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Donaulimes
Als Donaulimes bezeichnet man den Teil der römischen Militärgrenze entlang der Donau im heutigen Deutschland, Österreich, der Slowakei, in Ungarn, Serbien, …
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Überblick und Funktion
Der Donaulimes war der Teil der römischen Militärgrenze, der entlang der Donau durch Gebiete des heutigen Deutschlands, Österreichs, der Slowakei, Ungarns, Serbiens, Bulgariens und Rumäniens verlief. Er bildete über weite Strecken die Nordgrenze des Römischen Reiches und sollte das Reich kontrollieren und militärisch sichern.
Die Donau selbst war ein wichtiges Hindernis: Wegen ihrer versumpften und verzweigten Ufer ließ sie sich nur schwer überqueren. Deshalb entstand hier – anders als am Obergermanisch-Rätischen Limes – kein durchgehender Grenzwall. Die Sicherung beruhte stattdessen auf zahlreichen Wachtürmen, Kastellen, also befestigten Militärlagern, und großen Legionslagern. Einige Standorte waren Flottenkastelle der römischen Donauflotte, der Classis Pannonica. Die Römer nutzten den Fluss sowohl für die militärische als auch für die zivile Schifffahrt.
Eine Straße verband die Stationen und Festungen bis zum Donaudelta. Dieser Donauweg hieß lateinisch Via Istrum; Ister war in der Antike eine verbreitete Bezeichnung für den Unterlauf der Donau. Die Lager entstanden seit der Mitte des 1. Jahrhunderts. Unter Kaiser Trajan wurden Anlagen, die zunächst nur von Erdwällen umgeben waren, zusätzlich mit Steinmauern befestigt.
Entstehung und Entwicklung
Kaiser Augustus machte während seiner Amtszeit von 30 v. Chr. bis 14 n. Chr. durch Eroberungen und Verhandlungen das Südufer der Donau zur Nordgrenze des Römischen Reiches. Die Gebiete gelangten in folgender Reihenfolge unter römische Herrschaft:
- Moesia 29 v. Chr.
- Noricum 16 v. Chr.
- Raetia 15 v. Chr.
- Pannonia 10 n. Chr.
Später verschob sich die Grenze teilweise. Im oberen Bereich gewann Rom 86 n. Chr. die Agri decumates zwischen Rhein und Donau. Am Unterlauf besetzten die Römer 107 n. Chr. Dakien nördlich von Moesien, mussten sich dort aber um 270 n. Chr. wieder zurückziehen.
In der Spätantike wurden verfallende Anlagen unter Kaiser Valentinian I. (364–375) erneuert und an veränderte Kampfmethoden angepasst. Mauern wurden verstärkt, Wehrgräben erneuert und zusätzliche Türme angebaut. Trotzdem hielt diese Befestigung nur noch etwa hundert Jahre; 488 wurde das Gebiet des heutigen Österreichs geräumt. Am unteren Donaulauf setzte man Anlagen später besonders unter Anastasios I. und Justinian I. erneut instand. Sie dienten während der Balkanfeldzüge des Maurikios und unter Phokas noch als Ausgangspunkte größerer Militäroperationen. Einige Stellungen in der Provinz Moesia secunda wurden bis zum Einfall der Protobulgaren 679 gehalten.
Gliederung und westlicher Abschnitt
Wegen seiner großen Länge wird der Donaulimes in mehrere Bereiche gegliedert: Teile des Obergermanisch-Raetischen Limes an der Donau, der Norische Limes, der Pannonische Limes mit Ober- und Unterpannonien, der Mösische Limes und – nach der Aufgabe Dakiens nördlich der Donau durch Kaiser Aurelian – der Dakische Limes.
Der westliche Abschnitt begann beim Kastell Abusina in Neustadt an der Donau, ungefähr 500 Meter vor der Mündung der Abens. Dort befand sich auch ein Vexillationslager, also ein Lager für eine abgetrennte Einheit eines größeren Truppenverbandes. Das UNESCO-Welterbe schließt weiter westlich außerdem die römischen Thermen von Bad Gögging ein. Als erstes Truppenlager wird das Vexillationslager Eining-Unterfeld genannt. Stromabwärts schützten Kastelle und Türme den Fluss; wichtige Konzentrationen lagen beim Legionslager Castra Regina in Regensburg sowie bei Straubing und Passau.
