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Erich Drach

In seinen Grundgedanken der deutschen Satzlehre, die 1937 postum erschienen, formulierte Drach das Feldermodell des deutschen Satzes. An Krebs erkrankt …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und fachlicher Schwerpunkt
  2. 2. Ausbildung und frühe Laufbahn
  3. 3. Aufbau der Sprecherziehung
  4. 4. Fachorganisationen und Satzlehre
  5. 5. Politische Entwicklung und Konflikte nach 1933
  6. 6. Wichtige Veröffentlichungen

Bedeutung und fachlicher Schwerpunkt

Erich Drach (* 26. April 1885 in München; † 15. Juli 1935 in Berlin) war ein deutscher Germanist. Er gilt als Begründer der Sprecherziehung als eigener Disziplin und als einer der wichtigsten Wegbereiter der heutigen Sprechwissenschaft. Sprecherziehung bedeutet hier die wissenschaftlich und praktisch angeleitete Ausbildung des Sprechens, etwa in Stimme, Aussprache, Vortrag und Rede.

Drachs Arbeit verband Germanistik, Theaterpraxis, Stimmphysiologie und Unterricht. Sein zentrales Leitwort lautete: „Erziehung zum Sprechen durch das Sprechen“. Damit meinte er, dass gutes Sprechen nicht nur theoretisch gelernt, sondern durch angeleitete Sprechpraxis ausgebildet werden sollte.

Ausbildung und frühe Laufbahn

Drach war ein Sohn des Schauspielerpaares Anna Maria und Emil Drach. 1903 erlangte er am Königlichen Maximiliansgymnasium in München die Hochschulreife. Danach studierte er Deutsche Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1908 promovierte er bei Franz Muncker mit einer Dissertation über Ludwig Tiecks Bühnenreform.

Im selben Jahr heiratete er Maria Streibl in München. Anschließend besuchte er die Schauspielschule Max Reinhardts. Bis 1914 spielte er als erster Held an den Theatern Heidelberg, Oldenburg und Lübeck. Aus dem Frontdienst im Ersten Weltkrieg wurde er nach kurzer Zeit wegen eines Herzleidens entlassen. Danach beschäftigte er sich bei dem HNO-Arzt und Stimmphysiologen Theodor Flatau mit Anatomie und Physiologie von Stimme und Sprache.

Aufbau der Sprecherziehung

Ab 1915 unterrichtete Drach als Oberlehrer an Gymnasien in Bayern und Preußen. Außerdem leitete er am neu eröffneten Berliner Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht das Seminar für Berufssprecher. 1917 wurde seine erste Ehe geschieden; im selben Jahr heiratete er in Breslau die Opernsängerin Margareta Valeska Martini. Aus beiden Ehen hatte er jeweils einen Sohn.

1917 wurde Drach als Nachfolger Emil Milans Lektor für Sprechkunde und Vortragskunst an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 1920 gründete er zusammen mit Friedrich Buch, Albert Fischer, Ewald Geißler, Martin Seydel und Richard Wittsack die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich gebildeten Fachvertreter der Stimmkunde, Vortragslehre und Sprachkunst. Von 1922 bis 1933 war er außerdem außerordentlicher Lehrer für Sprechkunde an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik Berlin.

1922 veröffentlichte Drach das Buch „Sprecherziehung“, das bis 1953 in 12 Auflagen erschien. Er arbeitete an den Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens mit, in denen verbindliche Sprecherziehung gefordert wurde. 1925 zog er sich aus der Arbeit am Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht zurück und übergab die Leitung der dortigen Sprecherziehung an seinen Schüler Hans Lebede.

Fachorganisationen und Satzlehre

Drach war auch an internationalen und deutschen Fachorganisationen beteiligt. Beim II. Internationalen Kongress für Logopädie und Phoniatrie im Juli 1926 in Wien gehörte er dem Präsidium an. Danach war er Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Logopädie und Phoniatrie. Logopädie befasst sich mit Störungen von Sprache, Sprechen und Stimme; Phoniatrie ist ein medizinisches Fachgebiet für Stimme, Sprache und Schlucken.

