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Posaune
Die Bassposaune wird in der Regel nichttransponierend im Bassschlüssel notiert. Der Tenorschlüssel bildet die Ausnahme, der Altschlüssel kommt, wenngleich …
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Wesen und Funktionsweise
Die Posaune ist ein tiefes Blechblasinstrument. Wegen ihres weitgehend zylindrischen Rohres und ihrer engen Mensur gehört sie zu den Trompeteninstrumenten. Der Ton entsteht, wenn die Lippen des Spielers am Kesselmundstück schwingen und dadurch stehende Wellen in der Luftsäule des Instruments anregen.
Das Instrument besteht meist aus einem S-förmig gebogenen, zylindrischen Messingrohr. An einem Ende sitzt das Mundstück, am anderen öffnet sich das Rohr zum kegelförmigen Schalltrichter, der auch Stürze oder Schallbecher genannt wird. Der Zug verändert die Länge der Luftsäule und damit die Tonhöhe. So werden die natürlichen Resonanzen, also die Naturtöne, so verändert, dass chromatisches Spiel möglich wird. Alle Bauformen werden mit einem Kesselmundstück gespielt.
Die enge Mensur führt zu einem härteren Klang als bei Instrumenten der Bügelhornfamilie. Außerdem wird der Schall stärker gebündelt, beispielsweise stärker als bei einem Tenorhorn. Eine Posaune besitzt eine dynamische Spannbreite von etwa 37 dB. In 16 Metern Entfernung liegen die Schallpegel beim Pianissimo (pp) bei 40 dB in der Tiefe und 70 dB in der Höhe, beim Fortissimo (ff) bei 85 dB beziehungsweise 100 dB. Am Ohr des Spielers können Spitzenwerte von über 115 dB erreicht werden.
Historische Entwicklung und musikalische Bedeutung
Zu den ältesten Belegen gehören ein englisches Dokument von 1495 und ein Gemälde des 1495 verstorbenen Matteo di Giovanni. Die Posaune zählt neben der Violine zu den ältesten voll chromatisch spielbaren Orchesterinstrumenten. Da eine Naturtrompete in B etwa 2,80 Meter (9 Fuß) lang und dadurch unhandlich wäre, wurden solche Instrumente in S-Form, gerollt oder in „Brezelform“ gebaut.
Bis etwa 1700 wurde die Posaune wegen ihrer genauen Intonation häufig zusammen mit Sängern und Streichern, aber auch selbstständig eingesetzt. In Bläserensembles wie der „Alta capella“ und bei Stadtpfeifern spielte sie neben Zinken, Schalmeien und Zugtrompeten. Diese Ensembles traten vor allem bei gesellschaftlichen und teilweise kirchlichen, weniger bei höfischen Anlässen auf. Mangels eigener Kompositionen verwendeten sie oft Vokalmusik oder begleiteten Tänze.
Im Barock entstand der dreistimmige Posaunensatz aus Alt-, Tenor- und Bassposaune. Im 17. Jahrhundert ging die Bläsermusik jedoch teilweise zurück, weil der Adel und zunehmend auch das Bürgertum Saiten- und Streichinstrumente bevorzugten. Die Posaune geriet in weiten Teilen Europas aus der Mode; in italienischen Kanzonen und Sonaten wurde sie ab 1630 kaum noch eingesetzt. Johann Sebastian Bach sah Posaunen nur in 15 seiner zahlreichen Kantaten vor und nutzte sie dort lediglich zur Verdoppelung der Chorstimmen.
Eine Ausnahme bildete Georg Friedrich Händels Oratorium La Resurrezione. In späteren Oratorien wie Saul und Israel in Egypt von 1739 setzte Händel erneut Posaunen ein. Christoph Willibald Gluck verwendete sie unter anderem in Don Juan (1761) und Orfeo ed Euridice (1762), was wiederum Mozart beeinflusste. Mozart schrieb noch für die Renaissanceposaune, auch „Sackbutt“ genannt, unter anderem in der Zauberflöte und im Requiem. Das Tuba mirum enthält eine der bekanntesten solistisch geprägten Orchesterpassagen für Tenorposaune.
