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Jordan

Gemäß der biblischen Überlieferung bildete der Jordan die von Gott versprochene Grenze des Landes Israel zu den anderen Völkern vor der Landnahme der Israeliten …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Verlauf und natürliche Merkmale
  2. 2. Grenze und politischer Konflikt
  3. 3. Wasserentnahme und Folgen
  4. 4. Bedeutung in Judentum und Christentum

Verlauf und natürliche Merkmale

Der Jordan ist ein Fluss im Nahen Osten. Seine drei Quellflüsse sind der Hasbani im Libanon, der Dan im nördlichen Israel und der Banyas, auch Hermonfluss genannt, in den nördlichen Golanhöhen. Sie entspringen im Gebiet um das Hermongebirge und vereinigen sich in der Gegend um Sede Nehemija. Die Quelle liegt etwa 80 m über dem Meeresspiegel.

Anschließend fließt der Jordan nach Süden durch die Huleebene Nordgaliläas und mündet bei Bethsaida in den See Genezareth. Südlich des Sees tritt er in den Jordangraben ein. Seine beiden einzigen größeren Zuflüsse sind linksseitig der Jarmuk und der Jabbok. Südöstlich von Jericho mündet der Jordan in das Tote Meer, einen abflusslosen Endsee. Seine Mündung liegt etwa 415 m unter dem Meeresspiegel; daraus ergibt sich ein Höhenunterschied von ungefähr 495 m. Der mittlere Abfluss wird auf 6 m³/s geschätzt.

Zur Länge gibt es unterschiedliche Angaben. Die Luftlinie vom Zusammenfluss der Quellflüsse bis zur Mündung beträgt etwa 170 km. Für den stark gekrümmten Abschnitt zwischen dem See Genezareth und dem Toten Meer werden gelegentlich 210 km angegeben, obwohl die beiden Seen nur 105 km voneinander entfernt sind. Der Jordan durchfließt den See Genezareth.

Fast im gesamten südlichen Verlauf bildet der Jordan die Grenze zwischen Israel und Jordanien; ausgenommen ist die Strecke vom See Genezareth bis Bet Sche’an. Im Norden fließt er entlang der Golanhöhen. Der Jordangraben mit dem Toten Meer ist eine geologische Senke und als Transformstörung stark erdbebengefährdet.

Grenze und politischer Konflikt

Wegen seiner Grenzlage besitzt der Jordan eine wichtige politische Bedeutung im Nahen Osten. Der Fluss führt das ganze Jahr über vergleichsweise viel Wasser. Israel betrachtet den Jordan und den See Genezareth als zentrale Bestandteile seiner Trinkwasserversorgung. Libanon, Syrien und Jordanien verlangen ebenfalls einen angemessenen Anteil am Wasser des gesamten Flusssystems.

Zwischen Israel und Jordanien konnte der Fluss zur Verständigung beitragen. Artikel 6 des israelisch-jordanischen Friedensvertrags vom 26. Oktober 1994 sichert Jordanien das Recht zu, größere Mengen Trinkwasser aus dem Fluss zu entnehmen. Der Vertrag wurde in Washington von König Hussein von Jordanien, dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin und dem US-Präsidenten Bill Clinton unterzeichnet.

Im Verhältnis zwischen Israel und Syrien trägt der Jordan dagegen zur Krise bei. Die Sorge, Syrien könnte Israel „das Wasser abgraben“, gehört zu den wesentlichen Gründen, aus denen Israel die Golanhöhen nicht zurückgeben will.

Wasserentnahme und Folgen

Der Jordan ist die wichtigste Süßwasserquelle sowohl für Israel als auch für Jordanien. Nach der im Artikel genannten Angabe führt der Jordan jährlich 1200 Millionen Kubikmeter Wasser. Israel entnimmt allein aus dem See Genezareth 500 Millionen Kubikmeter. Das Wasser wird vor allem zur Bewässerung der Landwirtschaft in der Negev-Wüste und zur Versorgung der Städte mit Trinkwasser genutzt.

Die ständige Wasserentnahme hat die Wassermenge des Flusses stark verringert. Im weiteren Verlauf verkommt der Jordan zu einem Rinnsal aus Abwässern. Jährlich erreichen nur noch 200 Millionen Kubikmeter das Tote Meer. Dadurch nimmt dessen Wasserstand dramatisch ab.

Bei der Uno-Klimakonferenz 2022 im ägyptischen Scharm asch-Schaich unterzeichneten Israel und Jordanien eine Absichtserklärung zum Schutz des Jordan-Flusses.

Bedeutung in Judentum und Christentum

Im Judentum gilt der Jordan als der Fluss, den das Volk Israel nach der Wanderung durch die Wüste unter der Führung Josuas bei der Landnahme überschritt. Außerdem wird er als die verheißene Grenze Israels verstanden. Nach biblischer Überlieferung bildete der Jordan die von Gott versprochene Grenze des Landes Israel zu den anderen Völkern vor der Landnahme; die Israeliten eroberten jedoch auch den ostjordanischen Baschan.

Für das Christentum ist der Jordan besonders mit der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer verbunden. Die Stelle dieses Ereignisses wird in der Gegend um Jericho lokalisiert. Deshalb ist der Jordan ein stark besuchtes Pilgerziel mit zahlreichen Taufstellen, darunter Jardenit am Südende des Sees Genezareth. Jordanwasser wird teilweise auch für Taufen an anderen Orten verwendet; genannt werden etwa der englische Prinz George of Wales und die spanische Prinzessin Sofía de Borbón y Ortiz.

Das Überschreiten des Jordan wird häufig als Sinnbild für den Übergang aus einer feindseligen Fremde in das Land der Verheißung und damit für das Sterben gedeutet. Darauf bezieht sich auch die deutsche Redensart „über den Jordan gehen“.

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