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Else Lasker-Schüler

Elisabeth „Else“ Lasker-Schüler (geboren am 11. Februar 1869 als Elisabeth Schüler in Elberfeld; gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem) war eine deutsche …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Flucht und Exil in Jerusalem
  3. 3. Lyrik, Prosa und Zeichnungen
  4. 4. Dramen und politische Aussage
  5. 5. Nachwirkung und Erinnerung

Bedeutung und Lebensweg

Else Lasker-Schüler (geboren am 11. Februar 1869 als Elisabeth Schüler in Elberfeld, gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem) war eine deutsche Dichterin und Zeichnerin jüdischer Herkunft. Sie gilt als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus, einer literarischen Kunstströmung mit besonders intensivem, subjektivem Ausdruck.

Sie wuchs als jüngstes von sechs Kindern im Elberfelder Briller Viertel auf. Ihre Mutter Jeanette Kissing, die am 27. Juli 1890 starb, wurde zu einer zentralen Gestalt ihrer Dichtung; den Verlust bezeichnete Lasker-Schüler als „die Vertreibung aus dem Paradies“. 1894 heiratete sie den Arzt Jonathan Berthold Lasker und zog nach Berlin. Ihr Sohn Paul wurde am 24. August 1899 geboren und starb 1927 an Tuberkulose. Nach der Scheidung 1903 heiratete sie noch im selben Jahr den Schriftsteller Georg Lewin, der unter dem von ihr erfundenen Namen Herwarth Walden bekannt wurde. Die zweite Ehe wurde 1912 geschieden.

In Berlin veröffentlichte sie Gedichte, Prosa und Theaterstücke. Ohne eigenes Einkommen war sie nach der Trennung auf Unterstützung von Freunden angewiesen, besonders von Karl Kraus. Eine intensive Freundschaft verband sie ab 1912 mit Gottfried Benn; viele Liebesgedichte widmete sie ihm. 1921 klagte sie in Der Wunderrabbiner von Barcelona den Antisemitismus scharf an und verwies auf widersprüchliche Vorurteile gegenüber Juden als Kapitalisten und Kommunisten.

Flucht und Exil in Jerusalem

1932 erhielt Lasker-Schüler zusammen mit Richard Billinger den letzten vor der nationalsozialistischen Machtergreifung vergebenen Kleist-Preis. Nach tätlichen Angriffen und wegen der Lebensgefahr emigrierte sie am 19. April 1933 nach Zürich. Dort hatte sie Arbeitsverbot und erhielt nur befristete Aufenthaltsgenehmigungen. Sie reiste 1934 und 1937 nach Palästina. 1938 wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt; sie war damit „schriftenlos“. Bei ihrer dritten Reise nach Palästina 1939 verhinderten Kriegsbeginn und verweigertes Rückreisevisum die Rückkehr in die Schweiz.

In Jerusalem lebte sie zunächst in Hotels und ab Sommer 1941 zur Untermiete in Rechavia. Eine monatliche Ehrenrente der Jewish Agency und des Verlegers Salman Schocken sicherte ihre Existenz teilweise. Sie war im Exil jedoch unglücklich: Heimatverlust, die Ermordung von Juden in Konzentrationslagern, die Kriegslage, arabische Aufstände und Einschränkungen für jüdische Flüchtlingsschiffe belasteten sie. Sie setzte sich für eine Versöhnung von Christen, Juden und Arabern ein und unterstützte Brit Schalom und Ichud, die das Verhältnis zur arabischen Bevölkerung Palästinas in den Mittelpunkt stellten.

1942 gründete sie den literarischen Salon „Kraal“, durfte später aber keine deutschsprachigen Lesungen und Vorträge mehr halten. Ihr letzter Gedichtband Mein blaues Klavier erschien 1943 in einer limitierten Auflage von 330 Exemplaren. Nach einem Herzanfall am 16. Januar 1945 starb sie am 22. Januar 1945 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof am Ölberg in Jerusalem begraben.

Lyrik, Prosa und Zeichnungen

Lasker-Schüler hinterließ ein umfangreiches lyrisches Werk, drei Dramen, kürzere Prosatexte, Briefe, Dokumente und zahlreiche Zeichnungen. Als Vorreiterin der avantgardistischen Moderne wurde sie besonders durch ihre psalmodierende Lyrik bekannt: Gedichte mit einem feierlich-gebetsartigen, rhythmischen Ton. Ihr poetisches Milieudrama Die Wupper zählt ebenfalls zu ihren wichtigsten Werken.

