Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Baskische Sprache

Konsonanten · ere „auch“ – erre „brennen, rauchen, gebraten“ · jaso „bekommen“ – jazo „geschehen, passieren“.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Stellung
  2. 2. Verbreitung und Status
  3. 3. Dialekte, Geschichte und Standardisierung
  4. 4. Herkunft und Sprachkontakte
  5. 5. Grammatik und Lautsystem
  6. 6. Wortbildung, Zahlen und Beispiel

Kern und Stellung

Die baskische Sprache, Eigenbezeichnung euskara [eus̺ˈkaɾa], wird im Baskenland (Euskal Herria) gesprochen, einer spanisch-französischen Grenzregion an der Atlantikküste am Golf von Biskaya. Sie hat etwa 809.000 Sprecherinnen und Sprecher, davon über 750.000 in Spanien. Nach überwiegender Forschungsmeinung ist Baskisch mit keiner anderen bekannten Sprache genetisch verwandt und gilt daher als isolierte Sprache. Damit nimmt es in Europa eine Sonderstellung ein: Die anderen heutigen europäischen Sprachen gehören größeren Sprachfamilien an, etwa den indogermanischen, uralischen, Turk- oder semitischen Sprachen.

Typologisch unterscheidet sich Baskisch stark von den benachbarten romanischen Sprachen. Wichtige Merkmale sind Agglutination, also das Aneinanderfügen von Endungen mit klaren grammatischen Funktionen, eine Suffix-Deklination, kein grammatisches Geschlecht und ein sehr formenreiches Verbalsystem. Außerdem ist Baskisch eine Ergativsprache: Das Subjekt eines transitiven Verbs steht im Ergativ, während das Subjekt eines intransitiven Verbs und das direkte Objekt eines transitiven Verbs im Absolutiv stehen.

Die Eigenbezeichnung der baskischsprachigen Menschen lautet euskaldunak, wörtlich etwa „die Baskisch habenden Menschen“, also „die Baskisch sprechenden Menschen“. Menschen, die eine andere Sprache sprechen, heißen erdaldunak. Die Dialekte des Baskischen werden euskalkiak genannt.

Verbreitung und Status

Das baskische Sprachgebiet liegt an der Küste im Südosten des Golfs von Biskaya, von Bilbao in Spanien bis Bayonne in Frankreich. Es ist über 150 km von West nach Ost, weniger als 100 km von Nord nach Süd ausgedehnt und umfasst etwa 10.000 km². In Spanien gehören dazu die Provinzen Guipúzcoa, Teile von Vizcaya und Navarra sowie der Nordteil von Álava. In Frankreich wird Baskisch vor allem im westlichen Teil des Départements Pyrénées-Atlantiques gesprochen, in den historischen Provinzen Labourd, Basse-Navarre und Soule.

Der Anteil der Baskischsprechenden ist regional sehr unterschiedlich: In der Autonomen Region Baskenland liegt er bei etwa 30 %, in Navarra bei etwa 14 %. Zusätzlich gelten etwa 430.000 Personen als vascohablantes pasivos, also als Menschen, die Baskisch bis zu einem gewissen Grad verstehen, aber nicht kompetent aktiv sprechen. Für Gebiete außerhalb des Baskenlandes sind die Zahlen unsicher; rund 90.000 Menschen dürften Baskisch in anderen Teilen Europas und Amerikas sprechen oder wenigstens verstehen. Die Gesamtzahl wird daher auf fast 900.000 geschätzt, wobei ältere Quellen abweichende Zahlen nennen.

Erwachsene Sprecherinnen und Sprecher sind in der Regel zwei- oder mehrsprachig und beherrschen auch die Nationalsprache ihres Landes. Im spanischen Baskenland hat Baskisch seit 1978 den Status einer regionalen Amtssprache. In Navarra ist es seit 1986 in überwiegend baskischsprachigen Gemeinden kooffiziell. In Frankreich ist allein Französisch Amtssprache; Baskisch gilt dort wie andere regionale Sprachen seit der Verfassungsänderung vom 23. Juli 2008 als schützenswertes Kulturgut, ohne daraus einen konkreten Rechtsanspruch abzuleiten.

