Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Einfach göttlich
Es handelt sich um die Geschichte des Gottes Om und seine Beziehung zum Reformer und Propheten Brutha. Einfach göttlich arbeitet sich an Themen wie Religion …
Inhalt6 Abschnitte
Kern des Romans
„Einfach göttlich“ (Originaltitel: „Small Gods“) ist ein Roman von Terry Pratchett aus dem Jahr 1992 und der dreizehnte Scheibenwelt-Roman. Im Mittelpunkt stehen der Gott Om und seine Beziehung zu Brutha, einem Novizen, der später als Reformer und Prophet wichtig wird. Der Roman behandelt zentrale Themen wie Religion, Glauben, Macht, Freiheit und Sklaverei, religiösen Fanatismus, Philosophie sowie Anspielungen auf das antike Griechenland und die Bibliothek von Alexandria.
Wichtig für das Verständnis ist Pratchetts Grundidee: Götter entstehen durch Glauben und werden durch Gläubige mächtig. Je mehr Menschen wirklich an einen Gott glauben, desto mehr Macht hat er. Om hat zwar eine mächtige Kirche, aber kaum noch echten Glauben. Dadurch ist er geschwächt und erscheint auf der Erde nicht in göttlicher Gestalt, sondern als Schildkröte.
Handlung
Om wandelt als Schildkröte auf der Erde und kann sich nicht mehr in seine wahre göttliche Gestalt verwandeln. In Omnien bekennen sich zwar viele Menschen zu ihm, doch echter Glaube findet sich nur noch bei Brutha, einem einfachen Novizen. Brutha glaubt innig an Om, kann aber zunächst nicht glauben, dass sich sein Gott als kleine Schildkröte zeigt.
Brutha besitzt ein eidetisches Gedächtnis, also ein außergewöhnlich genaues Erinnerungsvermögen. Dadurch gerät er in das Umfeld des Exquisitors Vorbis, einer mächtigen und grausamen Gestalt innerhalb der omnianischen Kirchenhierarchie. Die Quisition mit ihren Exquisitoren entspricht der omnianischen Variante der katholischen Inquisition.
Vorbis plant einen Angriff auf Ephebe, einen demokratischen und philosophischen Stadtstaat. Für ihn ist Ephebe die Quelle des Unglaubens. Der Regierungssitz Ephebes ist durch ein kompliziertes Labyrinthsystem geschützt, doch mit Bruthas Hilfe wird dieses Labyrinth überwunden. Vorbis erobert die Stadt und lässt die Bibliothek in Brand setzen. Sein Hauptziel ist Didaktylos, der Verfasser des als ketzerisch geltenden Werkes „De Chelonian Mobile“ („Die Schildkröte bewegt sich“). Didaktylos entkommt jedoch, und Vorbis wird bei der Verfolgung schwer verletzt.
Brutha trägt den bewusstlosen Vorbis zusammen mit Om durch die Wüste zurück nach Omnien. Om fordert Brutha auf, Vorbis in der Wüste zurückzulassen, aber Brutha weigert sich, weil dies seiner friedfertigen Natur widersprechen würde. Kurz vor der Grenze erwacht Vorbis, schlägt Brutha bewusstlos und zieht selbst als neuer Prophet in die Zitadelle ein.
Bei Vorbis’ Inthronisation zum neuen Zönobiarchen soll Brutha hingerichtet werden, weil er zu viel weiß. In diesem Moment greift Om ein: Vorbis stirbt, erschlagen von einer Schildkröte, die ein Adler vom Himmel fallen lässt. Danach hat Om wieder tausende wahrhafte Gläubige und kann sich erneut in den Großen Gott verwandeln. Brutha handelt mit ihm aus, dass Om für 100 Jahre auf das übliche göttliche Auftreten verzichtet und stattdessen an seine Menschen glaubt. Auch 100 Jahre später, nach Bruthas Tod, bleibt Om der menschenfreundlichste und beliebteste Gott der Scheibenwelt.
Stellung in der Scheibenwelt
„Einfach göttlich“ steht innerhalb der Scheibenwelt-Romane etwas außerhalb der üblichen Buchreihen. Abgesehen von Tod, verschiedenen Göttern und dem Philosophen Xeno, der auch im Roman „Pyramiden“ erwähnt wurde, treten keine aus früheren Werken bekannten Figuren auf. Der Bibliothekar der Unsichtbaren Universität kommt nur in einer kleinen Randbemerkung vor.
Spätere Romane greifen jedoch auf Inhalte aus „Einfach göttlich“ zurück. In „Ruhig Blut!“ von 1998 wird die omnianische Religion erneut behandelt, diesmal im Zusammenhang mit Hexenverfolgung. Dort werden auch Legenden aus dem Buch des Propheten Brutha zitiert. Einzelheiten zeigen, dass Brutha die Kirche offenbar verändert hat, etwa ein Priester namens Hilbert Himmelwärts, der einen Schildkrötenanhänger trägt. In „Weiberregiment“ wird den Borograwiern Om empfohlen, weil dessen Religion sich deutlich verbessert habe.
Auch der Geschichtsmönch Lu-Tze, der in „Einfach göttlich“ nur am Rand erwähnt wird, erscheint später wieder. Er ist eine Hauptfigur des 2001 erschienenen Romans „Der Zeitdieb“ und spielt auch in „Die Nachtwächter“ eine wichtige Rolle.
