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Fehlinvestition

Als Fehlinvestition wird in der Wirtschaft eine Investition bezeichnet, deren Investitionsausgaben mittelfristig nicht durch Einnahmen gedeckt werden können.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Messung und Kennzahlen
  3. 3. Rechenbeispiel
  4. 4. Vorher und Nachher
  5. 5. Ursachen und wirtschaftliche Folgen

Begriff und Bedeutung

Eine Fehlinvestition ist in der Wirtschaft eine Investition, deren Investitionsausgaben mittelfristig nicht durch Einnahmen gedeckt werden können. Eine Investition gilt also dann als problematisch, wenn sie sich während ihrer Nutzungsdauer nicht amortisiert, das heißt die eingesetzten Mittel nicht wieder einspielt.

Investitionen, besonders Gründungs- und Erweiterungsinvestitionen, beruhen auf Investitionsplänen. Diese Pläne gehen davon aus, dass die Investition Wirtschaftlichkeit und Rentabilität eines Wirtschaftssubjekts verbessert. Ein Wirtschaftssubjekt kann ein Unternehmen, ein Privathaushalt oder der Staat mit seinen Untergliederungen sein. Fehlinvestitionen entstehen meist durch Planungsfehler, etwa durch eine falsche Einschätzung der technischen oder wirtschaftlichen Entwicklung oder durch eine ungenaue Investitionsrechnung.

Im Verhältnis zu einem Ziel, zum Beispiel einem Unternehmensziel, persönlichen Ziel oder Staatsziel, ist eine Fehlinvestition eine falsche Anlage von Sachkapital. Dazu zählen auch nicht abgeschlossene Investitionsprojekte, deren bereits investierter Teil nutzlos ist oder nur noch Erhaltungsaufwand verursacht. Solche Fälle werden als Investitionsruinen bezeichnet. Beispiele sind nicht weitergebaute Autobahnen oder fertiggestellte Bauwerke, deren Nutzung vor Ablauf der Nutzungsdauer durch Stilllegung vorzeitig beendet wird.

Auch staatliche Entscheidungen können eine ursprünglich rentable Investition nachträglich zu einer Fehlinvestition machen. Als Beispiel nennt der Artikel den Atomausstieg durch Stilllegung kerntechnischer Anlagen. Wenn staatliche Entschädigungen nicht den gesamten entgangenen Gewinn abdecken, wird die Investition für den Investor zur Fehlinvestition. Selbst wenn Entschädigungen gezahlt werden, bleibt sie volkswirtschaftlich betrachtet eine Fehlinvestition, wenn sie den Wohlstand senkt. Unklare oder instabile staatliche Rahmenbedingungen können Kapital fehlleiten und Wohlstandsverluste verursachen.

Messung und Kennzahlen

Das Investitionsrisiko ist ein Teil des Unternehmerrisikos. Es besteht darin, dass Fehlinvestitionen vorgenommen werden, Kapitalverluste entstehen oder sogar eine Insolvenz folgt. Der Grund dafür ist vor allem die langfristige Kapitalbindung: Einmal investiertes Kapital steht oft über längere Zeit nicht für andere Zwecke zur Verfügung.

Ob eine Fehlinvestition vorliegt, kann mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen geprüft werden. Besonders geeignet sind die Payback-Periode und der Return on Investment. Die Payback-Periode gibt an, nach welcher Zeit sich eine Investition durch ihre Erlöse amortisiert. Sie wird im Artikel so angegeben:

Payback-Periode = Anschaffungskosten / Umsatzerlöse pro Jahr.

Ein Beispiel: Betragen die Anschaffungskosten einer Maschine 500.000 Euro und erzielt sie jährlich 50.000 Euro Umsatzerlös, muss sie 10 Jahre produzieren, um die Anschaffungskosten zu amortisieren. Hat die Maschine aber nur eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 8 Jahren, liegt formal eine Fehlinvestition vor.

Der Return on Investment misst, wie sich das eingesetzte Kapital verzinst beziehungsweise wie erfolgreich es genutzt wird. Sinnvolle Investitionen verbessern ihn. Fehlinvestitionen dagegen verursachen Fixkosten und wirken sich negativ auf den Return on Investment aus.

Rechenbeispiel

Im Artikel wird ein Beispiel mit Investitionsausgaben Aa von 800.000 € und einer erwarteten Nutzungsdauer dt von drei Jahren dargestellt. Während der Nutzungsdauer erzielt die Investition Umsatzerlöse Ee. Am Ende fällt zusätzlich ein Verschrottungsgewinn Ln von 20.000 € an.

Die Zahlungsreihe lautet: Im ersten Jahr werden 200.000 € Umsatzerlöse erzielt, im zweiten Jahr 400.000 € und im dritten Jahr 420.000 €. Zusammen mit dem Verschrottungsgewinn von 20.000 € ergeben sich Einnahmen von 1.040.000 €. Den Einnahmen stehen Investitionsausgaben von 800.000 € gegenüber.

