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Arbeitskosten

Arbeitskosten sind allgemein die Kosten des Produktionsfaktors Arbeit und speziell eine volkswirtschaftliche Kennzahl, mit der die Kosten einer Arbeitskraft …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was sind Arbeitskosten?
  2. 2. Die Kennzahl Arbeitskosten pro Arbeitsstunde
  3. 3. Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland
  4. 4. Internationaler Vergleich der Arbeitskosten
  5. 5. Hochlohnländer, Automobilindustrie und Standortfaktor

Was sind Arbeitskosten?

Arbeitskosten sind zum einen die Kosten des Produktionsfaktors Arbeit – also der Kosten, die durch den Einsatz von Arbeit bei der Herstellung von Gütern entstehen. Zum anderen sind sie eine volkswirtschaftliche Kennzahl, mit der die Kosten einer Arbeitskraft gemessen werden. Der Produktionsfaktor Arbeit ist neben Boden und Kapital einer der klassischen Einsatzfaktoren der Produktion. In der Betriebswirtschaftslehre (der Lehre vom Wirtschaften einzelner Unternehmen) setzen sich die Arbeitskosten aus folgenden Teilen zusammen: den Lohn- und Gehaltskosten (direkte Arbeitskosten), den auf gesetzlichen und freiwilligen Leistungen des Arbeitgebers beruhenden Sozialkosten sowie den Lohnnebenkosten. Zu den Sozialkosten zählen die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und die Aufwendungen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, zu den Nebenleistungen außerdem die betriebliche Altersversorgung, Urlaubsgelder, Beihilfen, Zulagen und Zuschläge. Man unterscheidet dabei zwei Arten von Arbeitskosten: Direkte Arbeitskosten umfassen alle Kosten mit unmittelbarem Einkommenscharakter, die als Entlohnung direkt den Arbeitnehmern zufließen – also Löhne und Gehälter, Sachbezüge, Beihilfen, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgelder, Zulagen und Zuschläge. Indirekte Arbeitskosten sind dagegen Aufwendungen des Arbeitgebers ohne oder nur mit mittelbarem Einkommenscharakter, wie die Sozialversicherung oder die betriebliche Altersversorgung. In diesem Sinne stimmen die Arbeitskosten mit der betrieblichen Kostenart Personalkosten überein. Wie wichtig Arbeitskosten sind, hängt vom Wirtschaftszweig ab: Sie können die Produktionskosten übersteigen (Beispiel Textilindustrie) oder relativ unbedeutend sein (Beispiel Halbleiterproduktion).

Die Kennzahl Arbeitskosten pro Arbeitsstunde

In der Volkswirtschaftslehre (der Lehre von der Gesamtwirtschaft) werden die so ermittelten Arbeitskosten (Ak) durch die Zahl der jährlich geleisteten Arbeitsstunden (Ah) dividiert. Für die Kennzahl Arbeitskosten pro Arbeitsstunde gilt also: Ah = Ak / Ah. Mit dieser Kennzahl sind zwei Vergleiche möglich: Eine Zeitreihenanalyse (Vergleich derselben Größe über mehrere Jahre) zeigt, wie sich die Arbeitskosten im Laufe der Zeit verändern. Ein internationaler Vergleich zeigt, in welchen Staaten die Arbeitskosten am niedrigsten (Niedriglohnland) und am höchsten (Hochlohnland) sind. Für die Wahl eines Produktionsstandorts sind nach Alfred Weber (1909) drei Standortfaktoren entscheidend: Transportkosten, Arbeitskosten und Agglomerationsvorteile (Vorteile, die aus der räumlichen Konzentration von Unternehmen entstehen). In Webers System nehmen die Transportkosten jedoch die zentrale Stellung ein; sie sind der wichtigste Faktor zur Bestimmung des optimalen Standorts.

Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland

Die Arbeitskosten je Stunde sind definiert als die jährlichen Arbeitskosten dividiert durch die Zahl der während des Jahres geleisteten Arbeitsstunden. Für Deutschland nennt der Artikel folgende Werte in Euro je Stunde: 1996: 22,39; 1997: 22,77; 1998: 23,03; 1999: 23,46; 2000: 24,33; 2001: 24,92; 2002: 25,45; 2003: 26,05; 2004: 26,17; 2005: 26,43; 2008: 27,90; 2012: 30,50; 2015: 32,30; 2016: 32,80; 2017: 33,80; 2018: 34,60. Die Arbeitskosten je Stunde sind im erfassten Zeitraum von 1996 bis 2018 kontinuierlich gestiegen, von 22,39 € auf 34,60 €.

Internationaler Vergleich der Arbeitskosten

Für die EU insgesamt lagen die Arbeitskosten je geleisteter Stunde bei 22,80 € (2007), 26,70 € (2017) und 27,40 € (2018). Ausgewählte Länderwerte für 2018 in Euro je Stunde: Dänemark 43,50; Luxemburg 40,60; Belgien 39,70; Schweden 36,60; Niederlande 35,90; Frankreich 35,80; Deutschland 34,60; Österreich 34,00; Finnland 33,60; Irland 32,10; Italien 28,20; Großbritannien 27,40; Spanien 21,40; Polen 10,10; Rumänien 6,90; Bulgarien 5,40. Deutschland lag 2007 noch bei 29,10 € und 2017 bei 33,80 € je Stunde. Großbritannien liegt 2018 mit 27,40 € noch unter dem Wert von 2007 (27,90 €). Typische europäische Niedriglohnländer sind demnach Bulgarien, Rumänien und Polen. Auch die in der Liste nicht enthaltenen Länder Litauen (9,00 € je Stunde), Lettland (9,30 €) und Ungarn (9,20 €) sind Niedriglohnländer. Je weiter östlich ein Staat liegt, desto mehr gehört er zu den Niedriglohnländern.

Hochlohnländer, Automobilindustrie und Standortfaktor

Typische Hochlohnländer sind weltweit (2015) laut Artikel die Schweiz (58,13 € je Stunde), gefolgt von Norwegen (59,28; die angegebene Zahl ist höher als die der erstgenannten Schweiz), Belgien (43,20), Dänemark (42,77), Schweden (41,14), Deutschland (38,99), Frankreich (37,47), Finnland (36,82), Österreich (36,18), Niederlande (34,99), USA (33,96), Luxemburg (31,27), Irland (30,86), Vereinigtes Königreich (30,03) und Kanada (27,98). Für die europäische Automobilindustrie nennt der Artikel für 2013 folgende Werte: Deutschland 43,40 € je Stunde (als führend genannt), Schweden 47,30, Frankreich 46,70, Italien 29,70, Spanien 26,70 und England 24,50 – wobei die Zahlen für Schweden und Frankreich höher ausfallen als der für Deutschland genannte Wert. In den Industriestaaten steigen die Lohnnebenkosten überproportional. Deshalb werden die Arbeitskosten auch bei nur moderater Entwicklung der Nettoeinkünfte weiter steigen. Getrieben wird dieser Anstieg zum Beispiel durch die Überalterung der Gesellschaft und die Fortschreibung sozialer Ansprüche wie Krankenversicherung und Betriebsrenten. Beim Standortfaktor Arbeitskosten liegt Deutschland einer Untersuchung des ZEW im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zufolge auf Rang 17 von 21 OECD-Ländern. Die niedrigsten Arbeitskosten weisen die osteuropäischen Länder sowie Portugal auf.

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