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Dritter Weg
Verfechter von dritten Wegen stellen tendenziell ihre Idee unter einem positiven Licht dar, verorten sich als politische Mitte und setzen die Positionen der …
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Grundidee und Verwendung
Der Ausdruck „Dritter Weg“ bezeichnet allgemein eine Alternative zu zwei vorhandenen Möglichkeiten, die als gescheitert, unzureichend oder nicht wünschenswert dargestellt werden. Gemeint ist also ein vermeintlich oder tatsächlich neuer Weg neben zwei bekannten Gegensätzen.
In politischen und gesellschaftlichen Debatten wird der Begriff häufig positiv verwendet: Vertreter eines „Dritten Weges“ stellen ihre eigene Idee meist als ausgewogene Lösung oder politische Mitte dar. Gleichzeitig werden die anderen Positionen oder frühere Lösungen oft als problematisch, ideologisch belastet oder überholt beschrieben. Dadurch soll der eigene Ansatz als neuer, vernünftiger Ausweg erscheinen.
Wirtschaft und Sozialpolitik
In der Wirtschaftspolitik wird „Dritter Weg“ für Konzepte verwendet, die sich als Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus verstehen. Genannt werden unter anderem Freiwirtschaft, Soziale Dreigliederung, Konkurrenzsozialismus und Personalismus.
Auch Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft werden von einigen Autoren sowie im Jahreswirtschaftsbericht der deutschen Bundesregierung von 1990 als „Dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus“ bezeichnet. Zugleich gibt es abweichende Einschätzungen: Autoren wie Alfred Schüller grenzen Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft ausdrücklich von sogenannten „Dritten Wegen“ ab.
Weitere Beispiele sind die Wirtschaftsreform der DDR „Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung“ von 1962 bis 1967 und die Wirtschaftsreformen des Prager Frühlings 1968. Der britische Soziologe Anthony Giddens suchte einen Mittelweg zwischen Laissez-faire-Liberalismus, also einer möglichst freien Marktwirtschaft mit wenig staatlichen Eingriffen, und Sozialismus. Er stellte diese Theorie 1998 in seinem Buch „Der dritte Weg“ dar.
Auch in der Politik Großbritanniens und Deutschlands wurde der Begriff verwendet. Tony Blair, britischer Premierminister von Mai 1997 bis Juni 2007, verband unter Schlagworten wie New Labour, „moderne Sozialdemokratie“ und „Dritter Weg“ eine Politik des freien Marktes mit einer Abgrenzung vom Kollektivismus. Das 1999 von Gerhard Schröder und Tony Blair vorgelegte Schröder-Blair-Papier verstand sich als „Dritter Weg“ zwischen Wirtschaftsliberalismus und Sozialdemokratie.
Linke Vermittlungsversuche
Der Begriff kann auch für Versuche stehen, zwischen Kommunismus und Reformismus zu vermitteln. Kommunismus meint hier eine grundlegende Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft, Reformismus dagegen eine schrittweise Veränderung innerhalb bestehender politischer Systeme.
Als Beispiele für solche Vermittlungsversuche nennt der Artikel Kommunitarismus, Austromarxismus und andere linkssozialistische Strömungen. In diesem Zusammenhang werden außerdem Zentrismus und Reformismus erwähnt. Der „Dritte Weg“ soll hier also nicht einfach Kapitalismus und Sozialismus verbinden, sondern innerhalb linker Strömungen eine Position zwischen revolutionärem Kommunismus und gemäßigter Reformpolitik markieren.
Rechtskatholische und rechtsextreme Bedeutungen
Eine besondere Verwendung gab es in rechtskatholischen politischen Kreisen der Nachkriegszeit bis etwa Ende der 1970er Jahre. Diese Idee war weitgehend vom öffentlichen Diskurs abgeschottet. Sie richtete sich gegen die damals bipolar geteilte Welt, also gegen den Gegensatz von westlichem Liberalismus und Sowjet-Kommunismus. Der angestrebte dritte Weg sollte der „Rettung der christlich-abendländischen Kultur“ dienen.
Vorgestellt wurde dieser Weg unter anderem als neues Heiliges Römisches Reich und/oder als „Südatlantisches Militärbündnis“. Zu diesem Bündnis sollten neben eindeutig christlich orientierten europäischen Staaten auch südamerikanische und (weiß-)afrikanische Diktaturen gehören. Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß werden im Artikel als zumindest zeitweilig aktive Unterstützer dieses Wegs genannt.
Daneben wird der Begriff auch im rechtsextremen Zusammenhang verwendet. Im Vereinigten Königreich, Frankreich, Österreich, Ungarn und Italien können unter „3. Position“ radikale nationalrevolutionäre Querfrontideologien verstanden werden. Querfront meint eine Verbindung politischer Positionen, die normalerweise verschiedenen Lagern zugeordnet werden. In Deutschland gibt es außerdem eine rechtsextreme, neonazistische Kleinpartei mit dem Namen „Der III. Weg“.
Arbeitsrecht in den Kirchen
Im Bereich der Arbeitsverhältnisse in der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland hat „Dritter Weg“ eine eigene arbeitsrechtliche Bedeutung. Dabei werden drei Wege unterschieden.
Der „Erste Weg“ ist die einseitige Festlegung der Arbeitsvertragsgestaltung durch den Arbeitgeber. Der „Zweite Weg“ ist der Abschluss von Tarifverträgen zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern. Der „Dritte Weg“ bezeichnet dagegen die einvernehmliche Gestaltung der Arbeitsvertragsrichtlinien und der Vergütung in paritätisch besetzten Kommissionen. Paritätisch bedeutet, dass die Kommissionen gleichgewichtig besetzt sind.
Begründet wird dieser kirchliche Dritte Weg mit dem verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen. Genannt werden Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 137 Absatz 3 der Weimarer Reichsverfassung. Diese Verfassungsnorm steht jedoch unter dem Vorbehalt des „für alle geltenden Gesetzes“. Da das Tarifvertragsgesetz die Kirchen nicht ausnimmt, gilt es auch für sie. Allgemein verbindliche kollektivrechtliche Verträge können deshalb nur nach den Bestimmungen des Tarifvertragsgesetzes geschaffen werden. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts haben die Regelungen kirchlicher Kommissionen lediglich die Rechtsqualität von „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“.
Kritik am Konzept
Der libertäre Intellektuelle Ludwig von Mises kritisierte den Versuch, einen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu finden. Libertär bedeutet hier: stark auf individuelle Freiheit und möglichst geringe staatliche Eingriffe ausgerichtet.
Von Mises hielt solche Versuche für theoretisch aussichtslos. Nach seiner Ansicht führt jeder staatliche Eingriff in das Marktsystem zu einer Verzerrung von Angebot und Nachfrage. Diese Verzerrung müsse dann durch weitere Eingriffe korrigiert werden. Dadurch entstehe Schritt für Schritt ein Staat mit voll ausgebildetem Interventionismus, also umfassender staatlicher Steuerung.
In seiner „Kritik des Interventionismus“ urteilte von Mises 1929: „Es gibt keine andere Wahl als die: entweder von Eingriffen in das Spiel des Marktes abzusehen, oder aber die gesamte Leitung der Produktion und der Verteilung an die Obrigkeit zu übertragen. Entweder Kapitalismus oder Sozialismus ein Mittelding gibt es nicht.“