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Kreta
Kreta (neugriechisch Κρήτη [ˈkriti] (f. sg.)) ist die größte griechische Insel und mit rund 8261 km² Fläche sowie 1066 Kilometern Küstenlänge nach Sizilien, …
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Überblick und Landschaft
Kreta ist die größte griechische Insel und gehört mit den umliegenden kleineren Inseln zur gleichnamigen Region Griechenlands. Mit 8261,183 km² Fläche und 1066 km Küstenlinie ist sie nach Sizilien, Sardinien, Zypern und Korsika die fünftgrößte Insel des Mittelmeers. Sie liegt knapp 100 km südlich des griechischen Festlands, ist 254 km lang und bis zu 60,6 km breit; bei Ierapetra beträgt die Breite nur 12,1 km. Im Norden liegt das Kretische Meer, im Süden das Libysche Meer und im Osten das Karpathische Meer. Hauptort sowie Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum ist Iraklio.
Eine west-östlich verlaufende Gebirgskette prägt die Insel. Ihre wichtigsten Gebirge sind das Ida-Gebirge mit dem Psiloritis, dem höchsten Berg Kretas (2456 m), die Weißen Berge oder Lefka Ori (2452 m), das Dikti-Gebirge (2148 m) und die Thripti-Berge (bis 1476 m). Hochebenen wie Lasithi, Omalos und Nida, zahlreiche Höhlen und tiefe Schluchten gehören zu dieser Landschaft. Die etwa 140 km² große Messara-Ebene im Süden ist die größte Ebene und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt.
Kreta liegt in einer tektonisch sehr aktiven Zone am Hellenischen Bogen. Dort schiebt sich die afrikanische Platte unter die europäische Platte; dieser Vorgang heißt Subduktion. Deshalb treten häufig Erdbeben auf, die meist geringe Schäden verursachen, in der Vergangenheit aber auch schwere Zerstörungen auslösten. Beim großen Beben von 365 n. Chr. wurde unter anderem der Leuchtturm von Alexandria zerstört. Am 27. September 2021 ereignete sich bei Arkalochori ein Beben der Magnitude 5,8, am 12. Oktober 2021 südöstlich von Zakros eines der Magnitude 6,3.
Klima, Pflanzen- und Tierwelt
Auf Kreta herrscht ein gleichmäßiges Mittelmeerklima mit etwa 300 Sonnentagen im Jahr. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und regenreich; in den Hochgebirgen fällt viel Schnee. Verschiedene Höhenlagen schaffen Klimazonen von trocken-heiß bis feucht-alpin. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 18,5 °C, der angegebene Jahresniederschlag 347,3 mm. Im Juli und August liegt das mittlere Tagesmaximum bei 29 °C. In den Gebirgen weichen die Werte stark ab, während die südöstliche Küste im Sommer einige Grade wärmer ist.
Die Flora ist trotz langer Besiedlung und sommerlicher Trockenheit artenreich und umfasst etwa 170 endemische, also nur in einem begrenzten Gebiet natürlich vorkommende Pflanzenarten. Typisch sind Thymian, Salbei, Bergminze, Oregano und Diptam-Dost. In den Weißen Bergen und im Ida-Gebirge stehen noch Kalabrische Kiefern, Zypressen und Kermeseichen. Der Osten gehört dagegen zu den trockensten und kargsten Gebieten Europas. Eine Besonderheit ist die Kretische Dattelpalme, unter anderem am Palmenstrand von Vai. Etwa ein Drittel der Pflanzenarten soll erst seit der menschlichen Erstbesiedlung eingebürgert worden sein. Zu diesen Neophyten, also durch Menschen eingeführten Pflanzen, gehören Nickender Sauerklee, Mittagsblumen, Amerikanische Agaven und Opuntien.
Die heutige Tierwelt ist im Vergleich zur Pflanzenwelt artenarm. In vorgeschichtlicher Zeit lebten auf Kreta unter anderem Zwergmammuts, eine Flusspferdart und mehrere Hirscharten. Heute ist die seltene Kretische Wildziege oder Kri-Kri besonders bekannt; natürlich kommt sie nur noch in den Lefka Ori vor. Außerdem leben auf der Insel unter anderem Kreta-Stachelmäuse, Etruskerspitzmäuse, zwölf Fledermausarten, Steinmarder, Mauswiesel und kretische Dachse. Die als ausgestorben geltende kretische Wildkatze wurde 1996 wieder nachgewiesen; die Mittelmeer-Mönchsrobbe ist stark bedroht.