Erst nach Mozarts Tod entstanden die ersten „modernen“ Posaunen, die auch ein metallisches Forcieren des Klanges ermöglichten. Seitdem wurde die Posaune auch gemeinsam mit Trompeten eingesetzt. Im Sinfonieorchester etablierte Beethoven das Instrument, indem er es erstmals im vierten Satz seiner 5. Sinfonie besetzte. Seit der Romantik gehören meist zwei bis drei Tenorposaunen und eine Bassposaune zum Sinfonieorchester; im modernen Blasorchester sind gewöhnlich vier Posaunenstimmen üblich.
Im 20. und 21. Jahrhundert blieb die Posaune im Sinfonieorchester bedeutend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder stärker als Solo- und Kammermusikinstrument entdeckt. Werke von Edgar Varèse, Paul Hindemith und Luciano Berio führten zu neuen Spieltechniken. Auch neue Werkstoffe, größere Mundstück-, Bohrungs- und Schalltrichterdurchmesser, innovative Ventile und verschiedene Dämpfer wurden entwickelt. Heute wird die Posaune in Blas- und Sinfonieorchestern, Marsch- und Militärkapellen, Brass Bands, Posaunenchören, Blechbläserensembles sowie in Swing, Jazz, Salsa und Ska verwendet.
Zug und Stimmlagen
Im Allgemeinen ist mit „Posaune“ die Zugposaune gemeint; die Ventilposaune ist eine Sonderform. Der Zug besteht aus dem U-förmigen Außenzug und den beiden durch einen Quersteg verbundenen Rohren des Innenzugs. Durch Hinausschieben wird die Luftsäule verlängert und der Ton tiefer. Die meisten Posaunen haben sieben Zugpositionen oder Lagen, die jeweils um einen Halbton voneinander entfernt sind.
Der Zug kann stufenlos bewegt werden. Deshalb ermöglicht die Posaune als einziges Blechblasinstrument ein echtes Glissando, also ein gleitendes Wechseln von einer Tonhöhe zu einer anderen. Für eine leichtgängige Bewegung wird der Innenzug mit Posaunenfett und Wasser oder mit einem Siliconölgemisch behandelt. Wasser bildet zusammen mit dem Fett kleine Perlen, auf denen die Teleskoprohre reibungsarm laufen. Während des Spielens wird der Zug regelmäßig mit Kondenswasser oder einer kleinen Pump-Wasserflasche befeuchtet.
Die Stimmung lässt sich meist mit einem Stimmzug kalibrieren, der gewöhnlich im hinteren Bogen vor dem Schallstück liegt. Diese Anordnung ist einfach und kostengünstig, kann aber Ansprache und Intonation beeinträchtigen, weil der bereits konisch erweiterte Bereich dort erneut durch zylindrische Passagen unterbrochen wird. Seltener liegt die Stimmvorrichtung im Zug.
Historisch wurden Posaunen in allen Stimmlagen von Piccolo bis Kontrabass gebaut. Heute sind vor allem Tenor- und Bassposaune verbreitet. Die Tenorposaune ist die häufigste Bauform, meist in B gestimmt, mit einer Bohrung von etwa 12,2 bis 13,89 mm. Sie ist ab dem großen E aufwärts voll chromatisch spielbar. Sie wird nichttransponierend im Bassschlüssel notiert, im Sinfoniebereich häufig auch im Tenorschlüssel und seltener im Altschlüssel. In englischen Brass Bands wird sie im Violinschlüssel transponierend in B notiert.
Der praktische Tonumfang hängt stark vom Können ab. Anfänger erreichen meist bald d′ und später f′, von Fortgeschrittenen wird b′ erwartet; im professionellen Bereich ist ein Tonraum bis f″ erforderlich. Pedaltöne reichen theoretisch vom Kontra-B bis zum Kontra-E, werden aber selten verlangt.
