude wie Store Provianthus, Lille Provianthus, Bäckerei und verschiedene Pulver- und Lagerhäuser zeigen die Bedeutung von Versorgung, Haft und Militärverwaltung.

Weiterlesen

Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Repräsentation (Politik) Der Begriff der politischen Repräsentation ist also doppeldeutig: Er beschreibt einerseits normativ oder empirisch anzunähernde Vorgänge und Institutionen in … Deutsche Sprache Die heutige deutsche Standardsprache entwickelte sich überwiegend aus den hochdeutschen Dialekten und fungiert als überregionale Dachsprache für sowohl hoch- … Herzog Herzog (althochdeutsch herizogo, lateinisch dux, ursprünglich Führer, Heerführer im Kriege) ist ein Adelstitel. Im Französischen entspricht er dem duc, … Aristokratie Aristokratie – veraltet auch Bestherrschaft – bezeichnet in der Politikwissenschaft die Herrschaft einer kleinen Gruppe besonders befähigter Individuen, … Exil Exil. Abwesenheit von der eigenen Heimat aufgrund Ausweisung, Verbannung, Vertreibung, Ausbürgerung, Zwangsumsiedlung, religiöser oder politischer Verfolgung. Niederlande Die Niederlande (niederländisch und friesisch Nederlân, Singular, auf Deutsch informell auch Holland) sind eines der vier autonomen Länder des Königreiches … Karl V. (HRR) Nach dem frühen Tod seines Vaters Philipp I. von Kastilien wurde Karl im Jahr 1506 Landesherr der Burgundischen Niederlande, bestehend aus elf Herzogtümern und … Steuer Als Steuer wird eine Geldleistung ohne Anspruch auf konkrete Gegenleistung bezeichnet, die ein öffentlich-rechtliches Gemeinwesen allen auferlegt, die einen … Nordsee Die Gezeiten werden durch die Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst, da die Nordsee selbst zu klein und zu flach ist, um eine nennenswerte Tide … Schottland Schottland besteht aus dem nördlichen Drittel der größten europäischen Insel Großbritannien sowie mehreren Inselgruppen und hat etwa 5,5 Millionen Einwohner. Hansestadt Eine Hansestadt hatte sich dem mittelalterlichen Kaufmanns- und Städtebund der Hanse angeschlossen. Darunter waren vor allem Hafenstädte in den …