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Fürbittengebet
In der Fürbitte beten Christen zu ihrem Gott für jemand anderen. Die Fürbitte ist Teil der Liturgie in der katholischen, lutherischen, anglikanischen, …
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Bedeutung und Grundformen
Die Fürbitte ist ein christliches Gebet für andere Menschen: Christen wenden sich an Gott und bringen die Anliegen anderer vor ihn. Sie gehört zur Liturgie der katholischen, lutherischen, anglikanischen, methodistischen und weiterer westlicher Kirchen, kann aber ebenso Teil des persönlichen Gebets sein. In der byzantinischen Liturgie, besonders im orthodoxen Christentum, nimmt sie ebenfalls einen breiten Raum ein.
In der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche ist es außerdem üblich, verstorbene Heilige oder die Gottesgebärerin Maria um ihre Fürbitte bei Gott zu bitten. Charismatisch geprägte Kirchen kennen das Segnungsgebet: Ein Hilfesuchender nennt einem oder mehreren Betern sein Anliegen; diese beten in seiner Gegenwart für ihn und segnen ihn. In Freikirchen sind Gebetsversammlungen verbreitet, bei denen für bestimmte Anliegen Fürbitte gehalten wird.
Vier liturgische Formen
Fürbitten können unterschiedlich gestaltet werden:
• Beim Aufruf zum Gebet trägt ein Vorbeter einzelne Anliegen vor. Die Gemeinde antwortet jeweils mit einem Gebetsruf, zum Beispiel „Erbarme dich, Gott“. Die Anliegen können als Information beziehungsweise Aufforderung oder bereits als Gebet formuliert sein. Der alte Name dieser Form lautet Ektenie, griechisch für „Ausdauer“.
• Beim diakonischen Gebet nennt der Diakon die Anliegen der versammelten Gemeinde. Der Zelebrant, also der Leiter der Feier, spricht das einleitende und das abschließende Gebet. Dieses bringt die Anliegen vor Gott und endet mit einem Lobpreis Gottes. Die Gemeinde kann die einzelnen Bitten mit „Amen“ bestätigen.
• Beim Wechselgebet, den sogenannten Preces, wechseln sich einzelne Beter oder Gruppen mit Gebetsaufforderungen und kurzen Gebetsrufen ab.
• Bei der Prosphonese trägt ein Beter die Gebetsanliegen ohne unterbrechende Gebetsrufe der Gemeinde vor.
Katholische Messfeier
In der heiligen Messe heißt die Fürbitte „Gebet der Gläubigen“ oder „Allgemeines Gebet (der Gläubigen)“, lateinisch Oratio fidelium beziehungsweise Oratio universalis. Sie war über viele Jahrhunderte kein Bestandteil der Messe und wurde erst durch das Zweite Vatikanische Konzil wieder in die Messfeier aufgenommen. Zuvor wurden Fürbitten nur am Karfreitag gesprochen; sie lassen sich bis ins 1. Jahrhundert zurückverfolgen. In diesem fürbittenden Gebet, einer Form der Litanei, übt die Gemeinde ihren priesterlichen Dienst aus.
Das Gebet steht am Ende des Wortgottesdienstes, nach der Evangeliumslesung und gegebenenfalls nach Homilie und Glaubensbekenntnis. Der Hauptzelebrant leitet es mit einer Einladung an die Gemeinde ein. Er beendet es mit einem Gebet, auf das die Gemeinde mit „Amen“ antwortet. Die einzelnen Anliegen trägt der Diakon, ein Lektor oder ein anderer Gläubiger vor.
Alle Bitten richten sich einheitlich entweder an Gott den Vater oder an Jesus Christus, den Herrn. Vorgesehen ist grundsätzlich diese Reihenfolge: für die Kirche; für die Regierenden und das Heil der ganzen Welt; für die Notleidenden; für die Ortsgemeinde oder örtliche Gemeinschaft. Von diesem Schema darf abgewichen werden. Nach jedem Anliegen antwortet die Gemeinde mit einem gesprochenen oder gesungenen Gebetsruf, meist „Wir bitten dich, erhöre uns“.
