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Niederknien
Vielfach wird Niederknien als Ausdruck der religiösen Verehrung einer Göttlichkeit oder eines Fürsprechers ausgeführt. In zahlreichen Religionen wird das …
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Grundbedeutung und Formen
Niederknien oder Kniefall ist eine Geste der Demut gegenüber einer als überlegen verstandenen Person, zum Beispiel einem König oder politischen Herrscher. Im religiösen Bereich kann Niederknien Verehrung einer Gottheit oder eines Fürsprechers ausdrücken. In vielen Religionen dient es außerdem als Haltung beim Gebet, bei der Anbetung oder bei der Meditation. Im weltlichen Bereich kann Niederknien eine symbolische Geste sein, etwa beim Heiratsversprechen.
Die Bewegungen reichen von einer nur angedeuteten Kniebeugung, etwa einem Knicks, bis zur vollständigen Niederwerfung. Die Bedeutungen unterscheiden sich je nach Kultur, Zeit und Ritus. Wichtige Begriffe sind Genuflexio für die Kniebeuge, Genuflexio simplex für die Kniebeuge mit einem Knie und Genuflexio duplex für die Kniebeuge mit beiden Knien. Prostratio bedeutet „sich niederwerfen“ und bezeichnet eine besonders vollständige Form der Niederwerfung. Venia, im Deutschen auch Venien, wurde seit dem Mittelalter für den Kniefall verwendet; in byzantinischen Riten heißt eine entsprechende Form auch Metanie.
Weltliche Bedeutungen
Im politischen Bereich ist Niederknien eine sehr alte Demutsgeste. Sie kann freiwillig oder erzwungen sein. Oft zeigt sie, dass sich ein politischer Gegner vor einer mächtigen oder siegreichen Person demütigt. Ein Beispiel aus der Kunst ist die Unterwerfung unter Schapur I. im Triumphrelief bei Naqsch-e Rostam.
Auch Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkriegs zeigen kniende Figuren. Dort steht das Knien nicht für Heldentum, sondern wirkt mahnend und verweist auf Demut und Kriegstrauma. Ein bekanntes politisches Beispiel ist der Kniefall von Warschau: Willy Brandt kniete im Dezember 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos. Diese Geste gilt als Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.
Seit dem Sommer 2017 knieten einige Schwarze in American-Football-Teams in den Vereinigten Staaten während der Nationalhymne vor Spielen. Sie protestierten damit gegen Diskriminierung und Polizeigewalt. Daraus entstand ein öffentlicher Konflikt mit Donald Trump; auch Menschen außerhalb des Football solidarisierten sich. Eric Reid beschrieb die Haltung als respektvolle Geste, die an eine wegen einer Tragödie auf halbmast gesetzte Flagge erinnern solle.
Als Strafe war bis ins 20. Jahrhundert in Schulen das Knien auf einem Holzscheit verbreitet.
Religiöse Grundlagen
In der Antike war Niederknien besonders im Alten Orient als Proskynese verbreitet. Proskynese bezeichnet eine Geste der Verehrung oder Unterwerfung. Die antiken Griechen grenzten sich zeitweise davon ab; Aristoteles nannte sie eine „barbarische“ Verhaltensform. Alexander der Große versuchte nach seinem Persienfeldzug und der Eroberung des achämenidischen Perserreichs, die Proskynese auch bei seinen makedonischen Gefolgsleuten einzuführen, was zu erheblichen Konflikten führte. Später kritisierten Plutarch und Theophrastos von Eresos das Knien als Ausdruck von Aberglauben. In der römischen Spätantike wurde es als Teil des kaiserlichen Hofzeremoniells wieder eingeführt und blieb im Oströmischen beziehungsweise Byzantinischen Reich gegenüber dem Kaiser üblich.
Im Judentum wird Niederknien im Tanach mehrfach beschrieben. Beispiele sind Salomo, der vor der Versammlung Israels auf die Knie geht und betet (2 Chr 6,13–14), sowie Ps 95,6: „Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!“ Dennoch ist im jüdischen Gebet das Stehen häufiger, weil es als alter Ausdruck der Ehrfurcht gilt. Das Achtzehnbittengebet heißt auch Amida, also „Stehgebet“. Das hebräische Wort berech für Knie ist mit Bracha, „Segen“, stammverwandt. Die Knie galten als Sinnbild für Kraft; das Beugen der Knie bedeutet daher das Beugen der Kraft vor dem lebendigen, einzigen Gott.
Im Christentum unterscheidet die Bibel drei nah verwandte Haltungen: Prostratio, also das Sich-zu-Boden-Strecken vor der Macht Gottes, das Zu-Füßen-Fallen im Neuen Testament und das Knien. Sprachlich sind diese Haltungen nicht immer klar zu trennen. Das griechische Wort proskynein kommt im Neuen Testament 59-mal vor, davon 24-mal in der Offenbarung des Johannes. Es bedeutet ursprünglich „küssen“, wurde aber schon zur Zeit des Neuen Testaments im Sinn von „durch Niederwerfen Ehre erweisen“ verwendet. Ein wichtiges Beispiel ist die Prostratio Jesu am Ölberg vor seinem Leiden: „Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe“ (Mk 14,35).
