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Britische Kolonien und Protektorate
Das Vereinigte Königreich war die größte Kolonialmacht der Geschichte mit Kolonien und Protektoraten auf jedem bewohnten Kontinent. Britische Kolonien und …
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Ausmaß und politische Formen
Das Vereinigte Königreich war die größte Kolonialmacht der Geschichte. Seine Kolonien und Protektorate lagen auf jedem bewohnten Kontinent und bedeckten gegen Ende des 19. Jahrhunderts fast ein Viertel der Landfläche der Erde. Weil Englisch Kolonialsprache des Vereinigten Königreichs war, wurde seine Entwicklung zur Weltsprache Nummer eins ausgelöst.
Die Besitzungen hatten unterschiedliche Rechtsformen: Eine Kronkolonie wurde unmittelbar britisch verwaltet; ein Protektorat stand vor allem in äußeren Angelegenheiten unter britischem Schutz und Einfluss; Völkerbundmandate und spätere UN-Treuhandgebiete waren international begründete Verwaltungsformen. Ein Kondominium wurde gemeinsam mit einem anderen Staat verwaltet. Gebiete, deren internationale Beziehungen das Vereinigte Königreich noch wahrnimmt, heißen Britische Überseegebiete.
Siedlungskolonien mit weitgehender Selbstverwaltung hießen Dominions. Für sie lässt sich oft kein einzelnes Unabhängigkeitsdatum angeben: Zunächst erhielten sie nur Teil-Autonomie, etwa für innere Angelegenheiten, während wirtschaftliche und finanzpolitische Bindungen an Großbritannien bestehen blieben. Das Statut von Westminster 1931 schrieb ihre weitreichenden Selbstverwaltungsrechte fest oder erweiterte sie. London behielt danach vor allem Vorbehaltsrechte in Verfassungsangelegenheiten. Verfassungsreformen von den späten 1940er Jahren bis in die 1980er Jahre lösten diese letzten Gesetzgebungsverbindungen schrittweise. Australien und Neuseeland im Südpazifik sowie die Südafrikanische Union in Südwestafrika betrieben dabei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts selbst subimperiale Politik.
Viele ehemalige Kolonien sind weiterhin im Commonwealth of Nations mit Großbritannien verbunden. Das englische Königshaus ist Staatsoberhaupt aller Commonwealth Realms.
Afrikanische Besitzungen und Übergänge zur Unabhängigkeit
In Afrika bestanden britische Kolonien, Protektorate, Mandate und ein Kondominium. Ägypten war ab 1882 besetzt und seit 1914 Protektorat; es wurde 1922 unabhängig. Der Anglo-Ägyptische Sudan war seit 1899 ein Kondominium mit Ägypten, de facto bis 1953 britische Kolonie, und wurde 1956 unabhängig; sein Gebiet umfasst heute Sudan und Südsudan.
Zu den wichtigen Protektoraten gehörten Basutoland (heute Lesotho, unabhängig am 4. Oktober 1966), Betschuanaland (heute Botswana, 30. September 1966), Njassaland (heute Malawi, 6. Juli 1964), Nordrhodesien (heute Sambia, 24. Oktober 1964), Swasiland (heute Eswatini, 6. September 1968) und Uganda (9. Oktober 1962). Britisch-Ostafrika war von 1895 bis 1920 ein Protektorat und danach als Kenia Kronkolonie; Kenia wurde am 12. Dezember 1963 unabhängig. Sansibar wurde am 10. Dezember 1963 unabhängig und ist heute Teil Tansanias. Tanganjika, zunächst Völkerbundmandat und ab 1946 UN-Treuhandgebiet, wurde am 9. Dezember 1961 unabhängig und vereinigte sich 1964 mit Sansibar zu Tansania.
