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Faktormobilität

Faktormobilität liegt in der Volkswirtschaftstheorie und Volkswirtschaftslehre vor, wenn Produktionsfaktoren eine räumliche, qualifikatorische oder sektorale …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Ursachen und internationale Bewegungen
  3. 3. Arten und Grenzen der Mobilität
  4. 4. Grad der Faktormobilität
  5. 5. Arbeitsmobilität und Wanderungshindernisse
  6. 6. Wirtschaftliche Wirkungen

Begriff und Bedeutung

Faktormobilität liegt vor, wenn Produktionsfaktoren räumlich, qualifikatorisch oder sektorale beweglich sind. Als Produktionsfaktoren gelten Arbeit, Boden und Kapital. Räumliche Mobilität bezeichnet die Beweglichkeit zwischen Regionen oder Staaten durch eine Ortsveränderung. Sektorale Mobilität bedeutet, dass Produktionsfaktoren innerhalb eines Staates in andere Wirtschaftssektoren wandern. Qualifikatorische Mobilität liegt beispielsweise bei Arbeitskräften vor, wenn sie den Arbeitsplatz wechseln können, ohne dass ihre Qualifikation dies verhindert.

Die Theorien der Faktormobilität untersuchen vor allem die Beziehungen zwischen Regionen, die durch den Austausch von Arbeit, Boden und Kapital entstehen. Volkswirtschaftlich ist Mobilität eine Reaktionselastizität, genauer eine Angebotselastizität in räumlicher Hinsicht. Voraussetzung ist, dass die betreffenden Wirtschaftsobjekte überhaupt angeboten werden.

Ursachen und internationale Bewegungen

Internationale Faktorbewegungen werden neben politischen und sozialen Gründen besonders durch Unterschiede bei den Faktorkosten ausgelöst. Produktionsfaktoren wandern grundsätzlich in Regionen oder Sektoren, in denen sie nach Abzug von Informations- und Transaktionskosten das höchste reale Faktoreinkommen erzielen.

Sind die Voraussetzungen des Faktorpreisausgleichstheorems nicht erfüllt, können internationale Faktorbewegungen Unterschiede der Arbeitskosten zwischen Hochlohn- und Niedriglohnländern verringern. Dadurch kann sich die Faktorallokation, also die Verteilung der Produktionsfaktoren auf ihre Verwendungen, verbessern.

Nach dem Heckscher-Ohlin-Modell sind Faktormobilität und Güterhandel substitutiv: Faktorbewegungen können den Güterhandel ersetzen und umgekehrt. Komplementär, also sich gegenseitig ergänzend, sind sie dagegen bei unterschiedlichen Produktionstechnologien, verschiedenen Produktionssteuern, Güter- oder Faktorunvollkommenheiten sowie steigenden Skalenerträgen in bestimmten Wirtschaftszweigen.

Robert Mundell untersuchte in einem Zwei-Länder-Modell die Folgen asymmetrischer Schocks. In einer Währungsunion kann ein solcher Schock nicht durch den Wechselkurs ausgeglichen werden, sondern nur durch eine innere Abwertung. Nach seinen Beobachtungen zur Wirtschaftsgeschichte Kanadas und der Vereinigten Staaten wurden makroökonomische Schocks dort eher durch Wanderungen von Arbeitnehmern und Kapital ausgeglichen. Ein Währungsraum ist nach Mundell dann optimal, wenn eine ausreichende Mobilität von Arbeitnehmern und Kapital besteht.

Arten und Grenzen der Mobilität

Nach dem Grad der Handelbarkeit auf dem Faktormarkt wird zwischen vollkommener beziehungsweise perfekter und unvollkommener beziehungsweise imperfekter Faktormobilität unterschieden. Bei perfekter Faktormobilität würden Faktorwanderungen sofort und in einem solchen Umfang stattfinden, dass internationaler Faktorpreisausgleich eintritt. Alle Staaten hätten dann dieselbe relative Faktorausstattung; Außenhandel würde nicht mehr stattfinden. In der Wirklichkeit verhindern jedoch Handels- und Wanderungskosten einen vollständigen Ausgleich. Deshalb ist die Faktormobilität bei Arbeit, Boden und Kapital überwiegend unvollkommen. Im Heckscher-Ohlin-Modell wird die Annahme der perfekten Faktormobilität daher aufgegeben.

