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Schock (Volkswirtschaftslehre)

Schocks sind die exogene Veränderung von Gesamtnachfrage oder Gesamtangebot. Schocks sind die Veränderungen exogener Größen, die sich auf endogene Größen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Wirkung
  2. 2. Ursachen und mögliche Kettenreaktionen
  3. 3. Wichtige Arten von Schocks
  4. 4. Modelle, Folgen und wirtschaftspolitische Reaktionen

Grundidee und Wirkung

Ein makroökonomischer Schock ist meist ein exogenes, also von außen kommendes Ereignis, das erheblich auf eine Volkswirtschaft einwirkt. Er tritt plötzlich, ungeplant und unerwartet ein, überrascht die Marktteilnehmer und kann nicht sofort angemessen beantwortet werden. Schocks sind Veränderungen exogener Größen, die auf endogene Größen wirken, oder genauer: Veränderungen von Gesamtnachfrage oder Gesamtangebot.

Kurzfristig ist eine Anpassung wegen Verzögerungen bei Wahrnehmung, Entscheidung und Umsetzung nicht möglich. Erst mittel- oder langfristig können Marktteilnehmer reagieren. Ein Schock stört das gesamtwirtschaftliche Marktgleichgewicht und löst Übertragungs- und Anpassungsprozesse aus. Diese führen unter neuen Bedingungen zu einem neuen Gleichgewicht, bis ein weiterer Schock den Prozess erneut auslöst.

Ursachen und mögliche Kettenreaktionen

Auslöser können Verunsicherung an Börsen oder anderen Märkten verursachen und besonders Wirtschaftszweige mit Voraussetzungen für einen Trendbruch treffen. Ursachen können politisch, psychologisch, wirtschaftlich oder sonstiger Art sein:

  • Politische Ursachen sind etwa Kriege, Bürgerkriege, Handelskriege und Staatskrisen wie Revolution oder Verschuldungskrise.
  • Psychologische Ursachen zeigen sich in großer Ungewissheit oder Unsicherheit.
  • Wirtschaftliche Ursachen sind Finanzkrisen, Marktentwicklung und Marktstörungen, Spekulationsblasen, Strukturwandel, Unternehmens- und Versorgungskrisen.
  • Sonstige Ursachen sind Naturkatastrophen, Pandemien, Technologien oder Terrorismus.

Nach der auslösenden ökonomischen Größe werden Konjunktur-, Kredit-, Liquiditäts- und Preisänderungsschocks unterschieden. Eine Branchenkrise kann beispielsweise einen Konjunkturschock und danach einen Kreditschock auslösen. Ist der Schuldendienstdeckungsgrad wichtiger Schuldner oder ganzer Branchen nicht mehr gegeben, können Kreditgeber ebenfalls in eine Unternehmenskrise geraten; auch eine Kreditklemme kann folgen. Daraus können Liquiditäts- und Preisänderungsschocks entstehen. Über Contagion-Effekte, also Ansteckungseffekte, und Dominoeffekte können sie sich auf die Volks- oder Weltwirtschaft übertragen.

Die Insolvenz von Lehman Brothers im September 2008 löste weltweit einen Finanzmarktschock aus. Die Marktteilnehmer hatten mit einer Rettung gerechnet; Interbankenhandel und Derivatemarkt brachen gänzlich zusammen.

Wichtige Arten von Schocks

Schocks können positiv oder negativ sein, je nachdem, ob sie für die Gesamtwirtschaft vorteilhaft oder nachteilig sind. Meist stehen negative Schocks im Mittelpunkt.

Monetäre Schocks betreffen die Finanzwirtschaft und führen wegen der schnell reagierenden Finanzmärkte kurzfristig zu starken Wechselkurseffekten; erst verzögert wirken sie auf Gütermärkte. Reale Schocks entstehen in der Realwirtschaft, etwa durch autonome Angebots- oder Bedarfsverschiebungen. Zunächst reagiert der Gütermarkt, danach passen sich Finanzmärkte an.

Bei einem negativen Angebotsschock verschiebt sich nach Rudiger Dornbusch die aggregierte Angebotskurve nach links: Das Preisniveau steigt, das Marktvolumen sinkt. Sind Marktpreise und Marktvolumen negativ korreliert, liegt ein realer Angebotsschock vor; bei positiver Korrelation ein realer Nachfrageschock. Negative Nachfrageschocks verschieben die Nachfragekurve nach links. Das bisherige Produktionsvolumen kann dann nicht gehalten werden; bei den geltenden Faktorpreisen ist Beschäftigung nicht rentabel, sodass Arbeitslosigkeit entsteht. Regierungen reagieren häufig mit Stützungsprogrammen, wodurch Staatsausgaben und Staatsverschuldung steigen können.