Die Quartposaune beziehungsweise Tenorbassposaune besitzt ein zusätzliches Quartventil, das die Stimmung von B nach F verändert. Christian Friedrich Sattler stattete im 19. Jahrhundert erstmals eine Tenorposaune damit aus. Das Ventil ermöglicht besonders im tiefen Register alternative Zugpositionen: Das kleine c kann beispielsweise mit Ventil auf der ersten Position gespielt werden, das große H liegt zwischen der zweiten und dritten statt am Ende des Zuges. Bei betätigtem Ventil ist die siebte Position wegen der verlängerten Luftsäule nicht erreichbar; für das Kontra-H muss der Ventilstimmzug ausgezogen werden.
Bass-, Alt- und Kontrabassposaune
Die Bassposaune ist eine größere Tenorbassposaune. Sie ist ebenfalls in B gestimmt und unterscheidet sich vor allem durch die weitere Bohrung von etwa 14,30 bis 14,89 mm, den größeren Schalltrichter und meist ein größeres Mundstück. Dadurch spricht sie in der Tiefe besser an, klingt voller und kann lauter gespielt werden. Das hohe Register klingt dagegen matter und ist anstrengender.
Moderne Bassposaunen besitzen mindestens ein Quartventil, meist zusätzlich ein zweites Ventil. Dieses kann die Grundstimmung weiter absenken und so das Spiel ab dem tiefsten Pedalton chromatisch ermöglichen. Häufige Stimmungen der Ventilkombination sind Es und D; versucht wurden auch Stimmungen zwischen G und E. Beim zweiten Ventil gibt es eine abhängige, „offset“ oder versetzte Bauweise, bei der es nur zusammen mit dem Quartventil verwendet werden kann, und eine unabhängige „in-line“-Bauweise. Der theoretische Tonumfang reicht je nach Stimmung bis zum Subkontra-B und in der Höhe bis c² und höher. In der Praxis nutzen nur talentierte und geübte Spieler Töne unterhalb des Kontra-E im normalen Vortrag; die Literatur reicht meist vom Kontra-B bis b¹.
Die Altposaune steht meist in Es, selten in F, und wird nichttransponierend im Altschlüssel notiert. Sie besitzt eine kürzere Rohrlänge und einen kleineren Schalltrichter als die Tenorposaune. Ihr Tonumfang reicht ungefähr vom großen A bis zum zweigestrichenen b; Töne oberhalb des zweigestrichenen f werden selten verlangt. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war sie die Oberstimme des dreistimmigen Posaunensatzes. Im 19. Jahrhundert ging ihre Verbreitung zurück, weil die Ventiltrompete aufkam und die Tenorposaune ihren oberen Tonumfang erweiterte. Heute wird sie vor allem in Chormusik, Sinfonie- und Opernbereich eingesetzt.
Die Kontrabassposaune wurde bereits in der Renaissance gebaut und stand in Kontra-B (16 Fuß). Frühere Modelle hatten einen überlangen Zug mit Schwengel, später gab es verkürzt doppelt gewundene Züge. Im späten 19. Jahrhundert setzte Richard Wagner sie im vierstimmigen Posaunensatz des Rings des Nibelungen ein. Dauerhaft konnte sie sich im modernen Sinfonieorchester jedoch nicht durchsetzen. Seit dem Zweiten Weltkrieg wird dort vor allem die in F gestimmte Kontrabassposaune mit zwei Ventilen verwendet. Durch die Ventile reichen fünf Zugpositionen; seit den 1970er Jahren setzte sich die lange, gerade Bauform durch.
Deutsche Bauweise und Ventilposaune
Die Deutsche Konzertposaune unterscheidet sich deutlich von der heute verbreiteten amerikanischen Bauweise. Sie besitzt meist ein kleines Mundstück und ein 30 bis 60 Zentimeter langes Mundrohr. Das Instrument besteht überwiegend aus Goldmessing, teilweise aus Neusilber, und hat dünnere, zum Schallstück hin abnehmende Wandstärken. Das einteilige Schallstück besitzt eine gerade Lötnaht und häufig einen nicht flächig aufgelöteten Neusilberkranz, den Schmetterkranz.
