Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Einkommensverteilung in Schweden
Die Einkommensverteilung in Schweden betrachtet die Verteilung der Einkommen in Schweden. Bei der Analyse der Einkommensverteilung wird im Allgemeinen …
Inhalt5 Abschnitte
Grundlagen und zentrale Kennzahlen
Die Einkommensverteilung in Schweden beschreibt, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen, etwa Privathaushalte, verteilt ist. Im Mittelpunkt steht die personelle Einkommensverteilung: Sie betrachtet die Verteilung unabhängig davon, aus welchen Einkommensquellen das Geld stammt. Davon unterscheidet sich die funktionale Einkommensverteilung, die nach Einkommensarten beziehungsweise Produktionsfaktoren fragt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Markteinkommen und verfügbarem Einkommen. Das Markteinkommen umfasst Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung oder Kapital, jeweils vor Steuern und Abgaben. Das verfügbare Einkommen ergibt sich, indem direkte Steuern und Sozialabgaben abgezogen und öffentliche Transfers, etwa Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld, sowie private Transfers, etwa Unterhalt, hinzugerechnet werden. Die im Artikel dargestellten Berechnungen beziehen sich grundsätzlich auf das verfügbare Äquivalenzeinkommen. Die Daten stammen vor allem von Eurostat auf Grundlage von EU-SILC sowie von der OECD.
2017 betrug der Gini-Koeffizient des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Schweden 28 %; der EU27-Durchschnitt lag bei 30,7 %. Das verfügbare Medianeinkommen betrug 25.376 € und lag damit über dem EU27-Durchschnitt von 17.032 €. Das verfügbare durchschnittliche Einkommen lag bei 27.890 €. Als ein Einflussfaktor wird die Beschäftigungsquote von 77 % im 4. Quartal 2017 genannt. Langfristig hängt sie unter anderem von Hochschulbildung sowie Förderungsmaßnahmen für Frauen und benachteiligte Gruppen ab.
Mittelwert, Median und zeitliche Entwicklung
Das Medianeinkommen ist das Einkommen, das in einer nach Einkommen geordneten Reihe genau in der Mitte liegt. Der Mittelwert oder das Durchschnittseinkommen ist dagegen das arithmetische Mittel aller Einkommen bezogen auf die Zahl der Einkommensbezieherinnen und Einkommensbezieher. Der Median gilt als stabileres Maß, weil er gegenüber statistischen Ausreißern robuster ist. Eine große Differenz zwischen Mittelwert und Median weist auf eine stark ungleiche Einkommensverteilung hin.
Für zeitliche Vergleiche wird zwischen Nominaleinkommen und realem Einkommen unterschieden. Das reale Einkommen wird um Inflation bereinigt; im Artikel erfolgt die Bereinigung mit dem HVPI. Ein nominaler Einkommensanstieg bedeutet daher nicht automatisch einen entsprechenden Anstieg des Wohlstands.
Der reale Mittelwert stieg von 2004 bis 2009 um 9,4 %, der nominale um 19,9 %. Von 2009 bis 2010 sank der reale Mittelwert infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise von 23.301 € auf 20.813 €; nominal fiel er von 22.050 € auf 20.070 €. Danach erholte sich der Wert deutlich: 2014 lag der bereinigte Mittelwert bei 28.132 €, der nominale bei 27.935 €. Diese Erholung wird als „V-shaped“ bezeichnet. Von 2014 bis 2017 sank der reale Mittelwert um 3,8 %, der nominale nur um 0,2 %. Insgesamt stieg der reale Mittelwert von 2004 bis 2017 um 27,1 %, der nominale um 51,6 %.
Der Median entwickelte sich ähnlich, lag aber unter dem Mittelwert. Von 2004 bis 2009 stieg der reale Median um 7,8 %, der nominale um 18,2 %. 2010 betrug der reale Median 19.597 € und der nominale 18.897 €. Unter den im Artikel genannten Bedingungen verlief seine Entwicklung bis 2017 ähnlich wie die des Mittelwerts. Zwischen 2004 und 2017 stieg der reale Median um 22,7 %, der nominale um 61 %.
