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Fester Platz Verdun

Nur im Ersten Weltkrieg hauptsächlich während der Schlacht um Verdun 1916 betroffen, wurden die Befestigungsanlagen nach dem Ende der Kämpfe mehr oder weniger …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung, Lage und Aufgabe
  2. 2. Aufbau und Bewaffnung
  3. 3. Bau und Modernisierung bis 1914
  4. 4. Erster Weltkrieg und Schlacht um Verdun
  5. 5. Entwicklung nach 1918

Bedeutung, Lage und Aufgabe

Der Feste Platz Verdun war eine strategische Verteidigungsanlage in Ostfrankreich mit Verdun im Département Meuse als Zentrum. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hieß er Verschanztes Lager Verdun, später Fester Platz Verdun und ab August 1915 Befestigte Region Verdun. In dieser erweiterten Form umfasste er alle Forts und Verteidigungsanlagen auf den Höhen der Maas. Die Anlage gehörte zu den wichtigsten Befestigungen des französischen Système Séré de Rivières.

Ihre Hauptaufgabe war, bedeutende Verkehrswege zu kontrollieren, eine Invasion zu blockieren oder zumindest den feindlichen Vormarsch aufzuhalten. In Verdun kreuzten sich die Ost-West-Verbindung zwischen Metz und Paris und die Nord-Süd-Verbindung zwischen Stenay und Saint-Mihiel. Hinzu kamen Straßen nach Bar-le-Duc und Saint-Dizier – darunter die später als „Voie sacrée“ bekannte Strecke – sowie nach Étain und Longwy. Eisenbahnlinien, die Maas und der parallel verlaufende Canal de l’Est machten Verdun zusätzlich zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Vertrag von Frankfurt lag die neue Grenze nur 44 Kilometer östlich von Verdun. Da Metz nun zum Deutschen Reich gehörte, wurde Verdun zur wichtigsten französischen Sperrfestung auf dem direkten Weg von Metz nach Paris. Im Norden ergänzten kleinere Befestigungen zwischen Verdun und den Ardennen die Verteidigung; im Süden war Verdun durch einen Befestigungsvorhang mit Toul verbunden.

Aufbau und Bewaffnung

Von 1874 bis 1914 entstand um die ältere Stadtumwallung und die Zitadelle eine Gürtelfestung aus zwei Ringen. Sie bestand aus Forts, Ouvrages genannten Zwischenwerken, betonierten Infanteriestützpunkten, geschützten Batteriestellungen und Abris de combat, also Schutzbauten für Infanterie. Der äußere Ring, die „ligne principale“, hatte einen Umfang von 43 Kilometern; der innere Unterstützungsring, die „ligne de soutien“, umfasste 25 Kilometer. Eine 50 Kilometer lange vorgeschobene Beobachtungslinie bestand aus kleinen Infanteriestützpunkten.

1914 umfasste der Feste Platz 28 Forts und Ouvrages, von denen 23 mehr oder weniger modernisiert waren. Zur gepanzerten Bewaffnung gehörten sechs versenkbare Türme des Typs Tourelle Galopin de 155 mm R modèle 1907 mit je einer 155-mm-Kanone, 14 Türme des Typs Tourelle de 75 mm R modèle 1905 mit je zwei 75-mm-Kanonen, 23 Casemates de Bourges mit je zwei 75-mm-Kanonen sowie 29 Maschinengewehrtürme. Für die Grabenverteidigung standen 211 Kanonen, 210 Mitrailleusen und 86 Glattrohrmörser bereit. Zwischen den Werken lagen 118 Artilleriebatterien mit insgesamt 670 Geschützen, überwiegend Canons de 120 mm L modèle 1878 und Canons de 155 mm L modèle 1877. Pro Geschütz waren 800 Granaten eingelagert; der Gesamtbestand betrug 611.000 Granaten.

Das Kernwerk war die Zitadelle innerhalb der Stadtumwallung. Ihr beschusssicheres Netz unterirdischer Galerien diente als zentrales Lager. Die äußeren Anlagen gliederten sich in die Sektoren Nordost, Südost und links der Maas. Besonders bedeutend waren unter anderem Douaumont und Vaux im Nordosten, Moulainville und Rozelier im Südosten sowie Bois-Bourrus und das moderne Fort de Vacherauville links der Maas. Fort de Vacherauville, erbaut von 1910 bis 1914, galt 1914 als einziges wirklich modernes französisches Fort.