Symmetrische Schocks treffen alle Staaten gleich und in dieselbe Richtung. Asymmetrische Schocks betreffen nur bestimmte Länder oder Wirtschaftszweige, wirken unterschiedlich oder in verschiedener Richtung. Temporäre Schocks beruhen auf vorübergehenden Schwankungen, etwa bei Rohstoffpreisen oder Beschäftigung. Permanente Schocks gehen häufig auf mittel- oder langfristige Ungleichgewichte bei Konsum, Staatsverbrauch, Investitionen oder Außenbeitrag zurück. Exogene Schocks wirken von außen auf Staat oder Markt ein; endogene Schocks entstehen im Marktmechanismus selbst, etwa wenn Unternehmen die Nachfrage überschätzen, zu viel investieren und dadurch Überkapazitäten mit anschließender Rezession schaffen.

Der Nixon-Schock vom März 1973 wird als symmetrischer, permanenter, negativer Angebots- und Nachfrageschock durch das Bretton-Woods-System eingeordnet. Der Ölpreisschock 1973/1974 war ein symmetrischer, permanenter, negativer Angebotsschock. Die Weltfinanzkrise ab 2007 gilt als symmetrischer, permanenter, negativer Angebots- und Nachfrageschock.

Modelle, Folgen und wirtschaftspolitische Reaktionen

Das IS-LM-Modell von John Maynard Keynes aus dem Jahr 1936 beschreibt bei Änderungen der Güternachfrage eine Verschiebung der IS-Kurve und bei Änderungen der Geldnachfrage eine Verschiebung der LM-Kurve. Nach Keynes entstehen Rezessionen nicht durch negative Angebotsschocks, sondern durch zu geringe Nachfrage. Das Multiplikator-Akzelerator-Modell von Paul A. Samuelson und John R. Hicks (1939/1950) nimmt an, dass ein exogener Schock größere Schwingungen auslöst. Robert Mundells Theorie optimaler Währungsräume (1961) betrachtet den Wechselkurs als Mittel gegen asymmetrische Schocks in einer Währungsunion, insbesondere gegen Nachfrageschocks.

Das Dornbusch-Modell von 1976 erklärt das Overshooting: Nach einem monetären Schock reagiert der nominale Wechselkurs kurzfristig heftiger als langfristig. Dieses Überschießen kann Spekulationsblasen fördern, die wiederum selbst eine Schockursache sein können. Ein Sättigungsschock liegt vor, wenn das Marktwachstum und zugleich die Erweiterungsinvestitionen ihren Höhepunkt erreichen. Der Ölpreisschock von 1971 bis 1974 vervierfachte den Ölpreis und führte zu einer Rezession zwischen 1973 und 1975.

Finanz- und Konjunkturpolitik sollen auf alle Schockarten ausgerichtet sein. Staatseinnahmen und Staatsausgaben sowie Steuerpolitik können zur Reaktion eingesetzt werden; die Ausgabenpolitik kann antizyklische Konjunkturprogramme schaffen. Nachfrageschocks werden in der Europäischen Union durch expansive Geldpolitik bekämpft. Bei Angebotsschocks besteht ein Zielkonflikt: Expansive Geldpolitik stabilisiert das Realproduktionsniveau, erhöht aber die Inflation. Kontraktive Geldpolitik senkt die Inflation, verstärkt aber den Produktionsrückgang. Geeignete Angebotspolitik und an die Produktivitätsentwicklung angepasste Reallohnsteigerungen sollen helfen.

Ständig auftretende Schocks und ihre Übertragungsmechanismen verursachen Produktionsschwankungen um ein Trendwachstum, also Konjunkturzyklen. Wirkungen können zunächst stark sein und dann nachlassen oder erst stärker werden und später abklingen; dauerhafte Rohstoffpreiserhöhungen können auch mittelfristig wirken. Ungünstige einzelne oder kombinierte Schocks können eine Strukturkrise oder Rezession auslösen, wie der Ölpreisschock in den 1970er Jahren.

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