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Wald
Wald (auch Waldung) im alltagssprachlichen Sinn und im Sinn der meisten Fachsprachen ist ein Ausschnitt der Erdoberfläche, der von Bäumen bedeckt wird und …
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Begriff und Abgrenzung
Ein Wald ist eine von Bäumen bedeckte Fläche, die je nach Zusammenhang eine bestimmte Mindestgröße und Mindestdeckung erreichen muss. Die Definition ist deshalb vage: Im Alltag, in Geographie, Biologie, Recht, Wirtschaft und Ökologie gelten teilweise unterschiedliche Kriterien. In der deutschen Forstwissenschaft ist Wald eine Pflanzenformation, die im Wesentlichen aus Bäumen besteht und groß genug ist, damit sich ein charakteristisches Waldklima entwickeln kann. Nach § 2 des deutschen Bundeswaldgesetzes ist Wald „jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche“; dazu gehören auch Kahlschläge, verlichtete Flächen, Waldwege und Lichtungen.
Vier wichtige Sichtweisen sind zu unterscheiden:
- Juristisch zählt, was das jeweilige Gesetz als Wald bestimmt; dabei können auch nicht baumbestandene Flächen wie Wildwiesen, Holzlagerplätze oder Sturmwurfflächen dazugehören.
- Ökonomisch ist Wald eine forstwirtschaftlich genutzte Fläche. Landwirtschaftliche oder gärtnerische Baumbestände wie Weihnachtsbaumkulturen und Energieholzplantagen gelten dann nicht als Wald.
- Vegetationsstrukturell entscheiden Mindestfläche und Deckungsgrad der Baumschicht. Solche Kriterien werden etwa bei Satellitenmessungen verwendet; der gewählte Schwellenwert beeinflusst die ausgewiesene Waldfläche erheblich.
- Ökologisch ist Wald eine Lebensgemeinschaft von Arten, die an geringe Beleuchtung, Waldinnenklima und Waldböden angepasst sind. Sie benötigt eine Mindestgröße, damit die Arten ausreichend Lebensraum finden.
Die FAO zählt Flächen ab 0,5 ha mit mindestens 10 % Kronenfläche und Bäumen, die 5 m Höhe erreichen können, als Wald; auch Plantagen können dazugehören. Obstplantagen und Agrarforstsysteme sind ausgenommen. Die UNESCO unterscheidet geschlossenen Wald mit geschlossenem Kronendach von Offenwald mit über 40 % Deckung. Die UNFCCC lässt für nationale Walddefinitionen 0,05–1 ha, mehr als 10–30 % Kronendeckung und 2–5 m erreichbare Baumhöhe zu. Die Staaten des Kyoto-Protokolls dürfen innerhalb dieser Spannen Werte wählen, sollen sie aber nicht nachträglich verändern.
Klima, Aufbau und Waldtypen
Wälder sind komplexe und bei optimaler Ressourcennutzung besonders produktive Landökosysteme. Sie werden nach Arteninventar, räumlicher Struktur und Abläufen untersucht. Zur Struktur gehören etwa Kraut-, Strauch- und Baumschichten; wichtige Abläufe sind Nährstoffkreislauf, Nahrungsketten, Bestäubung und Sukzession, also die schrittweise Veränderung einer Lebensgemeinschaft.
Für ungestörten Baumwuchs gelten eine mittlere Lufttemperatur von +6 °C während einer mindestens dreimonatigen Vegetationsperiode und etwa 400 mm Jahresniederschlag als Untergrenze; in Randlagen können es weniger als 200 mm sein. Bei Trockenheit geht Wald in offene Landschaften über. In kalten Gebieten oder Hochlagen folgen auf zunehmend krumme, offene Gehölze der Krummholzgürtel und schließlich die Baumgrenze. Weltweit gibt es schätzungsweise 3040 Milliarden Bäume.
Temperatur, Niederschlag und deren Jahresverlauf erzeugen Waldtypen der Klimazonen. Gebirge bilden durch Höhenstufen extrazonale Bergwälder. Besondere Böden oder Standorte wie Dünen, Moore und Küsten führen zu azonalen Typen, etwa Au-, Sumpf-, Bruch- und Mangrovenwäldern. Die größten Waldgebiete liegen in den tropischen Regenwäldern um den Äquator sowie in den borealen Wäldern Skandinaviens, Russlands, Alaskas und Kanadas. Waldflächen sind keine gleichförmigen Gebilde, sondern ein Mosaik, das unter anderem von Tieren und periodischer Entwicklung beeinflusst wird. Für eine vollständige Artenausstattung von Klimaxwaldgesellschaften sind Jahrhunderte ununterbrochener Bestockung nötig. Der Einfluss großer Pflanzenfresser auf die Waldentwicklung ohne menschliche Jagd ist umstritten.