Dialekte, Geschichte und Standardisierung

Die Sprachwissenschaft unterscheidet meist sieben Hauptdialekte: in Spanien Biskayisch, Gipuzkoanisch, den heute ausgestorbenen Dialekt von Álava und Obernavarrisch; in Frankreich Laburdinisch, Niedernavarrisch und Suletinisch beziehungsweise Soulisch. Diese Dialekte lassen sich in mindestens 25 Subdialekte unterteilen. Die Unterschiede sind meist nicht sehr groß, Nachbardialekte sind gut gegenseitig verständlich. Am stärksten weicht der östliche französische Dialekt von Zuberoa, also Suletinisch, ab.

Seit 1968 entwickelte die Baskische Akademie unter Leitung von Koldo Mitxelena auf Grundlage des zentralen Dialekts von Gipuzkoa und früherer Standardisierungsprojekte den Standard Euskara Batua, „Geeintes Baskisch“. Seit 1980 erschienen mehr als 80 % aller baskischen Publikationen, rund 5000 Titel, in dieser Standardsprache. Sie setzt sich langsam auch als gesprochene Hochsprache durch.

Historisch wurde Baskisch zu Beginn unserer Zeitrechnung nördlich und südlich der Pyrenäen und in weiten Teilen Nordspaniens gesprochen. Eine frühe Form ist das aus der Antike belegte Aquitanische, das vor allem durch etwa 500 Personen- und Götternamen in lateinischen Inschriften überliefert ist. Im Mittelalter verlor das ländliche, lange schriftarme Baskisch gegenüber romanischen Schrift- und Kultursprachen an Boden. Im Süden wurde es seit dem 10. Jahrhundert zunehmend vom Kastilischen beziehungsweise Spanischen verdrängt.

Die schriftliche Überlieferung reicht weiter zurück, als lange angenommen wurde: 2021 wurde die Hand von Irulegi gefunden, ein Bronzeamulett aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. mit fünf Wörtern und 40 Zeichen in nordostiberischer Schrift. Ein Wort wurde als sorioneku gelesen, verwandt mit modernem baskisch zorioneko. Das erste gedruckte Buch in baskischer Sprache erschien 1545: Linguae Vasconum Primitiae von Jean d’Etxepare. Während der Franco-Diktatur von 1939 bis 1975 war Baskisch im öffentlichen Bereich verboten; danach wurden Einschränkungen gelockert, und baskischsprachige Schulen, ikastolak, sowie Kurse für Erwachsene konnten sich verbreiten.

Herkunft und Sprachkontakte

Die Herkunft des Baskischen ist nicht sicher geklärt. Die meistverbreitete wissenschaftliche Position ist, dass Baskisch isoliert ist, also keine nachgewiesene genetische Verwandtschaft mit einer anderen Sprache besitzt. Der Nachweis ist schwierig, weil größere schriftliche Zeugnisse erst aus dem 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert vorliegen und ältere Sprachstufen nur begrenzt rekonstruiert werden können. Auch andere altiberische Sprachen sind nur lückenhaft bekannt.

Mehrere Herkunftshypothesen wurden vorgeschlagen, gelten aber als unbewiesen oder umstritten. Die iberische Hypothese verbindet Baskisch mit dem nicht-indogermanischen Iberischen des vor- und frührömischen Spaniens; obwohl die Schrift entziffert wurde, sind die Texte kaum verständlich, und Baskisch half dabei bisher nicht. Afrikanische Hypothesen verglichen Baskisch mit Berbersprachen, Songhai- oder Mande-Sprachen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Die kaukasische Hypothese wurde unter anderem von Georgij A. Klimov kritisch zurückgewiesen, weil sie häufig moderne Einzelsprachen statt rekonstruierter Protosprachen vergleicht, kaum Lautgesetze aufstellt und typologische Ähnlichkeiten überbewertet. Weitere Ansätze sind die dene-kaukasische, die eurasische und die vaskonische Hypothese; auch sie sind nicht allgemein anerkannt.