Der Schmetterkranz ermöglicht das sogenannte „unendliche Fortissimo“: Die Lautstärke kann kontinuierlich gesteigert werden, ohne dass der Ton „aufbricht“. Die höchstmögliche Lautstärke bleibt jedoch hinter der amerikanischen Bauweise zurück. Der Zug ist grundsätzlich „konisch“; das obere Rohr hat eine kleinere Bohrung als das untere. Statt konkreter Durchmesser gibt es fünf deutsche Weiten von 1 (eng, Soloposaune) bis 5 (weiteste Bassposaune). Weitere Merkmale sind die nicht fest verlötete Strebe des Außenzugs, große Schallstückdurchmesser von 254 Millimetern und mehr, Drehventile, eine lange Wasserklappe, Schlangenverzierungen und ein hoher Anteil an Handarbeit. Klang, Obertonspektrum, Abstrahlung und Ansprache unterscheiden sich dadurch deutlich von der amerikanischen Bauweise.
Die Ventilposaune besitzt statt eines Zuges drei oder vier Ventile. Ihr Tonumfang entspricht dem der jeweiligen Zugposaune, doch Ansprache und Klang ähneln eher einer großen Trompete. Sie ermöglicht schnelle technische Passagen und chromatische oder diatonische Triller in vielen Lagen, kann aber nach Ansicht mancher Posaunisten problematisch zu intonieren sein, weil sie meist nicht kompensiert ist. Historisch gab es sie von der Alt- bis zur Kontrabasslage; am weitesten verbreitet war die Tenorventilposaune.
Ihre größte Beliebtheit erreichte sie im 19. Jahrhundert. Als Zugposaunen später industriell präzise und preisgünstig hergestellt wurden, gewannen diese wieder die Marktführerschaft. Regional ist die Ventilposaune bis heute verbreitet, unter anderem in Österreich, Italien, Tschechien, der Slowakei, Spanien, Portugal, Südamerika und Indien. Bestimmte Bass- und Kontrabassformen heißen Cimbasso und werden vor allem bei Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini eingesetzt. Eine Bauform mit Zug und Ventilmaschine ist als Superbone bekannt.
Unterricht und Filmwirkung
Für das Einstiegsalter gelten ähnliche Grundsätze wie beim Waldhorn und bei anderen Blechblasinstrumenten. Kinder, die wegen ihrer Armlänge die äußersten Zugpositionen noch nicht erreichen, können auf einer B/C-Posaune mit Sekund-Verkürzungsventil und meist sechs Zugpositionen beginnen. Diese Bauform wird unter anderem von Günter Frost, Thein und Yamaha als „Kompaktposaune“ angeboten.
Als Erstinstrument werden zunehmend Altposaunen eingesetzt. Eine in Es stehende Altposaune ist wegen ihres Tonumfangs deutlich kleiner als eine Tenorposaune; dadurch können Kinder bereits ab etwa sechs Jahren beginnen. Beim späteren Wechsel zur Tenorposaune müssen die den einzelnen Zugpositionen zugeordneten Töne jedoch neu gelernt werden. Teilweise wird deshalb transponierend unterrichtet: Jeder Ton klingt eine Quarte höher, als er benannt wird. Auf der Tenorposaune stimmen Notenname und klingender Ton dann später ohne Umlernen überein.
In Filmmusik wird die Posaune entsprechend ihrer biblischen Konnotation wiederholt für Endzeitszenarien eingesetzt. Im Film Thirteen Days erscheint ein entsprechendes Motiv nach der Szene, in der Dean Acheson in einer Konferenz mit Präsident John F. Kennedy erstmals andeutet, dass die Kubakrise zu einem nuklearen Holocaust führen könnte.