Gini-Koeffizient und Einkommen der oberen 10 Prozent
Der Gini-Koeffizient, auch Gini-Index genannt, misst die Ungleichheit einer Gesellschaft. Er kann zwischen 0 und 1 beziehungsweise zwischen 0 % und 100 % liegen. Ein Wert von 1 beziehungsweise 100 % bedeutet, dass eine Person über das gesamte Einkommen verfügt; ein Wert von 0 steht für vollständige Gleichheit, sodass alle Personen dasselbe Einkommen haben. Je näher der Wert an 0 liegt, desto gleichmäßiger ist die Verteilung. Staaten mit einem Gini-Index zwischen 20 % und 35 % gelten allgemein als relativ einkommensgleich.
Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern ist die Einkommensungleichheit in Schweden relativ gering. Einkommensteuern verringern die Ungleichheit der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 28 %; der OECD-Durchschnitt beträgt 25 %. Seit Mitte der 2000er-Jahre hat sich dieser ausgleichende Effekt jedoch deutlich abgeschwächt. Nach Steuerreformen ab Ende der 1990er-Jahre, durch die die Steuerbelastung einkommensstarker Haushalte sank, stieg der Gini-Koeffizient fast kontinuierlich: 1997 lag er bei 21 %, 2017 bei 28 %. Der Gini-Wert der EU27-Länder veränderte sich von 2005 bis 2017 dagegen kaum und stieg lediglich um 0,3 %; 2017 lag er bei 30,7 %. Als weiterer Grund für die wachsende Ungleichheit wird der gestiegene Anteil von Kapitaleinkommen bei einkommensstarken Haushalten genannt, auf den schwächere Haushalte oftmals keinen Zugriff haben.
Auch der Anteil des oberen Dezils, also der einkommensstärksten 10 %, am nationalen Äquivalenzeinkommen nahm zu. Er betrug in Schweden 2006 19,6 %, stieg 2009 auf 21,3 %, sank 2010 auf 20,3 % und erreichte 2017 22,4 %. Zwischen 2005 und 2017 nahm dieser Anteil in Schweden um 13 % zu. In den EU27-Ländern lag er 2017 bei 23,9 % und sank im Zeitraum 2005 bis 2017 um 0,08 %. Im Artikel werden Steuerreformen, Migrationspolitik und steigende Kapitaleinkommen als zentrale Indikatoren beziehungsweise Einflussfaktoren genannt. Außerdem wird auf Unterschiede bei Bildung, Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarktintegration zwischen Personen mit schwedischem Hintergrund und Personen mit Migrationshintergrund hingewiesen.
Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede
Schweden erreichte im Global Gender Gap Index 2017 weltweit den fünften Platz. Im Artikel wird das Land als Vorreiter bei Frauenrechten beschrieben. Für die Einkommensverteilung werden insbesondere das S80/S20-Einkommensquintilverhältnis und der Gender-Pay-Gap betrachtet.
Das S80/S20-Verhältnis setzt das Gesamteinkommen der 20 % mit den höchsten Einkommen, des obersten Quintils, ins Verhältnis zum Gesamteinkommen der 20 % mit den niedrigsten Einkommen, des untersten Quintils. Der Wert zeigt, wie oft das Einkommen des unteren Quintils multipliziert werden müsste, um das Einkommen des oberen Quintils zu erreichen. Ein Faktor von 1 bedeutet, dass beide Quintile denselben Anteil am Gesamteinkommen erhalten. Die EU-SILC-Daten beziehen sich auf das verfügbare Äquivalenzeinkommen. In Schweden stieg das Verhältnis von 3,3 im Jahr 2004 für Männer und Frauen auf 4,3 für Frauen und 4,2 für Männer im Jahr 2017.
Der Gender-Pay-Gap bezeichnet auf EU-Ebene den nicht angepassten geschlechtsspezifischen Lohnunterschied. Er ist definiert als Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen, ausgedrückt als Prozentsatz des durchschnittlichen Bruttostundenlohns männlicher Beschäftigter. Die Daten beziehen sich auf Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen ohne öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung, also auf den NACE-Code B-S_X_O. NACE ist eine detaillierte statistische Systematik der Wirtschaftszweige.
Der schwedische nicht angepasste Gender-Pay-Gap sank von 2007 bis 2017 deutlich. Da für die EU27 im Jahr 2007 keine Daten vorliegen, wird 2008 als frühester Vergleich verwendet. Damals betrug der Gender-Pay-Gap in Schweden 16,9 %, in der EU27 17,3 %. 2017 lag er in Schweden bei 12,6 %, während der EU27-Durchschnitt 16,1 % betrug. Der Abstand hatte sich damit von 0,4 auf 3,5 Prozentpunkte vergrößert.