Britisch-Westafrika umfasste Gambia, Goldküste, Nigeria und Sierra Leone; diese Gebiete wurden 1821 bis 1850 sowie 1866 bis 1888 gemeinsam verwaltet. Gambia wurde am 18. Februar 1965, Nigeria am 1. Oktober 1960 und Sierra Leone am 27. April 1961 unabhängig. Die Goldküste wurde am 1. Juli 1960 zusammen mit Britisch-Togoland zu Ghana. Britisch-Togoland war zuerst Völkerbundmandat und ab 1946 UN-Treuhandgebiet; es wurde 1957 Teil Ghanas. Auch Britisch-Kamerun war Mandats- beziehungsweise Treuhandgebiet: Der mehrheitlich muslimische Norden entschied sich nach Volksabstimmung für den Anschluss an Nigeria, der mehrheitlich christliche Süden für Kamerun; der Stichtag ist der 1. Oktober 1961.
Die Südafrikanische Union entstand am 31. Mai 1910 aus vier Kolonien als Dominion und erhielt 1931 durch das Statut von Westminster weitgehende Selbstständigkeit. 1961 wurde sie Republik und trat aus dem Commonwealth aus. Südrhodesien erklärte am 11. November 1965 einseitig die Unabhängigkeit, wurde 1970 Republik, 1979/80 nochmals Kronkolonie und am 18. April 1980 als Simbabwe unabhängig. Südwestafrika war seit 1919 ein Völkerbundmandat unter südafrikanischer Verwaltung; nach dem Ende des Mandats 1946 war es bis 1988 von Südafrika besetzt und wurde am 21. März 1990 als Namibia unabhängig. St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha blieben britisches Überseegebiet.
Amerika und Karibik
In Nordamerika waren die Dreizehn Kolonien die Grundlage der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie wurden als Kron-, Charter- oder Eigentümerkolonien verwaltet und 1783 unabhängig. Florida war ab 1763 britische Kolonie, wurde aber 1783 an Spanien zurückgegeben. Kanada entstand am 1. Juli 1867 durch den Zusammenschluss britischer Kolonien zum Dominion. Das Statut von Westminster 1931 und der Canada Act/Constitution Act 1982 markieren weitere Schritte; Kanada ist heute eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth. British Columbia trat 1871 der Kanadischen Konföderation bei; Neufundland schloss sich 1948 Kanada an. Bermuda ist weiterhin britisches Überseegebiet.
Britisch-Honduras, heute Belize, war ab 1862 Kronkolonie und wurde am 21. September 1981 unabhängig. Die Miskitoküste war seit 1655 Protektorat und wurde 1850 an Nicaragua und Costa Rica übergeben.
In der Karibik wurden zahlreiche Inseln als Kronkolonien verwaltet. Unabhängig wurden unter anderem Jamaika 1962, Trinidad und Tobago am 31. August 1962, Barbados am 30. November 1966, Bahamas am 10. Juli 1973, Grenada am 7. Februar 1974, Dominica am 3. November 1978, St. Lucia am 22. Februar 1979, St. Vincent und die Grenadinen am 27. Oktober 1979, Antigua und Barbuda am 1. November 1981 sowie St. Kitts und Nevis am 19. September 1983. Anguilla, die Britischen Jungferninseln, Montserrat, die Kaimaninseln sowie Turks- und Caicosinseln sind Überseegebiete. Leeward Islands und Windward Islands waren gemeinsame Verwaltungsverbände; beide gingen 1958 in der Federation of the West Indies auf, die 1962 wieder aufgelöst wurde.
Britisch-Guayana wurde am 26. Mai 1966 als Guyana unabhängig. Die Falklandinseln (Malvinas) sind ein britisches Überseegebiet; Argentinien erhebt Anspruch auf die Inseln.
Asiatische Mandate, Protektorate und Kolonien
In Asien reichte die britische Herrschaft von Britisch-Indien über Handelsstützpunkte bis zu Protektoraten und Völkerbundmandaten. Britisch-Indien war ab 1858 Kronkolonie (Kaiserreich). Indien wurde am 15. August 1947 und Pakistan am 14. August 1947 unabhängig; Ostpakistan spaltete sich am 17. Dezember 1971 als Bangladesch ab. Birma war bis 1937 Teil Britisch-Indiens und danach Kronkolonie; es wurde am 4. Januar 1948 unabhängig. Britisch-Ceylon, heute Sri Lanka, wurde am 4. Februar 1948 unabhängig. Indische Fürstenstaaten waren meist seit Ende des 18. Jahrhunderts Protektorate und schlossen sich 1947 Indien oder Pakistan an.
