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Exodus (Bibel)
Exodus (Bibel). Buch der ... Gleichzeitig führt die jüdische Religion viele ihrer grundlegenden Glaubensinhalte auf Offenbarungen Gottes zurück, die im 2.
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und zentrale Bedeutung
Das 2. Buch Mose, hebräisch Schemot („Namen“), griechisch Éxodos und lateinisch Exodus („Auszug“), ist das zweite Buch der Tora beziehungsweise des Pentateuch, des jüdischen Tanach und des christlichen Alten Testaments. Im Mittelpunkt steht die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten unter der Führung Moses sowie die Begründung ihrer Beziehung zu JHWH.
Die Handlung führt von der Geburt und Berufung Moses über die zehn Plagen, den Auszug aus Ägypten und den Durchzug durch das Schilfmeer bis zur Wüste Sinai. Dort schließen JHWH und das Volk Israel einen Bund. Die Zehn Gebote, weitere Bundesgesetze und genaue Vorschriften für ein Heiligtum ordnen das religiöse und zivile Leben des Volkes. Als sichtbare Zeichen des Bundes werden die Bundeslade mit den Steintafeln und ein transportables Zelt-Heiligtum, der Mischkan, errichtet.
Der Bund ist das zentrale Thema des Buches. Wiederkehrende Motive sind der Zweifel des Menschen, der Abfall von Gott, die Rückkehr, Bestrafung oder Vergebung und die Erneuerung beziehungsweise Bestätigung des Bundes. Zu den grundlegenden Inhalten gehören außerdem die Offenbarung des Gottesnamens JHWH im brennenden Dornbusch, die Stiftung des Pessach, der Lobgesang nach der Rettung am Schilfmeer, der Bundesschluss am Sinai, das Bundesbuch und die Erzählung vom Goldenen Kalb. Die genaue Aussprache von JHWH ist nicht eindeutig, da nur die Konsonanten überliefert sind; aus Ehrfurcht verwendeten Juden häufig Ersatzbezeichnungen wie Adonai („mein Herr“), Elohim („Gott“) oder Haschem („der Name“).
Mose, die Plagen und der Auszug
Die Israeliten leben in Ägypten als Landarbeiter und Sklaven und sind weitgehend rechtlos. Weil der Pharao die Tötung männlicher israelitischer Kinder angeordnet hat, setzt eine levitische Familie ihren Säugling in einem Schilfkorb im Nil aus. Die Tochter des Pharao findet ihn, adoptiert ihn unter dem Namen Mose und bestimmt ausgerechnet seine leibliche Mutter zur Amme. Mose wächst bei den Ägyptern auf, fühlt sich aber als Hebräer.
Nachdem Mose einen Ägypter erschlagen hat, der einen Hebräer bedrohte, flieht er aus Ägypten. In Midian heiratet er Zippora, die Tochter des Priesters Jetro. Im brennenden Dornbusch offenbart sich ihm JHWH, der Gott Israels, und beauftragt ihn, nach Ägypten zurückzukehren und die Israeliten herauszuführen. Sein älterer Bruder Aaron soll als Sprecher dienen.
Der Pharao weist die Forderung Moses und Aarons, die Israeliten ziehen zu lassen, zurück und verschärft zunächst ihre Zwangsarbeit. Darauf folgen neun Plagen, von denen das Volk Israel verschont bleibt: Das Nilwasser wird zu Blut, Frösche wimmeln im Land, Mücken und Stechfliegen plagen Mensch und Tier, eine Seuche rafft das Vieh dahin, bei Menschen und Vieh brechen Geschwüre auf, Hagel verwüstet das Land, Heuschrecken fressen es kahl und drei Tage Dunkelheit bedecken Ägypten. Trotz seiner Angst lässt der Pharao die Israeliten zunächst nicht ziehen.
Erst die zehnte Plage, der Tod aller männlichen Erstgeborenen der Ägypter, bewegt ihn zur Freigabe des Auszugs. Die Vorschriften für das Pessachfest werden Mose am Vorabend mitgeteilt. Das Fest erinnert daran, dass die Erstgeborenen der Israeliten verschont wurden.
Schilfmeer und Wüstenwanderung
Die Israeliten ziehen von Sukkot zum Schilfmeer, das im Artikel vermutlich mit dem Roten Meer oder einem dortigen See gleichgesetzt wird. Der Pharao bereut seine Erlaubnis und lässt das ägyptische Heer die Israeliten verfolgen. Als das Volk in Furcht gerät, eröffnet JHWH durch die Trockenlegung des Schilfmeeres einen Fluchtweg. Die Israeliten gelangen hindurch; die zurückkehrenden Wassermassen lassen die verfolgenden Ägypter ertrinken. Die Geretteten antworten mit einem Lobgesang, dem Psalm des Mose.
