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Dixieland (Jazz)

Die Stilrichtung des Dixieland entwickelte sich in den 1910er Jahren aus der Nachahmung des New-Orleans-Jazz durch weiße Musiker und verbreitete sich von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Besetzung und Aufgaben der Instrumente
  3. 3. Musikalische Merkmale
  4. 4. Entstehung und Weiterentwicklung
  5. 5. Revival in Europa
  6. 6. Musiker und Festivals

Definition und Einordnung

Dixieland ist eine Stilrichtung des Jazz, die sich in den 1910er Jahren entwickelte. Sie entstand durch die Interpretation und Nachahmung des New-Orleans-Jazz durch weiße Musiker und verbreitete sich von New Orleans nach Chicago und New York. Seit Beginn der 1930er Jahre lässt sich Dixieland-Jazz nicht mehr scharf vom New-Orleans-Jazz abgrenzen; Musiker unterschiedlicher Hautfarbe spielten beide Stilrichtungen. Louis Armstrong trat beispielsweise mit seinen All-Stars auch im Dixieland-Stil auf.

Heute werden drei Hauptströmungen unterschieden: Chicago Style, West Coast Revival und New Orleans Traditional. Im Vergleich zum traditionellen New-Orleans-Jazz wirken die Melodien glatter, die Harmonien reiner und die Spieltechnik versierter. Ursprüngliche Tonbildung, Schleiftöne, starkes Vibrato und ein besonders expressiver Gesamtausdruck treten dagegen zurück.

Besetzung und Aufgaben der Instrumente

Eine typische Dixieland-Formation besteht aus einer Melodiegruppe und einer Rhythmusgruppe. Die Melodiegruppe umfasst Trompete oder Kornett, Klarinette und Posaune. Diese Instrumente übernehmen die drei Hauptstimmen: Die Trompete führt als Leadinstrument die Melodie, die Posaune bildet eine Art Fundamentstimme, und die Klarinette umspielt den Trompetenpart harmonisch.

Zur Rhythmusgruppe gehören Schlagzeug, Piano, Kontrabass beziehungsweise Sousaphon oder Tuba sowie Banjo oder Gitarre. Sie ist für das „Time Keeping“, also das Halten des Tempos, zuständig. Das Klavier übernimmt besonders häufig Pausen und kurze solistische Einschübe wie Ragtime-Breaks.

Musikalische Merkmale

Ein zentrales Merkmal ist die Kollektivimprovisation beziehungsweise Variantenheterophonie: Mehrere Instrumente spielen gleichzeitig unterschiedliche Varianten derselben Melodie. Dabei kann eine Ruf-und-Antwort-Struktur entstehen, die als „Call and Response“ bezeichnet wird. Hinzu kommen Breaks, also kurze Unterbrechungen des gemeinsamen Spiels, in denen einzelne Instrumente hervortreten.

Kennzeichnend ist außerdem der „Two Beat“. Dabei betont die Rhythmusgruppe vor allem die 1. und 3. Zählzeit. Die eingängigen Melodien und Improvisationen gelten in der Regel als künstlerisch weniger ambitioniert.

Elemente der sogenannten „Hot-Intonation“ stehen im Dixieland weniger im Vordergrund als im klassischen New-Orleans-Jazz. Dazu gehören Dirty tones, also unsauber intonierte Töne, „Off-Pitchness“ als geringfügige Abweichung von der Tonhöhe, Vibrato, Growling als Tonbrechung durch das gleichzeitige Spielen mehrerer Töne, „Tailgate“-Füllparts der Zugposaune mit gleitenden Tonübergängen sowie das Slapping des Kontrabasses, das ein klatschendes Geräusch erzeugt. Gelegentlich kommen Tierstimmenimitationen vor, beispielsweise im Stück „Barnyard Blues“ der Original Dixieland Jass Band von 1917.

Entstehung und Weiterentwicklung

Als Vater des Dixieland-Jazz gilt Papa Jack Laine. Diese Einordnung beruht weniger auf seiner eigenen Musik als auf den weißen Musikern seiner Band, die im frühen Jazz bekannt wurden. Laine zog mit seiner Street Band durch die Straßen von New Orleans; zu seinen Musikern gehörte Nick LaRocca.

Für die Ausbildung und Verbreitung des Stils waren besonders die Original Dixieland Jass Band und die New Orleans Rhythm Kings wichtig. Etwa Mitte der 1920er Jahre entwickelte sich aus dem Dixieland der Chicago-Jazz. Ende der 1930er Jahre erlebte der Stil ein erstes Wiederaufleben, weil man sich während der Swing-Ära verstärkt mit den Ursprüngen des Jazz beschäftigte. Bandleader wie Tommy Dorsey und Bob Crosby stellten aus Mitgliedern ihrer Swingorchester kleinere Dixielandformationen für Schallplattenaufnahmen zusammen. Solche Gruppen wurden „bands within a band“ genannt.

Revival in Europa

Nach Europa gelangte Dixieland erst nach dem Zweiten Weltkrieg, unter anderem durch Bands wie die von Wilbur De Paris. In den 1950er Jahren kam es zu einem ausgeprägten Dixieland-Revival, bei dem einige Titel Spitzenplätze bei den Plattenverkäufen erreichten.

Der Stil wurde dabei teilweise nicht mehr in seiner ursprünglichen Form gespielt. In diesen Traditional Jazz flossen zusätzlich Spielerfahrungen aus dem New-Orleans-Stil und aus der Skifflemusik ein. Mit dem europäischen Revival werden unter anderem Chris Barber, Acker Bilk, Ken Colyer, Monty Sunshine und die Dutch Swing College Band verbunden.

Musiker und Festivals

Zu den bekannten und kommerziell erfolgreichen Dixieland-Künstlern der Nachkriegszeit gehörten unter anderem die Trompeter Tony Almerico und Al Hirt, die Klarinettisten Pete Fountain und Tim Laughlin, der Gitarrist und Bandleader Eddie Condon, der Posaunist Turk Murphy, der Kornettist Jim Cullum junior sowie Kenny Ball. Die Dukes of Dixieland, eine Band der Assunto-Familie, waren eng mit New Orleans verbunden; dort spielt weiterhin eine Nachfolger-Band.

Dixieland und anderer traditioneller Jazz werden bis heute auf Festivals gepflegt. Das Internationale Dixieland Festival Dresden gilt als Europas größtes Oldtime-Jazz-Festival. Es findet in der zweiten Maiwoche statt und erreicht innerhalb von acht Tagen jährlich etwa eine halbe Million Besucher; bis zu 350 Musiker aus aller Welt treten auf. Das österreichische Dixie- & Swingfestival Weiz wird jährlich um den 15. August veranstaltet und widmet sich Dixieland, Swing, Ragtime und Jazztanz; es zählt rund 4.500 Besucher. In Silkeborg in Dänemark findet jährlich das kleinere Riverboat Jazz Festival statt.

Als größtes traditionelles Jazzfestival der USA wird das Sacramento Jazz Jubilee bezeichnet. Es findet am Wochenende des Memorial Day in Sacramento in Kalifornien statt, erreicht 100.000 Besucher und präsentiert 150 Bands aus aller Welt. Weitere kleinere Festivals und Jazz-Partys entstanden seit den späten 1960er Jahren, nachdem die Rock-Revolution viele Jazz-Nachtclubs verdrängt hatte.

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