Kreta ist Brutgebiet heimischer Vögel und Rastplatz vieler Zugvögel. Seltene Bartgeier und zahlreiche Gänsegeier leben besonders in den Bergregionen und Schluchten. Die Schlangenarten sind überwiegend ungiftig. Die giftige Europäische Katzennatter ist für Menschen ungefährlich, weil ihre Giftzähne tief im Rachen liegen. Die bedrohte Karettschildkröte nutzt einige Strände zur Eiablage. Artenreich vertreten sind Gliederfüßer wie Insekten, Spinnentiere, Hundertfüßer und Skorpione.
Bevölkerung, Sprache und Politik
Kreta hatte 2021 etwa 624.000 Einwohner; Iraklio zählte rund 179.000. Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in den wachsenden Ballungsräumen Iraklio, Chania, Rethymno, Agios Nikolaos und Ierapetra. Die übrigen Einwohner verteilen sich auf kleinere Städte, Dörfer und Einzelhöfe.
Amtssprache ist Neugriechisch. Viele Einheimische sprechen daneben den kretischen Dialekt, in ländlichen Gebieten auch Angehörige der jüngsten Generation. Dieser Dialekt enthält eigene Wörter, Lautformen und grammatische Besonderheiten und ist besonders in der abgelegenen Sfakia stark ausgeprägt. Selbst griechische Muttersprachler verstehen ihn teilweise nur schwer.
Kreta bildet mit den umliegenden Inseln eine der 13 Regionen Griechenlands und ist in vier Regionalbezirke gegliedert. Ein gesellschaftliches Problem ist der illegale Waffenbesitz. Nach Schätzungen der griechischen Polizei befindet sich mehr als die Hälfte der landesweit 1,5 Millionen nicht angemeldeten Schusswaffen auf Kreta. Freudenschüsse bei Feiern verursachen wiederholt Verletzte und Todesfälle.
Geschichte und kulturelles Erbe
Die ältesten nachgewiesenen Spuren von Menschen auf Kreta sind mindestens 130.000 Jahre alt; seit ungefähr 6000 v. Chr. ist die Insel durchgehend besiedelt. Im 3. Jahrtausend v. Chr. entstand mit der minoischen Kultur die erste Hochkultur auf europäischem Boden. Um 1450 v. Chr. übernahmen die griechischsprachigen Mykener die minoischen Paläste. Später war Kreta in zahlreiche Stadtstaaten gegliedert und als „Insel der 100 Poleis“ bekannt. Der in Stein gehauene Gesetzestext von Gortyn ist der einzige vollständig erhaltene Codex dieser Art aus der griechischen Antike.
Ab 67 v. Chr. herrschten die Römer. Die byzantinische Epoche von 395 bis 1204 wurde durch das muslimische Emirat von Kreta zwischen 824 und 961 unterbrochen. Nach dem Vierten Kreuzzug verwaltete Venedig die Insel als Regno di Candia. Das Osmanische Reich eroberte 1645 bis 1648 fast ganz Kreta; Candia, das heutige Iraklio, hielt bis 1669 stand. Nach zahlreichen Aufständen erreichte Kreta 1898 weitgehende Autonomie und wurde durch den Londoner Vertrag 1913 Teil Griechenlands. Der Vertrag von Lausanne führte 1923 zu einem Bevölkerungsaustausch: Rund 50.000 Türken verließen die Insel, während sich viele Griechen aus Kleinasien dort niederließen.
Im Mai 1941 eroberte die deutsche Wehrmacht Kreta im „Unternehmen Merkur“ durch eine große Luftlandeoperation und hielt die Insel bis 1945 besetzt. Widerstandsgruppen kämpften mit britischer Unterstützung gegen die Besatzung; die Wehrmacht verübte Massaker und Geiselerschießungen. Ab 1946 ging der Konflikt fast unmittelbar in den Griechischen Bürgerkrieg über.
Wichtige Zeugnisse der langen Geschichte sind die minoischen Paläste von Knossos, Phaistos, Malia und Kato Zakros, die antiken Städte Gortyn, Aptera und Lato, venezianische Anlagen wie Frangokastello und Spinalonga sowie die Klöster Arkadi, Preveli und Toplou. Knossos ist nach der Akropolis von Athen das meistbesuchte Kulturgut Griechenlands.
