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Dreifaches Amt Christi
Die Grundvollzüge der Kirche in der Sicht heutiger Theologie nehmen die Tradition der drei Ämter Christi auf; Kirche vollzieht sich demnach in Zeugnis oder …
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Grundgedanke des dreifachen Amtes Christi
Die Lehre vom dreifachen Amt Christi (lateinisch triplex munus Christi) ist in lutherischer und reformierter Theologie eine Form der Versöhnungslehre. Sie erklärt die Erlösung der Menschen dadurch, dass Jesus Christus zugleich drei Ämter innehat: das prophetische Amt, das priesterliche beziehungsweise hohepriesterliche Amt als Hirtenamt und das königliche Amt. Auch in der römisch-katholischen Theologie gewann diese Lehre zunehmend Bedeutung.
Biblische Grundlagen und frühe Ausformung
Im Neuen Testament wird Jesus von Nazaret mit allen drei Rollen verbunden: Er wird zuweilen als Prophet verstanden (Matthäus 16,14 EU; Johannes 4,19 EU; 6,14 EU), der Hebräerbrief nennt ihn den „ewigen Hohepriester“ (Hebräer 3,1 EU), und im Johannesevangelium bejaht er vor Pontius Pilatus die Frage, ob er König sei (Johannes 18,37 EU).
Die Kirchenväter beschrieben Jesu Heilshandeln entsprechend als das eines Propheten, Offenbarers oder Lehrers, eines Priesters sowie eines Hirten, Herrn oder Königs. Eine Dreizahl von Ämtern findet sich erstmals bei Justin dem Märtyrer († 165). Eusebius von Cäsarea († 339/340) entwickelte aus den Bibelstellen in seiner Kirchengeschichte (I, 3) eine Lehre vom dreifachen Amt Christi. Auch Hieronymus, Petrus Chrysologus und Thomas von Aquin erwähnen eine dreifache Salbung Jesu Christi zum Hohenpriester, König und Propheten.
Reformatorische Deutung und Kritik
Martin Luther und Jean Calvin führten den Gedanken in der Reformation weiter. Die lutherische Orthodoxie nannte sämtliche Auswirkungen des dreifachen Amtes Christi Apotelesmata.
Werner Elert kritisierte die Lehre scharf. Sie verstehe Christus seiner Ansicht nach von den Erwartungen her und kehre damit das Verhältnis von Weissagung und Erfüllung um. Außerdem wandte er sich gegen die Vorstellung, Jesus habe im Sinn der alten theokratischen Ordnung ein Amt ausgeübt: Jesus habe die entsprechenden Funktionen nicht „von Amts wegen“, sondern aufgrund der ihm allein eigenen Autorität als Gottessohn ausgeübt.
Wilfried Joest hielt dagegen daran fest, dass die drei Ämter von ihrer Erfüllung in Christus her zu verstehen seien. Die alttestamentlichen Funktionen von Prophet, Priester und König seien im Werk Jesu Christi vereinigt. In ihrer geistlichen Bedeutung als Hinweis auf künftiges Heil seien sie erfüllt; ihre Vorläufigkeit und Begrenztheit seien aufgehoben und abgelöst.
Bedeutung in der katholischen Kirche
Die katholische Theologie griff den Gedanken seit dem 18. Jahrhundert wiederholt auf. Seit Mathias Joseph Scheeben († 1888) diente die Drei-Ämter-Lehre in neuscholastischen dogmatischen Handbüchern als Gliederungsprinzip der Soteriologie, also der Lehre von der Erlösung.
Im 20. Jahrhundert wurde sie in wichtigen Lehrtexten aufgenommen. Pius XI. führte mit Quas primas vom 11. Dezember 1925 das Christkönigsfest ein und betonte neben Jesu Priesteramt als Erlöser sein Königsamt. Pius XII. verwendete die Lehre in Mystici Corporis vom 29. Juni 1943 als ekklesiologisches Gliederungsprinzip, also zur Beschreibung der Kirche. Die Ämter Christi als Lehrer, König und Priester würden durch Kleriker mit heiliger Vollmacht fortgesetzt; zugleich bezog er dies auf die ganze Kirche und damit auch auf die Laien.
Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils vom 16. November 1964 versteht Christus als Priester, Lehrer und König (munus sacerdotale, munus propheticum, munus regale; LG 31). Daraus folgt eine dreifache Befähigung und Beauftragung der Kirche, ihrer Leiter und jedes Christen. Entsprechend gilt dies auch für Christus Dominus über die Hirtenaufgabe der Bischöfe und für Presbyterorum ordinis über Dienst und Leben der Priester. Johannes Paul II. bekräftigte dies in Christifideles laici vom 30. Dezember 1988: Das gesamte Gottesvolk besitzt priesterliche, prophetische und königliche Würde. Laien nehmen je nach ihrer Aufgabe an diesen Ämtern teil; die sakramentale Grundlage liegt in Taufe und Firmung, vielfach auch in der Ehe.
Grundvollzüge der Kirche
Heutige Theologie knüpft die Grundvollzüge der Kirche an die Tradition der drei Ämter Christi. Kirche verwirklicht sich in Zeugnis oder Glaubensdienst (martyría), Liturgie oder Gottesdienst (leiturgía) und Diakonie oder Bruderdienst (diakonía). Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird zusätzlich Gemeinschaft als vierte Grunddimension genannt: communio beziehungsweise koinonía.