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Dakien
Von 106 bis in die frühen 270er Jahre waren auf dem Siedlungsgebiet im engeren Sinne Provinzen des Römischen Reiches im Norden der unteren Donau eingerichtet.
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Raum, Bevölkerung und Bedeutung
Dakien, auch Dazien und lateinisch Dacia genannt, bezeichnete nach römischer Auffassung eine von den Dakern bewohnte Landschaft nördlich der unteren Donau. Die Daker und die mit ihnen verbundenen Geten besiedelten das Gebiet. Von 106 bis in die frühen 270er Jahre bestanden dort Provinzen des Römischen Reiches. Das römische Dakien lag größtenteils auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens und Ungarns.
Die Provinz grenzte fast überall an das Barbaricum, also an Gebiete außerhalb des Römischen Reiches. Im Süden lag die römische Provinz Moesia; später bestand außerdem eine kurze gemeinsame Grenze mit Pannonia. Flüsse bildeten wichtige Grenzlinien: die Donau im Süden sowie Tisa, Mureș und Criș im Westen. Hauptstadt war Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa. Dakien war wegen seiner Bodenschätze, seiner Landwirtschaft und seiner Lage jenseits der Donau für Rom wirtschaftlich und militärisch bedeutend.
Dakien vor der Eroberung
Schon vor Christi Geburt besaßen die Daker eine entwickelte Kultur von Ackerbauern und Viehzüchtern. Ihr Kunsthandwerk umfasste besonders bemalte Keramik; außerdem verarbeiteten sie Eisen, Silber und Gold. Münzfunde, eigene Münzprägungen und die Übernahme zunächst der griechischen, später auch der lateinischen Sprache weisen auf teilweise enge Kontakte zu den damals führenden Kulturen Europas hin. Im Bergland Siebenbürgens bei Broos entstand früh ein einflussreiches Machtzentrum. Ob damals bereits staatliche Strukturen bestanden, ist in der Forschung umstritten.
Zur Zeit Caesars dehnte König Burebista seinen Einfluss zeitweise auf benachbarte Geten und Thraker aus. Nach seinem Tod zerfiel diese Machtstellung, doch Rom betrachtete die militärischen Möglichkeiten der Daker weiterhin als Bedrohung. Größere, selbstständig handelnde dako-getische Gruppen drangen wiederholt plündernd in die mösischen Grenzgebiete ein. Als Reaktion bauten die Daker Sarmizegetusa Regia mit seinem religiösen Zentrum zwischen den Siebenbürger Westkarpaten und den Südkarpaten militärstrategisch aus.
Rom versuchte seinerseits, die Grenze durch Truppen, Umsiedlungen und Bündnisse zu sichern. Um 20 n. Chr. förderte es die Ansiedlung der sarmatischen Reiterkrieger der Jazygen im pannonischen Becken; später sollten auch die Roxolanen im Banater Raum dakische Übergriffe abfangen. Diese Gruppen waren jedoch unzuverlässige Verbündete, bekämpften Rom zeitweise heftig und schlossen sich teilweise mit den Dakern zusammen. Kaiser Vespasian (69–79) verstärkte deshalb die Truppen in Mösien und ließ eine Donauflotte aufbauen.
Decebalus und die römische Eroberung
Im Winter 85/86 fielen starke dakische Verbände überraschend in Mösien ein. Der römische Statthalter Gaius Oppius Sabinus fiel, während die Angreifer plünderten und brandschatzten. Kaiser Domitian (81–96) führte neue Truppen nach Mösien; die Kämpfe dauerten das ganze Jahr 86. Der alte dakische König Diupaneus trat zugunsten des politisch und militärisch fähigen Decebalus zurück. Dieser besiegte die vom Prätorianerpräfekten Cornelius Fuscus geführte Armee vernichtend. Auch Tettius Julianus musste im folgenden Jahr seinen Vormarsch vom Banat nach Sarmizegetusa wegen hoher Verluste abbrechen. Kaiser Nerva (96–98) konnte Decebalus ebenfalls nicht unterwerfen.
Erst Trajan (98–117) zerschlug im Krieg von 101–102 die dakischen Kräfte. Decebalus, den Trajan infolge dakischer Niederlagen von 98 zum Klientelkönig gemacht hatte, bereitete anschließend einen Gegenschlag vor. Darauf folgte der zweite Angriff von 105–106. Decebalus beging auf der Flucht Selbstmord, und Rom eroberte die dakischen Gebiete. Ein in Porolissum gefundenes Militärdiplom vom 11. August 106 nennt Dacia als römische Provinz. Die nach Rom gebrachte Beute soll 331 Tonnen Silber und 165 Tonnen Gold umfasst haben und finanzierte unter anderem das Trajansforum.
Provinzordnung und Militär
Nach dem ersten Krieg wurden die 102 eroberten Gebiete zunächst militärisch verwaltet. Ab 106 war Dakien eine kaiserliche Provinz: Der Kaiser ernannte den Statthalter aus dem Senatorenstand, und die stationierten Truppen unterstanden Kaiser und Statthalter.
