Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Tuba
Die Tuba (lateinisch für „Rohr, Röhre“; Mehrzahl Tuben oder Tubas) ist das tiefste aller Blechblasinstrumente. Sie hat ein nach oben gerichtetes Schallstück …
Inhalt5 Abschnitte
Grundlagen und Einsatz
Die Tuba ist das tiefste aller Blechblasinstrumente. Sie gehört wegen ihrer weiten Mensur – also des stark und konisch zunehmenden Rohrdurchmessers – zur Familie der Bügelhörner. Das meist aus Messing bestehende Rohr endet in einem nach oben gerichteten Schallstück. Tuben haben drei bis sieben Ventile und werden mit einem Kesselmundstück gespielt. Die Tuba wurde zum Instrument des Jahres 2024 gekürt.
Im Orchester wird sie meist einfach, seltener zweifach besetzt. Es kommen sowohl Bass- als auch Kontrabasstuben zum Einsatz. Welche Bauform eine Partie spielt, entscheidet häufig der Tubist selbst, etwa nach Tonlage, gewünschter Lautstärke und Klangfarbe, Wunsch des Dirigenten oder Raumakustik. Manche Komponisten, zum Beispiel Richard Wagner, schreiben die Bauform jedoch ausdrücklich vor. Orchestertubisten müssen im deutschsprachigen Raum beide Bauformen virtuos beherrschen.
In skandinavischen Ländern, England, Frankreich, weiten Teilen Amerikas und Australien wird vor allem die Kontrabasstuba in C verwendet; als Alternative zur F-Basstuba dient dort die Es-Tuba. In volkstümlichen und sinfonischen Blasorchestern (Concert Bands) sind meist mindestens zwei Tuben vorgesehen. Spielen sie nicht unisono, also dieselbe Stimme in gleicher Tonhöhe, liegen ihre Stimmen in der Regel eine Oktave auseinander. Im Jazz übernahm die Tuba bis etwa 1925 die Bassrolle, bevor sie vom Kontrabass abgelöst wurde; nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie im Amateur-Dixieland wieder auf.
Entwicklung zum Orchesterinstrument
Die heutige Tuba ist das Bassinstrument der Bügelhörner. Die ersten Tuben entstanden um 1835 in Berlin, kurz nach der Erfindung der Ventiltechnik. Wilhelm Wieprecht und Carl Wilhelm Moritz erhielten 1835 ein Patent auf eine Basstuba in F mit fünf Ventilen. Václav František Červený entwickelte 1845 die Kontrabasstuba in B und C und ließ sie 1846 patentieren.
Durch ihren vorteilhafteren Klang und ihre präzisere Intonation ersetzte die Tuba in Orchestern bald ältere Bassinstrumente: den Serpent beziehungsweise das Basshorn und die Ophikleide.
Spieltechnik, Naturtöne und Notation
Das prägende Konstruktionsmerkmal ist die starke Rohrerweiterung: Vom Mundstück bis zum Schallstück kann das Verhältnis bis zu 1:20 betragen. Beim Spiel im Sitzen ruht die Tuba auf den Oberschenkeln; bei kleinen Tubisten mit besonders großen Instrumenten kann sie auf dem Stuhl stehen. Für das Spiel im Stand braucht man einen speziellen Ständer, Schultergurt oder Tubagürtel (Tubabelt). Der Trichter zeigt meist nach oben: bei Drehventilen leicht nach links, bei Périnet-Ventilen leicht nach rechts, jeweils aus Sicht des Spielers.
Die rechte Hand bedient die ersten drei bis fünf Ventile. Die linke Hand stützt das Instrument und kann, je nach Bauart, bis zu drei weitere Ventile für eine bessere Intonation drücken. Der tiefste Naturton heißt Grundton oder Pedalton. Er ist auf der Tuba wegen der weiten Mensur spielbar, verlangt aber sehr viel Luft und Atemstütze, um die stehende Welle im Instrument anzuregen. Der nutzbare Tonumfang beträgt mehr als vier Oktaven.
Die Naturtöne der B-Tuba sind: B₂ – B₁ – F – B – d – f – (as) – b – c¹ – d¹ – (e¹) – f¹ usw. Bei der Es-Tuba lauten sie: Es₁ – Es – B – es – g – b – (des¹) – es¹ – f¹ – g¹ – (a¹) – b¹ usw. Bei der F-Tuba: F₁ – F – c – f – a – c¹ – (es¹) – f¹ – g¹ – a¹ – (h¹) – c² usw. Die eingeklammerten Töne sind nur bedingt verwendbar, weil sie deutlich von gleichstufig gestimmten Tönen abweichen.
Die Schreibweise ist international unterschiedlich. In Deutschland, Italien und England wird klingend, also nicht transponierend, im Bassschlüssel notiert. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden wird im Bassschlüssel transponierend notiert; die F-Basstuba klingt dann eine Quinte tiefer als notiert. In der Schweiz wird transponierend im Violinschlüssel notiert; die F-Basstuba klingt eine Oktave plus Quinte tiefer als notiert.
Wichtige Bauformen
Die Basstuba in Es oder F ist die gebräuchlichste Bauweise. Ihr Rohr ist etwa 398 cm lang; ihre Lage entspricht ungefähr der des Kontrabasses und des Fagotts. Die Kontrabasstuba in B oder C ist die größte und tiefste gebräuchliche Tuba und besitzt eine Rohrlänge von etwa 541 cm. Der besonders weit mensurierte Kaiserbass ist eine B-Kontrabasstuba mit 580 cm Grundrohrlänge; mit allen Ventilbögen lässt sich die schwingende Luftsäule auf 966 cm verlängern, ohne Quartventil.
Eine Doppeltuba in B/F oder C/F verbindet Bass- und Kontrabasstuba durch ein zusätzliches Umschaltventil. Die sehr selten auf Einzelauftrag gebaute Subkontrabasstuba in B klingt eine weitere Oktave tiefer als die B-Kontrabasstuba. Ihr tiefster Naturton ist B₃; ihre tiefsten Töne reichen damit in die unterhalb der Hörgrenze liegende Subsubkontraoktave. Die Grundrohrlänge beträgt 1160 cm, mit allen Ventilbögen 1932 cm, jeweils ohne Quartventil.
Bombardon ist heute eine allgemeine Bezeichnung für eine tiefe, kräftige Basstuba. Das Helikon, meist in Es, wird mit annähernd kreisförmig gewundenem Rohr um den Oberkörper getragen und in Blaskapellen verwendet. Das Sousaphon ist eine Helikon-Abwandlung mit größerem, nach vorn gebogenem Schalltrichter; es liegt auf der Schulter und belastet den Körper symmetrisch. Eine Marschtuba besitzt den üblichen Bügel, aber ein angepasstes Mundrohr zum Spiel auf der rechten Schulter; ihr Schallbecher zeigt nach vorn. Die Wagnertuba zählt dagegen zur Gattung der Waldhörner.
Internationaler Tuba-Tag
Der amerikanische Musiker Joel Day rief 1979 den International Tuba Day aus. Seit 1982 wird er jedes Jahr am ersten Freitag im Mai begangen. Zu diesem Welt-Tuba-Tag gehören Konzerte, Vorträge und Ausstellungen rund um das Instrument. Nach Joel Day erhalten Tubisten nicht das Maß an Respekt und Anerkennung, das ihnen zustehe; die Tuba werde oft als unwichtig oder als „imposantes“ Anhängsel angesehen.