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Donauschwaben

Donauschwaben (auch Donaudeutsche) ist ein Sammelbegriff für die von der Habsburgermonarchie nach den Türkenkriegen entlang der Südflanke des damaligen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Siedlung und Lebensformen
  3. 3. Vom Ersten Weltkrieg bis zum Nationalsozialismus
  4. 4. Zweiter Weltkrieg und Folgen
  5. 5. Nachkriegsentwicklung und heutige Verteilung
  6. 6. Sprache, Kultur und Erinnerung

Begriff und Bedeutung

Donauschwaben, auch Donaudeutsche, ist ein Sammelbegriff für deutschsprachige und teils auch französische, spanische und italienische Siedler sowie ihre Nachkommen, die von der Habsburgermonarchie nach den Türkenkriegen entlang der Südflanke des Habsburgerreiches am Mittellauf der Donau in der Pannonischen Tiefebene angesiedelt wurden. Anfangs lagen ihre Siedlungsgebiete vor allem in der Militärgrenze, einer Kette von Militärbezirken an der Grenze zum Osmanischen Reich.

Das Kernstück der Ansiedlung erfolgte im 18. Jahrhundert unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. als Königen von Ungarn. Planmäßig wurden deutschsprachige Bauern, Handwerker sowie österreichische und böhmische Bergleute angeworben. Im 18. Jahrhundert kamen über 150.000 Siedler in die Gebiete des damaligen Ungarn. Durch sie wurde die Pannonische Tiefebene im 19. Jahrhundert zur „Kornkammer der Donaumonarchie“.

Die Siedler stammten vor allem aus Rheinpfalz, Elsass, Lothringen, Baden und Württemberg, in geringerer Zahl auch aus Bayern, Österreich und Böhmen. Obwohl nur ein Teil aus dem heutigen Schwaben kam, nannten Madjaren und Südslawen sie von Anfang an „Schwaben“. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich zur Unterscheidung von den Schwaben in Baden-Württemberg die Bezeichnung Donauschwaben durch. Der Begriff wurde in den frühen 1920er Jahren von Robert Sieger geprägt und 1922 von Hermann Rüdiger verbreitet; 1930 bestätigte das Außenministerium der Weimarer Republik den Begriff.

Siedlung und Lebensformen

Die planmäßige Wiederbesiedlung begann nach den habsburgischen Siegen über das Osmanische Reich. Bedingungen waren zunächst die Anerkennung des Kaisers aus dem Hause Habsburg, der katholische Glaube und die Verpflichtung zur Verteidigung der Militärgrenze; das Toleranzpatent Josephs II. von 1781 hob die religiöse Bedingung auf. Die Siedlungspolitik zielte nach dem Artikel nicht in erster Linie auf eine „Germanisierung“, sondern auf wirtschaftliche Wiederbelebung, Steuerzahler, militärische Sicherung und die Nutzung verschiedener Fähigkeiten der Siedler.

Zu den Siedlungsräumen gehörten das südöstliche Ungarische Mittelgebirge, die Schwäbische Türkei, Slawonien und Syrmien, die Batschka, das Banat und Sathmar. Nach dem Vertrag von Trianon 1920 wurden diese Räume auf Ungarn, Rumänien und Jugoslawien verteilt. Deshalb kann man die Donauschwaben nur eingeschränkt als einheitliche Volksgruppe betrachten.

Typisch wurden Straßendörfer mit schachbrettförmigem Grundriss: rechtwinklige Haupt- und Quergassen, breite Straßen mit Abwassergräben und ein ausgesparter Ortsmittelpunkt für Kirche, Pfarrhaus, Rathaus, Schule oder Markt. Die Felder wurden oft verstreut vergeben, damit unterschiedliche Bodenqualitäten gerechter verteilt und Risiken durch Hagel, Dürre oder Überschwemmung gemindert wurden.

