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Erstes Parlament der Weltreligionen
... Exklusivismus ... Allgemeiner gesehen regte das Parlament der Weltreligionen auch die amerikanische Rezeption fernöstlicher Religion und Philosophie an.
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Ziel
Das Erste Parlament der Weltreligionen war ein internationaler interreligiöser Kongress, der vom 11. bis 27. September 1893 in Chicago, Illinois, stattfand. Vertreter der großen Weltreligionen kamen dort in einer bis dahin einzigartigen Größe zusammen. Beteiligt waren Repräsentanten des Judentums, Christentums, Islams, Hinduismus, Taoismus, Konfuzianismus, Zoroastrismus, Shintoismus, Buddhismus und Jainismus. Vorrangiges Ziel war ein friedlicher Dialog zwischen diesen Religionen.
Das Parlament wollte Gemeinsamkeiten sichtbar machen, über Religionen informieren und zeigen, wie Religionen im 19. Jahrhundert zur Menschheit und ihren Problemen standen. Nach dem Verständnis des Veranstalters Charles Carroll Bonney sollte Religion die Liebe und Verehrung Gottes sowie die Liebe und den Dienst am Menschen umfassen. Die Vertreter sollten ihre eigenen Überzeugungen darstellen, ohne ihre religiösen Grundlagen aufzugeben oder zu einem Kompromiss gezwungen zu werden. Als gemeinsame Grundlage galt die „Goldene Regel“ sowie die Suche nach einer „substanziellen Einheit“ der Religionen in guten religiösen Taten.
Entstehung und Vorbereitung
Das Parlament war Teil der Weltausstellung World’s Columbian Exposition in Chicago. Der US-Kongress hatte diese Ausstellung bereits 1890 beschlossen; sie sollte sechs Monate dauern und am 1. Mai 1893 beginnen. Der ursprüngliche Plan hatte keinen direkten Bezug zu den Weltreligionen. Erst Charles Carroll Bonney, ein Anwalt aus Illinois, schlug vor, die Ausstellung durch internationale Kongresse über geistige und gesellschaftliche Themen zu erweitern.
Bonney wurde Präsident des eigens gegründeten World's Congress Auxiliary. Dieses Organisationskomitee plante bis zu zwanzig Kongresse und stellte den geistigen Fortschritt mit den Leitgedanken „Not Things, but Men“ und „Not Matter, but Mind“ in den Mittelpunkt. Religion war Bonneys wichtigstes Anliegen. Als Mitglied der New Jerusalem Church war er von Lehren Emanuel Swedenborgs geprägt: Er vertrat eine relative Offenheit gegenüber anderen Religionen, universalistische Vorstellungen und den Gedanken, dass sich göttliche Offenbarungen nicht nur im Christentum finden. Außerdem wollte er Religion und Wissenschaft miteinander in Einklang bringen.
Für das Religionsparlament entstand ein sechzehnköpfiges General Committee of Organization on Religious Congresses. Vorsitzender war John Henry Barrows, Pastor der First Presbyterian Church of Chicago. Das Komitee vereinte Vertreter verschiedener protestantischer Kirchen, einen Quaker, den katholischen Erzbischof von Chicago und einen Rabbiner. Nach etwa vier Jahren Vorbereitung wurde der Themenplan in der Preliminary Address und zwei weiteren Schreiben veröffentlicht und international versandt. Barrows verschickte nach eigenen Angaben über 10 000 Briefe und 40 000 Dokumente. Das Motto lautete schließlich: „Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen?“ (Mal 2,10–16 LUT). Auch Vertreter anderer Religionen wurden eingeladen, Vorschläge zum Programm einzureichen.
Tagungsaufbau und Themen
Tagungsort war das Art Institute of Chicago. In der Haupthalle, der Hall of Columbus, konnten bis zu 4000 Zuschauer Platz finden; diese Kapazität wurde täglich nahezu vollständig ausgeschöpft. Der Kongress fand auf Englisch statt und begann jeden Tag mit dem gemeinsamen Beten des Vaterunsers.
Das Parlament bestand aus mehreren Bereichen. Im allgemeinen World’s Parliament of Religions wurden angemeldete Vorträge über interreligiöse Gemeinsamkeiten, den Fortschritt der Religion im 19. Jahrhundert und die einzelnen Religionen gehalten. Dieser Teil hatte den Charakter einer Vorlesungsreihe und fand in der Hall of Columbus statt. In der Hall of Washington stellten Repräsentanten bestimmte Religionen vor. Daneben gab es einen unabhängigen Kongress für einzelne Denominationen und religiöse Organisationen. Dort konnten sich ungefähr vierzig Denominationen präsentieren, und im Unterschied zum Hauptkongress waren Diskussionen möglich. Wegen des großen Andrangs wurde außerdem kurzfristig eine Scientific Section für wissenschaftlichere Vorträge und Gespräche eingerichtet.
