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Die Geburt einer Nation
Die Geburt einer Nation (englischer Originaltitel The Birth of a Nation, ursprünglich The Clansman) ist ein US-amerikanischer Spielfilm des Regisseurs David …
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Einordnung und Bedeutung
Die Geburt einer Nation (Originaltitel: The Birth of a Nation, ursprünglich The Clansman) ist ein US-amerikanischer Stummfilm von David Wark Griffith aus dem Jahr 1915. Der 187 Minuten lange Historienfilm spielt im Amerikanischen Bürgerkrieg und in der anschließenden Reconstruction, also der politischen Neuordnung der besiegten Südstaaten. Er war das kommerziell erfolgreichste Werk der Stummfilmzeit und gilt als eines der einflussreichsten Werke der amerikanischen Filmgeschichte.
Seine Bedeutung ist widersprüchlich: Der Film popularisierte zahlreiche filmische Neuerungen und prägte die Entwicklung des epischen Langfilms. Gleichzeitig vertritt er eindeutig die Ideologie der White Supremacy, also der behaupteten weißen Überlegenheit. Afroamerikaner werden überwiegend als einfältig, gewalttätig oder den weißen Herren untergeordnet gezeigt; der Ku-Klux-Klan wird als rettende Kraft verherrlicht. Deshalb wird der Film seit seiner Premiere scharf kritisiert und zugleich als wichtiger, aber zutiefst problematischer Meilenstein der Filmgeschichte untersucht.
Handlung des ersten Teils
Der erste Teil beginnt mit einer Auktion schwarzer Sklaven. Anschließend wird die Zeit vor und während des Amerikanischen Bürgerkriegs anhand zweier Familien dargestellt: Die abolitionistische Familie Stoneman steht für den Norden, die Familie Cameron aus Piedmont, South Carolina, für den Süden. Die Camerons betreiben eine Baumwollplantage, auf der zahlreiche Sklaven arbeiten. Die Söhne beider Familien sind seit ihrer Internatszeit befreundet. Phil Stoneman liebt Margaret Cameron, während Benjamin „der kleine Colonel“ Cameron Elsie Stoneman verehrt.
Die Sezession der Südstaaten beendet die familiäre Harmonie. Austin Stonemans Politik wird im Film mit seinem sexuellen Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Haushälterin Lydia Brown, einer Mulattin, erklärt. Der Bürgerkrieg beginnt, und die jungen Männer treten den jeweiligen Armeen bei. Im weiteren Verlauf sterben Tod Stoneman, Duke Cameron und Wade Cameron. Benjamin Cameron wird verwundet und in ein Nordstaaten-Hospital gebracht, wo er Elsie begegnet. Obwohl er als Guerillakämpfer hingerichtet werden soll, erreichen Elsie und seine Mutter bei Präsident Abraham Lincoln seine Begnadigung.
Nach dem Krieg findet Benjamin sein Elternhaus verarmt und zerstört vor. Lincoln lehnt eine harte Bestrafung des Südens ab und erklärt: „Ich werde mit ihnen verfahren, als wären sie nie fort gewesen.“ Kurz darauf wird er im Ford-Theater von John Wilkes Booth erschossen. Sein Tod ermöglicht es Austin Stoneman und anderen radikalen Kongressabgeordneten, die Reconstruction als Bestrafung der Südstaaten durchzusetzen.
Handlung des zweiten Teils
Im zweiten Teil reisen Austin Stoneman und sein politischer Schützling Silas Lynch nach Piedmont. Lynch, ein Mulatte, soll die Herrschaft der früheren Sklaven über die Weißen sichern. Er setzt dabei Gewalt, Unterdrückung und Wahlbetrug ein und verliebt sich in Elsie Stoneman. Die schwarzen Abgeordneten werden im Parlament als respektlos und barbarisch dargestellt. Nur Schwarze dürfen wählen, während Weiße von der Wahl ausgeschlossen werden. Außerdem werden Weiße auf der Straße und vor Gericht entrechtet, und das Parlament erlaubt Mischehen.
Benjamin Cameron entwickelt daraufhin, angeregt durch weiße Kinder in Geisterkostümen, den Plan für eine geheime weiße Widerstandsarmee: den Ku-Klux-Klan. Elsie wendet sich zunächst von ihm ab. Floras Cameron wird von Gus, einem ehemaligen Sklaven, verfolgt und springt in den Tod, um einer Vergewaltigung zu entgehen. Benjamin schwört Rache. Gus wird nach einem laut Zwischentiteln „fairen Prozess“ von Weißen gelyncht; seine Leiche wird vor Lynchs Haus gelegt.
