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Doppeltes Perfekt

Indirekte Rede: Der Schüler entschuldigte sich, er habe seine Hausaufgaben nicht machen können (Konjunktiv I Perfekt, da das Präteritum keinen ihm …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Bildung und Gebrauch
  3. 3. Ersatz im Konjunktiv
  4. 4. Geschichte und Erklärung
  5. 5. Sprachkritik

Grundbegriff

Das doppelte Perfekt ist eine nicht standardsprachliche Vergangenheitsform im Deutschen. Es kommt in deutschen Dialekten und in der gesprochenen Umgangssprache vor. Andere Bezeichnungen sind unter anderem Doppelperfekt, Perfekt II, Superperfekt, Ultra-Perfekt, Doppel-Präsensperfekt oder Superplusquamperfekt. Entsprechend gibt es auch ein doppeltes Plusquamperfekt.

Wichtig ist: Das doppelte Perfekt gehört nicht zur Standardsprache, ist aber historisch alt und in verschiedenen Sprachräumen belegt. Es kann entweder eine Aussage besonders betonen oder in bestimmten Dialekten eine Vorvergangenheit ausdrücken, also etwas, das vor einem anderen vergangenen Ereignis abgeschlossen war.

Bildung und Gebrauch

Beim doppelten Perfekt steht das Hilfsverb „haben“ oder „sein“, das für die Perfektbildung nötig ist, im Präsens. Das eigentliche Verb und ein weiteres Hilfsverb stehen beide im Partizip II. Deshalb bleiben diese Formen in jeder Person gleich.

Die Formen lassen sich an einem Beispiel unterscheiden: „Ich schrieb ihm“ ist Präteritum. „Ich habe ihm geschrieben“ ist Perfekt. „Ich hatte ihm geschrieben“ ist Plusquamperfekt. „Ich habe ihm geschrieben gehabt“ ist doppeltes Perfekt. „Ich hatte ihm geschrieben gehabt“ ist doppeltes Plusquamperfekt.

Das doppelte Perfekt hat zwei wichtige Funktionen. Erstens kann es eine Aussage verstärken oder betonen. Standardsprachlich heißt es: „Ich habe es dir doch gesagt!“ Verstärkt und nicht standardsprachlich lautet es: „Ich habe es dir doch gesagt gehabt!“ Diese Verwendung kommt in der gesprochenen Umgangssprache des gesamten deutschen Sprachraums vor.

Zweitens dient es in dialektalen, überwiegend süddeutschen Sprachräumen mit Präteritumschwund als Ersatzform des Plusquamperfekts, wenn der abgeschlossene Aspekt wichtig ist. Standardsprachlich wäre: „Als er zu Bett ging, hatte er bereits die Heizung runtergedreht.“ Nicht standardsprachlich mit Doppelperfekt heißt es: „Als er ins Bett gegangen ist, hat er bereits die Heizung runtergedreht gehabt.“

Ersatz im Konjunktiv

Im Deutschen kann kein eigener Konjunktiv I Plusquamperfekt gebildet werden. Der Konjunktiv I wird vor allem für indirekte Rede verwendet. Für die Vorvergangenheit in indirekter Rede wird deshalb eine Konstruktion mit doppeltem Perfekt-Partizip genutzt. Diese sieht wie ein doppeltes Perfekt aus.

Ein Beispiel aus der direkten Rede lautet: „Ich konnte gestern meine Hausaufgaben nicht machen, weil ich das Buch in der Schule vergessen hatte.“ In indirekter Rede wird daraus: „Der Schüler entschuldigte sich, er habe seine Hausaufgaben nicht machen können, weil er das Buch in der Schule vergessen gehabt habe.“ „Habe ... machen können“ ersetzt hier den Konjunktiv zum Präteritum, und „vergessen gehabt habe“ dient als Ersatzform für den fehlenden Konjunktiv I Plusquamperfekt.

Geschichte und Erklärung

Belege für das doppelte Perfekt mit „sein“ gibt es im Deutschen seit dem 13. Jahrhundert, für das doppelte Perfekt mit „haben“ seit dem 15. Jahrhundert. Es ist schon früh aus allen Dialekträumen bezeugt: Hochdeutsch, Mitteldeutsch und Niederdeutsch.

Nach älterer Ansicht entstand das doppelte Perfekt im oberdeutschen Sprachraum im Zusammenhang mit dem oberdeutschen Präteritumschwund. Dort sei eine eigene Zeitform für die Vorvergangenheit gebraucht worden. Diese Erklärung gilt inzwischen als widerlegt. Michael Rödel deutet das Phänomen stattdessen als aspektuelle Erscheinung: Der Sprecher kann das doppelte Perfekt verwenden, wenn ein Sachverhalt abgeschlossen ist. Sonja Zeman schlägt als Erklärung die Gegenüberstellung von dialogischer und narrativer Mündlichkeit und Schriftlichkeit vor. Isabel Buchwald-Wargenau ergänzte die Beleglage zeitlich und räumlich.

Das doppelte Perfekt kommt nicht nur im Deutschen vor, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen und außereuropäischen Sprachen.

Sprachkritik

Das doppelte Perfekt wurde unter anderem von Bastian Sick in seinen Zwiebelfisch-Kolumnen kritisiert. Gegen diese Kritik steht, dass das doppelte Perfekt und das doppelte Plusquamperfekt keine neuen Erscheinungen sind, sondern bereits seit dem Mittelalter belegt sind.

Außerdem wurden solche Vergangenheitsformen von bekannten Autoren verwendet, darunter Thomas Bernhard, Hermann Broch, Johann Wolfgang von Goethe, Günter Grass, Ludwig Thoma und Christa Wolf. Als Beispiel nennt der Artikel Goethe: „Mignon hatte sich versteckt gehabt, hatte ihn angefaßt und ihn in den Arm gebissen.“ Ein weiteres Beispiel stammt von Ludwig Thoma: „Ich habe aber den Nepos nicht präpariert gehabt und konnte nicht übersetzen.“

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