Trotz seiner Eigenständigkeit stand Baskisch lange in engem Kontakt mit Nachbarsprachen. Ein möglicher baskischer Einfluss auf Spanisch und Gaskognisch ist die Entwicklung von lateinischem f zu h, wie bei lateinisch filia gegenüber spanisch hija und gaskognisch hilha. Auch die Unterscheidung zweier r-Laute und ein Vorschaltvokal vor anlautendem r werden mit Baskisch in Verbindung gebracht. Umgekehrt übernahm Baskisch viele Lehnwörter aus lateinisch-romanischen Sprachen, etwa bake „Frieden“ aus lateinisch pax, eliza „Kirche“ aus ecclesia, errege „König“ aus rex und liburu „Buch“ aus liber beziehungsweise librum. Keltische Entlehnungen werden ebenfalls genannt, sind aber oft unsicher.

Grammatik und Lautsystem

Das baskische Alphabet beruht auf dem lateinischen Alphabet und umfasst 27 Buchstaben sowie 7 Digraphe, darunter dd, ll, rr, ts, tt, tx und tz. Das Vokalsystem hat fünf Vokale: a, e, i, o und u. Im suletinischen Dialekt gibt es zusätzlich ü [y], dessen Status als eigenes Phonem umstritten ist. Das Baskische kennt zehn Diphthonge, darunter abnehmende wie ai, ei, oi, au, eu und ansteigende wie ia, ie, io, ua, ue. Bei den Konsonanten sind besonders zwei verschiedene s-Laute und mehrere Palatallaute wichtig. Unterschiede wie ts gegenüber tz, r gegenüber rr und z gegenüber s sind bedeutungsunterscheidend, etwa atzo „gestern“ gegenüber atso „eine alte Frau“.

Die Grundwortstellung ist Subjekt – Objekt – Verb. Weitere typische Reihenfolgen sind: erläuternder Genitiv vor dem Nomen, Adjektiv nach dem Nomen, Possessivpronomen vor dem Nomen, Postposition nach dem Nomen und Zahlwort vor dem gezählten Nomen.

In der Nominalmorphologie bildet Baskisch Fälle durch Suffixe. Diese Endungen werden an das letzte Element der ganzen Nominalgruppe angefügt, nicht unbedingt direkt an das Nomen. Das zeigt die agglutinierende Struktur besonders deutlich. Ein grammatisches Geschlecht gibt es nicht. Beim Nomen katu lassen sich zum Beispiel eine numerusfreie Grundform katu „Katze“, ein Singulativ katu-a „die Katze“ und ein Plural katu-ak „die Katzen“ unterscheiden. Manche Sprachwissenschaftler deuten -a stattdessen als Definitheitssuffix. Kasus sind unter anderem Absolutiv, Ergativ, Dativ, Genitiv, Benefaktiv, Komitativ, Instrumental, Inessiv, Allativ, Ablativ, Direktiv, Terminativ, Separativ, Prolativ und Partitiv.

Das Verbalsystem ist besonders komplex. Finite Verbformen können nicht nur die Person des Subjekts ausdrücken, sondern zusätzlich die Person des direkten und indirekten Objekts und manchmal die angesprochene Person. Deshalb kann eine Form mehrere Beziehungen zugleich enthalten. Es gibt eine einfache oder synthetische Konjugation bei wenigen häufigen Verben wie izan „sein“, ukan „haben“, etorri „kommen“, joan „gehen“, jakin „wissen“ und esan „sagen“. Die meisten Verben werden zusammengesetzt oder periphrastisch mit Hilfsverben konjugiert.