Von Elim am Schilfmeer wandert das Volk durch die Wüste Sin zum Sinai. Der wegen Hungers murrende Wanderzug wird mit Wachteln und Manna versorgt. Bei Rifidim fehlt Wasser; auch dieses Problem wird durch ein Gotteswunder gelöst. Kämpfe gegen Amalek werden mit göttlicher Hilfe gewonnen. In dieser Zeit wird Mose wieder mit seiner Frau Zippora und seinen Kindern vereint.
Bund, Gesetze und Heiligtum
Am Berg Sinai schließt JHWH mit den Israeliten einen Bund. Das Volk nimmt die Zusage freudig an, ein auserwähltes und heiliges Volk zu werden, das von Gott gesegnet wird. Nur Mose darf Gott auf dem Berg begegnen. Dort werden die Zehn Gebote verkündet. Anschließend folgt eine ausführliche Gesetzgebung für das zivile und religiöse Leben, das sogenannte Bundesbuch in Exodus 20,22–23,33. Es behandelt unter anderem Opfer, Sklavenhaltung und Tatbestände, die mit der Todesstrafe geahndet werden.
Beim Bundesschluss wird zweimal festgehalten, dass das Volk die Rechtssatzungen einstimmig annimmt und befolgen will (Ex 24,3.7). Mose steigt erneut auf den Sinai, um die Zehn Gebote auf steinernen Tafeln entgegenzunehmen. JHWH gibt außerdem genaue Anweisungen für die Bundeslade, das Zelt-Heiligtum und den Altar. Aaron und seine Nachkommen sollen den Priesterstand bilden und Opfer darbringen. Der Sabbat ist zu halten; wer ihn entweiht, „soll mit dem Tod bestraft werden“ (Ex 31,14 EU). Am Ende erhält Mose zwei von Gott eigenhändig beschriebene Steintafeln.
Nach seiner Rückkehr versammelt Mose die Israeliten, lässt die Bundeslade, den Mischkan und den Altar errichten und segnet Aaron als Priester. Die Kapitel 35–40 wiederholen in weiten Teilen die Vorschriften aus den Kapiteln 24–31. Das Zelt-Heiligtum ist eine transportable erste Form des israelitischen Tempels und wird vom Tross mitgeführt.
Das Goldene Kalb und historische Einordnung
Während Mose auf dem Sinai bleibt, werden die Israeliten ungeduldig. Sie verlangen von Aaron einen materiellen Gott, wie es in jener Zeit üblich war. Aaron sammelt Gold und fertigt ein Goldenes Kalb an, das er und das Volk anbeten. JHWH kündigt Mose wegen dieses Abfalls die Vernichtung der Israeliten an, doch Mose bittet um Nachsicht, die schließlich gewährt wird.
Als Mose ins Lager kommt, zerbricht er zornig die Steintafeln und zerstört das Goldene Kalb. Die Leviten bleiben JHWH treu; Mose beauftragt sie, die männlichen abtrünnigen Verwandten mit dem Schwert zu töten. Danach steigt Mose erneut auf den Sinai, um JHWH gnädig zu stimmen. Er erhält Vergebung, neue Steintafeln, eine erneute Verheißung und weitere Vorschriften.
Das Buch nennt keinen Autor. Die traditionelle jüdische und christliche Auffassung, Mose habe den gesamten Pentateuch verfasst, wird heute nur noch von orthodoxen Juden und einem Teil der Christen, vor allem aus evangelikalem oder fundamentalistischem Umfeld, vertreten.
Die historische Genauigkeit der Exodus-Erzählung ist umstritten. Das Buch nennt etwa 600.000 erwachsene Männer, die Ägypten verließen, zusätzlich Frauen und Kinder (Ex 12,37 EU). Die moderne Forschung sieht jedoch keine Beweise für die geschilderten Ereignisse. Archäologische Hinweise auf eine so große Bevölkerungsbewegung im Sinaigebiet oder eine Einwanderung nach Kanaan fehlen; dort lebten zu jener Zeit nur 50.000 bis 100.000 Menschen. Viele Forscher nehmen deshalb eine deutlich kleinere Auswanderung an, die möglicherweise nicht alle zwölf Stämme umfasste. Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman argumentierten 2001 sogar, die Exodus-Erzählung könne eine freie Erfindung sein. Die materiellen Befunde zeigten ihrer Einschätzung nach eine Kontinuität ohne nennenswerte Einwanderung. Möglich sei allenfalls ein Konflikt zwischen Land- und Stadtbevölkerung am Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends, der in der biblischen Erzählung als Landnahme aus Ägypten dargestellt werde.