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Elsässische autonome Bewegung
Die Elsässische autonome Bewegung (elsässisch: D'Elsässischa Salbschtstandikaitbewegùng) ist eine soziale, kulturelle und politische Initiative, …
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Kern und Ziel der Bewegung
Die Elsässische autonome Bewegung, elsässisch „D'Elsässischa Salbschtstandikaitbewegùng“, ist eine soziale, kulturelle und politische Initiative. Sie setzt sich für eine erweiterte Unabhängigkeit und Autonomie des Elsass innerhalb der Französischen Republik ein. Ihre Anhänger verstehen das Elsass als kulturelle Minderheit mit eigener Identität.
Die Bewegung gilt nicht als separatistisch. Die Mehrheit ihrer Unterstützer fordert keine Abspaltung von Frankreich, sondern die Anerkennung der elsässischen Kultur und Sprache als integralen Bestandteil Frankreichs. Im Mittelpunkt stehen daher regionale Selbstverwaltung, kulturelle Eigenständigkeit und der Schutz sprachlicher Besonderheiten.
Historische Voraussetzungen
Das Elsass war zuvor Teil des Römisch-Deutschen Reiches und wurde im 17. Jahrhundert erstmals von Frankreich annektiert. Im 19. und 20. Jahrhundert war die Region eine umstrittene Grenzregion zwischen dem heutigen Deutschland und Frankreich.
Nach der Schlacht von Sedan 1870 wurde das Elsass vom Zweiten Französischen Kaiserreich abgetrennt und in das Reichsland Elsass-Lothringen eingegliedert. Dieses bestand von 1871 bis 1919 als Teil des Deutschen Kaiserreiches. 1911 trat eine überarbeitete Landesverfassung in Kraft. Sie verlieh dem Elsass eine erhöhte Autonomie und erweiterte Zuständigkeiten. Außerdem wurde eine eigene Fahne beschlossen, die im elsässischen Dialekt „Rot-un-Wiss“ („Rot-und-Weiß“) heißt. Das Elsässische Fahnenlied wurde als offizielle Hymne des Landes veröffentlicht.
Die Regelung bestand jedoch nicht lange. 1913 führte die Zabern-Affäre, ein Konflikt zwischen zivilen Bürgern und militärischen Institutionen, zu einer Reihe von Protestaktionen im Elsass und in Lothringen. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das Elsass mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags erneut an Frankreich.
Sprache und kulturelle Identität
Das Elsässische ist die historisch von den Bewohnern des Elsass gesprochene Landessprache. Linguistisch wird es als Dialekt des Niederalemannischen eingeordnet. Das Elsass gehört damit zusammen mit einigen Regionen Deutschlands und der Schweiz zum alemannischen Sprachgebiet.
Engagierte für den Erhalt und die Förderung des Dialekts verweisen auf die gemeinsam praktizierte Zweisprachigkeit. Diese wird durch die 1992 in Straßburg ratifizierte Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt.
Zur elsässischen Kultur gehören außerdem religiöse, kulinarische und architektonische Merkmale. Der Anteil der Protestanten, überwiegend Lutheraner und Reformierte, beträgt 18–20 % der elsässischen Bevölkerung und ist damit doppelt so hoch wie der nationale Anteil der Protestanten in Frankreich. Auch die regionale Küche und die traditionelle Architektur sind tief in der lokalen Gesellschaft verankert. Besonders prägend ist das alemannische Fachwerk.
Politische Entwicklung und heutige Forderungen
1928 leiteten französische Behörden gegen führende Persönlichkeiten der elsässischen Gesellschaft ein Gerichtsverfahren ein, den sogenannten Colmarer Komplott-Prozess. Die Betroffenen strebten eine erweiterte regionale Autonomie an. Ihnen wurde vorgeworfen, eine Abspaltung von der Französischen Republik anzustreben, um das Elsass an die Weimarer Republik anzuschließen.
Im 21. Jahrhundert wurde die autonome Bewegung besonders durch die Gründung der Region Grand Est im Jahr 2016 gestärkt. Dabei wurden das Elsass, Champagne-Ardenne und Lothringen zu einer einheitlichen Region zusammengeführt. Dagegen kam es zu erheblichen Protesten. Lokale Demonstranten empfanden die Maßnahme der französischen Zentralregierung als zentralistisch und als einen Verlust an Autonomie für die von Paris am weitesten entfernten Regionen.
Zu den Parteien, die eine Autonomie des Elsass anstreben, gehören Unser Land und Alsace d’abord. Am 1. Januar 2021 wurde die Europäische Gebietskörperschaft Elsass gegründet. Sie ist eine einzigartige Territorialgemeinschaft mit besonderen Befugnissen, die auf die Region Grand Est beschränkt sind.
2024 schrieben die Bürgermeisterinnen von Mülhausen und Straßburg gemeinsam mit fünf Vertretern anderer elsässischer Gemeinden an Präsident Emmanuel Macron. Sie regten eine verstärkte Autonomie der Region an. Französische Politiker, die sich für die Interessen der Region Grand Est einsetzen, bezeichneten die Initiatoren daraufhin als „Verräter“.