In Noricum bildeten die Passauer Kastelle Boiotro und Boiodurum den nördlichen Anfang. Richtung Osten lagen Hilfskastelle in Abständen von 14 Kilometern. Zwischen Linz und Wien folgte die Strecke ungefähr der heutigen Wiener Straße B 1; Zeiselmauer war die südlichste Befestigung. Weil die Donau allein nicht immer genug Schutz bot, entstanden am Nordufer Brückenköpfe, unter anderem in Stillfried und am Oberleiser Berg. Unter Commodus wurden sie geräumt und entlang der Donau ein sieben Kilometer breiter unbesiedelter Schutzstreifen angelegt. Überreste römischer Anlagen sind unter anderem in Bacharnsdorf, Mautern (Favianis), Traismauer (Augustiana), Tulln, Zeiselmauer und im Kürnberger Wald nahe Linz erhalten.
Pannonische und mösische Grenzräume
In Oberpannonien folgte auf die Grenze zu Noricum zunächst das Kastell Klosterneuburg. In Vindobona, dem heutigen Wien, waren größere römische Truppenverbände stationiert. Carnuntum beim heutigen Petronell-Carnuntum war das älteste Kastell und Legionslager im heutigen Österreich. Weiter östlich lagen Gerulata bei Rusovce in der heutigen Slowakei sowie Brigetio bei Komárom-Szőny in Ungarn. Brigetio gegenüber befand sich auf slowakischem Gebiet das Kastell Kelemantia. Im Gebiet des heutigen Ungarns gehörte auch das Legionslager Aquincum in Budapest zu den wichtigen Befestigungen; ein kurzer pannonischer Abschnitt liegt heute in Kroatien.
An der unteren Donau zwischen dem heutigen Bulgarien und Rumänien wurde unter Kaiser Tiberius im 1. Jahrhundert am rechten, heute bulgarischen Ufer die Untere Donaustraße gebaut. Kastelle, kleinere Garnisonen und Wachtürme standen auf beiden Seiten des Flusses. Daneben entstanden zivile Siedlungen, vor allem für Veteranen und ehemalige Legionäre. Zu den ersten Garnisonen des 1. Jahrhunderts gehörten Augustae bei Hurlets, Valeriana bei Dolni Vadin, Variana bei Leskowez, Almus bei Lom und Regianum bei Kosloduj.
In Obermösien sicherten die Legionslager Singidunum im heutigen Belgrad, Viminatium bei Kostolac, Aquae bei Prahovo und Ratiaria bei Artschar den sogenannten „nassen Limes“, also die durch den Fluss gebildete Grenze. Im untersten Abschnitt lagen Oescus beim heutigen Gigen, Novae bei Swischtow und Durostorum bei Silistra auf bulgarischem Gebiet sowie Troesmis im heutigen rumänischen Kreis Tulcea. Diese Anlagen schützten die Grenze bis zum Donaudelta und zur Mündung ins Schwarze Meer.
UNESCO-Welterbe
Deutschland, Österreich, die Slowakei und Ungarn reichten zum 1. Februar 2018 gemeinsam einen Antrag ein, den Donaulimes in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen. Der beratende Weltdenkmalrat empfahl die Aufnahme. Ungarn zog sich jedoch kurzfristig zurück, weil die Überreste der römischen Stadt Aquincum im Norden Budapests nicht Teil des Welterbes werden sollten. Dadurch scheiterte zunächst die gemeinsame Bewerbung. Auch nach einer Überarbeitung blockierte die ungarische Regierung 2021 kurz vor Abschluss des Verfahrens erneut die gemeinsame Aufnahme.
Am 30. Juli 2021 nahm das UNESCO-Welterbekomitee schließlich den in Deutschland, Österreich und der Slowakei gelegenen Abschnitt unter dem Namen „Grenzen des Römischen Reichs – Donaulimes (westliches Segment)“ in die Welterbeliste auf. Es handelt sich um eine Kulturstätte nach den Kriterien (ii), (iii) und (iv), mit einer Fläche von 821,7474 Hektar und einer Pufferzone von 1.866,9596 Hektar. Die Referenznummer lautet 1608. Durch den Rückzug Ungarns umfasst die Welterbestätte statt der geplanten 175 nur 77 Elemente; der ungarische Abschnitt bleibt vorerst ausgeschlossen.
Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Serbien verfolgen für den östlichen Teil des Donaulimes einen gemeinsamen Bewerbungsprozess. Ihre jeweiligen Abschnitte wurden dafür in die nationalen Tentativlisten aufgenommen, also in die Listen möglicher künftiger Welterbestätten.