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Einsetzungsworte

In evangelischen Freikirchen ist es üblich, das Abendmahl einzusetzen, indem der biblische Text vorgelesen wird, beispielsweise so: Der Prediger hält in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und neutestamentliche Grundlagen
  2. 2. Die Einsetzungsworte in der Alten Kirche
  3. 3. Östliche Deutung und liturgische Form
  4. 4. Westliche Tradition und römisch-katholische Kirche
  5. 5. Evangelische Gestaltung und kirchliche Praxis

Begriff und neutestamentliche Grundlagen

Als Einsetzungsworte oder Einsetzungsbericht bezeichnet man den Teil der evangelischen Abendmahlsfeier oder des eucharistischen Hochgebetes in der katholischen Messe, in dem vom Handeln und Reden Jesu beim letzten Abendmahl erzählt wird. Die Worte Jesu, die sogenannten verba institutionis, werden dabei in einer biblischen oder liturgisch bearbeiteten Fassung zitiert.

Einsetzungsberichte finden sich in den drei synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas sowie in 1 Kor 11,23–26. Obwohl die Texte in Einzelheiten voneinander abweichen, stimmen sie in den Grundzügen stark überein. Dies verweist auf eine gemeinsame Überlieferung, die Abendmahlsparadosis genannt wird. Gemeinsam sind vor allem die Handlungen Jesu: Er nimmt Brot, dankt, bricht es und gibt es den Jüngern; danach nimmt er den Kelch, dankt und reicht ihn weiter.

Die zentralen Aussagen lauten in den verschiedenen Fassungen unter anderem: „Das ist mein Leib“, bei Lukas und Paulus ergänzt durch „der für euch hingegeben wird“ beziehungsweise „für euch“. Zum Kelch heißt es: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes“, oder: „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut“. Hinzu kommt der Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Matthäus nennt außerdem ausdrücklich die Vergebung der Sünden. Matthäus und Markus sprechen vom Blut, das „für viele“ vergossen wird; Matthäus verbindet dies mit der Vergebung der Sünden. Lukas und Paulus betonen stärker die Formulierung „für euch“.

Die Texte deuten Jesu Tod doppelt: als Versöhnung und als Stiftung eines neuen Bundes mit Gott. Nach Ferdinand Hahn gebrauchte Jesus möglicherweise die Kurzform des Brotwortes „Das ist mein Leib“ und deutete damit seinen bevorstehenden Tod. Das Kelchwort verstand Hahn als Ausblick auf die zukünftige Mahlgemeinschaft im Reich Gottes. Angela Standhartinger vermutet dagegen, die Einsetzungsworte könnten auf rituelle Totenklagen um Jesus zurückgehen, in denen an das Leben eines Verstorbenen erinnert und durch Essen und Trinken Gemeinschaft mit ihm hergestellt wurde.

Jens Schröter hebt bei Paulus nicht die Beschreibung einer festen Liturgie hervor, sondern Regeln für die angemessene Feier: gemeinsam essen, gerecht verteilen und aufeinander warten. Ein bestimmter, an den Einsetzungsworten orientierter Ablauf lässt sich bei Paulus nach Schröter nicht belegen. In 1 Kor 11,26–34 wird außerdem gefordert, Brot und Kelch würdig zu empfangen, sich selbst zu prüfen und beim gemeinsamen Mahl aufeinander zu warten.

Die Einsetzungsworte in der Alten Kirche

Die Apostelgeschichte erwähnt für das Urchristentum eine Zeremonie des Brotbrechens. Die liturgiegeschichtliche Forschung geht davon aus, dass es in den ersten Jahrhunderten keinen einheitlich festgelegten Liturgietext gab. Es bestand eher ein Rahmen, den der Zelebrant mit eigenen Worten ausfüllte.

