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Überweidung
Durch anthropogenen und natürlichen Klimawandel kann es zur weiteren Ausdehnung solcher degenerierter Gebiete kommen. In Kältesteppen können aufgrund der …
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Begriff und Folgen
Überweidung liegt vor, wenn Nutztiere die krautige Pflanzendecke einer Weide oder eines Biotops durch Verbiss und/oder Vertritt länger oder stärker beanspruchen, als sie sich regenerieren kann. Der Weidedruck hängt vor allem von Herdengröße und Dauer der Beweidung ab. Überschreitet er die ökologische Tragfähigkeit, also die Belastungsgrenze eines Lebensraums, entstehen Überweidung und Bodendegradation.
Betroffene Pflanzen können sich nicht ausreichend erneuern und bilden weniger Biomasse als unter normalen Bedingungen. Die fortlaufende Verringerung oberirdischer Pflanzenteile verringert auch die Wurzeln. Das begünstigt bei anhaltender Trockenheit das Absterben der Pflanzen und macht Bodenerosion wahrscheinlicher. Überweidung wird vor allem mit menschlichem Handeln verbunden; sie führt zu Biodiversitätsverlust und geringerer Bodenqualität. Irreversibel geschädigte Böden können zur Verödung oder Desertifikation ganzer Landstriche führen.
Entstehung durch menschliche Nutzung
In natürlichen Ökosystemen regulieren sich Tier- und Pflanzenpopulationen gegenseitig; ihre Individuenzahlen stellen sich auf die jeweilige Tragfähigkeit des Lebensraums ein. Deshalb kommt es in naturbelassenen Landschaften in der Regel nicht zu Überweidung. Historische Untersuchungen zum amerikanischen Bison und zum nordamerikanischen Grasland vor dem Eintreffen der Europäer zeigen laut Artikel auch für die Anwesenheit indigener Völker, etwa der Blackfoot, keine Störung dieses Gleichgewichts.
Überweidung ist eine Folge nicht nachhaltiger, anthropogener Nutzung. Mit traditionellen Formen der Viehwirtschaft entstanden neue Kulturlandschaften und ehemalige Naturlandschaften wurden zurückgedrängt. Große Teile der eurasischen Waldsteppe könnten durch verstärkte Weidenutzung entstanden sein: Der Baumbewuchs wurde stärker eingeschränkt als durch wilde Weidetiere. Wegen niedrigerer Bevölkerungszahlen und extensiver nomadischer Tierhaltung waren Überweidungsschäden in der Vorgeschichte jedoch unbekannt.
Gefährlich wird eine unangepasste Intensivierung der Tierhaltung, beispielsweise bei starkem Bevölkerungswachstum oder beim Übergang von Subsistenz- zu Erwerbswirtschaft mit Anreizen zur Überschussproduktion. Besonders empfindlich sind aride Naturweiden des Pastoralismus. Ihre nachhaltige Nutzung erfordert traditionellen Nomadismus oder durchdachtes Weidemanagement. Auch in humiden, normalerweise bewaldeten Regionen traten seit dem Mittelalter Schäden auf, etwa bei der Entstehung sandiger Heiden aus mittelalterlichen Allmenden Mitteleuropas.
Entwicklung seit der industriellen Revolution
Seit der industriellen Revolution haben Überweidung, sinkende Bodenfruchtbarkeit und Desertifikation weltweit drastisch zugenommen. Besonders betroffen sind aride Lebensräume wie Steppen, Trockensavannen und Trockenwälder. In der Alten Welt wird vor allem der Niedergang des ursprünglich nachhaltig betriebenen Nomadismus genannt: Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wandelten staatliche Sesshaftmachungsprogramme und marktwirtschaftliche Einflüsse ihn zunehmend in eine ungeregelte, intensivierte mobile Tierhaltung um.
Überhöhte Tierbestände wurden beispielsweise in Afrika durch den mit Fremdmitteln geförderten Bau von Brunnen für Viehtränken möglich. In Trockenregionen Amerikas, Südafrikas und Australiens etablierte sich seit der Kolonisation eine von Europäern eingeführte, stationär-extensive, von Anfang an marktwirtschaftlich und profitorientiert ausgerichtete Weidewirtschaft.
Unterschiede nach Klima und Landschaft
Grasende Tierarten sind mit Graslandschaften koevolviert. Kurzzeitiges, intensives Abgrasen durchziehender Herden kann das Pflanzenwachstum anregen. Dung und Urin fördern das Bodenleben; der Boden speichert Regenwasser dann wirksamer und bietet Artenreichtum. Dies ist nicht gleichbedeutend mit Überweidung.
In der mediterranen Hartlaubzone mit heiß-trockenen Sommern und Winterregen führt Überweidung durch Ziegen und Schafe zu stärkerer Bodenerosion. Bei bereits fortgeschrittener Erosion droht Bodendegradation; anthropogener und natürlicher Klimawandel können degenerierte Gebiete weiter ausdehnen. In Kältesteppen sind Vegetation und Wachstumsperiode besonders empfindlich und kurz. Beispiele für Schäden sind Schafzucht auf Island und intensivierte Rentierhaltung in Skandinavien.
Auch Grünlandwirtschaft gemäßigter Klimate kann überweidet werden, obwohl sie auf früher bewaldeten Flächen stattfindet. Sie ist nur nachhaltig, wenn das Grasland als Ersatzgesellschaft erhalten bleibt. Die Great Plains wurden dagegen traditionell von frei lebenden Büffelherden beweidet, ohne ihr Gleichgewicht zu gefährden. Überweidung trat im „Wilden Westen“ der USA erst nach dem Abschlachten der Bisons und mit profitorientiertem Ranching auf.
In Mitteleuropa weisen Trittzeiger wie Wegerich, Nährstoff- und Säurezeiger, Einjähriges Rispengras (Poa annua), Quecke (A. repens), Disteln und auf feuchten Weiden auch Binsen auf Überbeweidung durch Rinder hin. Bei dauerhaft überhöhten Tierbeständen verschwinden geeignete Futterpflanzen; übrig bleiben ungenießbare oder wertlose Arten. Besonders betroffen sind Berglagen sowie trockene, ertragsschwache Gebiete. Der Bedeckungsgrad sinkt durch Tritt, die Pflanzendecke kann teilweise absterben, und Oberbodenerosion erschwert die Wiederbesiedlung. In geschädigten Trockengebieten kann ein höherer Ziegenanteil einen Teufelskreis auslösen: Ziegen sind genügsam, weiden die Grasnarbe aber besonders tief ab und verstärken dadurch die Erosion.