Bau und Modernisierung bis 1914

Nach dem Abzug der letzten deutschen Besatzungstruppen am 13. September 1873 besetzten französische Truppen die Höhen um Verdun. Général Séré de Rivières legte am 15. November 1873 einen Plan für 13 detachierte, also von der Stadt getrennte Forts vor. Nach der Bewilligung der Gelder am 17. Juli 1874 begannen im Dezember die Erdarbeiten am Fort de Tavannes. Wegen der Angst vor einem neuen Krieg entstanden ab Februar 1875 zusätzlich fünf „Panik-Redouten“: Belleville, Saint-Michel, Belrupt, Regret und La Chaume. Der erste Verteidigungsring war 1877 fertig; bis in die 1880er Jahre folgte ein zweiter Ring. Die bis 1885 ausgeführten Arbeiten kosteten insgesamt 28.000.000 Francs.

Die zunächst gemauerten und mit Erde bedeckten Werke wurden durch neue Sprengstoffe und Geschosse schnell verwundbar. Brisanzgranaten, Schrapnelle, rauchloses Pulver, Melinit und Cordit erhöhten die Durchschlagskraft erheblich. Diese Entwicklung wurde in Frankreich „crise de l’obus-torpille“ genannt. Eine Anordnung vom 22. Juli 1887 verlangte deshalb, offen stehende Geschütze aus den Forts abzuziehen und in 42 Intervallbatterien zwischen den Werken einzusetzen. Munition und Pulver kamen in unterirdische Magazine. Mehrere Forts erhielten über einer 1 Meter starken Sandschicht eine 2,5 Meter dicke Betondecke. Zwischenwerke schlossen die zu großen Abstände zwischen den älteren Forts. Von 1895 bis 1897 wurde in Verdun außerdem mit Stahlbeton experimentiert.

Ein Modernisierungsprogramm vom 1. Juli 1900 brachte Infanteriestützpunkte, stärkere Betondecken, 46 versenkbare Geschütz- und Maschinengewehrtürme, 47 gepanzerte Beobachtungskuppeln und 23 Casemates de Bourges. Die Decken wurden mit 1,2 bis 1,8 Meter Beton verstärkt; bei neuen Infanteriestützpunkten bestand die Decke aus 1,7 Meter armiertem Beton. Ein Ergänzungsprogramm von 1909 sah weitere Türme und zehn Widerstandszentren vor, war bei Kriegsbeginn jedoch erst angelaufen. Zwei Projekte, das Ouvrage de Bras und eine Batterie östlich von Douaumont mit zwei kurzen 155-mm-Kanonen, wurden 1914 aufgegeben.

Erster Weltkrieg und Schlacht um Verdun

Ende Juli 1914 wurden die zuvor meist leeren Werke besetzt. Bis zum 9. August stieg die Stärke in Verdun von neun auf 34 Infanteriebataillone, von neun auf 35 Artilleriebatterien und von drei auf acht Pionierkompanien; hinzu kamen zwei Kavallerie-Escadrons und eine Fliegerkompanie. Verdun half zunächst, den französischen Aufmarsch nach Plan XVII zu decken. Der deutsche Aufmarschplan sah dagegen vor, stark befestigte Orte wie Verdun nördlich durch Belgien zu umgehen.

Nach der Einnahme von Saint-Mihiel und des Fort du Camp-des-Romains im September 1914 wurden wichtige Straßen-, Bahn- und Kanalverbindungen unterbrochen. Verdun war dadurch schwerer zu versorgen. Weil überschwere deutsche Artillerie andere Festungen zerstört hatte und Verdun zunächst weiter von der Front entfernt lag, wurden seine Besatzungen ab Oktober 1914 reduziert. Im August 1915 folgten die Auflösung der Arsenale und die weitgehende Entwaffnung der Forts und festen Batterien. Nur die Geschütztürme behielten ihre Kanonen, allerdings mit wenig Munition. Die Besatzung von Fort Douaumont sank beispielsweise von 751 aktiven Soldaten auf 58 Territorialtruppen.

