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Elias (Mendelssohn)

Arie, Rezitativ und Arie („Höre, Israel, höre des Herrn Stimme! · Chor („Fürchte dich nicht“) · Rezitativ mit Chor („Der Herr hat dich erhoben“) · Chor („Wehe ihm, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Besetzung
  3. 3. Entstehung
  4. 4. Dramatik und musikalischer Aufbau
  5. 5. Inhalt und Wirkungsgeschichte

Überblick

Elias op. 70 (MWV A 25) ist ein Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy über die Geschichte des biblischen Propheten Elias. Ein Oratorium ist ein groß angelegtes Werk für Solostimmen, Chor und Orchester, das meist eine religiöse Handlung musikalisch darstellt. Elias zählt bis heute zu den bekanntesten Werken Mendelssohns.

Das Werk wurde am 26. August 1846 beim Birmingham Triennial Music Festival in Birmingham uraufgeführt. Inhaltlich verbindet es eine dramatische alttestamentliche Handlung mit religiösen Aussagen über Glauben, Zweifel, Verfolgung, Offenbarung und die Ankunft des Messias. Der erste Teil schildert vor allem den Kampf gegen Vielgötterei und Baalskult sowie die Bedrohung durch eine lang andauernde Dürre. Der zweite Teil zeigt Elias als erschöpften und resignierenden Propheten, seine Begegnung mit Gott und schließlich seine Himmelfahrt.

Besetzung

Mendelssohn wollte „recht dicke, starke, volle Chöre“ komponieren. Der Chor übernimmt mehrere Rollen: Er stellt das Volk Israel, die Baalspriesterschaft und den Chor der Seraphim dar. Die umfangreiche Chormusik entsprach auch der Bedeutung großer Singvereine, die Hunderte von Sängern umfassen konnten.

Das Orchester besteht aus 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotten, 4 Hörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Ophikleide, Pauken und Streichern (1. und 2. Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabässe) sowie Orgel. Die Ophikleide wird heute oft von einer Basstuba gespielt.

Die wichtigsten Solorollen sind Elias für Bass, die Witwe für Sopran, Obadjah und Ahab jeweils für Tenor sowie die Königin für Alt. Zusätzlich verlangt das Oratorium zahlreiche weitere Solostimmen, bis zu acht Stimmen im Doppelquartett, und eine Knabenstimme.

Entstehung

Mendelssohn beschäftigte sich etwa zehn Jahre mit dem Elias-Stoff. Bereits 1836 las er Ferdinand Hiller die Bibelstelle „Der Herr ging vorüber“ aus dem 1. Buch der Könige (1 Kön 19,11–13 EU) vor. Diese Passage wurde in der Endfassung zur Nummer 34. Mendelssohn war von Elias als einer starken, eifrigen, aber auch „bösen“, zornigen und finsteren Prophetenfigur fasziniert. 1837 kündigte er seinem Jugendfreund Karl Klingemann erstmals ausdrücklich an, den Stoff vertonen zu wollen.

Im Sommer 1837 entwarfen Mendelssohn und Klingemann innerhalb von zwei Wochen ein Szenarium. Klingemann sollte Verse und biblische Prosa ergänzen, reagierte jedoch nicht auf Mendelssohns Bitten. Im Mai 1838 beendete Mendelssohn daher die Zusammenarbeit und wandte sich an den Dessauer Pfarrer Julius Schubring, der bereits den Text zu Paulus verfasst hatte.

Die Arbeit ruhte zunächst. Im Juni 1845 wurde Mendelssohn vom Manager des Birmingham Triennial Music Festival eingeladen, dort ein neues Oratorium aufzuführen. Schubring wollte den Stoff stärker neutestamentlich deuten und Hinweise auf Christus einfügen. Mendelssohn übernahm davon nur Elemente, die seinen Vorstellungen entsprachen. Er wollte sich nicht „zu sehr aus der Haltung des (alttestamentlichen) Ganzen entfernen“, integrierte aber einen christologischen Ausblick auf den kommenden Messias. Wegen des Termins und der Anforderungen des Festivals musste er unter großem Zeitdruck arbeiten. Nach der Uraufführung wurde das Werk deshalb tiefgreifend überarbeitet. Die englische Übersetzung für Birmingham fertigte William Bartholomew (1793–1867) an.

Dramatik und musikalischer Aufbau

Der erste Teil zeigt Elias als kämpferischen Propheten. Er wendet sich gegen die Vielgötterei der Königin des Nordreichs, die als Kanaanäerin dem Baalskult anhängt, und will die Israeliten wieder zum Glauben an den einen Gott Jahwe führen. Im Zentrum steht damit der Gegensatz von Polytheismus und Monolatrie, also der Verehrung nur eines Gottes bei möglicher Kenntnis anderer Götter.

