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Dienstleister

Dienstleister (oder Dienstleistungsunternehmen) sind Unternehmen des Tertiärsektors und eine Betriebsform, durch die eine oder mehrere Dienstleistungen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzung der Unternehmensarten
  3. 3. Arten und Beispiele
  4. 4. Bedeutung in der Volkswirtschaft
  5. 5. Ablauf, Produktion und Kosten

Begriff und Bedeutung

Dienstleister oder Dienstleistungsunternehmen sind Unternehmen des Tertiärsektors, die eine oder mehrere Dienstleistungen erbringen. Anders als Sachleistungsunternehmen stellen sie ihrem Betriebszweck entsprechend überwiegend keine materiellen Sachgüter, sondern Leistungen für Kunden bereit. Typische Dienstleistungsunternehmen sind Handelsunternehmen, Finanzdienstleistungsunternehmen und Verkehrsunternehmen.

Dienstleister sind für moderne Volkswirtschaften besonders wichtig: In Industriestaaten erwirtschaftet der Dienstleistungssektor mindestens zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP misst den Gesamtwert der innerhalb eines Staates erzeugten Waren und Dienstleistungen.

Abgrenzung der Unternehmensarten

Nach der Art ihrer Leistung werden Unternehmen grundsätzlich in Sachleistungsunternehmen und Dienstleistungsunternehmen eingeteilt. Zu den Sachleistungsunternehmen zählen Gewinnungsunternehmen, Aufbereitungsunternehmen, Unternehmen der Energiewirtschaft, Veredelungsunternehmen, Verarbeitungsunternehmen und Handwerksbetriebe. Als Dienstleistungsunternehmen gelten Handelsbetriebe, Kreditinstitute, Verkehrsbetriebe, Versicherungsbetriebe und sonstige Dienstleistungsbetriebe. Dienstleistungsunternehmen gehören ausschließlich zum Dienstleistungssektor.

Für einzelne Wirtschaftszweige bestehen besondere Betriebslehren. Sie untersuchen die betriebswirtschaftlichen Merkmale eines bestimmten Bereichs. Beispiele sind die Handelsbetriebslehre für den Handel, die Bankbetriebslehre für das Bankwesen und die Versicherungsbetriebslehre für das Versicherungswesen.

Arten und Beispiele

Manche Unternehmen stellen sowohl Sachgüter her als auch Dienstleistungen bereit, beispielsweise produktbegleitende Leistungen. Sie werden den Dienstleistungsunternehmen zugerechnet, wenn ihre Wertschöpfung oder ihre Umsatzerlöse überwiegend aus Dienstleistungen stammen. Wertschöpfung bezeichnet dabei den wirtschaftlichen Wert, den ein Unternehmen durch seine Tätigkeit zusätzlich schafft.

Der Teilsektor der sonstigen Dienstleistungsunternehmen ist sehr vielfältig. Dazu gehören unter anderem Friseure, Gaststätten, Hotels, Kinos, Krankenhäuser, Schulen, Speditionen, Theater, Touristikunternehmen, Vermögensverwaltungen, Werkstätten und Wohnungsunternehmen. Auch öffentliche Unternehmen und Behörden, die Aufgaben der Daseinsvorsorge erfüllen, zählen dazu. Daseinsvorsorge umfasst grundlegende öffentliche Leistungen für die Bevölkerung.

Zu den Dienstleistern gehören außerdem Angehörige freier Berufe wie Ärzte, Handelsvertreter, Kommissionäre und Makler. Weitere Bereiche sind beispielsweise Beratung, Bildung und Erziehung, Forschung und Entwicklung, Gesundheits- und Sozialwesen, Gebäudemanagement, IT und Telekommunikation, Handel, Kredit- und Versicherungswesen, Personaldienstleistung, Pflege, Sicherheitsdienste, Übersetzungen, Verkehr, Verwaltung, Wissenschaft sowie Wasser- und Energieversorgung. Auch Exekutive und Judikative, also vollziehende Gewalt und Rechtsprechung, erbringen staatliche Dienstleistungen.