Katholische Praxis
In der römisch-katholischen Kirche hat die Kniebeuge eine genaue liturgische Bedeutung. Eine einfache Kniebeuge wird mit einem Knie bis zum Boden ausgeführt, gewöhnlich mit dem rechten Knie. Katholiken machen sie vor dem im Tabernakel aufbewahrten Allerheiligsten oder in Richtung des Tabernakels, etwa beim Betreten der Kirchenbank, beim Vorübergehen am Tabernakel und beim Verlassen der Kirche. Der Ort des Tabernakels wird durch das ewige Licht angezeigt. Auch Zelebranten, Diakone und liturgische Dienste wie Ministranten, Lektoren und Kommunionhelfer beugen beim Einzug und Auszug vor dem Allerheiligsten das Knie.
Der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt in Nr. 1378, dass Katholiken ihren Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein unter anderem dadurch ausdrücken, dass sie „zum Zeichen der Anbetung des Herrn die Knie beugen oder uns tief verneigen“. Die Grundordnung des römischen Messbuchs (GRM 274) sagt: „Die Kniebeuge, bei der das rechte Knie bis zum Boden gebeugt wird, bringt die Anbetung zum Ausdruck; sie ist deshalb dem allerheiligsten Sakrament vorbehalten sowie dem heiligen Kreuz von der feierlichen Anbetung während der liturgischen Feier des Freitags vom Leiden des Herrn an bis zum Beginn der Ostervigil.“
Bei der doppelten Kniebeuge werden beide Knie gebeugt, beide Knie berühren nebeneinander den Boden und man verneigt sich. Sie wird vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, beim Vorbeitragen des Allerheiligsten oder beim sakramentalen Segen praktiziert. Wenn der Betende länger in dieser Haltung bleibt, spricht man vom Niederknien. In katholischen Kirchen gibt es oft Kniebänke; eine Kniebank für einen einzelnen Beter heißt Betschemel oder Betstuhl.
In der Messe sollen die Gläubigen wenigstens bei der Konsekration bis zum Ruf „Deinen Tod …“ knien, weil die eucharistischen Gaben bei der Wandlung zum Leib und Blut Christi werden. Mancherorts kniet man auch vom Agnus Dei bis zur Kommunion und beim Kommunionempfang an der Kommunionbank. Gekniet wird außerdem bei förmlicher Aufforderung „Beuget die Knie“, an Weihnachten und am Hochfest der Verkündigung des Herrn beim Glaubensbekenntnis zur Menschwerdung Christi, am Palmsonntag und Karfreitag während der Passion nach der Stelle vom Tod Jesu sowie an Pfingsten zum Ruf „Komm, Heiliger Geist“. Auch bei eucharistischer Anbetung, beim Sakramentalen Segen, beim Empfang bestimmter Sakramente und Sakramentalien sowie im Stundengebet kommt Knien vor.
Weitere christliche Formen
Der Kniefall oder die Venie ist ein schnell ausgeführtes Niederknien. Seit dem Mittelalter bezeichnet Venie den Kniefall. In der lateinischen Kirche ist sie in einigen ordenseigenen Riten und frommen Übungen Ausdruck von Anbetung, Verehrung und inständiger Bitte; in byzantinischen Riten heißt sie auch Metanie.
Eine besondere Form ist die Prostratio, bei der sich eine Person ausgestreckt niederwirft. Sie steht für Demut, Hingabe und flehentliche Bitte. In der katholischen Liturgie kommt sie unter anderem zu Beginn der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag, beim Empfang des Weihesakraments, beim Ablegen feierlicher Ordensgelübde und bei der Jungfrauenweihe vor. Eine weitere Bußform ist das rutschende Fortbewegen auf den Knien, etwa bei Wallfahrten oder beim knienden Erklimmen der Scala Santa im römischen Lateran und entsprechender „heiliger Stiegen“.
In orthodoxen Kirchen ist Knien in der sonntäglichen Liturgie nicht üblich. Stattdessen gibt es den Pojasnoi Poklon, eine kleine Metanie: eine halbe Verbeugung mit Berührung des Bodens und Bekreuzigung. An anderen Wochentagen gibt es in manchen Kirchen Niederwerfungen. Die orthodoxe Praxis folgt damit Bestimmungen des frühen Christentums, nach denen Knien am Sonntag, dem Festtag der Auferstehung Jesu Christi, sowie während der gesamten „Pentekoste“ von Ostern bis Pfingsten unangemessen ist. Dies wurde im can. 20 des Ersten Konzils von Nicäa festgelegt.
In bekenntnislutherischen Kirchen, etwa der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, macht der Pfarrer im Heiligen Abendmahl nach der Elevation der Gaben jeweils eine Kniebeuge. Einige Gemeindeglieder tun dies vor dem Empfang von Christi Leib und Blut. Knien ist dort an bestimmten Stellen der Liturgie häufig, aber nicht verpflichtend. Es kann beim Rüstgebet, bei der allgemeinen Beichte, beim Empfang der Absolution, während der Konsekrationsworte, beim Vaterunser, beim Lied „Christe, du Lamm Gottes“ und bei besonderen Segenshandlungen wie Trauung, Konfirmation, Taufe oder Ordination vorkommen.
In reformierten Kirchen gibt es in der Regel keine Kniebänke. Nach Calvin und Zwingli sollte der Ritus von allem befreit werden, was nicht ausdrücklich in der Bibel steht, darunter auch das Knien im Gottesdienst, besonders beim Abendmahl. Das Abendmahl wird von der Gemeinde stehend um einen Tisch empfangen.
Andere Religionen
Im Buddhismus und Hinduismus wird Knien als Körperhaltung während der Meditation verstanden.
Im Islam ist Knien während des Gebets auf einem Gebetsteppich üblich. Es handelt sich dabei nicht um ein christliches Knien mit aufrechter Körperhaltung, sondern eher um ein Aufsitzen auf Knien und Füßen bei der Niederwerfung.