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Am wenigsten entwickelte Länder
Am wenigsten entwickelte Länder (WEL; englisch Least Developed Countries (LDC)) ist ein von den Vereinten Nationen definierter sozialökonomischer Status, …
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Bedeutung und Begriffe
Am wenigsten entwickelte Länder (WEL; englisch Least Developed Countries, LDC) sind eine von den Vereinten Nationen definierte Gruppe besonders armer Entwicklungsländer. Der Artikel nennt 44 Länder und bezeichnet sie auch als „Vierte Welt“. WEL sind damit eine Teilauswahl der Entwicklungsländer, nicht deren Synonym.
Die englische Abkürzung LDC ist mehrdeutig: Sie kann für Least Developed Countries, aber auch für Less Developed Countries stehen. Letzteres kann je nach Zusammenhang weitere oder alle Entwicklungsländer meinen. LLDC steht dagegen für Landlocked Developing Countries, also Entwicklungsländer ohne Meereszugang. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden Less Developed Countries teils Developing Countries (DC) genannt. Auch das BMZ und UN-Organisationen verwenden Begriffe teilweise uneinheitlich; die Schweizer DEZA spricht statt von „Entwicklungsländern“ von „Partnerländern“.
Aufnahme und Streichung
Bis 1990 galten Pro-Kopf-Einkommen, Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Alphabetisierungsrate als Kriterien. Seit 1991 sollen umfassendere Kriterien auch langfristige Entwicklungshemmnisse wie Strukturschwächen und ein niedriges Niveau menschlicher Ressourcen berücksichtigen.
Bei der Überarbeitung 2009 nutzte das Komitee für Entwicklungspolitik drei Kriterien:
- Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf im Dreijahres-Durchschnitt muss für die Aufnahme unter 1018 US-$ liegen; als Aufstiegskriterium gelten mehr als 1222 US-$.
- Ein geringer Menschlicher Vermögensindex (HAI) zeigt Nachteile bei Gesundheit und Bildung. Er berücksichtigt Nahrungsenergie pro Kopf in Prozent des Minimalbedarfs, Kindersterblichkeit, Alphabetisierung Erwachsener und die Einschulungsrate in Sekundarschulen.
- Ein hoher Wirtschaftlicher Verwundbarkeitsindex (EVI) beschreibt die Anfälligkeit einer Gesellschaft. Er orientiert sich an Exporten, der Instabilität von Exporterlösen, Agrarproduktion sowie dem Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP.
Für die Aufnahme müssen alle drei Kriterien erfüllt sein; außerdem darf die Bevölkerung 75 Millionen Menschen nicht übersteigen. Ein Land kann gestrichen werden, wenn es die oberen Grenzwerte von mindestens zwei dieser drei Kriterien in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Überprüfungen überschreitet.
Folgen der Einstufung und internationale Unterstützung
Die Einstufung als WEL kann für einen Staat vorteilhaft sein. Geberländer messen die Qualität ihrer Entwicklungspolitik oft daran, wie stark sie auf diese Ländergruppe ausgerichtet ist. WEL erhalten daher bevorzugt nicht rückzahlbare Zuschüsse (Grants) oder Kredite zu günstigeren Bedingungen, etwa über die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA).
Die Bezeichnung lehnt sich an den Index der menschlichen Entwicklung (HDI) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen an. Der HDI misst wirtschaftliche und soziale Kriterien; kritisiert wird jedoch, dass er nur ausgewählte soziale Kriterien einbezieht. Weitere Kritik betrifft den Bevölkerungsindikator, die begrenzte Aussage über die weltweite Armutsverteilung, mögliche politische Instrumentalisierung und den aufwendigen Einteilungsprozess.
Seit 2001 vertritt ein Hoher Beauftragter die WEL zusammen mit den LLDC und den kleinen Inselentwicklungsländern (SIDS). Sein Büro in New York koordiniert Aktionsprogramme. In der internationalen Klimapolitik sollen die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) die Bedürfnisse der WEL bei Klimafinanzierung und Technologietransfer besonders berücksichtigen. Unterstützung gibt es durch Informationen, Beratung zur Anpassung an die globale Erwärmung und den Fonds für die am wenigsten entwickelten Länder (LDCF).
Aktuelle, ehemalige und vorgesehene WEL
Die aktuelle Liste führt Länder in Asien, Afrika, Ozeanien und der Karibik auf. In Asien sind dies Afghanistan*, Bangladesch, Jemen, Kambodscha, Laos*, Myanmar, Nepal* und Osttimor**. In Afrika nennt der Artikel Angola, Äthiopien*, Benin, Burkina Faso*, Burundi*, Demokratische Republik Kongo, Dschibuti, Eritrea, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau**, Komoren**, Lesotho*, Liberia, Madagaskar, Malawi*, Mali*, Mauretanien, Mosambik, Niger*, Ruanda*, Sambia*, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Südsudan*, Tansania, Togo, Tschad*, Uganda* und die Zentralafrikanische Republik*. In Ozeanien stehen Kiribati**, Salomonen** und Tuvalu**; in der Karibik Haiti**. * kennzeichnet zugleich LLDC, ** zugleich SIDS.
Der Artikel nennt zugleich 44 WEL, während die wiedergegebene aktuelle Aufzählung 45 Länder enthält. Dies ist eine widersprüchliche Angabe im Quelltext.
Ehemalige WEL sind Botswana (1994), Kap Verde (2007), Malediven (2011), Samoa (2014), Äquatorialguinea (2017), Vanuatu (2020), Bhutan (2023) und São Tomé und Príncipe (2024). Für eine Streichung vorgesehen sind Bangladesch, Laos und Nepal (je 2026), Salomonen (2027) sowie Kambodscha und Senegal (je 2029).