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Empört Euch!

Empört Euch! (französischer Originaltitel Indignez-vous !) ist ein Essay des ehemaligen französischen Widerstandskämpfers und UN-Diplomaten Stéphane Hessel.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Zentrale Forderungen und Begründungen
  3. 3. Veröffentlichung und Fortsetzung
  4. 4. Rezeption und Kritik
  5. 5. Aufführungen und Verfilmung

Werk und Bedeutung

Empört Euch! (französisch: Indignez-vous !) ist ein Essay des ehemaligen französischen Widerstandskämpfers und UN-Diplomaten Stéphane Hessel. Er erschien im Oktober 2010 und erreichte bis Februar 2011 mehr als eine Million verkaufte Exemplare; auch in Deutschland wurde er ein Bestseller. Hessel war bei der Veröffentlichung 93 Jahre alt und verzichtete auf sein Autorenhonorar.

Die Schrift kritisiert politische Entwicklungen der Gegenwart, besonders die Finanzkrise und ihre Folgen, und ruft zu politischem Widerstand auf. Sie wendet sich gegen Finanzkapitalismus und für Pazifismus. Wegen ihres zornigen Tons wird sie häufig als Pamphlet bezeichnet. Protestbewegungen in Spanien, Portugal und Griechenland beriefen sich unter anderem auf Hessels Thesen.

Zentrale Forderungen und Begründungen

Ausgangspunkt sind die Ideale der französischen Résistance, also der Widerstandskämpfer während des Zweiten Weltkriegs. Hessel vergleicht ihr „Vermächtnis“ mit den heutigen Verhältnissen in Frankreich und möchte es an jüngere Generationen weitergeben. Als gefährdet betrachtet er den nach dem Krieg entstandenen Konsens für einen Sozialstaat sowie die Verpflichtung auf Menschenrechte. Diese hatten auch Eingang in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 gefunden, an der Hessel mitwirkte.

Als Beispiele für verfehlte Politik nennt er Diskriminierung von Ausländern, Sozialabbau besonders bei der Alterssicherung, die Konzentration der Presse und die Gefährdung ihrer Unabhängigkeit, eingeschränkten Bildungszugang, Entwicklungs- und Umweltpolitik. Seine größte aktuelle Empörung gelte der israelischen Politik in den besetzten Gebieten. Diese Fälle versteht er ausdrücklich nur als Beispiele für weitere mögliche Anlässe zur Empörung.

Das Buch fordert eine engagierte Lebenshaltung, gewaltlose Revolte und zivilen Ungehorsam. Ziviler Ungehorsam bedeutet dabei Widerstand gegen politische Verhältnisse ohne Gewalt. Das Grundmotiv der Résistance sei „die Empörung“ gewesen; Gleichgültigkeit gegenüber politischen Verhältnissen sei dagegen „das Schlimmste, was man sich und der Welt antun“ könne.

Hessel behauptet, der durch Lobbyisten den Staat beherrschende Finanzkapitalismus bedrohe die Werte der Zivilisation. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich seien größer als je zuvor. Die Aussage, allgemeine soziale Sicherung sei zu teuer, weist er zurück: Der Wohlstand sei heute „so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung, als Europa in Trümmern lag.“ Philosophisch bezieht er sich auf Jean-Paul Sartres Existentialismus und auf Hegels optimistische Vorstellung einer Geschichte des Fortschritts. Das Manifest schließt: „Neues schaffen heißt, Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt, Neues schaffen.“

Veröffentlichung und Fortsetzung

Die französische Erstausgabe erschien 2010 bei Indigène in Montpellier (ISBN 978-2-911939-76-1). Die deutsche Ausgabe Empört Euch! wurde von Michael Kogon übersetzt und erschien 2011 bei Ullstein in Berlin (ISBN 978-3-550-08883-4). Die deutsche Fassung umfasst vierzehn Seiten; hinzu kommen acht Seiten mit Anmerkungen und einem Nachwort der französischen Verlegerin Sylvie Crossman.

Im März 2011 veröffentlichte Hessel die Fortsetzung Engagez-vous !; die deutsche Ausgabe Engagiert Euch! erschien im Juli 2011.

Rezeption und Kritik

Die Aufnahme in Frankreich war nicht ausschließlich positiv; unter anderem erhob der Literaturkritiker Pierre Assouline Einspruch. Stéphane Rozès hielt Empörung für eine möglicherweise folgenlose und nur kurze Form der Auflehnung. Sylvie Stephan erklärte den Erfolg mit besonders starkem Pessimismus und Zukunftsängsten in Frankreich; Hessel habe damit viele Menschen mit ausgeprägter Protestkultur angesprochen.

In Deutschland wurde das Werk schon vor einer deutschen Übersetzung prominent vorgestellt. Gero von Randow schrieb in der Zeit, es treffe den Nerv der französischen Debatte, sei aber „recht grob geschnitzt, stellenweise falsch“; zudem kritisierte er Hessels Haltung zu Israel. Christian Geyer nannte den Text in der FAZ eine nahezu begründungs- und erklärungsfreie Schrift gegen Defätismus und Ohnmachtsgefühle, die zugleich an „das Beste in uns“ erinnere. Arno Widmann und Jakob Augstein verglichen das Werk mit Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab: Sie beschrieben Hessels Buch als für Immigranten und gegen soziale Ausgrenzung gerichtet; Augstein nannte es ein „Buch der Hoffnung“.

Aufführungen und Verfilmung

Die erste deutsche Theaterdarstellung fand am 16. September 2011 am Theater Neue Bühne Senftenberg während des GlückAufFestes statt. Der Text war in Sewan Latchinians Inszenierung von Jedermann eingebettet und wurde von Heinz Klevenow vorgetragen. Am 29. Juni 2014 wurde das Werk im Rahmen einer Projektarbeit von Judith Kriebel an den Landesbühnen Sachsen uraufgeführt.

2012 entstand Empört Euch! von Tony Gatlif und Stéphane Hessel nach der gleichnamigen Streitschrift. Die Originalfassung mit deutschen Untertiteln erschien 2013 bei absolut MEDIEN in Berlin (ISBN 978-3-8488-4004-5).

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