Der erste Tag war ausschließlich Begrüßungsreden gewidmet. Für die folgenden 16 Tage war ein grober, nicht vollständig eingehaltener Themenplan vorgesehen: Gott; der Mensch; Religion als Charakteristikum der Menschheit; Religionssysteme; die heiligen Bücher der Welt; Religion und Familie; religiöse Führer; das Verhältnis von Religion zu Naturwissenschaften, Kunst und Schrift; Religion und Moral; Religion und soziale Probleme; Religion und Zivilgesellschaft; Religion und Philanthropie; der aktuelle religiöse Zustand des Christentums; die religiöse Vereinigung der gesamten Menschenfamilie sowie die Elemente einer perfekten Religion.
Regeln und Grenzen des Dialogs
Um einen friedlichen Umgang zu sichern, waren direkte Debatten und Kritik an gehaltenen Vorträgen offiziell ausgeschlossen. Die Teilnehmer sollten ihre jeweiligen Glaubensgrundsätze ohne Erwiderung, Gegenrede, Kontroverse, Vergleich oder Gegenangriff vorstellen. Das Parlament wurde dadurch vor allem zu einer Präsentations- und Informationsveranstaltung.
Diese Regel entsprach Bonneys Hoffnung, den Kritikern keinen Anlass für Streit zu geben. Gleichzeitig verhinderte sie konstruktive Auseinandersetzungen und eine Prüfung von Fehlern oder widersprüchlichen Aussagen. Gegner kritisierten deshalb, dass auf der Plattform des Parlaments selbst weder Irrtümer noch Sophisterei oder falsche Behauptungen offenlegt werden konnten. Nach dem Religionswissenschaftler Kenten Druyvesteyn war das Parlament daher eher ein Beispiel für „internationale gute Umgangsformen“ als ein systematisches theologisches Forschungsunternehmen. Auch aus diesem Grund blieb es praktisch ergebnislos.
Rezeption und Auswirkungen
Die zeitgenössische Rezeption war überwiegend positiv. Einige religiöse Gruppen verurteilten das Parlament jedoch scharf, weil sie den Wahrheitsanspruch und die Überlegenheit des Christentums gegenüber anderen Religionen gefährdet sahen. Im Christentum entzündeten sich die Konflikte besonders an Indifferentismus, Exklusivismus und Ökumene. Der evangelikale Theologe Arthur T. Pierson bekämpfte das Parlament in zahlreichen Schriften. Konservative Kreise befürchteten Kompromisse mit außerchristlichen Religionen. Zusätzliche Skepsis entstand, weil Vertreter fremder Religionen vor einem amerikanischen Laienpublikum auftraten und die Medien, besonders die Chicago Daily Tribune, großes Interesse an ihnen zeigten. Der hinduistische Vertreter Swami Vivekananda wurde beim Publikum besonders beliebt, was konservative Gegner misstrauisch machte.
Die katholische Kirche äußerte ihre Ablehnung erst nachträglich. Zuvor hatten wichtige liberale Vertreter aktiv teilgenommen, darunter James Gibbons sowie die Erzbischöfe John J. Keane und John Ireland. 1895 erklärte Papst Leo XIII. in einem offiziellen Schreiben, dass er solche Kongresse künftig nicht befürworte. Die anglikanische Kirche unter Erzbischof Edward White Benson lehnte eine Teilnahme offiziell ab. Der osmanische Sultan Abdülhamid II. verbot seinen Untertanen die Teilnahme und Ausreise. Außerdem wurde kritisiert, dass direkte Vertreter Afrikas und der nordamerikanischen Indianervölker fehlten.
Obwohl das Parlament damals als „Zweites Pfingsten“ und als wichtigstes Ereignis seit Christi Geburt bezeichnet wurde, blieben große unmittelbare Folgen aus. Zu den indirekten Wirkungen gehörten die Haskell-Lectures an der University of Chicago und Impulse für die damals entstehende Religionswissenschaft. Friedrich Max Müller verfolgte das Parlament aufmerksam, obwohl er nicht anwesend war. Zudem förderte es in den Vereinigten Staaten das Interesse an fernöstlicher Religion und Philosophie. Druyvesteyn erklärte die begrenzte Nachwirkung damit, dass das Parlament eng in die Probleme und Vorstellungen seiner Epoche eingebunden gewesen sei. Dennoch wurde es 100 Jahre später erneut in Chicago veranstaltet. Von 1993 bis heute folgten ungefähr alle fünf Jahre weitere Parlamente in Kapstadt, Barcelona und Melbourne.