Aus einfachen Einhäusern mit Wohn-, Stall- und Speicherfunktion entwickelte sich mit wachsendem Wohlstand ein Gehöft aus mehreren Gebäuden. Frühe Häuser bestanden aus gestampfter Erde, Schilfdächern und einem offenen Lauben- oder Säulengang. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzten gebrannte Ziegel und stärker gegliederte Hofanlagen viele ältere Bauformen.

Vom Ersten Weltkrieg bis zum Nationalsozialismus

Vor und im Ersten Weltkrieg dienten zehntausende donauschwäbische Soldaten in der Gemeinsamen k.u.k. Armee und der Königlich Ungarischen Armee. Der Zerfall Österreich-Ungarns nach 1918 veränderte ihre politische Lage grundlegend. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker wurde zwar als Prinzip genannt, die neuen Grenzen wurden aber im Wesentlichen durch die Siegermächte festgelegt; Referenden fanden in den betroffenen Gebieten nicht statt.

Der Friedensvertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 zerschnitt die Siedlungsgebiete: Teile blieben in Ungarn, andere kamen zu Rumänien oder zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, später Jugoslawien. Das Banat wurde dreigeteilt: 18.945 km² gingen an Rumänien, 9.307 km² an Jugoslawien und 217 km² blieben bei Ungarn.

In Jugoslawien lebten etwa 450.000 Donauschwaben. Sie waren wirtschaftlich bedeutend, aber regional, sozial und konfessionell unterschiedlich. Organisationen wie der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund, Genossenschaften und die Partei der Deutschen in Jugoslawien vertraten kulturelle, schulische und politische Interessen. Ab den 1930er Jahren gewannen nationalsozialistisch orientierte „Erneuerer“ Einfluss und gleichschalteten schließlich viele Einrichtungen.

In Rumänien standen nach 1918 verschiedene Richtungen nebeneinander: Befürworter eines Verbleibs bei Ungarn, Anhänger eines Anschlusses an Rumänien und Autonomiebestrebungen für ein ungeteiltes Banat. Deutschsprachige Schulen und kirchliche Einrichtungen blieben wichtig. In Ungarn lebten 1920 über 551.000 Deutsche. Jakob Bleyer setzte sich für Schulwesen und Sprachpflege ein; später gewann der nationalsozialistisch orientierte Volksbund der Deutschen in Ungarn unter Franz Anton Basch an Bedeutung.

Zweiter Weltkrieg und Folgen

Im Zweiten Weltkrieg kämpften Donauschwaben in ungarischen und rumänischen Armeen an der Seite des Deutschen Reiches, außerdem in Wehrmacht und Waffen-SS. In Jugoslawien beteiligten sich Donauschwaben an Besatzungsaufgaben und am Partisanenkrieg gegen die jugoslawische Volksbefreiungsarmee. Besonders die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, 1942 vor allem aus „Volksdeutschen“ des Banats und der Vojvodina aufgestellt, wurde durch brutale Repressalien und völkerrechtswidrige Erschießungen von Zivilisten bekannt. Die Freiwilligkeit der Meldungen war nach dem Artikel begrenzt: Neben Freiwilligen gab es Einberufungen, Strafandrohungen und Zwang.

In der Endphase des Krieges flohen Zehntausende Donauschwaben meist in den westlichen Teil des Deutschen Reichs. In Jugoslawien konnten etwa 60.000 Personen fliehen, etwa 160.000 blieben zurück. Nach dem Einmarsch der Roten Armee und der Partisanen wurden die verbliebenen Deutschen kollektiv als „Verräter“, „Volksfeinde“ und „Kollaborateure“ stigmatisiert, entrechtet und enteignet. Es kam zu Massenerschießungen, Internierung, Zwangsarbeit, Misshandlungen und Deportationen. Bis Frühling 1945 waren etwa 90 Prozent der verbliebenen jugoslawiendeutschen Bevölkerung interniert. Die Opferzahlen werden unterschiedlich angegeben: Dieter Blumenwitz nennt 59.335 tote Donauschwaben in Lagern, darunter 5.582 Kinder; Michael Portmann nennt etwa 46.000 Deutsche allein aus der Vojvodina, die zwischen Herbst 1944 und Frühjahr 1948 in Lagern starben.