Zu ihren Gedichtbänden gehören Styx (1901), Der siebente Tag (1905), Meine Wunder (1911), Hebräische Balladen (1913), Gesammelte Gedichte (1917) und Mein blaues Klavier (1943). Liebeslyrik nimmt einen großen Raum ein, geht aber oft in religiöse Gedichte und Gebete über. Das spätere Werk verwendet viele biblische und orientalische Motive. Kennzeichnend sind die freie Behandlung äußerer Formregeln, starke innere Konzentration und sprachliche Neuschöpfungen.

Ein typisches Gedicht ist Ein alter Tibetteppich. Es verbindet Liebe, Farben, Sterne und ein Teppichbild, etwa in den Versen „Deine Seele, die die meine liebet, / Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.“ Ihre Jerusalem-Dichtung verbindet ideale Sehnsuchtsbilder mit Exilerfahrung und der politischen Wirklichkeit. Biblische Bilder, Geschichte des jüdischen Volkes sowie sinnliche Eindrücke Jerusalems treffen darin aufeinander.

Auch Bild und Schrift gehörten für sie zusammen. Im Briefwechsel mit Franz Marc, der bis zum Sommer 1914 intensiv geführt wurde, antwortete sie mit gezeichneten und geschriebenen Briefen als „Prinz Jussuf von Theben“; Marc schrieb als „Blauer Reiter“. Erhalten sind 66 Briefe oder Kartengrüße von ihr und 28 von Marc. Mehr als einhundert ihrer Zeichnungen wurden 1937 als „entartete Kunst“ aus der Berliner Nationalgalerie entfernt.

Dramen und politische Aussage

Die Wupper schrieb Lasker-Schüler 1908. Das Stück erschien 1909 und wurde am 27. April 1919 im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Es ist ihr erstes und wichtigstes Drama.

Arthur Aronymus und seine Väter sollte 1933 am Berliner Schillertheater kurz vor der Premiere gezeigt werden, wurde aber von den Nationalsozialisten sofort vom Spielplan genommen. Das Stück nimmt die Verfolgung von Juden vorweg, etwa mit den Zeilen: „Unsere Töchter wird man verbrennen auf Scheiterhaufen / Nach mittelalterlichem Vorbild.“

An ihrem letzten Drama IchundIch arbeitete sie im Jerusalemer Exil bis kurz vor ihrem Tod. Das Fragment setzt Goethes Faust fort: Faust und Mephisto beobachten aus der Hölle, wie Hitler die Welt erobert. Angesichts der Gräueltaten lehnt selbst Mephisto das Böse ab; mit Faust bittet er Gott um Vergebung. Beide werden in den Himmel aufgenommen, während das Dritte Reich im Flammenmeer untergeht. Die Beurteilung des Werks ist umstritten: Einige sahen darin prophetische Weitsicht, andere Anzeichen geistigen Verfalls. Vollständig kritisch kommentiert wurde es 1969 veröffentlicht; die Uraufführung erfolgte am 10. November 1979 in Düsseldorf.

Nachwirkung und Erinnerung

Lasker-Schüler polarisierte schon zu Lebzeiten durch ihr öffentliches Auftreten und ihre künstlerischen Selbstinszenierungen, hatte aber Anhänger und Gegner. Gottfried Benn nannte sie 1952 die „größte Dichterin, die Deutschland je hatte“. Ihre Bedeutung wird vor allem in ihrer führenden Rolle für die moderne deutsche Lyrik gesehen; nach Thomas Anz findet sich formal und strukturell moderne Lyrik zuerst bei ihr, besonders in Der siebente Tag von 1905.

Ihre Werke wurden ins Hebräische übertragen, zuerst 1922 durch Alice Jacob-Loewenson. Weitere Übersetzungen stammen unter anderem von Uri Zvi Greenberg, Leah Goldberg, Yehuda Amichai und Natan Zach. In Israel wurde auch ein 2016 erschienener Sammelband mit Übersetzungen sämtlicher Theaterstücke veröffentlicht.

Erinnerungsorte sind unter anderem das Denkmal Meinwärts in Wuppertal, die Skulptur Engel für Jerusalem bei Jerusalem sowie Gedenktafeln in Berlin und Wuppertal. Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft wurde 1990 in Wuppertal gegründet; seit 1993 gibt es den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. Nach ihr wurden außerdem eine Wuppertaler Gesamtschule, zahlreiche Straßen und der Asteroid (20074) Laskerschueler benannt. Zum 150. Geburtstag gab die Deutsche Post am 7. Februar 2019 eine Briefmarke zu 70 Eurocent heraus.

Lernvideos zu Else Lasker-Schüler

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