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Plusquamperfekt
Das Plusquamperfekt (aus lateinisch plus quam perfectum (tempus) ‚mehr als vollendet(e Zeit)' Abkürzung: PQP), auch vollendete Vergangenheit, …
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Grundbedeutung und Funktion
Das Plusquamperfekt, abgekürzt PQP, heißt auch vollendete Vergangenheit, Vorvergangenheit, dritte Vergangenheit oder Präteritumperfekt. Es ist eine Tempus-Form des Verbs. Es bezeichnet einen Vorgang oder Zustand, der zeitlich vor einem Referenzpunkt in der Vergangenheit liegt.
Dieser Referenzpunkt ergibt sich aus dem Zusammenhang eines Textes oder einer Erzählung. Wenn zum Beispiel eine Erzählung schon in der Vergangenheit steht, kann das Plusquamperfekt noch weiter zurückweisen. Es verhält sich zum Präteritum ähnlich wie das Perfekt zum Präsens: Das Präteritum erzählt Vergangenes, das Plusquamperfekt macht deutlich, dass etwas davor passiert war.
Zeitliche Einordnung
Das Plusquamperfekt wird verwendet, wenn ein Ereignis vor einem anderen vergangenen Ereignis liegt. In dem Satz „Nachdem ich mich für die Klausur vorbereitet hatte, war ich nicht mehr nervös“ steht der erste Teilsatz im Plusquamperfekt, weil die Vorbereitung früher stattfand. Danach folgt eine Aussage im Präteritum.
Auch in der Folge „Sie waren sehr böse. Ich hatte wohl etwas falsch gemacht“ steht zuerst ein Satz im Präteritum. Der zweite Satz steht im Plusquamperfekt, weil das falsche Handeln zeitlich vor dem Ärger lag.
Das Plusquamperfekt kommt unter anderem in den indogermanischen Sprachen und den finno-ugrischen Sprachen vor. Im Deutschen ist es die am seltensten benutzte Vergangenheitsform. In einigen regionalen Dialekten, zum Beispiel im Rheinischen und im Berlinischen, wird es oft als normale Erzählzeit statt Perfekt oder Präteritum verwendet. Die meisten Dialekte in Süd- und Norddeutschland, Österreich und der Schweiz benutzen dieses Tempus nie oder nur selten. Zumindest in Teilen Österreichs, Süddeutschlands und der Schweiz wird es in der Umgangssprache durch das doppelte Perfekt ersetzt, zum Beispiel „wir haben schon (ge)gessen gehabt“.
Bildung im Deutschen
Die Bildung des Plusquamperfekts ähnelt der Bildung des Perfekts. Es besteht aus einem temporalen Hilfsverb und dem Partizip Perfekt des Hauptverbs. Temporale Hilfsverben sind hier „sein“ und „haben“. Der Unterschied zum Perfekt liegt darin, dass das Hilfsverb im Präteritum steht: „war“ oder „hatte“.
Bei vielen Verben wird das Plusquamperfekt mit „hatte“ gebildet, zum Beispiel: „ich hatte gespielt“, „du hattest gespielt“, „er/sie/es hatte gespielt“, „wir hatten gespielt“, „ihr hattet gespielt“, „sie hatten gespielt“.
Bei Verben der Ortsveränderung wird es mit „war“ gebildet. Ein Beispiel ist „gehen“: „ich war gegangen“, „du warst gegangen“, „er/sie/es war gegangen“, „wir waren gegangen“, „ihr wart gegangen“, „sie waren gegangen“.
Passivformen im Deutschen
Das Plusquamperfekt im Passiv wird mit einer Form von „war“ und „worden“ gebildet. Es zeigt, dass mit dem Subjekt vor einem vergangenen Bezugspunkt etwas geschehen war.
Beim Verb „beißen“ lauten die Formen: „ich war gebissen worden“, „du warst gebissen worden“, „er/sie/es war gebissen worden“, „wir waren gebissen worden“, „ihr wart gebissen worden“, „sie waren gebissen worden“.