Tropische Regen- und Nebelwälder entstehen bei 1800–2000 mm Niederschlag. Tropische Regenwälder wachsen ganzjährig und beherbergen schätzungsweise 70 % aller landgebundenen Arten. Wolken- und Nebelwälder tragen viele Epiphyten, also Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen; Bergnebelwälder finden sich in feuchtheißen Tropen ab 2000 m. Mangrovenwälder wachsen an tropischen Küsten und sind an Salz, Überflutung und Brandung angepasst, gehen aber stark zurück.
In den Subtropen reichen die Formen von Saisonregen- und Monsunwäldern über trockenkahle Wälder bis zu Dorn- und Sukkulentenwäldern. Je länger die Trockenzeit, desto stärker fällt der Laubabwurf aus; bei weiter sinkendem Niederschlag folgen Savannen. Warmtemperierte Gebiete haben Hartlaubwälder, zum Beispiel mit Steineichen am Mittelmeer, sowie sommerfeuchte Laubwälder. In der kühltemperierten Zone kommen sommergrüne Laub- und Mischwälder, Bruch- und Auwälder sowie gemäßigte Regenwälder vor. Die boreonemorale Übergangszone hat hemiboreale Nadel-Laubmischwälder. Die boreale Taiga umfasst 1,4 Milliarden ha beziehungsweise etwa ein Drittel der Waldfläche der Erde und ist das größte geschlossene Waldgebiet; sie kommt nur auf der Nordhalbkugel vor und wird vor allem von Nadelhölzern geprägt.
Natürlichkeit und Waldformen
Ein Wald ist umso naturnäher, je weniger Menschen seine Baumartenzusammensetzung verändert haben und je weniger er für seine Produktion zusätzliche Energie außer Sonnenenergie benötigt. Urwälder oder Primärwälder sind nach FAO natürliche Waldgebiete ohne sichtbaren menschlichen Einfluss und mit ungestörter natürlicher Dynamik. Im Jahr 2005 erfüllten etwa 36 % aller Wälder diese Kriterien; ihre Fläche verringerte sich jährlich um 6 Millionen ha. Nach der strengeren IFL-Definition sind intakte Waldlandschaften mindestens 50.000 ha groß und 10 km breit, unzerschnitten, weitgehend unbewohnt sowie in den letzten 30–70 Jahren nicht industriell genutzt. Nur 21 % der Wälder der Erde erfüllen diese Definition; nur 12,4 % der IFL sind geschützt.
Von 2000 bis 2013 sank die IFL-Fläche weltweit um 7,2 % oder rund 90 Millionen ha. Etwa 60 % des Verlustes entfielen auf tropische Regenwälder und 19 % auf boreale Nadelwälder. Rund 52 % aller Verluste lagen in Kanada, Russland und Brasilien. In Europa gelten noch 6,4 % als intakte natürliche Waldökosysteme, überwiegend in der Taiga Nordrusslands. In Deutschland gibt es keine echten Urwälder mehr, aber kleine urwaldähnliche Relikte und mit über 5000 ha die größte ungenutzte Laubwaldfläche im Nationalpark Hainich.
Naturnahe Wirtschaftswälder bestehen überwiegend aus einheimischen und standortgerechten Baumarten, werden aber früher geerntet, als die Bäume natürlich alt würden. Naturfernere Wirtschaftswälder enthalten fremdländische, genetisch verarmte oder standortfremde Baumarten; Beispiele sind viele Kiefern-Fichten-Mischwälder und reine Fichtenkulturen in ungeeigneten Lagen.
Plantagen sind die naturfernsten Waldsysteme. Meist wachsen dort nur eine schnellwüchsige Baumart, etwa Eukalyptus oder Monterey-Kiefer. Kennzeichen sind intensive Bodenbearbeitung, Dünger und Pestizide, oft Umtriebszeiten unter 10 Jahren, Züchtung und teilweise Klonen oder gentechnisch veränderte Organismen. Ihre Rentabilität liegt vergleichsweise oft bei 15–20 %. Umweltschutzorganisationen kritisieren Plantagen wegen ihres geringen ökologischen Werts, möglicher Grundwasserschäden und sozialer Konflikte.