Götter, Glaube und Religion
Ein zentrales Motiv ist das Wesen von Göttern und Glauben. Pratchett stellt eine polytheistische Welt dar, also eine Welt mit vielen Göttern für verschiedene Zuständigkeitsbereiche. Er unterscheidet zwischen hohen und geringen Göttern; darauf spielt auch der englische Originaltitel „Small Gods“ an. Die Macht eines Gottes hängt davon ab, wie viele Menschen wirklich an ihn glauben. Inniger Glaube gibt Göttern die Kraft, Wunder zu vollbringen.
Omnien wird als Theokratie dargestellt. Eine Theokratie ist eine Herrschaftsform, in der religiöse Führer auch weltliche Macht besitzen. In Omnien gründet sich Macht auf religiösen Führungsanspruch, und der Weg zur Macht führt über den Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie. Dies kann als Darstellung des Zusammenhangs von weltlicher und ideologischer Macht verstanden werden.
Pratchett zeigt außerdem eine Religion, die Verbrechen durch Inquisition begeht. Die Opfer werden als Ketzer bezeichnet, und Gewalt wird religiös gerechtfertigt. Dabei wird eine Logik des Fanatismus sichtbar: Die Inquisition geht davon aus, durch göttliches Wirken nur Schuldige aufzuspüren und zu bestrafen. Der Satz „Der Verdacht lieferte den Beweis.“ fasst diese Haltung zusammen. Die Inquisition hinterfragt ihr eigenes Handeln nicht, sondern beruft sich vollständig auf religiöse Bestimmung.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kritik daran, dass eine Kirche sich durch Institutionalisierung von der Essenz ihrer Lehre entfernen kann. Im Roman ist die omnianische Kirche sehr mächtig, aber Om erhält trotzdem kaum echten Glauben. Die Menschen folgen Statuen, falsch überlieferten Schriften der Propheten und machtbewussten Predigern, nicht dem eigentlichen Gott.
Weltbilder und Philosophie
Pratchett parodiert den Gegensatz zwischen verschiedenen Weltbildern. Ptolemäus vertrat die Auffassung, dass die Erde das Zentrum des Weltalls sei und sich Sonne, Mond und Planeten um sie drehten. Nicolaus Copernicus nahm dagegen an, dass die Erde wie andere Planeten auf einer Kreisbahn um die Sonne läuft, die im Zentrum des Planetensystems steht. Kepler und Galileo Galilei entwickelten solche Theorien im 16. Jahrhundert weiter, unter anderem mithilfe von Teleskopen. Weil die katholische Kirche das ptolemäische System vertrat, geriet Galilei in Konflikt mit der Inquisition. Ihm wird die These „Eppur si muove“ zugeschrieben, auf Deutsch: „Und sie bewegt sich doch.“
Darauf spielt der Satz „Die Schildkröte bewegt sich“ an. In der Scheibenwelt ist die Lage umgekehrt und zugleich komisch verfremdet: Die omnianische Kirche vertritt ein System, das dem kopernikanischen Weltbild ähnelt. Die Scheibenwelt selbst ist in der Fiktion aber tatsächlich eine flache Welt, die von vier Elefanten getragen wird, die auf dem Rücken der Schildkröte Groß-A’Tuin stehen; diese Schildkröte bewegt sich durch das Weltall. Der Artikel weist zudem darauf hin, dass die historischen Weltbilder von Ptolemäus und Copernicus eigentlich nicht die Gestalt der Erde behandelten, sondern ihre Stellung im Weltall. Entgegen einer verbreiteten Meinung vertrat die reale Kirche zur Zeit der Inquisition nicht die Ansicht, die Erde sei eine Scheibe.
Antike Bezüge und Ausgaben
Bei der Darstellung der Stadt Ephebe spielt Pratchett vielfach auf griechische Philosophen der klassischen Antike an. Namen wie Xeno erinnern an Zenon, Abraxas etwa an Anaxagoras. Didaktylos lebt in einem Fass; dies spielt wie sein Name auf Diogenes von Sinope an. Sein Neffe Urn verbindet Philosophie mit praktischer Naturwissenschaft. Er entwickelt zum Beispiel eine Dampfmaschine und eine Waffe, die Sonnenlicht bündelt und damit Schiffe in Brand setzt.
Dabei wird auch die militärische Nutzung von Erfindungen thematisiert. Der Artikel vergleicht dies mit einer Legende über Archimedes, dessen Flaschenzug militärisch eingesetzt worden sein soll, um beladene Schiffe anzuheben und zu versenken. Urn gerät am Ende des Buches in einen Gewissenskonflikt, weil ihm für seine Dampfmaschine nur militärische Anwendungen einfallen. Dazu wird Heraklit zitiert: „Der Krieg ist aller Dinge Vater.“
Pratchett persifliert außerdem antike Wissenschaftsvorstellungen. Urn erklärt die Dampfmaschine damit, dass das Wasser im Kessel durch Wärme wütend werde und deshalb dampfe. Die erste deutschsprachige Ausgabe wurde von Andreas Brandhorst übersetzt; eine Neuübersetzung erschien 2012 von Gerald Jung. Genannt wird außerdem die Ausgabe Goldmann, 1995, ISBN 3-442-41566-7.