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Einkommensverteilung in Spanien
Die personelle Einkommensverteilung betrachtet dabei, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) …
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Begriff und zentrale Ergebnisse
Die Einkommensverteilung in Spanien beschreibt, wie das Einkommen der Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen, etwa Privathaushalte, verteilt ist. Für internationale Vergleiche verwendet Eurostat vor allem das verfügbare Äquivalenzeinkommen. Es ordnet das verfügbare Haushaltseinkommen den einzelnen Haushaltsmitgliedern zu und berücksichtigt damit die Haushaltsgröße. Der Gini-Index wird ebenfalls zum internationalen Vergleich eingesetzt; für Vergleiche zwischen spanischen Metropolregionen nutzt der Artikel OECD-Daten.
Die Einkommensungleichheit nahm in Spanien über mehrere Jahrzehnte tendenziell ab. Nach der Rezession von 1993 und ab Beginn der Weltwirtschaftskrise 2007 stieg sie jedoch wieder. 2017 lag der Gini-Index der verfügbaren Äquivalenzeinkommen bei 34,1 %. Spanien belegte damit im Vergleich der EU-Länder den 24. Rang; nur Lettland, Litauen, Serbien und Bulgarien hatten laut Eurostat einen höheren Wert.
Das durchschnittlich verfügbare jährliche Äquivalenzeinkommen betrug 2017 16.392 €, das Medianeinkommen 14.207 €. Beim Median verfügten 50 % der Haushalte über mehr und 50 % über weniger Einkommen. Weil der Durchschnitt über dem Median lag, waren die verfügbaren Einkommen rechtsschief verteilt. Durchschnitts- und Medianeinkommen gingen nach 2008 zunächst zurück und stiegen ab 2014 wieder. Die Angaben sind nominal und daher nicht inflationsbereinigt. Beim um den HVPI bereinigten Mittelwert stiegen die Werte bis 2009, fielen von 2009 bis 2014 und nahmen danach wieder zu. Der reale und nominale Median zeigten einen ähnlichen Verlauf.
Wichtige Verteilungs- und Armutsindikatoren
Der Gini-Koeffizient beziehungsweise Gini-Index misst die Ungleichheit der Einkommensverteilung. Höhere Werte bedeuten eine ungleichere Verteilung. Nach Eurostat lag Spaniens Wert 2017 bei 34,1 %. Der EU-Durchschnitt lag zwischen 2005 und 2017 stets unter dem spanischen Wert. Auch gegenüber Frankreich und Portugal war der spanische Gini-Index relativ hoch.
OECD-Daten zeigen, wie stark Steuern und staatliche Transfers die Verteilung verändern: Vor Steuern und Transfers lag der Gini-Index bei 45 % im Jahr 2007 und bei 52 % im Jahr 2016. Nach Steuern und Transfers betrug er 32,5 % im Jahr 2007 und 34 % im Jahr 2016. Der Unterschied kann als Hinweis auf eine beträchtliche staatliche Einkommensumverteilung verstanden werden.
Das Einkommensquintilverhältnis S80/S20 vergleicht das gesamte verfügbare Einkommen der reichsten 20 % mit dem der ärmsten 20 %. 2017 betrug es 6,6: Das Äquivalenzeinkommen des obersten Quintils war damit 6,6-mal so hoch wie das des untersten Quintils. Seit 2008 stieg der Wert zunächst, seit 2014 ging er wieder zurück. Über den beobachteten Zeitraum lag er deutlich über dem gewichteten EU-Durchschnitt.
Der Top-10-%-Anteil bezeichnet den Anteil am gesamten nationalen Äquivalenzeinkommen, den die einkommensstärksten 10 % erhalten. 2017 entfielen in Spanien 24,4 % auf diese Gruppe; der gewichtete EU-27-Durchschnitt lag bei 23,8 %.
Die Armutsgefährdungsquote bezeichnet den Anteil der Bevölkerung mit weniger als 60 % des Median-Äquivalenzeinkommens. Sie lag in Spanien 2017 bei 21,6 % und war damit höher als im gewichteten EU-27-Durchschnitt von 16,9 %. In den vergangenen Jahren war sie leicht angestiegen.
Regionale Unterschiede
Die regionale Ungleichheit untersucht, wie Einkommen oder Vermögen innerhalb eines Landes zwischen Regionen verteilt sind. Für 2016 nennt der Artikel als einkommensstärkste Regionen Zentralspanien beziehungsweise Kastilien-La Mancha und Katalonien mit verfügbaren Einkommen von 18.240 bis 19.900 €. Als einkommensschwächste Regionen werden in der detaillierten Darstellung Galicien, Navarra und Madrid mit 11.600 bis 13.260 € genannt. Die einleitende Kartenbeschreibung nennt dagegen Galicien, Aragonien und Madrid als einkommensschwächste Regionen; diese abweichende Zuordnung wird im Artikel nicht aufgelöst.
Die Valencianische Gemeinschaft, Estremadura und Kastilien lagen mit 14.920 bis 16.580 € dazwischen. Kantabrien und Andalusien wurden mit 13.260 bis 14.920 € ebenfalls als einkommensschwach eingeordnet.
Bei der regionalen Armutsgefährdung hatten Galicien und Asturien 2017 mit 38 % bis 44 % den höchsten gefährdeten Bevölkerungsanteil. Die niedrigsten Quoten von 14 % bis 20 % wurden für die Valencianische Gemeinschaft, Murcia, Kastilien-La Mancha und Estremadura gemessen. Madrid und Katalonien lagen zwischen 20 % und 32 %.