Nach Angriffen von 117 und 118 erwog Rom, die Provinz aufzugeben. Kaiser Hadrian hielt ihre Bodenschätze und strategische Lage jedoch für zu wichtig. Um 118 teilte er Dakien in Dacia superior und Dacia inferior. Dacia inferior umfasste die südlichen Gebiete an der Donau, Dacia superior die nördlichen Gebiete. Fünf Jahre später wurde Dacia Porolissensis von Dacia superior abgetrennt. Damit bestanden drei selbstständige, militärisch eng zusammenarbeitende Provinzen; Dacia superior besaß den höchsten Rang.
Nach einem schweren Angriff germanischer Stämme im Jahr 168 führte Mark Aurel wieder ein einheitliches Kommando ein. Von 167 bis 169 wurden die Grenzen neu geordnet und die Teile Dacia Apulensis, Dacia Porolissensis und Dacia Malvensis geschaffen. Zusammen bildeten sie die tres Daciae unter einem Statthalter; die Unterteilung war nun vor allem für die Besteuerung wichtig. Diese Ordnung bestand bis zum römischen Rückzug.
Zwei Legionen sicherten Dakien: die V Macedonica mit Sitz in Potaissa, dem heutigen Turda, und die XIII Gemina in Apulum, dem heutigen Alba Iulia. Dazu kamen zahlreiche Hilfstruppen an den Außengrenzen. Insgesamt waren schätzungsweise etwa 30.000 Soldaten in Dakien stationiert.
Wirtschaft, Krise und Rückzug
Dakien war ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Bergwerke lieferten Gold und Silber, die besonders für die römische Münzprägung wichtig waren, außerdem Blei, Kupfer, Eisen, Marmor und Salz. Die Land- und Forstwirtschaft exportierte unter anderem Holz, Wolle, Vieh und Häute. Eingeführt wurden wahrscheinlich vor allem Olivenöl, Wein und Luxuswaren. Der größtenteils über die Donau laufende Handel lag vermutlich überwiegend in den Händen orientalischer Kaufleute. Der Artikel vermutet, dass beim Rückzug im 3. Jahrhundert viele Rohstoffvorkommen bereits weitgehend erschöpft waren.
Mit Ausnahme der Markomannenkriege unter Mark Aurel blieb Dakien lange überwiegend friedlich. Seit den 230er Jahren verschlechterte sich während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts die außenpolitische Lage, und Angriffe trafen auch Dakien. Schließlich zog Rom seine Truppen und sein Verwaltungspersonal an die Donau zurück. Antike Quellen schreiben die Aufgabe entweder Gallienus (260–268), Aurelian (270–275) oder beiden Kaisern zu; auch die moderne Forschung hat die genaue Verantwortung nicht abschließend geklärt. Möglicherweise gab Gallienus Teile des dakischen Limes, also des römischen Grenzsystems, zugunsten einer tiefer gestaffelten Verteidigung mit beweglicheren Truppen auf, während Aurelian den Abzug vollendete.
Die lange dakische Landgrenze band erhebliche Kräfte, während die Donau eine starke natürliche Verteidigungslinie bot. Nach Siegen über die Goten konnte Aurelian den Rückzug aus einer Position relativer Stärke anordnen. Die Römer zerstörten dabei die Trajansbrücke, zuvor die längste Brücke der antiken Welt. Südlich der Donau entstanden zwei neue Provinzen namens Dacia, wodurch der Name erhalten blieb. Eine häufig als frühester Beleg dafür genannte Inschrift von 283 ist allerdings unsicher gelesen.
Ob auch die lateinisch sprechende, römisch geprägte Zivilbevölkerung mehrheitlich abzog, ist stark umstritten. Die antiken Quellen sprechen eher für einen Abzug. Besonders die rumänische Forschung vertritt dagegen die Dako-romanische Kontinuitätstheorie: Danach blieben die „Romanen“ nach den 270er Jahren im Gebiet und wurden zu direkten Vorfahren der später dort lebenden Rumänen.
Entwicklung nach der Römerzeit
Unter Konstantin I. (306–337) gewann Rom Teile Dakiens vorübergehend zurück. Diese gingen bald wieder verloren, beziehungsweise das Gebiet blieb entsprechend Aurelians Strategie als Pufferzone bestehen. Spätere Provinzen wie Dacia Mediterranea und Dacia Ripensis lagen vollständig südlich der Donau. Auch die oströmische Dioecesis Daciae, eine mittlere Verwaltungseinheit, umfasste nur geringe Teile der ursprünglichen Provinz.
Das frühere Dakien blieb ein umkämpftes Grenzland. Sarmaten, Alanen, Goten und später Slawen beeinflussten die von Wanderungen und politischen Umbrüchen geprägte Region. Im heutigen Rumänien entstanden zahlreiche Befestigungen, darunter spätantike und frühmittelalterliche Wallburgen, die vor allem zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert errichtet wurden.
Die dauerhafte Anwesenheit einer dakisch-römischen Bevölkerung nach dem römischen Rückzug bleibt unter Historikern umstritten. Nach der im Artikel als gegenwärtig überwiegend bezeichneten Forschungsauffassung gehen die Ursprünge der heutigen Rumänen vor allem auf Zuwanderer aus Gebieten südlich der Donau seit dem 9. Jahrhundert und auf deren spätere Vermischung mit weiteren mittelalterlichen Bevölkerungsgruppen zurück.