British Malaya bestand aus Gebieten mit unterschiedlichem Status. Die Föderation Malaya wurde am 31. August 1957 unabhängig. Nord-Borneo wurde am 31. August 1963 unabhängig und am 16. September 1963 Teil Malaysias; Sarawak wurde ab 1963 ebenfalls Teil Malaysias. Singapur wurde am 1. September 1963 Teil Malaysias und am 9. August 1965 von Malaysia unabhängig. Brunei wurde am 1. Januar 1984 unabhängig; am 23. Februar 1984 endete das Protektorat.
Zu den arabischen Protektoraten zählten Bahrain (unabhängig am 14. August 1971), Katar (1. September 1971), Kuwait (19. Juni 1961), die Trucial States, heute Vereinigte Arabische Emirate (2. Dezember 1971), und die Malediven (26. Juli 1965). Oman war ab 1891 de facto Protektorat, blieb nominell unabhängig und löste die Sonderrechte 1958. Kolonie und Protektorat Aden endeten am 30. November 1967; beide gehören heute zum Jemen. Irak, Palästina und Transjordanien waren Völkerbundmandate; Irak wurde 1932, Transjordanien am 22. Mai 1946 unabhängig, das Palästina-Mandat endete 1948.
Hongkong war ab 1841 besetzt und nach dem Vertrag von Nanking Kronkolonie; es wurde am 1. Juli 1997 an die Volksrepublik China übergeben. Weihai war von 1898 bis 1930 britisches Pachtgebiet. Mehrere britische Konzessionen in chinesischen Städten endeten zwischen 1927 und 1946. Britisch-Zypern wurde 1960 geteilt: Die Republik Zypern wurde am 16. August unabhängig, Akrotiri und Dekelia blieben britisches Überseegebiet; die Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt.
Australien, Ozeanien und antarktische Gebiete
Australien war zunächst in Kolonien gegliedert, schloss sich am 1. Januar 1901 zum Commonwealth of Australia zusammen und wurde 1907 Dominion. Das Statut von Westminster 1931 und der Australia Act 1986 vom 3. März 1986 sind weitere Unabhängigkeitsschritte. Neuseeland wurde 1840 annektiert, 1907 Dominion und erlangte am 25. November 1947 volle Souveränität; der Constitution Act 1986 datiert vom 1. Januar 1987. Beide Staaten sind parlamentarische Monarchien im Commonwealth.
Britisch-Neuguinea wurde 1902 an Australien übertragen; das Territorium Neuguinea stand seit 1919 als Völkerbundmandat unter australischer Verwaltung. Beide wurden 1949 zum Territorium Papua und Neuguinea zusammengeführt. Fidschi wurde am 10. Oktober 1970 unabhängig. Die Salomonen wurden am 7. Juli 1978 unabhängig, Tonga am 4. Juni 1970 und West-Samoa 1962. Die Neuen Hebriden waren seit 1906 ein Kondominium mit Frankreich und wurden am 30. Juli 1980 als Vanuatu unabhängig.
Die Gilbert and Ellice Islands Colony wurde 1976 aufgespalten: Tuvalu wurde am 1. Oktober 1978, Kiribati am 12. Juli 1979 unabhängig. Tokelau wurde 1926 an Neuseeland abgetreten, Swains Island 1925 an die Vereinigten Staaten. Die Cookinseln haben seit dem 4. August 1965 Selbstverwaltung in freier Assoziierung mit Neuseeland. Pitcairninseln sind britisches Überseegebiet; Norfolkinsel und Weihnachtsinsel sind australische Außengebiete.
In der Antarktis wurde die Bouvetinsel 1928 an Norwegen abgetreten. Die Falkland Islands Dependencies wurden von den Falklandinseln aus verwaltet. Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln sind seit 1962 ein eigenes Überseegebiet; Argentinien beansprucht sie seit 1925 und besetzte Südgeorgien im Falklandkrieg vorübergehend. Das Britische Antarktis-Territorium ist ebenfalls seit 1962 ein eigenes Gebiet. Es umfasst alle Gebiete südlich von 60 °S und zwischen 20 und 80 °W; sein Anspruch ist gemäß Antarktisvertrag nicht anerkannt.