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Gewässer
Im Trophiesystem der Ökologie werden vier Trophiestufen unterschieden: ... In: Lexikon der Biologie, Spektrum-Verlag; abgerufen am 9. November 2017 …
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Grundbegriff und Bedeutung
Ein Gewässer ist in der Natur fließendes oder stehendes, flüssiges Wasser. Es ist Teil des natürlichen Wasserkreislaufs. Gewässer sind nicht nur Wassermengen, sondern auch Lebensräume: In der Ökologie heißen gewässergebundene Lebensräume aquatische Ökosysteme.
Die wissenschaftliche Untersuchung oberirdischer Gewässer gehört zur Hydrologie. Sie wird in Limnologie, also Binnengewässerkunde, und Ozeanografie, also Meereskunde, eingeteilt. Unterirdische Gewässer werden in der Hydrogeologie untersucht.
Nach DIN 4049 besteht ein Gewässer aus drei Bestandteilen: dem Wasserkörper, also dem Wasservolumen selbst, dem Gewässerbett, also der Umfassung des Wassers aus Sohle und Ufer, und dem zugehörigen Grundwasserleiter.
Wichtige Einteilungen
Gewässer können nach verschiedenen Kriterien typisiert werden. Eine klassische Einteilung unterscheidet Meere als Salzwasser sowie Binnengewässer und Grundwasser als Süßwasser. Daneben gibt es Übergangsformen wie Brackwasser, also Wasser mit einem Salzgehalt zwischen Süß- und Meerwasser.
Nach der Lage des Wasserkörpers unterscheidet man Oberflächengewässer und unterirdische Gewässer. Oberflächengewässer liegen über der Erde. Unterirdische Gewässer sind zum Beispiel Grundwasser oder Höhlenseen. Grundwasser tritt meist als zusammenhängender Wasserkörper im Lückensystem des Bodens, in Lockergesteinen oder in Klüften und Spalten von Festgestein auf. Eine solche grundwasserleitende Schicht heißt Aquifer oder Grundwasserleiter.
Eine Quelle verbindet unterirdisches Wasser mit Oberflächenwasser. Das Gegenteil ist eine Schwinde: Dort verschwindet Oberflächenwasser im Untergrund. Wenn ein Gewässer vor allem als Einleitungsstelle für Entwässerung, besonders Abwasser, betrachtet wird, nennt man es Vorfluter.
Binnengewässer und Meere
Binnengewässer sind Gewässer im Landesinneren. Sie können natürlich entstanden oder künstlich sein und oberirdisch oder unterirdisch liegen. Man unterscheidet vor allem Fließgewässer und Stillgewässer.
Zu den oberirdischen Fließgewässern gehören Strom, Fluss, Bach und Kanal. Ein Strom ist ein sehr großes Fließgewässer, das in ein Meer mündet. Ein Fluss ist ein großes Fließgewässer, ein Bach ein kleines. Kanäle sind künstliche Gewässer und Bauwerke des Verkehrswesens; viele Schifffahrtskanäle bestehen aus einer Kette von Stauhaltungen und sind daher außerhalb des Schleusenstroms eigentlich stehende Gewässer. Unterirdische Fließgewässer sind zum Beispiel Höhlenflüsse und Kluftwasser.
Zu den oberirdischen Stillgewässern gehören See, Stausee, Weiher, Teich, Tümpel und Pfütze. Ein See ist eine größere Wasseransammlung. Ein Stausee ist künstlich. Ein Weiher ist klein und mäßig tief und hat keinen Zu- und Abfluss. Ein Teich ist klein und mäßig tief, hat Zu- und Abfluss und ist künstlich. Ein Tümpel trocknet regelmäßig aus, eine Pfütze ist kurzzeitiges stehendes Wasser. Unterirdische Stillgewässer sind etwa Höhlenseen und Zisternen.
Die meisten natürlichen Gewässer entwässern letztlich ins Meer; solche Gewässer heißen exorheisch. Wenn sie nicht ins Meer entwässern, handelt es sich um endorheische Gewässer.
Meere sind die miteinander verbundenen Stehgewässer der Erde, die die Landmassen umgeben. Ozeane sind die größten Meere. Ein Nebenmeer ist vom freien Meer mehr oder weniger abgetrennt. Dazu gehören Randmeere, Mittelmeere und Binnenmeere. Festlandnahe Meeresgebiete heißen Küstengewässer.