Weitere katholische Liturgien
In den Großen Fürbitten der Karfreitagsliturgie ist eine feierliche dreiteilige Form aus der alten Kirche erhalten. Der Priester singt zunächst eine Einladung zum Gebet und nennt das Anliegen. Er oder ein Diakon fordert die Gemeinde auf, die Knie zu beugen. Nach dem Niederknien folgt ein stilles Gebet. Auf die Aufforderung „Erhebet euch“ fasst der Priester das Anliegen in einer Oration, also einem liturgischen Gebet, zusammen; alle antworten mit „Amen“.
Die umstrittene Fürbitte für die Juden aus dem 6. Jahrhundert wurde mehrfach geändert. Historiker ordnen sie dem christlichen Antijudaismus zu und sehen in ihr einen Faktor, der den Antisemitismus beförderte.
Auch das Stundengebet enthält Fürbitten: In den Laudes stehen Preces als Bitten für den Tag, in der Vesper Fürbitten. Die letzte Fürbitte der Vesper gilt immer den Sterbenden oder Verstorbenen. Der zweite Teil der Allerheiligenlitanei enthält eine Reihe von Bitten, die an die Großen Fürbitten des Karfreitags erinnert. Eine Novene, eine über mehrere Tage gehaltene Gebetsform, kann ebenfalls der Fürbitte für ein bestimmtes Anliegen dienen.
Neuere Gottesdienstformen beziehen die Mitfeiernden stärker ein. Besucher können Anliegen aufschreiben, die später vorgelesen oder in Gebetsbitten aufgenommen werden. Der Priester kann zu einer eigenen stillen Bitte anregen; in Gruppengottesdiensten werden Bitten gelegentlich frei und spontan gesprochen. Bei Wort-Gottes-Feiern kann zu den einzelnen Anliegen Weihrauch in einer Schale vor dem Altar verbrannt werden.
Evangelische und byzantinische Praxis
Im evangelischen Gottesdienst wurde das Fürbittengebet früher auch Allgemeines Kirchengebet genannt. Es kann an verschiedenen Stellen stehen, bildet aber meistens den Abschluss des zweiten Gottesdienstteils, der Verkündigung und Bekenntnis umfasst. Bei einer Abendmahlsfeier wird es zuweilen mit dem Dankgebet am Ende des Abendmahlsteils verbunden. Das Vaterunser verdeutlicht den gemeinschaftlichen Charakter: Gebetet wird nicht zu „meinem“, sondern zu „unserem“ Vater. Wer betet, schließt damit andere Christen ein.
Der innere Aufbau orientiert sich traditionell am Vaterunser. Gebetet wird um das Kommen des Reiches Gottes, um die Ausbreitung des Evangeliums und den Dienst der Kirche, für Staat und Gemeinwesen sowie Haus und Beruf, für Menschen am Rand der Gesellschaft und andere Notleidende und für die versammelte Gemeinde. Inhaltlich entspricht dies im Wesentlichen den Anliegen der römisch-katholischen Messe.
In der byzantinischen Liturgie sind Fürbitten sowohl in der Göttlichen Liturgie, der byzantinischen Eucharistiefeier, als auch in allen anderen Gottesdienstformen besonders umfangreich. Grundsätzlich trägt der Diakon sie singend vor; nur ausnahmsweise übernimmt dies der Vorsteher. Die Gemeinde antwortet auf die einzelnen Anliegen meist mit „Kyrie eleison“, deutsch „Herr, erbarme dich“.
Diese Fürbitten heißen Ektenien und folgen einem eigenen, mit einer Litanei vergleichbaren Schema. Die Texte der einzelnen Anliegen sind seit vielen Jahrhunderten nahezu unverändert festgelegt. Das abschließende Priestergebet wird traditionell still gesprochen und daher von der Gemeinde weitgehend nicht wahrgenommen.