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FGC-9
Die FGC-9 ist eine 3D-gedruckte semi-automatische Waffe im Kurzwaffenkaliber, veröffentlicht und verbreitet erstmals im Jahr 2020. Das Modell wurde von dem …
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Kernmerkmale
Die FGC-9 ist eine 3D-gedruckte halbautomatische Waffe im Kurzwaffenkaliber 9 × 19 mm. Sie wurde 2018 bis 2020 von Jacob Duygu, bekannt unter dem Pseudonym JStark1809, entwickelt und seit 2019 produziert beziehungsweise verbreitet. Die erste Veröffentlichung erfolgte 2020. Die Waffe gilt als halbautomatischer Karabiner mit einer Gesamtlänge von 520 mm, einem ungeladenen Gewicht von 2,1 kg und einer Lauflänge von 114 mm.
Ihr besonderes Merkmal ist, dass sie ohne Bauteile auskommen soll, die direkt einer Schusswaffe zugeordnet werden können. Stattdessen besteht sie aus 3D-gedruckten Teilen sowie handelsüblichen Bauteilen wie Federn, Schrauben und Metallteilen. Damit sollten EU-Richtlinien und strenge Waffengesetze umgangen werden. Die geschätzten Produktionskosten werden mit etwa 500 US-Dollar angegeben.
Entwicklung und Aufbau
Die FGC-9 wurde von JStark1809 mit Unterstützung von DetDisp, kurz für Deterrence Dispensed, entwickelt. DetDisp war ein Online-Kollektiv, das sich für die freie Nutzung von Schusswaffen einsetzte. Die Konstruktion basierte auf dem Modell Derwood Shuty AP-9 sowie auf Arbeiten von Philip Luty, die für die FGC-9 verändert wurden.
Ein Ziel der Entwicklung war es, Herstellung und Nachbau im Vergleich zu anderen 3D-gedruckten Schusswaffen deutlich zu vereinfachen. Nach den Angaben im Artikel sollte ein Nachbau weder Fachwissen noch eine Werkbank erfordern. Anders als die „Shuty“ ist die FGC-9 nach europäischen, also metrischen, Maßen gefertigt. Sie verwendet ein 3D-gedrucktes Gehäuse und handelsübliche Teile, die mit einfachen Verfahren bearbeitet werden können. Als ein solches Verfahren nennt der Artikel ECM, das elektrochemische Abtragen.
Materialien und Herstellung
Zu den 3D-gedruckten Teilen gehören der obere und untere Empfänger, der Pistolengriff und der Gewehrschaft. Das Magazin kann von Glock übernommen werden, kann aber laut Artikel auch 3D-gedruckt werden. Auch Abzüge werden nachgebildet. Der Lauf wird als Polygon-Lauf beschrieben und mithilfe eines ECM-Prozesses hergestellt.
Die Kosten für Material und 3D-Drucker werden auf etwa 500 US-Dollar geschätzt. JStark1809 selbst gab an, dass das Projekt etwa eine bis zwei Wochen Herstellungszeit brauche.
Name, Veröffentlichung und Verbreitung
Der Name FGC-9 ist ein Initialwort: FGC steht für den englischen Satz „Fuck Gun Control“, die Zahl 9 verweist auf das Kaliber 9 × 19 mm. Die Veröffentlichung der FGC-9 wurde ausführlich dokumentiert, damit Nutzer den Bau leichter nachvollziehen konnten. Baupläne und Dokumentation wurden auf verschiedenen Internetseiten verbreitet und in mehrere Sprachen übersetzt.
Die Dateien für den 3D-Druck wurden unter Open-Source-Lizenz zunächst auf DEFCAD und später auf weiteren Plattformen wie Odysee veröffentlicht. Laut Rajan Basra vom International Centre for the Study of Radicalisation am Kingston College London ist die FGC-9 besonders bei rechtsradikalen Gruppen beliebt, weil die Dateien in extremistischen Foren geteilt werden.