Die Investition hat sich in diesem Beispiel gelohnt, weil ein Einnahmeüberschuss von 240.000 € entsteht. Eine Fehlinvestition läge vor, wenn die Erträge niedriger wären als die Investitionsausgaben, also unter 800.000 € blieben. Abschreibungen erscheinen in dieser Zahlungsreihe nicht, weil sie nicht zahlungswirksam sind. Das bedeutet: Sie verändern zwar den buchhalterischen Gewinn, sind aber keine tatsächliche Zahlung.

Vorher und Nachher

Fehlinvestitionen sind ein klassisches Beispiel für den Unterschied zwischen ex ante und ex post. Ex ante bedeutet: aus der Sicht vor der Entscheidung. Ex post bedeutet: aus der Sicht nach der Entscheidung.

Bei einer Investitionsentscheidung nimmt der Entscheidungsträger ex ante an, dass die Erwartungen aus dem Investitionsplan eintreffen werden. Die Entscheidung wird umgesetzt und erscheint in der Bilanz als Erhöhung des Anlagevermögens. Später kann jedoch etwas Unerwartetes eintreten, zum Beispiel eine Rezession mit Nachfragerückgang. Dann wird die Investition nicht mehr ausreichend genutzt, es entsteht Unterbeschäftigung, und die Umsatzerlöse reichen nicht aus, um die Investition zu amortisieren.

Ex post zeigt sich dann, dass die Investitionsentscheidung eine Fehlentscheidung war und die Investition eine Fehlinvestition ist. Kosten, die durch eine vergangene Entscheidung verursacht wurden, waren zum Zeitpunkt der Entscheidung ex ante noch entscheidungsrelevante Kosten. Wenn auf sie später in einer gegenwärtigen oder künftigen Entscheidungssituation kein Einfluss mehr genommen werden kann, werden sie zu versunkenen Kosten. Sie sind dann irreversible Kosten, also Kosten, die nachträglich nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Ursachen und wirtschaftliche Folgen

In der Investitionsrechnung werden die Investitionsausgaben den zusätzlichen Umsatzerlösen gegenübergestellt, die durch diese Investition entstehen. Reichen diese Umsatzerlöse während der Nutzungsdauer nicht aus, um die Investitionsausgaben zu decken, also Kostendeckung zu erreichen, liegt eine Fehlinvestition vor.

Mögliche Ursachen sind unzureichende oder fehlende Marktbeobachtung, also eine mangelhafte Analyse der Marktdaten, eine falsche Einschätzung der künftigen Marktentwicklung, unerwartete Angebots- oder Bedarfsverschiebungen, eine Rezession, hohe Inflationsraten bis hin zur Hyperinflation mit Scheingewinnen, unerwartete Folgekosten oder neue Technologien. Solche Entwicklungen können zu Überkapazitäten führen. Überkapazitäten bedeuten, dass die vorhandene Kapazität nicht vollständig und dauerhaft ausgelastet werden kann.

Eine Fehlinvestition erreicht nicht die Gewinnschwelle. Die Gewinnschwelle ist der Punkt, ab dem Erlöse die Kosten decken. Der Return on Investment ist negativ; das investierte Kapital verzinst sich also negativ und wird aufgezehrt. Außerdem entsteht ein negativer Kapitalwert. Die Grenzkosten der Investition sind genauso hoch oder höher als ihre Grenzerträge. Im Sinne der Grenzleistungsfähigkeit des eingesetzten Kapitals liegt eine Fehlinvestition vor, wenn der aktuelle Marktzins höher ist als die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals.

Unwirtschaftliche oder unrentable Investitionen können wegen der langfristigen Kapitalbindung die Existenz eines Wirtschaftssubjekts gefährden. Entscheidungstheoretisch beruhen Investitionsentscheidungen entweder auf einer Entscheidung unter Ungewissheit oder auf einer Entscheidung unter Risiko. Bei Ungewissheit sind die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Umweltzuständen, zum Beispiel der Marktentwicklung, unbekannt. Bei Risiko sind die Eintrittswahrscheinlichkeiten bekannt, nicht aber der Zeitpunkt ihres Eintretens. Treffen die in der Investitionsplanung erwarteten Umweltzustände nicht ein, liegt aus ex-post-Sicht eine Fehlentscheidung vor.

Volkswirtschaftlich beeinträchtigen Fehlinvestitionen die Wohlfahrt. Sie binden Ressourcen in unproduktiven Verwendungen, verzerren die Produktionsstruktur und stellen eine Fehlallokation dar. Zugleich sind sie versunkene Kosten, weil die Investitionsausgaben ganz oder teilweise nicht erwirtschaftet werden können.

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