Die kretische Volksmusik wird vor allem von der birnenförmigen Streichlaute Lyra und der Langhalslaute Laouto geprägt; ihr gemeinsames Ensemble heißt zygia. Mantinades sind traditionelle, im kretischen Dialekt gesungene oder gesprochene Fünfzehnsilber. Sänger tragen bekannte, veränderte oder improvisierte Reimstrophen über Liebe, Hoffnung, Trauer, Exil, Krieg und Blutrache vor. Um 1610 schuf Vitsentzos Kornaros den Liebesroman „Erotokritos“ aus 10.000 gereimten Fünfzehnsilbern. Im späten 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich außerdem eine bedeutende Theaterkultur. El Greco begann seine künstlerische Ausbildung auf Kreta als Ikonenmaler in byzantinischer Tradition.
Wirtschaft, Tourismus und Verkehr
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig. Jährlich kommen etwa vier bis fünf Millionen Besucher. Der Pauschal- und Badetourismus konzentriert sich auf die Nordküste, besonders auf Chersonisos, Gouves, Stalida und Malia östlich von Iraklio sowie auf die Räume Chania und Rethymno. An der Südküste überwiegen kleinere, familiengeprägte Angebote für Individualreisende. Neben den Stränden sind archäologische Stätten und die kretische Gastfreundschaft wichtige Anziehungspunkte.
Wandern und Wassersport spielen ebenfalls eine große Rolle. Beliebte Ziele sind der Psiloritis, die Gebirge Lefka Ori und Dikti sowie Schluchten wie Samaria, Imbros, Richtis und die Schlucht der Toten. Kalderimia sind meist gepflasterte alte Maultierpfade, die früher Dörfer verbanden. Der Europäische Fernwanderweg E4 durchquert Kreta auf einem 320 km langen Teilstück. Zum Naturangebot gehören außerdem der Kournas-See, die Hochebenen Lasithi, Nida und Omalos, Höhlen sowie Strände wie Elafonisi, Balos, Preveli und Vai.
Die Landwirtschaft erzeugt vor allem Wein, Rosinen, Oliven und Obst. Gemüse und Salate wachsen besonders im Südosten sowie auf der Lasithi-Hochebene und in der Messara-Ebene in Treibhäusern. Kreta gehört zu den größten Olivenölexporteuren der Europäischen Union. Ende der 1990er Jahre standen rund 16 Millionen Ölbäume auf 44 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.
Flughäfen bestehen in Iraklio, Chania und Sitia; 2027 soll ein neuer Großflughafen 23 km südlich von Iraklio den überlasteten Flughafen Iraklio ersetzen. Fähren verbinden Kreta unter anderem mit Piräus, Thessaloniki, Santorin, Karpathos und Rhodos. Eine Eisenbahn gibt es nicht; wichtigstes öffentliches Verkehrsmittel sind die Busse der Genossenschaft KTEL. Die Schnellstraße 90, zugleich Europastraße 75, wird schrittweise zur Autobahn ausgebaut. Kreta besitzt außerdem zwei Universitäten, weitere Hochschulen und bei Souda einen bedeutenden griechischen Marine- und Luftwaffenstützpunkt, der auch von NATO-Partnern und US-Streitkräften genutzt wird.
Umweltprobleme
Sinkende Niederschläge und häufigere Dürreperioden bedrohen Landwirtschaft und Lebensqualität; zugleich treten öfter extreme Wetterereignisse wie Sturzfluten auf. Die Abfallmenge steigt in touristischen Zentren während der Hochsaison um bis zu 40 Prozent. Entsorgungssysteme werden dadurch überlastet, während illegale und ältere Deponien sowie Plastikmüll Küsten, Meer und Land belasten.
Die empfindlichen Böden leiden unter Erosion und Desertifikation, also fortschreitender Verödung. Wälder wurden über Jahrhunderte für Schiffbau und Weideland gerodet. Ziegen halten die Vegetation kurz, sodass sich der Boden schlecht regeneriert und bei seltenen heftigen Regenfällen weggespült wird. Dadurch steigt die Überschwemmungsgefahr und landwirtschaftlich nutzbarer Boden geht verloren.
Zersiedelung, Straßenbau und touristische Anlagen zerschneiden zusätzlich die Landschaft. Diese „Betonisierung“ betrifft besonders die Küsten und wurde lange durch nicht genehmigte Bauprojekte verstärkt. Versiegelte Flächen fördern örtliche Überhitzung und beeinträchtigen zugleich den landschaftlichen Wert, auf dem der Tourismus beruht.