Zum 1930 von Walther Hofstaetter und Ulrich Peters herausgegebenen „Sachwörterbuch der Deutschkunde“ trug Drach mehrere Artikel bei. Er initiierte eine vom Zentralinstitut getragene Tagung zu „Stimme und Sprache“, die im November 1930 in Berlin stattfand. Im Anschluss daran fand die erste Sitzung des Deutschen Ausschußes für Sprechkunde und Sprecherziehung (DAfSuS) statt. Drach war bis 1933 dessen 1. Vorsitzender. Der Ausschuss bot eine „Prüfung für freiberufliche Sprecherzieher“ an und war die Vorläuferorganisation der heutigen Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS). Außerdem wirkte Drach im Beraterausschuss für Theodor Siebs’ „Deutsche Bühnenaussprache“ mit.

In seinen „Grundgedanken der deutschen Satzlehre“, die 1937 postum erschienen, formulierte Drach das Feldermodell des deutschen Satzes. Dieses Modell beschreibt die Struktur deutscher Sätze mithilfe von Feldern, also festen Bereichen im Satz.

Politische Entwicklung und Konflikte nach 1933

Drach war von 1923 bis etwa 1931 Mitglied der SPD. Bei der Reichstagswahl im Juli 1932 wählte er nach eigenen Angaben erstmals die NSDAP. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat er zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei; seine Mitgliedsnummer war 3.065.569.

Im Juni 1933 wurde Drach Leiter der Arbeitsstelle für Deutsche Sprachpflege in der Abteilung Kultur des SS-Rasse- und Siedlungshauptamts. Sein Fachkollege Maximilian Weller, ebenfalls Gründungsmitglied des DAfSuS und seit 1931 NSDAP-Mitglied, wurde Reichsobmann für Sprachfragen der Reichsfachschaft Hochschullehrer im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) und ernannte Drach zu seinem Stellvertreter.

Im Dezember 1933 übernahm Weller die Führung des DAfSuS und schaltete ihn unter Einführung des Führerprinzips und Ariergrundsatzes gleich. Drach protestierte gegen Wellers Ernennung und schlug eine kollegiale Führung des Ausschusses vor. Daraufhin denunzierte Weller ihn bei der Reichsleitung des NSLB als „frankophilen Marxisten“ und „ausgesprochenen Vertreter des liberalistisch-marxistischen Systems“. Außerdem behauptete Weller, unter Drachs Vorsitz sei der DAfSuS „fortwährend untereinander verzankt und total aktionsunfähig“ gewesen. In der Folge verlor Drach seine Stelle an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik und zog sich auch aus der Tätigkeit für den DAfSuS zurück.

An Krebs erkrankt, starb Drach am 15. Juli 1935 nach einer Gallenoperation.

Wichtige Veröffentlichungen

Zu Drachs wichtigsten Veröffentlichungen gehören „Sprecherziehung“ (Diesterweg, Frankfurt am Main 1922), „Die redenden Künste“ (Quelle & Meyer, Leipzig 1926), „Der künstlerische Vortrag“ (Quelle und Meyer, Leipzig 1927), „Deutsche Aussprachelehre für den Gebrauch im Ausland“ (Diesterweg, Frankfurt am Main 1931) und „Redner und Rede“ (Hans Bott, Berlin 1932).

Weitere genannte Arbeiten sind „Sprecherische Gestaltungslehre“ in Hans Lebedes „Sprecherziehung, Rede, Vortragskunst“ (1930, S. 24–70), „Grundgedanken der deutschen Satzlehre“ (Diesterweg, Frankfurt am Main 1937, postum erschienen) sowie „Die Schallplatte im deutschkundlichen Unterricht“ (Frankfurt am Main: Diesterweg, 1937).

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