In Rumänien wurden im Januar 1945 etwa 35.000 Deutsche zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt. 1945 wurde der landwirtschaftliche Besitz weitgehend enteignet, später auch Industrie- und Handwerksbetriebe. 1951 wurden bei der Deportation in die Bărăgan-Steppe 40.320 Personen verschiedener Herkunft zwangsumgesiedelt, darunter 9.410 Deutschstämmige. In Ungarn wurden zwischen 1945 und 1948 etwa 250.000 Ungarndeutsche, ungefähr jeder zweite, enteignet und vertrieben; mehrere Zehntausend kamen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion.

Nachkriegsentwicklung und heutige Verteilung

Von 1,4 Millionen Donauschwaben im Jahr 1940, nach anderen Quellen 1,5 Millionen, beziehungsweise von 1.235.000, die Krieg, Vertreibung und Internierung überlebt hatten, lebten nach Stand des Jahres 2000 noch etwa 490.000, also rund 40 Prozent. Die meisten Überlebenden fanden nach 1945, besonders ab 1970 und verstärkt bis 1990, im deutschen Sprachraum eine neue Heimat: etwa 660.000 in Deutschland und etwa 150.000 in Österreich.

Auch Übersee spielte eine Rolle. Für die Auswanderung werden genannt: USA 70.000, Kanada 40.000, Brasilien 10.000, Argentinien 6.000 und Australien 5.000; weitere 10.000 Donauschwaben lebten in sonstigen Ländern. In Jugoslawien sank die Zahl von circa 550.000 Donauschwaben 1940 auf etwa 75.000 im Jahr 1950 und etwa 50.000 im Jahr 1980; heute wird sie auf unter 10.000 geschätzt. In Rumänien lebten 1940 etwa 350.000 Donauschwaben, 2002 noch 60.000; die Zahl der Deutschen in ganz Rumänien wird heute auf etwa 15.000 geschätzt. In Ungarn sank die Zahl von 650.000 Donauschwaben 1940 auf 220.000 im Jahr 1990.

Sprache, Kultur und Erinnerung

Das Donauschwäbische ist keine einheitliche Sprache, sondern umfasst Dialekte mit rheinfränkischen, bairischen, moselfränkischen und alemannischen Elementen. Dazu kamen Einflüsse der Kontaktsprachen Kroatisch/Serbisch, Rumänisch, Ungarisch, Französisch und Türkisch. Alltagswörter wurden aus diesen Sprachen übernommen, zum Beispiel ungarisch „néni“, serbisch „Paprikasch“ und türkisch „Sarma“ oder „Pekmes“.

Eine wichtige Tradition ist das Kirchweihfest. Donauschwäbische Kultur wird außerdem in Tänzen, Trachten, Blasmusik und Vereinen gepflegt. Als Identifikationsgestalten nennt der Artikel die Dichter Nikolaus Lenau und Adam Müller-Guttenbrunn sowie den Maler Stefan Jäger; Leopold Ružička, Stefan Hell und Herta Müller werden als Nobelpreisträger erwähnt.

Zur Dokumentation und Erinnerung bestehen mehrere Einrichtungen. Das 1987 in Tübingen gegründete Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde erforscht unter anderem Siedlung, Demographie, Sprache, Kultur und Zeitgeschichte. Das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm dokumentiert Geschichte, Kultur und Landschaft der Donauschwaben und zeigt auf 1500 m² die Dauerausstellung „Räume, Zeiten, Menschen“. In Bački Jarak wurde 2017 eine Gedenkstätte für die Entrechtung, Internierung und das Sterben der Donauschwaben in der Vojvodina von 1944 bis 1948 eingeweiht; die Inschrift erinnert an etwa 6500 deutsche Zivilisten, hauptsächlich Frauen und Kinder, die dort an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starben.

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