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Vibrato

Vibrato bezeichnet die periodische Schwankung der Tonhöhe (Frequenzmodulation). · Tremolo bezeichnet die periodische Schwankung der Lautstärke ( …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Wirkung und Abgrenzung
  2. 2. Vibrato der Singstimme
  3. 3. Saiteninstrumente und Aufführungspraxis
  4. 4. Blas-, Tasten- und weitere Instrumente
  5. 5. Elektronische Erzeugung

Begriff, Wirkung und Abgrenzung

Vibrato, auch Bebung und englisch tremor genannt, ist die periodisch wiederkehrende, geringfügige Veränderung der Frequenz eines gehaltenen Tons. Es wird mit „vibr.“ abgekürzt. Gegenüber einem nicht vibrierenden Ton wirkt ein Ton mit angemessenem Vibrato meist lebendiger und ausdrucksstärker. Unterschieden werden starkes und schwaches sowie schnelles und langsames Vibrato.

In der musikalischen Praxis treten oft mehrere periodische Klangveränderungen gemeinsam auf. Deshalb ist die Abgrenzung zwischen Vibrato, Tremolo, Bebung, Schwebung und Veränderungen der Klangfarbe schwierig und nicht einheitlich. Im strengen physikalischen Sinn verändert Vibrato die Frequenz beziehungsweise Tonhöhe, während Tremolo die Amplitude und damit die Lautstärke verändert. Eine Schwebung entsteht, wenn zwei gleichzeitig erklingende Töne geringfügig unterschiedliche Frequenzen besitzen. So erzeugen Töne von 500 Hz und 506 Hz eine Schwebung. Vibrato und Tremolo können beispielsweise jeweils eine Periodenfrequenz von 6 Hz haben. Obwohl ihre physikalischen Ursachen verschieden sind, können Vibrato, Tremolo und Schwebung sehr ähnlich wahrgenommen werden. Daher wird „Vibrato“ häufig weiter gefasst und bezeichnet dann eine Kombination mehrerer dieser Erscheinungen.

Vibrato der Singstimme

Das Vibrato der Singstimme umfasst periodische Veränderungen der Frequenz, der Amplitude und des Formantenspektrums. Formanten sind charakteristische Frequenzbereiche, die die Klangfarbe der Stimme prägen. Ein Stimmvibrato kann unwillkürlich entstehen und muss nicht ausdrücklich erlernt werden. Bei unausgebildeten Stimmen fehlt es jedoch häufig. In der klassischen Gesangsausbildung stellt es sich meistens ein, ohne gesondert gelehrt oder geübt zu werden.

Im klassischen Liedgesang war Vibrato ursprünglich ein sparsam und bewusst verwendetes Ornament, also ein musikalisches Gestaltungsmittel. Heute überwiegt häufig das Dauervibrato. Es lässt größeres Volumen und höhere Lautstärke vermuten und soll der Stimme helfen, sich in großen Räumen gegen umfangreiche Orchesterbesetzungen durchzusetzen. Starkes Stimmvibrato ist besonders seit der Romantik für den Operngesang typisch. In Popmusik und Musical wird es eher vermieden, obwohl auch viele Künstler der U-Musik mit Vibrato singen; in der E-Musik gilt es als Standard.

Zu große Tonhöhenschwankungen oder eine zu schnelle beziehungsweise zu langsame Periodenfrequenz werden oft als unästhetisch empfunden. Ein zu starkes und langsames Vibrato heißt abwertend „Wobble“. Ein zu schnelles, meckernd wirkendes Vibrato wird als „Caprino“ oder „Tremolo“ bezeichnet.

Wie Gesangsvibrato genau entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Nach einer Erklärung beruht es auf dem physiologischen Tremor gegensätzlich wirkender Kehlkopfmuskeln, dem Kehlkopfvibrato. Eine andere Erklärung nimmt eine periodische Kompression der Luftsäule durch einen Tremor des Zwerchfells an, das Zwerchfellvibrato. Fischer (1993) betrachtet beide Vorgänge als parallele Funktionen: Das Zwerchfellvibrato habe eine niedrige Frequenz unter 4 Hz, das Kehlkopfvibrato eine hohe Frequenz von 8 Hz. Durch ihre Kopplung entstehe ein „komplexes Vibrato“ zwischen 4,5 und 8 Hz, das in der heutigen westlichen Musikkultur als angenehm empfunden werde. Der Affekt des Sängers könne es durch die stärkere Beteiligung einer der beiden Funktionen beschleunigen oder verlangsamen.

Ein Dauervibrato, wie es bei vielen Opernsängern besonders gegen Ende ihrer Laufbahn auftritt, wird als Zeichen eines Stimmdefekts beschrieben, der durch dauernde Überforderung beim Überschreien eines großen Orchesters entsteht. Grundsätzlich kann Vibrato die Stimme von ihrer Begleitung abheben; ein gleichzeitiges Dauervibrato der Orchesterinstrumente wirkt diesem Zweck jedoch entgegen.