Beim Verb „beschimpfen“ lauten die Formen: „ich war beschimpft worden“, „du warst beschimpft worden“, „er/sie/es war beschimpft worden“, „wir waren beschimpft worden“, „ihr wart beschimpft worden“, „sie waren beschimpft worden“.
Vergleich mit anderen Sprachen
Die meisten indogermanischen Sprachen besitzen eine Zeitstufe, die dem deutschen Plusquamperfekt entspricht. In vielen Sprachen wird sie wie im Deutschen aus einer Vergangenheitsform eines Hilfsverbs und dem Partizip Perfekt gebildet. Die meisten romanischen Sprachen besitzen zwei Vorvergangenheitstempora.
Im Französischen heißt die entsprechende Form Plus-que-parfait. Sie drückt Vorzeitigkeit gegenüber dem Passé composé aus und wird mit dem Imparfait von „être“ oder „avoir“ und dem participe passé gebildet: „J’avais regardé“ bedeutet „Ich hatte angeschaut“, „Il était arrivé“ bedeutet „Er war angekommen“. Eine zweite Vorvergangenheit ist das passé antérieur. Es ist eine Vorvergangenheit zum passé simple und wird mit dem Hilfsverb im passé simple von „être“ oder „avoir“ und dem Partizip Perfekt gebildet.
Im Englischen entspricht dem Plusquamperfekt das Pluperfect Tense, meist Past Perfect genannt. Es wird mit „have“ und dem past participle gebildet: „I had seen him“ bedeutet „Ich hatte ihn gesehen“, „He had gone to London“ bedeutet „Er war nach London gefahren“.
Das Lateinische bildet das Plusquamperfekt Aktiv nicht durch eine Hilfskonstruktion aus Hilfsverb und Partizip, sondern mit eigenen Verbformen. „viderat“ bedeutet „Er/sie/es hatte gesehen“. Diese Formen bestehen aus dem Perfektstamm, hier „vid-“, und den Imperfektformen von „esse“ („sein“). Im Passiv werden dagegen Formen des Partizip Perfekt Passiv mit Formen von „esse“ kombiniert: „laudatus erat“ bedeutet „Er war gelobt worden“.
Im Portugiesischen gibt es ein zusammengesetztes Plusquamperfekt mit dem Imperfekt des Modalverbs „ter“ und außerdem eine einfache Plusquamperfekt-Form, die direkt aus dem Lateinischen hervorgegangen ist. Beispiele sind „(nós) tinhamos cantado“ und „(nós) cantáramos“, beide mit der Bedeutung „Wir hatten gesungen“. Die einfache Form gilt als archaisch und kommt im europäischen Portugiesisch fast nur noch in der Schriftsprache vor; auch in Brasilien wird die analytische Form bevorzugt.
Im Italienischen gibt es zwei Formen: das häufigere trapassato prossimo, gebildet mit dem Hilfsverb im imperfetto und dem Partizip Perfekt, zum Beispiel „avevamo cantato“ = „Wir hatten gesungen“; außerdem das trapassato remoto, gebildet mit dem Hilfsverb im passato remoto und dem Partizip Perfekt, zum Beispiel „avemmo cantato“ = „Wir hatten gesungen“. Diese Form kommt nur in bestimmten grammatikalischen Kontexten vor.
Im Spanischen wird die Vorvergangenheit, das „pretérito pluscuamperfecto de indicativo“, mit den Imperfektformen von „haber“ und dem Partizip Perfekt gebildet: „yo / él/ella había dicho“ bedeutet „ich / er/sie hatte gesagt“, „habíamos ido“ bedeutet „wir waren gegangen“. Anders als im Deutschen werden im Spanischen auch Verben der Bewegung mit „haber“ und nicht mit „sein“ gebildet.
Im Altgriechischen ist erkennbar, dass das Plusquamperfekt ursprünglich die Vergangenheitsform des zeitlosen Perfekts war. Vor den Perfektstamm tritt als Zeichen für die Vergangenheit das Augment, wie beim Aorist und Imperfekt: „ἐ-πεπαιδεὐ-κει“ („e-pepaideú-kei“) bedeutet „er hatte erzogen“. Medium und Passiv werden analog gebildet.
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