Wortbildung, Zahlen und Beispiel

Baskisch bildet viele neue Wörter mit Suffixen. Die Endungen -tasun, -pen, -keta, -tza und -era können Substantive bilden, etwa sendo „stark“ zu sendotasun „Stärke“ oder itzuli „zurückkommen, übersetzen“ zu itzulpen „Übersetzung“. Die Suffixe -(l)ari und -le bilden Berufs- oder Rollenbezeichnungen, etwa abestu „singen“ zu abeslari „Sänger“ und irakatsi „lehren“ zu irakasle „Lehrer“. -tzaile bezeichnet eine Tätigkeitsperson, zum Beispiel erabiltzaile „Benutzer“. Weitere Suffixe sind -tsu „voll“ wie in haizetsu „windig“, -kor für eine Neigung wie aldakor „veränderlich“, -tu und -du zur Verbbildung sowie -txo für Kosenamen.

Viele Wörter sind zusammengesetzt, zum Beispiel hiztegi „Wörterbuch“ aus hitz „Wort“ und -tegi „Stall, Gebäude“, eskubide „Recht“ aus esku „Hand“ und bide „Weg“, oder ahots „Stimme“ aus aho „Mund“ und ots „Klang, Laut“.

Die Zahlwörter zeigen ein klares Vigesimalsystem, also ein Zwanziger-System. So entspricht 40 der Struktur 2 × 20, 60 der Struktur 3 × 20, 80 der Struktur 4 × 20 und 90 der Struktur 4 × 20 + 10. Einzelne Zahlwörter sind bat „1“, bi „2“, hiru „3“, hamar „10“, hogei „20“, berrogei „40“, hirurogei „60“, laurogei „80“ und ehun „100“.

Als Sprachbeispiel nennt der Artikel Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auf Baskisch: „Gizon-emakume guztiak aske jaiotzen dira, duintasun eta eskubide berberak dituztela; eta ezaguera eta kontzientzia dutenez gero, elkarren artean senide legez jokatu beharra dute.“ Die angegebene deutsche Übersetzung lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Weiterlesen

Spanien Geographie. Staatsgebiet. Spanien (Spanien). Madrid · Sevilla ... Die Reindustrialisierung nach der Krise 2009–2013, die zu einem starken … Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … Dialekt Im deutschen Sprachgebiet erwirbt ein Dialektsprecher ab seinem Eintritt in die Grundschule eine zusätzliche normierte Standardsprache (Standarddeutsch). Latein Verben ; Perfekt- stamm · 2. Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv, du habest geliebt, amāv-, -eri- ; Perfekt- stamm · 3. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ … Etymologie Die Etymologie, auch Wortherkunft und zudem kurz Herkunft genannt, befasst sich mit der Herkunft, Geschichte und Bedeutung der Wörter. Etymologie ist die … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Altgriechische Sprache ... weil die Person im Normalfall schon durch das Verb angegeben ist. In den übrigen Kasus wird zwischen den enklitischen unbetonten Formen (etwa με me) und … Antike Die Antike (von lateinisch antiquus ‚alt, altertümlich, altehrwürdig') war eine Epoche im Mittelmeerraum, die etwa von 800 v. Chr. bis 600 n. Genitiv Substantivgruppen, die von einem anderen Substantiv abhängen. Beispiele im Standarddeutschen sind: „das Haus des Nachbarn“, „der Klang einer fernen Glocke“. Europäische Union Die Europäische Union, kurz EU, ist ein Staatenverbund aus 27 Staaten, davon 26 in Europa und mit Zypern einem geographisch in Asien liegenden Land. Französische Sprache Vokale · ​/⁠ɑ⁠/​: pâte – / pɑt/ – Teig · ​/⁠ɔ⁠/​: sort – / sɔʁ/ – Schicksal · ​/⁠o⁠/​: sot – / so/ – dumm · ​/⁠u⁠/​: sous – / su/ – unter. Sprachen in Frankreich Langues d'oïl · Champenois · Französisch · Pikardisch · Wallonisch · Normannisch · Gallo (in der Bretagne); Lothringisch (Lorrain) · Franc-Comptois in der …