Das Eucharistiegebet der Traditio Apostolica gilt als möglicherweise ältester liturgischer Text, in dem Einsetzungsworte vorkommen. Seine Datierung und Rekonstruktion sind jedoch unsicher, weil das griechische Original verloren ist und die erhaltenen Übersetzungen in verschiedenen Sprachen deutlich voneinander abweichen. Überliefert ist das Gebet in einer lateinischen Übersetzung, die als Palimpsest in einer Veroneser Handschrift des 4. Jahrhunderts erhalten ist, und in einer äthiopischen Übersetzung aus dem 13. Jahrhundert.

Die Einsetzungsworte stehen dort im anamnetischen Teil des Eucharistiegebets. Anamnese bedeutet das liturgische Gedenken des Heilshandelns Gottes. Daran schließt sich eine Epiklese an, also die Bitte um das Wirken beziehungsweise die Herabkunft des Heiligen Geistes. Brot- und Kelchwort werden als direkte Rede Jesu formuliert und in ein Dankgebet an Gott eingebunden. Zusammen mit dem Auftrag zum Gedächtnis bilden sie nach Hans Bernhard Meyer die Grundlage und Ermächtigung für das kultische Gedächtnis des Herrenmahles.

In der Traditio Apostolica wird zwischen dem Brot des gewöhnlichen Gemeindemahls und dem eucharistischen Brot unterschieden. Zugleich wird ausdrücklich gesagt, dass das Hochgebet auch in anderer Form gesprochen werden kann. Außer in der Traditio Apostolica ist die Verbindung von Einsetzungsworten und Eucharistiegebet im Montserrat-Papyruscodex PMontsRoca inv. 155a aus dem 4. Jahrhundert bezeugt. Deshalb gilt es als eher unwahrscheinlich, dass Eucharistiegebete in vorkonstantinischer Zeit regelmäßig Einsetzungsworte enthielten. Bei Justin dem Märtyrer ist die Kenntnis des Einsetzungsberichts zwar zum Verständnis der christlichen Mahlfeier erforderlich; daraus folgt aber nicht, dass die Worte während der Mahlfeier vorgetragen wurden.

Nach der durch Kaiser Konstantin bewirkten Kirchenfreiheit wuchsen Zahl und Größe der Gemeinden. Christologische und trinitätstheologische Auseinandersetzungen machten zunehmend feste und einheitliche Liturgieordnungen wichtig. Nach Hans Bernhard Meyer entwickelte sich die Liturgie von Formen ohne Einsetzungsworte über indirekte Anspielungen bis zur direkten Zitation der Herrenworte im anamnetischen Teil. Ab dem 4. Jahrhundert wurde diese direkte Zitation in allen Liturgien zur Regel. Die biblischen Texte wurden dabei durch Ehrfurchtsgesten und mimetische, also nachahmende, Elemente erweitert; kein liturgischer Text gibt einen biblischen Bericht unverändert wieder. Die Abschnitte über Brot und Kelch wurden zunehmend symmetrisch gestaltet, damit sie laut und ausgewogen vorgetragen werden konnten.

Eine archaische Form ohne Einsetzungsworte hat sich in der Anaphora der Apostel Addai und Mari bis in die Gegenwart in der syrisch-chaldäischen Kirche erhalten.

Östliche Deutung und liturgische Form

In den östlichen Liturgien werden die Einsetzungsworte meist in ein ausführliches Eucharistiegebet, die Anaphora, eingebettet. Dieses Gebet erinnert an Gottes Heilshandeln, dankt dafür und bittet um das Wirken des Heiligen Geistes.

Kyrill von Jerusalem schrieb, die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi erfolge bei der Epiklese. In dieser Bitte wird der Heilige Geist angerufen, „das Brot zum Leibe Christi, den Wein zum Blute Christi zu machen“. Dieses Verständnis ist in der Orthodoxie vorherrschend. Moderne orthodoxe Theologen beziehen die Wandlung jedoch auch auf die gesamte Liturgie. Isidor von Kiew verglich die Einsetzungsworte mit einem Samen, der bei der Epiklese aufgeht.

