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Wortfeld

Unter Wortfeld versteht man in der Sprachwissenschaft allgemein eine Gruppe von bedeutungsähnlichen bzw. bedeutungsverwandten Wörtern.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Definitionen und Merkmale
  3. 3. Rezeption und Kritik
  4. 4. Merkmalanalyse am Beispiel Sterben
  5. 5. Arten von Wortfeldern
  6. 6. Sprachvergleich

Grundidee

Ein Wortfeld ist in der Sprachwissenschaft allgemein eine Gruppe von bedeutungsähnlichen oder bedeutungsverwandten Wörtern. Fast gleichbedeutende Ausdrücke sind lexikalisches Feld, Bedeutungsfeld, Begriffsfeld, Sinnbezirk und semantisches Feld. Diese Bezeichnungen bilden selbst ein Wortfeld. In der neueren Lexikologie wird auch von einem Synset gesprochen, wenn es um bedeutungsähnliche Wörter geht.

Jost Trier etablierte den Begriff 1931 in der Sprachwissenschaft. Er verstand darunter eine Gruppe von sinnverwandten Wörtern einer Sprache, deren Bedeutungen sich gegenseitig begrenzen und die lückenlos einen bestimmten begrifflichen Bereich abdecken sollen.

Definitionen und Merkmale

Nach Kühn ist ein Wortfeld ein „lexikalisch-semantisches Paradigma“, das durch ein gemeinsames semantisches Merkmal zusammengehalten wird. Lexeme, also bedeutungstragende Wörter oder Wortbestandteile, stehen darin durch bestimmte semantische Merkmale in Opposition zueinander und bilden ein Netz semantischer Beziehungen.

Nach Wunderlich ist ein paradigmatisches lexikalisches Feld eine Menge von Wörtern oder Ausdrücken mit ähnlicher Bedeutung. Sie gehören zur selben grammatischen Kategorie und können in Sätzen füreinander eingesetzt, also substituiert, werden, ohne dass sich die Bedeutung wesentlich ändert. Oft kann das Feld durch einen einzigen Begriff der betreffenden Sprache beschrieben werden.

Wichtige Eigenschaften eines Wortfeldes sind Geordnetheit, Wechselbestimmtheit der einzelnen Inhalte, Vollständigkeit, also keine leeren Stellen, und Wohlgeschiedenheit gegenüber anderen Feldern. Diese Beschreibung gilt jedoch eher als idealtypisch. Auer definiert ein Wortfeld als Menge teilweise bedeutungsverwandter Wörter, die den Bestand an Bezeichnungen für ein Bedeutungsspektrum in einer Sprache repräsentieren und durch einfache inhaltsunterscheidende Merkmale in Opposition zueinander stehen.

Rezeption und Kritik

Der Feldbegriff knüpft an Wilhelm von Humboldts Grundvorstellung an, dass die „Gliederung das allgemeinste und tiefste Merkmal aller Sprache“ sei. Der Ausdruck Wortfeld wurde 1924 von Gunther Ipsen eingeführt und 1931 von Jost Trier in seiner Habilitationsarbeit „Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes“ prägend übernommen. Leo Weisgerber baute die Wortfeldtheorie im Rahmen seiner „Inhaltbezogenen Sprachwissenschaft“ weiter aus. Nach Ansicht einiger Autoren kann sie als Vorläufer der strukturellen Semantik gelten.

Kritisiert wurde die Wortfeldtheorie, weil sie eher intuitiv und weniger auf expliziten Regeln aufgebaut sei. Außerdem gilt die objektive Festlegung der Feldgrenze als Problem. Die philosophische Deutung der Felder als „sprachliche Zwischenwelt“ wurde stark kritisiert. Später wurde die Wortfeldtheorie durch strukturalistische Arbeiten zur semantischen Komponentenanalyse formalisiert. Wortfelder dienen der Analyse semantischer Relationen zwischen Lexemen und als Mittel zur Beschreibung lexikalischer Teilsysteme.

Merkmalanalyse am Beispiel Sterben

Eine wichtige Methode zur Ordnung und Differenzierung von Wortfeldern ist die Merkmalanalyse. Der Begriff geht auf Bernard Pottier (1963) zurück. Dabei wird ein allgemeines Lexem durch unterscheidende Merkmale genauer bestimmt.

Das bedeutungsunspezifische Lexem „sterben“ kann zum Beispiel nach Ursachen und Umständen gegliedert werden. Bei äußerlich verursachtem Sterben stehen etwa „umkommen“ sowie Untergruppen wie Tod durch Krankheit und Verletzung, durch Mangel oder durch Einwirkung. Dazu gehören Beispiele wie „fallen“ im Krieg, „erliegen“ durch Krankheit und Verletzung, „verröcheln“ bei qualvollem Sterben, „verhungern“ bei Mangel an Nahrung, „verdursten“ bei Mangel an Flüssigkeit, „ersticken“ bei Mangel an Luft, „verbluten“ bei Mangel an Blut, „erfrieren“ durch Kälte, „verbrennen“ durch Feuer und „ertrinken“ durch Wasser. Für qualvolles Sterben wird außerdem „zugrunde gehen“ genannt.

Diese Analyse ähnelt der Generativen Semantik von Jerry Fodor, George Lakoff, James McCawley und anderen, die die Wortfeldtheorie und Weisgerbers Positionen jedoch nicht rezipiert haben.

Arten von Wortfeldern

Man unterscheidet geschlossene und offene Wortfelder. Geschlossene Wortfelder haben einen klar begrenzten Bestand; Beispiele sind Wochentage oder Monatsnamen. Ein offenes Wortfeld ist weniger fest abgeschlossen; als Beispiel wird das Wortfeld der Farbnamen genannt.

Eine besondere Form sind syntagmatische lexikalische Felder. Ein solches Feld besteht aus einem Paar von Wörtern oder Ausdrücken, die in einer syntaktischen Konstruktion aufeinanderfolgen und stets aufeinander bezogen sind. Die Wörter in den Paaren gehören zur selben grammatischen Kategorie und zum selben paradigmatischen Feld. Beispiele aus dem Bereich Tierlaute sind Hund/bellen, Löwe/brüllen, Hirsch/röhren und Frosch/quaken.

Sprachvergleich

Beim Vergleich zweier Sprachen zeigt sich regelmäßig, dass Wortfelder oft unterschiedlich gegliedert und unterschiedlich dicht besetzt sind. Deshalb gibt es zwischen Sprachen häufig nur Teilentsprechungen oder gar keine Entsprechungen. Das bedeutet: Ein Wort aus einer Sprache lässt sich im Wortfeld einer anderen Sprache nicht immer genau durch ein einzelnes gleichwertiges Wort wiedergeben.

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