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Anamnese (Liturgie)
Die christliche Liturgiewissenschaft bezeichnet mit Anamnese (von altgriechisch ἀνάμνησις, anámnēsis, „Erinnerung“) das feierliche Gedächtnis des Todes und …
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Bedeutung und Stellung in der Eucharistie
Anamnese bezeichnet in der christlichen Liturgiewissenschaft das feierliche Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Jesu Christi sowie seines gesamten Heilshandelns. Sie ist ein Teil der Eucharistiefeier, also der Feier von Brot und Wein.
In der traditionellen Ordnung folgt die Anamnese auf die Einsetzungsworte und geht der Epiklese voraus. Die Einsetzungsworte erinnern an Jesu Aufforderung: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Die Epiklese ist die anschließende Anrufung des Heiligen Geistes. In der Anamnese wird das Gedenken an Christi Heilswirken häufig mit der Darbringung von Brot und Wein verbunden.
Ursprünge und römisch-katholische Gestaltung
Die Anamnese ist bereits im ältesten vollständig erhaltenen Eucharistiegebet überliefert, der Traditio Apostolica, die Hippolyt von Rom zugeschrieben wird und aus der Zeit vor seinem Tod um 235 stammt. Auch Lk 22,19 und 1 Kor 11,24–25 enthalten Jesu Aufruf, das Brot als seinen Leib zu brechen und dies zu seinem Gedächtnis zu tun.
In der römisch-katholischen Kirche ist die Anamnese Bestandteil des Hochgebets. Im Ersten Hochgebet (Canon Romanus) werden Jesu Leiden, Auferstehung und Himmelfahrt verkündet; Brot des Lebens und Kelch des ewigen Heiles werden Gott als „reine, heilige und makellose Opfergabe“ dargebracht. Das Zweite Hochgebet gedenkt besonders des Todes und der Auferstehung Jesu, bringt Brot des Lebens und Kelch des Heiles dar und bittet um Anteil an Christi Leib und Blut sowie um Einheit durch den Heiligen Geist.
Anamnese in anglikanischer und orthodoxer Liturgie
In den verschiedenen Fassungen des Book of Common Prayer der Anglikanischen Gemeinschaft steht die Anamnese ebenfalls zwischen Einsetzungsworten und Epiklese. In vielen, aber nicht in allen Fassungen werden Brot und Wein ausdrücklich genannt; sie können auch als „Geschenke“ bezeichnet werden.
In der orthodoxen Liturgie folgt die Anamnese ebenfalls auf die Einsetzungsworte. Ihre Besonderheit ist, dass sie sich an Christus richtet. Die Gebete lassen sich in drei Phasen gliedern: Überleitung vom Einsetzungsbericht, Aufzählung der Mysterien Christi und Gebet der Opferdarbringung.
Lutherische und ökumenische Ausprägungen
Die Reformatoren kritisierten Formulierungen der Hochgebete, besonders die erneute Opferdarbringung. Sie sahen darin die Gefahr, dass Gottes Wohltat für die Menschen zu einem Werk des Menschen für Gott werde. Martin Luther entfernte deshalb Teile der Anamnese, die nach seiner Auffassung Christi Heilswerk schmälern konnten. Überarbeitete Anamnesetexte wurden später wieder in die lutherische Messliturgie aufgenommen, besonders durch die Evangelisch-Lutherische Kirchenagende der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Sie gedenken Christi Kreuzestod, seiner Auferstehung am dritten Tag, seiner Herrschaft und Fürbitte und bitten für die Kirche um Eintracht, Frieden und Vollendung des Reiches Gottes.
Die Lima-Liturgie des Ökumenischen Rats der Kirchen erinnert an Geburt und Leben Jesu, seine Taufe durch Johannes, sein letztes Mahl mit den Aposteln, Tod, Abstieg in das Reich der Toten, Auferstehung und Himmelfahrt. Sie bekennt Christus als großen Hohepriester, erwartet seine Wiederkunft und bittet um den Segen seines Erlösungswerkes für alle Menschen. Die Gemeinde antwortet: „Maranatha, der Herr kommt!“