Auch zwischen den Städten bestanden deutliche Unterschiede. 2014 lagen Barcelona, Bilbao, Donostia-San Sebastián, Madrid, Palma de Mallorca, Pamplona, Saragossa, Valladolid und Vitoria beim BIP pro Kopf über dem nationalen Wert. Besonders hoch war das BIP pro Kopf in Vitoria mit 47.698 Dollar in Kaufkraftparitäten, entsprechend 155,6 % des nationalen Wertes, sowie in Barcelona mit 43.858 Dollar beziehungsweise 143,1 %. Cordoba, Malaga, Granada und Alicante gehörten zu den Städten mit besonders niedrigem BIP pro Kopf. Vitoria hatte zugleich eine Arbeitslosenquote von 17,2 %, während Granada 35,9 % und Cordoba 33,6 % erreichten. Städte mit höherem BIP pro Kopf hatten meist niedrigere Arbeitslosenquoten; bei Städten mit niedrigem BIP pro Kopf war die Arbeitslosigkeit meist höher.
Geschlechterungleichheit
Das geschlechtsspezifische Einkommensquintilverhältnis S80/S20 vergleicht jeweils das Gesamteinkommen der 20 % einkommensstärksten Männer beziehungsweise Frauen mit dem Gesamteinkommen der 20 % einkommensschwächsten Männer beziehungsweise Frauen. Im Zeitverlauf stieg das Verhältnis sowohl bei Männern als auch bei Frauen. 2013 sanken beide Werte kurzfristig; danach verliefen die Entwicklungen uneinheitlich. 2017 lag das Einkommensquintilverhältnis der Männer über dem der Frauen.
Der Gender-Pay-Gap bezeichnet hier die geschlechtsspezifische Lohnlücke im privaten Sektor. Die spanische Lohnlücke zeigte von 2007 bis 2017 ebenso wie der EU-27-Durchschnitt einen rückläufigen Trend, schwankte in Spanien aber stärker um diesen Abwärtstrend. 2017 lag der Gender-Pay-Gap bei 15 %. Nach der Darstellung des Artikels verdienten Spanier damit im Durchschnitt 15 % mehr als Spanierinnen.
Hintergründe und Folgen der Weltwirtschaftskrise
Spanien entwickelte sich im 20. Jahrhundert von einer Diktatur zu einer Demokratie. Seit dem Ende der Diktatur 1975 bis 2018 verringerte sich die Ungleichheit tendenziell, wobei sich diese Entwicklung in Krisenzeiten umkehrte. Spanien hatte innerhalb der EU die fünftgrößte Bevölkerung und das fünftgrößte Bruttosozialprodukt. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Kaufkraftparitäten lag es jedoch mit 92 Punkten unter dem EU-27-Durchschnitt von 100 Punkten.
Der Arbeitsmarkt wird als dual bezeichnet. Einerseits gibt es unbefristete Beschäftigung mit hohem Arbeitnehmerschutz, andererseits kurze befristete und prekäre Arbeitsverhältnisse. Besonders jüngere Menschen beginnen häufig in temporären Beschäftigungen. Diese Struktur trägt zur Lohnungleichheit bei. Zwischen 1995 und 2002 verringerte sich die Ungleichheit, weil ein starkes reales Wachstum die unteren Lohnsegmente stärker begünstigte als die oberen.
Das Bildungssystem beeinflusst die Einkommensverteilung ebenfalls. Die Bildungsreform von 1990 erhöhte das schulpflichtige Alter von 14 auf 16 Jahre. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl der Bildungsabschlüsse, besonders im sekundären und tertiären Bereich. Gleichzeitig führten hohe Durchfallquoten bei universitären Eignungsprüfungen zu einer komprimierten, stark qualifizierten oberen Bildungsschicht und zu einer großen Gruppe mit geringerer Bildung im Niedriglohnsektor. Die intergenerationelle Bildungspersistenz ist jedoch eher gering: Das Bildungsniveau der Eltern wirkt sich weniger stark auf das der Kinder aus als in anderen europäischen Ländern.
Das spanische Sozialsystem entstand in seiner heutigen Form vor allem ab 1980 und wurde im Übergang zur Demokratie ausgebaut. 2008 gab der Staat 13,8 % des Bruttoinlandsprodukts für soziale Absicherung aus; der EU-27-Durchschnitt lag bei 17,6 %.
Die Weltwirtschaftskrise verstärkte bestehende Ungleichheiten. Ende 2007 lag die Arbeitslosenquote bei 6 % für Männer und 10 % für Frauen. Die Krise brachte zwei negative Arbeitsmarktschocks: 2007 am Häusermarkt und 2008 am Finanzmarkt. Besonders betroffen waren Berufseinsteiger, junge Menschen, Beschäftigte im Bausektor und Personen im Niedriglohnsektor. Über eine Million Menschen zwischen 16 und 24 Jahren waren ohne Beschäftigung. Viele arbeitslose Jugendliche hatten die Schule abgebrochen; auch gut ausgebildete junge Menschen fanden wegen fehlender Arbeitserfahrung schwer Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Jugendarbeitslosigkeit lag nach der Krise deutlich über dem EU-Durchschnitt. Da sich besonders betroffene Gruppen nur langsam oder kaum erholten, verstärkte die Krise die Einkommensungleichheit.