Der dramatische Spannungsbogen des ersten Teils ist die Sorge um Wasser. Elias kündigt eine mehrjährige Wasserknappheit an; die Worte „So wahr der Herr“ werden durch drei absteigende Tritoni begleitet. Nach einem mächtigen Crescendo der Ouvertüre setzt der Chor mit „Hilf, Herr!“ ein. Es folgt das A-cappella-Rezitativ „Die Tiefe ist versieget!“. Nach der Episode mit der Witwe von Zarpath kommt es zum Konflikt mit König Ahab und den Baalspriestern. Auf deren Rufe „Baal, erhöre uns!“ antwortet Elias spöttisch mit „Rufet lauter!“. Der Teil endet mit dem Regenwunder: Ein Knabe beobachtet den Himmel, bis aus dem Meer eine kleine Wolke aufsteigt und schließlich rauschender Regen fällt.

Der zweite Teil ist weniger dramatisch und enthält mehr lyrische Abschnitte. Er beginnt mit „Höre, Israel“, ursprünglich für die Sopranistin Jenny Lind geschrieben. Besonders wichtig ist die Arie „Es ist genug“, in der Elias’ Verzweiflung und Lebensüberdruss hörbar werden. Als beruhigender Kontrast folgen das A-cappella-Terzett „Hebe deine Augen auf“ für drei Frauenstimmen und der Chor „Siehe der Hüter Israels“, beide nach Psalm 121 LUT.

Die Königin hetzt das Volk gegen Elias auf. In der Wüste wird er von Engelschören zum Berg Horeb geführt und erlebt dort in der Begegnung mit dem unsichtbaren Gott eine Theophanie, also eine Erscheinung oder Offenbarung Gottes. Danach nimmt er den Kampf gegen die Götterverehrer wieder auf und fährt am Ende seines Lebens in einem feurigen Wagen gen Himmel. Ein abschließender Anhang kündigt den kommenden Messias an. Mendelssohn wollte ursprünglich mit der Himmelfahrt enden; Schubring regte den Anhang an. Die durchschnittliche Aufführung dauert je Teil etwas mehr als 60 Minuten.

Inhalt und Wirkungsgeschichte

Der erste Teil führt von Elias’ Ankündigung der Dürre über Gebete des Volkes, die Begegnung mit der Witwe und die Auseinandersetzung mit Ahab und den Baalspriestern zum Regenwunder. Zentrale musikalische Nummern sind „So wahr der Herr“, „Hilf, Herr!“, „Herr, höre unser Gebet!“, „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“, „Baal, erhöre uns!“, „Rufet lauter! Denn er ist ja Gott!“ und „Herr Gott Abrahams“. Der Teil endet mit Chören des Dankes.

Der zweite Teil beginnt mit der Mahnung „Höre, Israel, höre des Herrn Stimme!“. Nach weiteren Chören und Rezitativen wird Elias zum Tod bedroht. Er zieht sich zurück und singt „Es ist genug“. Die folgenden Stationen sind die Stärkung durch Engel, die Begegnung mit Gott am Horeb, Elias’ erneuter Aufbruch und seine Himmelfahrt. Zu den Schlusssätzen gehören „Der Herr ging vorüber“, „Heilig, heilig, heilig“, „Und der Prophet Elias brach hervor“, „Dann werden die Gerechten leuchten“ und der Schlusschor „Alsdann wird euer Licht“.

Bei der Uraufführung brachte erstmals in der Musikgeschichte ein Sonderzug etwa 300 Aufführende von London nach Birmingham. Die Quellenangabe zur Besetzung der Titelrolle nennt dabei sowohl Josef Staudigl als auch den Bassisten Henry Phillips. Publikum und Kritik reagierten am 26. August 1846 durchweg positiv; nach der dreieinhalbstündigen Vorstellung wurden mehrere Zugaben verlangt. Bei diesem Konzert erklangen außerdem Haydns Die Schöpfung und Teile von Beethovens Missa solemnis.

Nach der Uraufführung komponierte Mendelssohn einige Nummern neu und überarbeitete andere. Die endgültige Fassung erklang zwischen dem 16. und 30. April 1847 in sechs Konzerten in London, Manchester und Birmingham. Bei einem Konzert in der Londoner Exeter Hall waren Königin Victoria und Prinz Albert anwesend. Mitte 1847 erschien das Werk im Druck; die erste deutschsprachige Aufführung fand am 29. August 1847 in Köln statt. Mendelssohn starb am 4. November 1847 nach mehreren Schlaganfällen, bevor er seine geplanten deutschen Aufführungen selbst hören konnte. Gedächtnisaufführungen folgten am 27. November 1847 in Berlin und am 3. Februar 1848 in Leipzig.

In England und Amerika blieb Elias populär; die erste Aufführung in New York fand 1847 statt. In Deutschland war die Aufnahme zunächst kühler, weil das Publikum des frühen 20. Jahrhunderts die Musik als zu romantisch empfand. Ab 1933 war das Werk im Nationalsozialismus aus antisemitischen Gründen wie sämtliche Werke Mendelssohns mit einem Aufführungsverbot belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte es sich nur langsam wieder; eine der ersten deutschen Aufführungen erfolgte 1959 unter Hermann Amlung in Düsseldorf. Heute gehört Elias zusammen mit Paulus wieder fest zum Musikleben und ist wegen seiner szenischen Dramatik und mitreißenden Chöre auch bei Laienchören sehr beliebt.

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