Imperfekte Faktormobilität bedeutet, dass Ressourcen grundsätzlich auf dem Faktormarkt handelbar sind, aber Hindernisse und Kosten bestehen. Davon ist perfekte Faktorimmobilität zu unterscheiden. Sie liegt vor, wenn das Angebot bestimmter Ressourcen völlig fehlt und diese deshalb nicht erworben werden können, etwa bei Reputation, Risikokultur oder Unternehmenskultur.

Der Faktor Boden ist räumlich nicht beweglich, weil sein Standort unveränderbar ist. Immobilien können jedoch den Eigentümer wechseln. Faktormärkte sind nicht nur unvollkommen, sondern auch unvollständig, weil nicht alle Ressourcen handelbar sind, beispielsweise Reputation oder Kundenbindung eines Unternehmens.

Grad der Faktormobilität

Für den Handel auf dem Faktormarkt ist eine minimale Faktormobilität erforderlich. Die wichtigsten Formen lassen sich so zusammenfassen:

  • Arbeit ist qualifikatorisch, räumlich und sektoral mobil. Beispiele sind Qualifikation, Qualifizierung und Umschulung, Pendeln oder ein Standortwechsel sowie Freizügigkeit und der Wechsel des Wirtschaftszweigs.
  • Kapital ist räumlich und sektoral mobil. Beispiele sind Freihandel ohne Kapitalverkehrskontrollen und Direktinvestitionen in anderen Branchen.
  • Boden ist an seinen Standort gebunden. Mobilität besteht hier nur dadurch, dass das Wirtschaftssubjekt beziehungsweise der Grundbesitzer wechselt.

Die höchste Faktormobilität besitzt das Kapital, gefolgt von der Arbeit; am wenigsten mobil ist der Boden. Kapitalmobilität wäre vollkommen, wenn Kapital ohne Zeitverzögerung und Transaktionskosten über Grenzen hinweg bewegt und in jede beliebige Anlageform umgewandelt werden könnte. Tatsächlich ist dies nur theoretisch möglich, weil weltweit weder völliger Freihandel noch vollständige Freizügigkeit besteht und Anleger unterschiedliche Risikopräferenzen haben.

Die Faktormobilität ist umso größer, je größer bei einem gegebenen Preisdifferential die Faktorbewegung zwischen zwei Märkten ist. Das Verhältnis der Faktorbewegung FB, also der Größe des Wanderungs- oder Kapitalstroms, zum verursachenden Preisdifferential PD wird als Faktormobilität Fₘ bezeichnet:

Fₘ = FB / PD.

Arbeitsmobilität und Wanderungshindernisse

Arbeitsmobilität liegt vor, wenn Arbeitskräfte bereit sind, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Zu unterscheiden sind innerbetriebliche und zwischenbetriebliche, berufliche sowie regionale und internationale Arbeitsmobilität. Ihr Grad beeinflusst die allokative Effizienz der Arbeitsmärkte und insbesondere das Ausmaß der strukturellen Arbeitslosigkeit. Die Arbeitsmobilität reicht von fehlender über unvollkommene bis zu perfekter Mobilität; perfekte Mobilität wird durch qualitative oder quantitative Hindernisse verhindert.

Wichtige Mobilitätsschranken sind fehlende oder unzureichende berufsspezifische Qualifikation und Begabung, mangelnde Nostrifikation beziehungsweise die fehlende Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen, geringe Arbeitsmotivation und hohes Arbeitsleid. Hinzu kommen monetäre und soziale Hindernisse wie Umzugs- und Umschulungskosten, fehlende räumliche Mobilität, der Verzicht auf eine Rente im Heimatland, der Verlust sozialer Bindungen, sprachliche Mängel und eine mangelnde kulturelle Identität. Formelle Marktzutrittsschranken sind ein fehlender Aufenthaltstitel oder eine fehlende Arbeitserlaubnis für Ausländer. Der Staat kann die Arbeitsmobilität unter anderem durch arbeitsfördernde Maßnahmen und Umschulungen verbessern.

Eine Migration vom Niedriglohnland in ein Hochlohnland lohnt sich für Arbeitskräfte, wenn der Gewinn aus dem diskontierten Wert des Arbeitseinkommens im Hochlohnland abzüglich der Wanderungskosten den Opportunitätskosten, also dem früheren Arbeitseinkommen im Heimatland, entspricht. Wanderungskosten werden bei einer Rückkehr zu sunk costs. Je höher sie sind, desto geringer ist die Mobilitätsbereitschaft.