Regionale Unterschiede und Sozialstaat
Regionale Daten machen Unterschiede innerhalb eines Landes sichtbar. Im Artikel wird dafür die NUTS-Klassifikation verwendet, eine harmonisierte hierarchische Einteilung der EU-Mitgliedstaaten in drei Ebenen: sozioökonomische Großregionen, Basisregionen für regionalpolitische Maßnahmen und kleine Regionen für spezifische Diagnosen. Regionale Ungleichheiten können unter anderem Agglomerations-, Ausdünnungs- und Verdrängungseffekte beeinflussen. Sie stehen außerdem mit öffentlicher Investitionstätigkeit, Arbeitsmarkt, Wachstum, Produktivität sowie Grund-, Haus- und Wohnungspreisen in Verbindung.
Beim verfügbaren Einkommen privater Haushalte nach NUTS-2-Regionen zeigt sich 2016 ein leichtes Nord-Süd-Gefälle. Övre Norrland, Mellersta Norrland und Norra Mellansverige überschritten 16.500 € nicht. Sydsverige erreichte 17.100 €, Västsverige 17.700 €. Stockholm war mit 20.000 € die einkommensstärkste Region. Die einkommensstärksten Regionen waren zugleich am dichtesten besiedelt: Stockholm hatte 344,9 Einwohner je km², Sydsverige 105,9, Västsverige 67,7, Östra Mellansverige 43,0, Småland med öarna 25,4, Norra Mellansverige 13,3, Mellersta Norrland 5,3 und Övre Norrland 3,4. Der Artikel betont, dass dies nur eine Korrelation und kein nachgewiesener kausaler Zusammenhang ist.
2017 galten in Schweden 17,7 % der Bevölkerung als armutsgefährdet oder von sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Armutsgefährdungsquote umfasst Personen, die armutsgefährdet sind, unter erheblicher materieller Deprivation leiden oder in Haushalten mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit leben. Als armutsgefährdet gelten Personen mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen unter 60 % des nationalen verfügbaren medianen Äquivalenzeinkommens nach Sozialtransfers. Materielle Deprivation bezeichnet stark eingeschränkte Lebensbedingungen aufgrund fehlender Mittel. Regional lagen Västsverige bei 18,7 %, Norra Mellansverige bei 20,9 % und Sydsverige bei 22 %. Stockholm, Småland med öarna, Övre Norrland und Östra Mellansverige lagen unter dem Landesdurchschnitt; Mellersta Norrland lag mit 17,9 % knapp darüber.
In den Metropolregionen Stockholm, Göteborg und Malmö lebten 2016 zusammen 39,9 % der schwedischen Bevölkerung. Ihr durchschnittliches verfügbares Äquivalenzeinkommen lag über dem schwedischen Wert von 27.347 USD: Stockholm erreichte 35.822 USD, Göteborg 32.294 USD und Malmö 31.115 USD. Der Gini-Koeffizient betrug in den Metropolregionen 0,3 beziehungsweise 30 %, gegenüber 27,6 % in ganz Schweden im Jahr 2016. Die Einkommen waren dort also etwas ungleicher verteilt. Die Armutsgrenze lag in den drei Metropolregionen bei 10 % und damit deutlich unter dem schwedischen Wert von 17,7 %, wobei die Vergleichsjahre 2016 und 2017 unterschiedlich sind.
Der schwedische Sozialstaat beruht auf langfristigen politischen Maßnahmen. Zur Familienpolitik gehören Elternvorteile, Kindergeld und Kinderfreibeträge sowie öffentliche Kindertagesstätten. Kranken- und Seniorenunterstützung sowie Sozialhilfeleistungen werden auf kommunaler Ebene organisiert. Das Gesundheits- und Ministerium für Sozialangelegenheiten, das Bildungs- und Forschungsministerium sowie das Arbeitsmarktministerium bilden die drei wesentlichen Säulen. Ergänzend gibt es ein stark institutionell verankertes Modell der Sozialpartnerschaft. Der Artikel nennt außerdem gesellschaftliche Transparenz: Verwaltungsakte müssen grundsätzlich öffentlich zugänglich sein, sofern nichts anderes angeordnet ist; dazu gehören auch Einkommens- und Schuldendaten. Die höchsten Einkommen werden jährlich öffentlich ausgeschrieben.