Ende 1915 beschloss die deutsche Führung unter Erich von Falkenhayn eine große Schlacht bei Verdun. Für den Angriff wurden 1220 Geschütze konzentriert, darunter 17 Mörser mit 30,5 cm, drei Langrohrgeschütze 38 cm SK L/45 und 13 Haubitzen mit 42 cm. Die Offensive begann am 21. Februar 1916. Fort Douaumont fiel am 25. Februar kampflos; Fort Vaux wurde nach Kämpfen vom 1. bis 7. Juni erobert. Das Ouvrage de Thiaumont wechselte mehrfach den Besitzer. Angriffe auf Froideterre am 23. Juni und auf Souville am 11. Juli wurden abgewehrt. Im Herbst eroberten die Franzosen Thiaumont und Douaumont am 24. Oktober zurück; Vaux wurde am 2. November kampflos wieder besetzt.

Die Artilleriewirkung war gewaltig. Allein im deutschen Trommelfeuer vom 21. und 22. Februar wurden 2.000.000 Granaten verschossen. Die Franzosen feuerten zwischen Februar und September 23.000.000 Granaten ab, darunter 16.000.000 vom Kaliber 75 mm. Schwere Treffer durchschlugen teilweise die Betondecken und brachten darunterliegende gemauerte Gewölbe zum Einsturz; manche Wirkungen reichten bis 14 Meter Tiefe. Besatzungen litten unter Wassermangel und Sprenggasen. Dennoch boten moderne und teilweise auch ältere Werke Schutz, Verpflegung und Munition. Der 155-mm-Turm von Moulainville verschoss von Februar bis September 5833 Granaten, daneben wurden dort 11.800 75-mm-Granaten abgefeuert.

Ab 1916 entstanden im Rahmen der „Arbeiten von 1917“ tiefere Galerien, gedeckte Eingänge, Traversen mit Schießscharten und kleine Casemates Pamart für Maschinengewehre. 26 Forts oder Ouvrages einschließlich der Zitadelle wurden verbessert. Unter Moulainville erreichten die Galerien 2070 Meter, unter Rozelier 1480 Meter und unter Vaux 1385 Meter. Nach der französischen Offensive im August 1917, der Beseitigung des Frontvorsprungs von Saint-Mihiel am 12. und 13. September 1918 und der Maas-Argonnen-Offensive vom 26. September bis 11. November 1918 schied Verdun endgültig aus dem Kampfgeschehen aus.

Entwicklung nach 1918

Am Kriegsende waren besonders die nordöstlichen Befestigungen schwer beschädigt oder teilweise pulverisiert. Dennoch blieben die meisten Geschütztürme – mit Ausnahmen in Vacherauville und Vaux – sowie fast alle unterirdischen Galerien brauchbar. Wegen ihres Alters und ihrer Lage nach der neuen Grenzziehung wurden die Anlagen 1926 herabgestuft. In den 1930er Jahren verstärkte man einzelne Bauteile mit Beton und setzte zwischen 1937 und 1939 die Türme von Fort Douaumont wieder instand. Verdun lag nun jedoch hinter der Maginot-Linie und bildete nur noch die zweite Verteidigungsreihe.

Im Juni 1940 sollte Verdun nicht dauerhaft verteidigt werden. Am 15. Juni drangen deutsche Truppen in die Stadt ein. Einige Anlagen, darunter Douaumont, Dugny, Rozelier und Froideterre, feuerten noch kurz, um den Vormarsch zu verzögern. 1944 führte die US Army im Fort de Choisel Sprengversuche durch, bei denen drei Beobachtungskuppeln und drei Geschütztürme zerstört wurden.

Heute können Fort Douaumont, Fort Vaux und das Ouvrage de La Falouse besichtigt werden; La Falouse ist seit 2010 zugänglich. Das Ouvrage de Froideterre ist frei zugänglich. Von Thiaumont und dem Infanteriestützpunkt FT1, auch PC 119 genannt, sind nur Reste erhalten. Der Zugang zu anderen Werken ist streng verboten: Manche werden noch militärisch genutzt, andere sind einsturzgefährdet und enthalten Schutt, verrosteten Stacheldraht und offene oder beschädigte Schächte. Zusätzlich machen zahlreiche Blindgänger das Gelände gefährlich.

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