Nutzen, Schutz und Konflikte
Wälder erfüllen wirtschaftliche, ökologische und soziale Funktionen. Nachhaltige Forstwirtschaft liegt vor, wenn diese Funktionen zugleich ausreichend erfüllt werden, ohne ihre Grundlage und Regenerationsfähigkeit zu verlieren. Die weltweit jährlich erbrachten Waldfunktionen wurden für 1997 auf 4,7 Billionen US-Dollar geschätzt, damals etwa ein Viertel des weltweiten Bruttosozialprodukts.
Wirtschaftlich liefert der Wald Holz als Bau- und Werkstoff, Zellstoff oder Energieträger wie Brennholz, Hackschnitzel und Holzkohle. Weitere Nutzungen sind Agroforstwirtschaft, Nichtholzprodukte wie Heilkräuter, Beeren, Nüsse und Kork sowie Jagd und teils Viehwirtschaft. Holz war bis zur Erschließung fossiler Energieträger der wichtigste Energieträger. Wegen durch Raubbau verursachter Holznot entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts Forstwirtschaft als Konzept nachhaltiger Nutzung.
Viele Leistungen haben keinen Marktpreis, etwa CO2-Speicherung, Biodiversität, Boden-, Luft- und Wasserschutz, Tourismus und Erholung. Eine intensive Nutzung kann Nährstoffe durch die Entnahme von Restholz verringern, Waldböden durch schwere Maschinen verdichten, Pestizidprobleme verursachen und wandernde Tiere durch Wege und Lärm beeinträchtigen. Waldbrände sind ebenfalls eine Gefahr; bei untersuchten Bränden ging ein großer Teil auf menschlichen Einfluss zurück.
Wälder schützen Böden durch Kronendach, Stockwerkbau und Wurzeln vor Erosion. In Steillagen bremsen sie Lawinen, Steinschlag und Muren. Als Wasserspeicher verlangsamen sie Oberflächenabfluss und halten Wasser im Boden zurück. Sie bieten vielen scheuen und besonders angepassten, silvicolen Arten Rückzugsräume. Wiederbewaldung kann aber offene Wiesen und Brachen verdrängen, deren Arten auf diese Lebensräume angewiesen sind.
Bei der Fotosynthese nehmen Pflanzen CO2 auf und geben O2 ab. Weltweit sind in Wäldern etwa 862 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert: 471 Milliarden Tonnen in tropischen, 272 Milliarden Tonnen in borealen und 119 Milliarden Tonnen in gemäßigten Wäldern. Im deutschen Wald sind 2,2 Milliarden Tonnen gebunden. Wachsende Wälder wirken als reale Kohlenstoffsenke; etablierte Wälder binden netto wenig, ungestörte Urwälder ohne Nettozuwachs nichts zusätzlich, bleiben aber wichtige Kohlenstoffspeicher. Die vierte Bundeswaldinventur stellte im Oktober 2024 fest, dass der deutsche Wald seit 2017 wegen klimabedingter Schäden mehr Kohlenstoff abgibt als aufnimmt.
Der Waldkonflikt beschreibt den Gegensatz zwischen Naturschutz und Nutzung. Ein weiterer Konflikt besteht zwischen Wald und Wild: Hohe Dichten von Pflanzenfressern können durch Verbiss die natürliche Verjüngung und die Baumartenvielfalt verringern. Weiserflächen und Vegetationsgutachten dienen der Beurteilung. Das Bundesjagdgesetz von 1976 gibt einer ordnungsgemäßen Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft Vorrang vor der zahlenmäßigen Hege waldschädigender Wildarten.
Waldentwicklung und Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Wälder werden natürlich durch Brände, Vulkanausbrüche, Klimawechsel, Insekten und Tiere verändert. Menschen rodeten sie vor allem für Siedlungen und Ackerflächen sowie für Holz. Große zusammenhängende Waldgebiete außerhalb Europas verringern sich netto um etwa 13 Millionen ha jährlich, besonders in Lateinamerika, dem Kongobecken und Südostasien. Einer Studie von 2018 zufolge nahm die Waldfläche der Tropen von 1982 bis 2016 deutlich ab; die globale Baumbedeckung stieg jedoch um 2,24 Millionen km² oder 7,1 %, unter anderem durch weniger kahle Agrarflächen in Asien. Plantagen werden dabei mitgezählt und sagen nichts über die ökologische Qualität aus. Nach einer Studie von 2021 sind 30 % der Baumarten vom Aussterben bedroht.