Varianten und Modifikationen
Die FGC-9 ist im Artikel als Open-Source-Projekt beschrieben, aus dem zahlreiche Modifikationen und Konfigurationen hervorgingen. Diese Varianten betreffen unter anderem Ergonomie, Aussehen und rechtliche Einstufung. Eine Variante von „QueerArmorer“ mit verbesserter Zieloptik wurde laut Artikel von Rebellen im Myanmar-Konflikt verwendet.
Eine wichtige Weiterentwicklung ist die FGC-9 Mk II. Sie wurde am 23. Oktober 2020 von En Bloc Press angekündigt und am 16. April 2021 von „The Gatalog“ auf DEFCAD und Odysee veröffentlicht. JStark1809 entwickelte sie mit Unterstützung von „3socksandcrocs“ und „Ivan the Troll“. Sie enthielt unter anderem einen H&K-MP5-ähnlichen Handgriff, ergonomische Verbesserungen, Änderungen an Lauf, Ladesystem und Magazin sowie druckbare Abzüge.
Weitere im Artikel genannte Varianten sind die FGC-9 MKII Stingray von Juni 2022, eine DIY-16-Zoll-Variante, die von der People’s Defense Force in Myanmar verwendet wird; die Partisan-9 von September 2022, basierend auf der FGC-9 MkII und mit integriertem Schalldämpfer ähnlich der H&K MP5-SD; die FGC-9 MKII Bufferless, bei der das Pufferrohr entfällt; die FMGC-01 mit Feuerwahl und Sten-Magazinen; die Nutty-9 mit mechanischen Schrauben im Ladesystem; sowie die FGC-6 als 1:1-Airsoft-Nachbildung.
Öffentliche Bedeutung und Ermittlungen
Die FGC-9 erhielt öffentliche Aufmerksamkeit durch Medienberichte, Ermittlungen und Funde durch Polizeibehörden. Jake Hanrahan von Popular Front interviewte JStark1809 im November 2020 über die FGC-9 und 3D-gedruckte Schusswaffen. JStark1809 sagte dabei, er habe keinen beruflichen oder akademischen Hintergrund im Ingenieurswesen und habe sich Wissen wie den Umgang mit CAD selbst über das Internet angeeignet. Hanrahan kritisierte, Behörden würden 3D-gedruckte Schusswaffen unterschätzen.
Der Spiegel berichtete im Oktober 2021, britische Finanzdienstleister hätten dem deutschen Bundeskriminalamt Hinweise auf Standort und Identität von JStark1809 gegeben. Er wurde als 28-jähriger „Jacob D.“ aus Völklingen identifiziert. Die Polizei durchsuchte im Juni 2022 seinen Wohnsitz, fand laut Artikel aber keine Schusswaffen oder Hinweise zu Bauplänen. Zwei Tage später wurde D. tot in seinem Auto in Hannover gefunden. Gerichtsmediziner stellten einen Herzinfarkt als Todesursache fest und schlossen Fremdeinwirkung aus.
Ein Bericht des International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence beschrieb im Oktober 2023 den Hintergrund von Jacob Duygu. Der Bericht behauptete auf Grundlage von Sprachmustern, Duygu sei Autor vieler Internetbeiträge mit xenophobischen, rassistischen, antisemitischen, misogynen und staatsfeindlichen Aussagen gewesen.
In der Öffentlichkeit wird die FGC-9 außerdem mit mehreren Fällen verbunden: MkII- und MkII-Stingray-Varianten werden laut Artikel von Rebellen im Myanmar-Konflikt seit 2021 verwendet. Vollständige und unvollständige Modelle wurden in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich, Australien, Neuseeland, Kanada, den Vereinigten Staaten, Taiwan und Island durch Polizeikräfte gefunden. Beim Anschlag in Halle 2019 nutzte der Täter Anleitungen, um eigene Schusswaffen herzustellen. MkII-Varianten wurden 2022 bei Dissidenten der Irischen Óglaigh na hÉireann gesehen. Zudem wurde ein Finne zu 16 Monaten Haft verurteilt, nachdem er nachweislich acht Schusswaffen hergestellt hatte; drei weitere Männer wurden ebenfalls im Zusammenhang mit dem Verdacht verurteilt.