Bedeutung in der Volkswirtschaft

Die drei großen Wirtschaftssektoren haben je nach Entwicklungsstand eines Landes unterschiedliche Bedeutung. Der Primärsektor umfasst vor allem die Gewinnung natürlicher Rohstoffe, der Sekundärsektor deren Verarbeitung und industrielle Produktion, der Tertiärsektor die Dienstleistungen. In Industriestaaten erreicht der Tertiärsektor mindestens zwei Drittel des BIP; in Entwicklungs- und Schwellenländern dominieren dagegen häufig der Primär- und/oder Sekundärsektor.

Nach den angegebenen Daten der Weltbank entfielen auf den Tertiärsektor in Deutschland 69,1 % des BIP (2016), in Österreich 70,7 % (2016), in der Schweiz 73,8 % (2015), in den Vereinigten Staaten 78,9 % (2015), im Vereinigten Königreich 80,2 % (2016) und in Japan 70,0 % (2015). Die jeweiligen Anteile des Primär- und Sekundärsektors betrugen: Deutschland 0,6 % und 30,3 %, Österreich 1,3 % und 28,0 %, Schweiz 0,7 % und 25,5 %, Vereinigte Staaten 1,1 % und 20,0 %, Vereinigtes Königreich 0,6 % und 19,2 % sowie Japan 1,1 % und 28,9 %.

Deutlich geringer war der Dienstleistungsanteil in Angola mit 28,4 % (2015), Somalia mit 32,5 % (2013) und Sierra Leone mit 32,7 % (2016). Dort waren besonders der Primär- oder Sekundärsektor stark: In Angola lagen deren Anteile bei 10,2 % und 61,4 %, in Somalia bei 60,2 % und 7,4 % sowie in Sierra Leone bei 61,4 % und 5,9 %. Als Grund nennt der Artikel, dass in Entwicklungs- und Schwellenländern häufig wichtige Rohstoffvorkommen liegen, die dort gewonnen und im Sekundärsektor veredelt werden.

Ablauf, Produktion und Kosten

Im Prozessmodell einer Dienstleistung hat der Dienstleister je nach Phase eine andere Rolle. In der Anbahnungsphase ist er Anbieter gegenüber den Nachfragern. In der Vereinbarungsphase ist er Lieferant gegenüber seinen Kunden. In der Leistungsphase ist er der persönliche Erbringer gegenüber seinen Auftraggebern. In der Gegenleistungsphase ist er Zahlungsempfänger gegenüber den Zahlungspflichtigen.

Aus Sicht der Produktionstheorie benötigen Dienstleistungsunternehmen neben den klassischen internen Produktionsfaktoren einen externen Produktionsfaktor. Interne Produktionsfaktoren sind die im Unternehmen verfügbaren Mittel zur Leistungserstellung. Der externe Produktionsfaktor befindet sich außerhalb des Unternehmens und wird in die Dienstleistung einbezogen. Er kann der nachfragende Kunde selbst sein, beispielsweise ein Kreditnehmer bei einem Kreditinstitut, oder ein für die Leistung vorgesehenes Wirtschaftsobjekt, beispielsweise ein Auto in einer Autowerkstatt. Eine einzelne Dienstleistung entsteht durch die Kombination interner und externer Produktionsfaktoren.

Dienstleistungen sind meistens nicht lagerfähig. Sie können daher erst erbracht werden, wenn Kunden sie nachfragen. Trifft eine große Nachfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt auf personelle oder materielle Engpässe, entstehen durch diese „Leistungserstellung auf Anforderung“ typische Warteschlangen und Wartezeiten. Kurzfristig lässt sich die Lieferbereitschaft dann nur durch ein höheres Arbeitstempo oder durch verlängerte Arbeitszeit beziehungsweise Mehrarbeit steigern.

Die Kostenstruktur wird bei Dienstleistungsunternehmen meist von den Personalkosten bestimmt. Daher zählen sie im Regelfall zu den personalintensiven Betrieben. Für Kunden entstehen bei der Nutzung solcher Unternehmen Dienstleistungskosten. Je nach Unternehmensart heißen diese beispielsweise Bankgebühren, Frachtkosten oder Versicherungsprämien.

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