Saiteninstrumente und Aufführungspraxis

Bei Saiteninstrumenten entsteht Vibrato durch ein Hin- und Her- beziehungsweise Auf- und Abbewegen des Fingers auf der Saite. Dadurch schwankt die Tonhöhe periodisch. Bei Streichinstrumenten unterscheidet man je nach Bewegungsursprung Armvibrato, Handvibrato und Fingervibrato. Meist gehen diese Formen ineinander über. Ein relativ isoliertes Fingervibrato kommt etwa bei der Violine in sehr hohen Lagen vor, wenn die Hand nur wenig Bewegungsspielraum besitzt.

Bezeichnungen wie „espressivo“ kennzeichnen häufig besonders ausdrucksstarke Melodien und damit ein stärkeres Vibrato; „appassionato“ kann eine weitere Steigerung anzeigen. Soll ohne Vibrato gespielt werden, schreibt der Komponist „non-vibrato“ beziehungsweise „non-vib.“ vor. Auch akustische und elektrische Gitarren verwenden Vibrato häufig. Auf der E-Gitarre lässt sich ein stärkerer Effekt mit dem dafür vorgesehenen Tremolo-System oder durch Ziehen der Saite erzielen.

Seit den 1970er Jahren setzen sich vermehrt Dirigenten bei Werken des Barock, der Wiener Klassik und teilweise der Romantik für eine vermeintlich historische Spielweise ohne Vibrato ein. Umstritten ist jedoch die Behauptung, großflächiges Orchestervibrato habe sich erst im 20. Jahrhundert durchgesetzt. Bruno Walter erklärte 1960, der Klang der Wiener Philharmoniker von 1897 habe sich auch hinsichtlich des Vibratos nicht vom damaligen Gegenwartsklang unterschieden. Die historische Aufführungspraxis trug dennoch dazu bei, dass Vibrato in der heutigen Mainstream-Instrumentalpraxis meist sparsamer und gezielter eingesetzt wird.

Blas-, Tasten- und weitere Instrumente

Holzblasinstrumente wie Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott verwenden Vibrato besonders bei ausdrucksstarken Melodien und Soli. Unter den Blechbläsern nutzt vor allem die Trompete diese Technik. Bei Hörnern und Tuba ist starkes Vibrato selten, kann aber in leichter Form mitschwingen. Übertriebenes Posaunenvibrato wird häufig in Cartoonmusik für eine komische Wirkung eingesetzt; Dämpfer wie Plunger- oder Harmon-Mute verstärken den exzentrischen Klang. Bei der Posaune entsteht das Vibrato mithilfe des Zugs und nicht mit den Lippen.

Beim Spiel historischer Block- und Traversflöten sind Zwerchfellvibrato, Kehlvibrato, auch „Meckern“ genannt, sowie das Schlagen mit dem Finger an den Rand eines nicht vollständig zu deckenden Loches möglich; die letzte Technik wird mit dem Flattement verglichen.

Bei der Orgel erzeugen Schwebungsregister den Effekt durch zwei gleichzeitig klingende Stimmen mit geringfügig verschiedener Tonhöhe. Ein Beispiel ist die Prinzipalschwebung, die bei italienischen Orgeln des 16. bis 18. Jahrhunderts unter anderem „Voce umana“ („Menschenstimme“) heißt. Ein Tremulant versetzt den Orgelwind in leichte Druckschwankungen und lässt dadurch den Pfeifenklang tremulieren; manchmal ist seine Schwankungsfrequenz einstellbar. Bei Harmoniums heißt ein ähnlicher, durch ein rotierendes Flügelrad erzeugter Effekt „Vox humana“. Im 19. Jahrhundert wurde das Schwebungssystem auf Harmonika-Instrumente übertragen: Dort erklingen pro Ton zwei Durchschlagzungen mit geringfügigem Frequenzunterschied.

Instrumente, deren Klang nach einem kurzen Anschlag hauptsächlich ausklingt, etwa Schlaginstrumente und Harfe, besitzen kein eigentliches Vibrato oder brauchen technische Hilfsmittel wie den Motor des Vibraphons. Beim Klavier sind die meisten Töne mehrchörig, bestehen also aus zwei oder drei Saiten; nur die tiefsten Basstöne sind einsaitig. Minimale Stimmungsunterschiede zwischen den Saiten verstärken und beleben den Klang durch Schwebungen.

Elektronische Erzeugung

Bei elektronischen Musikinstrumenten und Effektgeräten sind Vibrato und Tremolo klar unterschieden: Vibrato ist eine periodische Schwankung der Tonhöhe durch Frequenzmodulation, Tremolo eine periodische Schwankung der Lautstärke durch Amplitudenmodulation.

Die hörbare Wirkung hängt von der Stärke und Frequenz der Schwankungen sowie von der Kurvenform des Modulationssignals ab. Langsame, sinusförmige Schwankungen mit niedriger Frequenz klingen eher weich. Schnelle, rechteckförmige Schwankungen mit hoher Frequenz wirken dagegen eher hart.

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