Strömung, Wasserführung und Nährstoffe
Nach dem Strömungsverhalten unterscheidet die Hydrodynamik grundsätzlich Gerinne, also strömendes Wasser, und strömungsfreie Gewässer. Bei Gerinnen gibt es Strömungen in offenen Gerinnen, Strömungen in geschlossenen Gerinnen und Sickerströmungen. Auch in Stillgewässern können vergleichbare Strömungen auftreten.
Stillgewässer werden außerdem nach ihrer Durchmischung beschrieben. Amiktische Gewässer haben keine Durchmischung. Meromiktische Gewässer werden nicht vollständig durchmischt. Holomiktische Gewässer werden vollständig durchmischt.
Nach der Wasserführung im Zeitverlauf gibt es perennierende, intermittierende, periodische und episodische Gewässer. Perennierende Gewässer oder Quellen führen das ganze Jahr über Wasser. Intermittierende Gewässer fallen teilweise trocken. Periodische Gewässer führen in regelmäßigem Zyklus Wasser, zum Beispiel Tümpel, Gerinne der Schneeschmelze, Schmelzwasserseen oder Gewässer unter Einfluss der Gezeiten. Episodische Gewässer führen nur gelegentlich Wasser, etwa nach Regenfällen. Sehr kurzfristig wasserführende Gewässer wie Pfütze, Wadi und Rivier heißen auch ephemere Gewässer.
Nach dem Nährstoffgehalt unterscheidet die Ökologie vier Trophiestufen: oligotroph bedeutet niedriger Nährstoffgehalt, mesotroph mittlerer Nährstoffgehalt, eutroph hoher Nährstoffgehalt und hypertroph übermäßiger Nährstoffgehalt.
Recht und ökologischer Zustand
Im Wasserrecht lehnen sich die Begriffe weitgehend an die naturwissenschaftlichen Begriffe an, sind aber nicht immer genau deckungsgleich und können sich historisch ändern. Das deutsche Wasserhaushaltsgesetz (WHG) zählt zu den Gewässern oberirdische Gewässer, Grundwasser, Küstengewässer und Meeresgewässer. Auch kleine Gewässer wie Straßenseitengräben als Bestandteil von Straßen, Be- und Entwässerungsgräben oder Heilquellen können dazugehören. Dabei ist unerheblich, ob ein Gewässer natürlich oder künstlich ist, erheblich verändert wurde, in einem Bett fließt oder steht, streckenweise unterirdisch kanalisiert wird oder aus einer Quelle wild abfließt.
Der ökologische Zustand von Fließ- beziehungsweise Oberflächengewässern und von Grundwasser wird in der Europäischen Union nach der Richtlinie 2000/60/EG, der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), untersucht. Die Einteilung erfolgt nach fünf Graden: „sehr gut“, „gut“, „mäßig“, „unbefriedigend“ und „schlecht“.
Nach einem 2018 veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur sind zwei Drittel der europäischen Gewässer in keinem guten ökologischen Zustand. In vielen kleinen Bächen werden immer wieder starke Pestizidbelastungen gemessen, die die zugelassenen Grenzwerte teilweise bei weitem übersteigen.
Farbe von Gewässern
Die Farbe eines Gewässers hängt von Licht, Nährstoffen, Plankton und gelösten oder schwebenden Stoffen ab. Reines Wasser in einem nährstoffarmen und phytoplanktonarmen Gewässer absorbiert mit zunehmender Tiefe kurzwellige ultraviolette und violette sowie langwellige rote Lichtanteile. Deshalb erscheint es bläulich.
Nährstoffreichere Gewässer mit Phytoplankton erscheinen eher grünlich. Kalkhaltige Gewässer, zum Beispiel Kalkseen und teilweise Alpenabflüsse, wirken wegen ihres Calciumgehalts grün bis türkis.
Gelöste und suspendierte Stoffe, also Schwebstoffe, können Gewässer braun färben und ihre Transparenz vermindern. Dazu zählen Eisen- und Manganverbindungen oder Huminstoffe. Eisen(III)-oxidhydrate, auch Eisenocker genannt, setzen sich als bräunlicher Niederschlag ab und färben eher das Gewässerbett als das Wasser. Eisenverbindungen sind auch für die Rotfärbung des „Blutstroms“ der antarktischen Blood Falls verantwortlich.
Gewässer mit Schwebstoffen aus tonig-schluffigem Kalkstein, Löss oder Lehm erscheinen trüb. Unterschiede erkennt man besonders gut an Zusammenflüssen von schwebstoffarmen und schwebstoffreichen Gewässern, etwa im Oberlauf des Rheins. In den Tropen unterscheidet man drei Haupttypen: Schwarzwasserfluss, Weißwasserfluss und Klarwasserfluss.