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Englisch als Lingua franca
Die englische Sprache hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zur bedeutendsten internationalen Lingua franca entwickelt. Die Entwicklung dahin begann mit …
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Bedeutung als internationale Verkehrssprache
Englisch ist die bedeutendste internationale Lingua franca. Eine Lingua franca ist eine gemeinsame Verkehrssprache, mit der Menschen unterschiedlicher Muttersprachen miteinander kommunizieren. Die weltweite Stellung des Englischen entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert zunächst durch den Kolonialismus und später durch den Imperialismus des Britischen Weltreichs. Nach dessen Zerfall blieb Englisch international wichtig, weil die USA, eine frühere englischsprachige Kolonie, im 20. Jahrhundert zur weltpolitischen Supermacht wurden.
In einigen ehemals kolonialisierten Ländern blieb Englisch eine Verkehrssprache; in manchen erhielt es sogar den Rang einer Amtssprache. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kann Englisch als bedeutendste Weltsprache angesehen werden. Es wird weltweit als wichtige Fremdsprache in Schulen unterrichtet und dient besonders in Weltpolitik, Weltwirtschaft und zahlreichen Wissenschaften als internationale Kommunikationssprache. Dies gilt vor allem für die Naturwissenschaften. Eine besondere standardisierte Form ist „Simplified English“, das in der Luft- und Raumfahrtindustrie für Wartungsdokumentationen verwendet wird.
Sprachwissenschaftliche Einteilung und Forschung
Die Abkürzung ELF steht für „English as a Lingua Franca“, also Englisch als Verkehrssprache zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erstsprachen. In der Linguistik, der wissenschaftlichen Untersuchung von Sprache, werden gelegentlich drei Verwendungsbereiche des Englischen unterschieden:
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„English in the Inner Circle“ bezeichnet Länder, in denen Englisch als ursprüngliche Sprache verwurzelt ist.
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„English in the Outer Circle“ bezeichnet Länder, in denen Englisch erst in vergleichsweise neuerer Zeit zu einer offiziellen oder ko-offiziellen Amtssprache geworden ist.
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„English in the Expanding Circle“ bezeichnet Länder, in denen Englisch eine wichtige Rolle als Fremdsprache spielt.
Die wissenschaftliche Erforschung von ELF im Sinne des „English in the Expanding Circle“ ist noch verhältnismäßig jung. Zu den Forschenden, die sich damit beschäftigt haben, gehören Jennifer Jenkins, Barbara Seidlhofer, Christiane Meierkord und Joachim Grzega.
Modelle für den Englischunterricht
Für die internationale Kommunikation wurden verschiedene Modelle eines „vereinfachten Englisch“ vorgeschlagen. Sie sollen im ELF-Unterricht die Verständigung über Sprachgrenzen hinweg unterstützen.
Zu diesen Ansätzen gehört das von Charles Kay Ogden und später auch von Ian Richards in den 1930er Jahren entwickelte „Basic English“. In jüngerer Zeit setzte sich Bill Templer erneut für dessen Förderung ein. Weitere Modelle sind das von van Ek und Alexander entwickelte „Threshold Level English“, das von Jean-Paul Nerrière entwickelte „Globish“ und das von Joachim Grzega entwickelte „Basic Global English“.
Englisch in Forschung und Forschungsförderung
In der naturwissenschaftlichen Forschung des gesamten deutschsprachigen Raums ist Englisch die vorherrschende Sprache für Kommunikation und Veröffentlichungen. In den Geisteswissenschaften hat sprachliche Vielfalt dagegen eine besondere Funktion, weil verschiedene Sprachen auch eigene Erkenntniswelten schaffen.
Die Wahl der Wissenschaftssprache wird von der Forschungsförderung beeinflusst, da Forschung stark von Fördergeldern und eingeworbenen Drittmitteln abhängt. Wichtige nationale Förderinstitutionen sind die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Deutschland, der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in der Schweiz und der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) in Österreich. In Deutschland und der Schweiz tragen außerdem private Stiftungen zur Forschungsfinanzierung bei, beispielsweise die Volkswagenstiftung. In Österreich kommt dies deutlich seltener vor, weshalb der FWF dort der wichtigste nationale Fördergeber ist.
Die Institutionen verfolgen unterschiedliche Sprachenregelungen. Bei der DFG können Anträge auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Der SNF fördert Veröffentlichungen in französischer und deutscher Sprache sogar aktiv. Als Begründung gilt, dass besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Beherrschung mehrerer Sprachen unverzichtbar sei.
Der österreichische FWF vertritt eine gegensätzliche Position: Seit 2008 müssen Forschungsanträge in allen Wissenschaftsdisziplinen ausschließlich auf Englisch gestellt werden. Seit 2015 werden Antragsteller außerdem dazu angehalten, außerhalb Österreichs und des deutschsprachigen Raums zu veröffentlichen. Ziel dieser Maßnahmen war eine höhere internationale Sichtbarkeit. Vor allem in den Geisteswissenschaften wurden sie breit kritisiert. Kritiker warfen dem FWF vor, sich von einer Dienstleistungseinrichtung für Forschende zu einer Regulierungsbehörde zu entwickeln; entsprechende Diskussionen blieben teilweise erfolglos.
Am 10. April 2015 wurde in Österreich die Petition „Für deutschsprachige Anträge beim FWF“ begonnen. Sie erhielt rund 3.000 Unterschriften und wurde durch eine parlamentarische Anfrage im Nationalrat behandelt. In seiner online veröffentlichten Reaktion begründete der FWF die englischsprachigen Anträge unter anderem mit der Gleichbehandlung und Vergleichbarkeit der Anträge, der Förderung interdisziplinärer Forschung, der größeren Sichtbarkeit österreichischer Forschung sowie den Möglichkeiten bi- und multilateraler Kooperationen mit internationalen Partnerorganisationen.
Englisch als Amtssprache in der Europäischen Union
Diskutiert wird außerdem, Englisch zunächst als Verwaltungssprache und anschließend als Amtssprache in den Teilstaaten der Europäischen Union einzuführen. Dabei soll Englisch die bereits bestehenden Sprachen ergänzen und nicht ersetzen.
Nach einer repräsentativen YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2013 begrüßten 59 Prozent der Deutschen den Vorschlag, Englisch zusätzlich zu den bisherigen Sprachen in der gesamten Europäischen Union zur Amtssprache zu machen. In einigen anderen europäischen Ländern lagen die Zustimmungswerte bei über 60 Prozent.