Die östlichen Fassungen schmücken die Handlung Jesu ausführlich aus. In der Chrysostomos-Anaphora, der Basilios-Anaphora, der Jakobus-Anaphora und der armenischen Athanasios-Anaphora nimmt Jesus das Brot in heilige, reine oder unbefleckte Hände, dankt, segnet, heiligt und bricht es. Die Brotformel lautet sinngemäß: „Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird zur Vergebung der Sünden.“ Beim Kelch heißt es: „Trinket alle daraus, das ist mein Blut, das Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Einzelne Fassungen ergänzen beispielsweise die Aussage, das Brot werde „für euch und für viele“ zur Sühne und Vergebung der Sünden ausgeteilt.

Im Unterschied zur westlichen Tradition steht die Epiklese in den orthodoxen Liturgien nach den Einsetzungsworten und erhält dadurch besondere Bedeutung. Die Anerkennung der Anaphora der Apostel Addai und Mari durch die römisch-katholische Kirche im Jahr 2001 zeigt zugleich, dass nach katholischer Auffassung eine gültige Konsekration auch ohne einen ausdrücklich formulierten Einsetzungsbericht möglich ist.

Westliche Tradition und römisch-katholische Kirche

Für die westliche Entwicklung sind die Ausführungen des Ambrosius von Mailand grundlegend. Nach seiner Darstellung ist das Brot vor der Konsekration Brot; sobald die Worte Christi hinzukommen, ist es der Leib Christi. Die Einsetzungsworte werden deshalb als Konsekrations- oder Wandlungsworte bezeichnet. In der westlichen Tradition bewirkt Christus selbst durch diese direkt gesprochenen Worte die Heiligung und Verwandlung von Brot und Wein.

Die Rubriken des Römischen Messbuchs unterstreichen die nachahmende Darstellung der Handlung Jesu: Der Zelebrant nimmt das Brot, erhebt es etwas über den Altar und erhebt die Augen. Auch eine liturgische Inszenierung der Brot- und Kelchworte gibt es im evangelischen Raum; im Evangelischen Gottesdienstbuch ist sie jedoch nicht durch Rubriken vorgeschrieben.

Bis zur von Papst Johannes XXIII. 1962 herausgegebenen Editio typica enthielt das Missale Romanum nur den Canon Missae, den Canon Romanus. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils veröffentlichte Papst Paul VI. ein neues Missale Romanum: die Editio typica von 1970 und die Editio typica tertia von 2002 enthalten vier Hochgebete zur Auswahl. Die dritte Auflage ergänzte außerdem zwei Hochgebete zum Thema „Versöhnung“, ein Hochgebet für Gehörlose und drei Hochgebete für Messfeiern mit Kindern. Für das deutsche Sprachgebiet erschien 1975 die erste Ausgabe des Messbuchs, 1988 eine zweite Auflage. Im Gotteslob von 1975 standen die vier Hochgebete unter Nr. 360 und 367 bis 369; im Gotteslob von 2013 findet sich unter Nr. 588 nur das Zweite Hochgebet in lateinischer und deutscher Fassung.

Seit 1970 sind die Einsetzungsworte in allen vier Hochgebeten gleichlautend. Das Zweite Vatikanische Konzil ermöglichte die Feier der Messe und des Hochgebets in den Muttersprachen. Während die Wandlungsworte früher nach der Vorschrift „profert verba consecrationis secrete, distincte, et attente“ leise, deutlich und aufmerksam vorgetragen wurden, spricht sie der Zelebrant in der Gemeindemesse nun laut. Sie können auch gesungen werden; die Gemeinde hört bis auf die vorgesehenen Akklamationen schweigend zu.