Deutschland hatte laut dritter Bundeswaldinventur 2012 11.419.124 ha Wald, das sind 32 % der Staatsfläche. Zwischen 2002 und 2012 stieg die Fläche um rund 48.000 ha; der Holzvorrat betrug 2012 3,663 Milliarden Festmeter oder 336 m³/ha und stieg bis 2022 auf 3,7 Milliarden Festmeter. Die Fläche gehört zu 48 % privaten, zu 32,5 % staatlichen und zu 19,4 % kommunalen Eigentümern. In der älteren Baumschicht stehen etwa 40 % Laub- und 60 % Nadelbäume, in der jüngeren Generation dagegen 70 % Laub- und 30 % Nadelbäume. Mischwälder sind artenreicher, stabiler und weniger anfällig für extreme Insektenschäden. DLR-Daten vom 23. September 2025 nennen für 2017 bis 2024 einen Verlust von über 900.000 ha oder 8,5 % des deutschen Waldbestandes, vor allem durch Dürre, Hitze, Stürme und Schädlingsbefall in nicht standortgerechten Fichtenbeständen.
In Österreich bedeckt Wald etwa 4,0 Millionen ha beziehungsweise 48 % des Staatsgebiets. Nur 0,7 % der Wälder sind natürlich oder streng geschützt, etwa 20 % beziehungsweise 755.000 ha sind Schutzwald. Mehr als zwei Drittel sind Nadelwald; Fichte stellt über 50 % aller Bäume. Es wächst etwa 30 % mehr Holz nach, als genutzt oder geschädigt wird.
Rund ein Drittel der Schweiz ist bewaldet. Das seit 1903 geltende Waldgesetz soll die Waldfläche erhalten; Rodungen sind grundsätzlich verboten, Ausnahmen möglich. Schutzwälder in den Alpen machen rund 10 % der Waldfläche aus. Der Holzvorrat liegt bei 336,6 m³/ha. In der Periode 2015 bis 2025 wurden jährlich rund 5 Millionen Kubikmeter Holz geerntet, zu etwa 66 % Nadelholz und 34 % Laubholz. Zwischen 2011 und 2023 war jeder achte Baum im Schweizer Wald tot.
Erholung, Bildung und besondere Aufgaben
Wälder dienen der Naherholung, dem Tourismus und Sportarten wie Wandern, Nordic Walking, Jogging, Skilanglauf und Mountainbiking. Besucher schätzen laut unterschiedlichen Studien gefilterte Luft, angenehme Gerüche, gedämpfte Geräusche sowie die höhere Luftfeuchtigkeit und sommerliche Kühle des Waldinnenklimas. Dem Wald werden positive Wirkungen auf Entspannung, psychische Verfassung und Sozialleben zugeschrieben. Deutschland kennt deshalb den rechtlichen Status Erholungswald; Mecklenburg-Vorpommern ergänzte ihn 2011 um Kur- und Heilwald.
Waldbaden, japanisch shinrin-yoku, bezeichnet seit den 1980er Jahren die meditative Erfahrung eines Waldaufenthalts und behauptete gesundheitliche Wirkungen. Japanische Forschende maßen dabei eine erhöhte Aktivität von natural killer cells. In Deutschland spielt der Begriff in Esoterik, alternativer Medizin und Naturtourismus eine Rolle.
Waldpädagogik vermittelt die Bedeutungen des Waldes und soll eine emotionale Beziehung zu ihm fördern. Dazu gehören unter anderem weit mehr als tausend Waldlehrpfade in Deutschland und Waldkindergärten. Wälder können außerdem Forschungs- und Lehrorte sein, kulturelles Erbe und Landschaftsschutzgut darstellen sowie Naturdenkmäler und menschliche Spuren wie Hügelgräber bewahren. Eine Umwandlung in Bauland oder andere Nutzungen ist in den DACH-Ländern daher meist nur ausnahmsweise möglich und kann Aufforstungen als Ausgleich erfordern. Der 21. März ist seit den 1970er Jahren der von der FAO eingerichtete Tag des Waldes.
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