Hohe Arbeitsmobilität verringert das Arbeitsangebot in Niedriglohnländern und erhöht es in Hochlohnländern. Dadurch steigt der Lohnsatz in den Niedriglohnmärkten und sinkt in den Hochlohnmärkten; die Lohnsätze nähern sich an. Bei geringer Arbeitsmobilität bleiben die Lohnniveaus zwischen Staaten unterschiedlich. Migrationsentscheidungen können zwar auf Einkommensmaximierung beruhen, werden tatsächlich aber oft unter unzureichender oder fehlerhafter Information sowie unter dem Einfluss von Gefühlen und Erwartungen getroffen.

Die klassische Außenhandelstheorie nimmt eine Immobilität der Arbeitskräfte zwischen Staaten an. Bei unterschiedlicher Faktorausstattung, etwa bei Bodenschätzen, Kapital, technischem Stand und Arbeitskräften, kann Außenhandel den Ausgleich fördern und den Wohlstand steigern. Jeder Staat konzentriert sich dabei auf Güter, bei denen er einen komparativen Kostenvorteil besitzt.

Wirtschaftliche Wirkungen

Perfekte Faktormobilität verändert die Faktorausstattung der am Außenhandel beteiligten Staaten. Kapitalmobilität verändert das Geld-, Kredit- oder Kapitalangebot auf Finanzmärkten; Arbeitsmobilität verändert entsprechend das Arbeitsangebot auf Arbeitsmärkten. Diese gegenläufigen Veränderungen können zum Faktorpreisausgleich und insbesondere zur Lohnkonvergenz führen. Aus neoklassischer Sicht sind Unterschiede der Faktorpreise die Ursache für Wanderungen von Arbeit und Kapital. Bei perfekter Mobilität erfolgen diese Wanderungen unverzüglich und so weit, dass sich die Faktorpreise ausgleichen.

Das Faktorpreisausgleichstheorem besagt, dass sich internationale oder intraregionale Faktorpreise unter bestimmten Voraussetzungen auch bei vollständiger Immobilität der Produktionsfaktoren angleichen können. Voraussetzung ist, dass Güter intraregional mobil sind und der Güterhandel dadurch einen Faktorpreisausgleich ermöglicht. Über die Grenzproduktivitätssätze, also die Beziehung zwischen Güter- und Faktormärkten, überträgt sich die ausgleichende Wirkung der Gütermärkte auf die Faktormärkte. Dieser Übertragungseffekt wird Contagion-Effekt genannt. Gütermobilität durch Außenhandel kann mangelnde Faktormobilität daher zumindest teilweise ersetzen.

Je höher die Faktormobilität ist, desto stärker dürfte die Angleichung der Faktorpreise auf einzelnen Märkten ausfallen. Bei vollkommener Mobilität verschwinden Preisunterschiede vollständig; es entstehen integrierte Märkte. Arbeitskräftewanderungen und Kapitalbewegungen wirken kurzfristig grundsätzlich stabilisierend und können ein fehlendes gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht herbeiführen oder die Anpassung daran erleichtern.

Die Allokationsfunktion der Preise kann nur bei Faktormobilität wirksam werden. Dann können Produktionsfaktoren ihrer optimalen Verwendung zugeführt und eine effiziente Wirtschaftsstruktur erreicht werden. Eine mangelhafte intersektorale Mobilität verursacht dagegen zusätzliche Anpassungskosten und verändert teilweise die Ergebnisse der Außenhandelstheorie. Beschränkungen entstehen durch die subjektive Bindung der Faktoreigentümer an Staaten sowie durch wirtschaftspolitische Maßnahmen wie Migrationspolitik und internationale Kapitalverkehrskontrollen. Unzureichende, vor allem zu geringe Arbeitsmobilität verhindert eine Angleichung der Faktoreinkommen und damit einen merklichen Abbau von Einkommensdisparitäten. Die Erhaltung oder Verbesserung der Faktormobilität, etwa durch Freihandel und Freizügigkeit, gehört deshalb zu den wichtigen Aufgaben der Strukturpolitik.

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