Nach heutiger katholischer Theologie geschieht die Wandlung, die Transsubstantiation, im Zusammenhang des gesamten Hochgebets und nicht durch einen vom Menschen festlegbaren einzelnen Zeitpunkt. Die katholische Kirche und die Ostkirchen stimmen darin überein, dass die Verwandlung nicht Menschenwerk ist, sondern durch den Heiligen Geist geschieht. Deshalb bittet das Hochgebet um den Geist über die Gaben und über die Gläubigen, die sie empfangen. Hans Bernhard Meyer kritisierte, die neueren Hochgebete seien zu stark auf Realpräsenz und einen bestimmten Konsekrationsmoment ausgerichtet und könnten den Charakter des lobpreisenden Gebets verdunkeln.

Evangelische Gestaltung und kirchliche Praxis

Martin Luther konzentrierte seine Reform der Messfeier auf die Einsetzungsworte. Er verstand sie als „Kurzfassung des Evangeliums“ (compendium evangelii); zusammen mit der Austeilung von Brot und Wein bilden sie den „elementaren Kern des Abendmahls“. Gebete und Gemeindegesänge können diesen Kern umgeben, sind nach Luther aber nicht unbedingt erforderlich. In der Deutschen Messe von 1526 wurden die Worte vom Geistlichen der Gemeinde zugewandt und im Evangelienton gesungen. Dadurch erschienen sie als Worte Christi und als sein gegenwärtig geltendes und wirksames Vermächtnis.

Der im Evangelischen Gottesdienstbuch verwendete Mischtext geht auf Luthers Deutsche Messe zurück und ist auch im Kleinen Katechismus als Memoriertext enthalten. Luther entfernte nichtbiblische Ausschmückungen und Gebetsanreden an Gott-Vater, betonte stärker das „für euch“ und verband möglichst viele neutestamentliche Überlieferungen. Grundlage ist die Paulus-Lukas-Tradition; Elemente der Matthäus-Markus-Tradition wurden eingearbeitet.

Das Evangelische Gottesdienstbuch von 1999 bietet in Grundform I, Erste Form, ein Eucharistiegebet, in dem Anamnese und Epiklese die Einsetzungsworte rahmen. Die Worte werden damit als Teil eines Gebetshandelns verstanden, wie es in der Alten Kirche und in vielen Kirchen der Ökumene üblich ist. Die Zweite Form lässt auf das Vaterunser, verstanden als Tischgebet, unmittelbar die Einsetzungsworte folgen. Diese Form war bereits in der lutherischen Agende I die Normalform. Michael Meyer-Blanck stellte 2011 fest, dass die Zweite Form weiterhin „fast ausschließlich“ gebraucht werde und sich das liturgisch reichere Eucharistiegebet nicht durchgesetzt habe. Beim Tischabendmahl sieht das Gottesdienstbuch vor, Brot und Wein jeweils nach dem entsprechenden Teil der Einsetzungsworte zu empfangen.

Die EKD-Orientierungshilfe Das Abendmahl von 2003 misst dem genauen Wortlaut große Bedeutung bei. Nur die wörtliche Rezitation nach einem neutestamentlichen Zeugen oder in der historischen Mischform gewährleiste demnach, dass das Sakrament gemäß seiner ursprünglichen Intention gefeiert werde. Die Einsetzungsworte sollen zusammen mit Vaterunser, Austeilung und Dankgebet den unverzichtbaren Minimalbestand und die Wiedererkennbarkeit der Abendmahlsfeier sichern. Daraus folgt auch, dass Brot und Wein nicht durch beliebige andere Nahrungsmittel ersetzt werden.

In evangelischen Freikirchen wird das Abendmahl häufig durch das Vorlesen eines biblischen Textes eingesetzt. Ein Prediger liest beispielsweise 1 Kor 11,23–24, während er Bibel und Brotteller hält; anschließend spricht ein Gemeindeglied ein Dankgebet und das Brot wird ausgeteilt. Danach liest der Prediger 1 Kor 11,25 über dem Kelch, ein weiteres Gemeindeglied betet, und der Kelch wird ausgeteilt.

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