Lynch lässt daraufhin gegen den Klan vorgehen. Die Familie Cameron wird gefangen genommen, kann aber mit Hilfe früherer Sklaven fliehen und sich in einer Hütte verstecken. Gleichzeitig versucht Lynch, Elsie gegen ihren Willen zu heiraten. Der Klan rettet Elsie und die Camerons und vertreibt die schwarze Miliz gewaltsam. Bei der folgenden Wahl hindert er Schwarze mit vorgehaltenen Gewehren an der Stimmabgabe. Der Film bezeichnet dies als Wiederherstellung der „Herrschaft der Weißen“. Danach werden die Hochzeiten von Phil und Margaret sowie Benjamin und Elsie gezeigt. Die weißen Bewohner des Nordens und Südens sind wieder vereint; allegorische Schlussbilder stellen Krieg und einen von Jesus gesegneten Frieden gegenüber.
Filmische Innovationen
Der Film wurde mit für die damalige Zeit außergewöhnlichem Aufwand hergestellt. Die Schlachtszenen verwendeten Tausende von Statisten; teilweise wurden etwa 500 Statisten an Originalschauplätzen eingesetzt. Die dramatische Schlacht als Höhepunkt, die Länge von drei Stunden und der hohe technische und szenische Aufwand trugen dazu bei, den Langfilm und das Filmepos durchzusetzen. Der Film gilt außerdem als vielleicht erster bedeutender Film aus Hollywood, nachdem zuvor die Filmindustrie der US-Ostküste dominiert hatte.
Griffith verwendete oder vervollkommnete mehrere Techniken: Nachtaufnahmen mit Magnesiumfackeln, reale Landschaften als Hintergründe, die Irisblende zur Hervorhebung bestimmter Bildausschnitte, eingefärbte Sequenzen, großformatige Nahaufnahmen, Parallelmontage sowie auffällige Kamerafahrten und Kameraperspektiven. Am Schluss gibt es eine Farbsequenz. Viele dieser Verfahren waren nicht völlig neu, wurden durch den Erfolg des Films aber nachhaltig verbreitet.
Eine eigens geschriebene Orchestermusik von Joseph Carl Breil enthielt Themen für wichtige Figuren. Da der Film noch stumm war, wurden Platten mit der Musik und die Noten verkauft. Verwendet wurden unter anderem der Walkürenritt von Richard Wagner, Passagen aus Webers Der Freischütz und Beethovens 6. Sinfonie.
Entstehung, Rassismus und Rezeption
Die Vorlage bilden Thomas F. Dixons Romane The Leopard’s Spots und The Clansmen, die heute in der Regel als rassistisch eingestuft werden. Dixon erhielt statt der geforderten 10.000 Dollar 25 Prozent des späteren Gewinns und wurde dadurch mehrfacher Millionär. Die Produktion kostete über 100.000 Dollar, die Dreharbeiten dauerten mehr als neun Wochen. Die Premiere fand am 8. Februar 1915 in Los Angeles noch unter dem Titel The Clansman statt; drei Monate später erhielt der Film in New York seinen heutigen Titel. Im ersten Jahr bezahlten eine Million Menschen den ungewöhnlich hohen Eintrittspreis von zwei Dollar. Die tatsächliche Gewinnhöhe ist umstritten: Genannt werden bis 1932 etwa 10 Millionen Dollar, Richard Schickel zufolge bis zu 60 Millionen US-Dollar.
Der Film stellt die Reconstruction und Afroamerikaner eindeutig negativ dar, während der alte Süden als Opfer erscheint. Besonders Lydia Brown und Silas Lynch werden als unsympathisch gezeichnet. Der Ausschluss Schwarzer von Wahlen wird positiv bewertet. Die historischen Parlamentsszenen beruhen laut Artikel auf schwarzenfeindlichen Karikaturen, und die Darstellung der Reconstruction ist insgesamt unhistorisch und verfälscht. Griffith behauptete dagegen, historische Wahrheit und die Erzählungen seiner Väter wiederzugeben. Ob seine Motivation vor allem politisch oder durch die visuellen Möglichkeiten des Stoffes bestimmt war, blieb umstritten.
Bereits bei der Premiere kam es zu Protesten. Die NAACP bezeichnete den Film als „drei Filmmeilen Schmutz“, und die New York Post sah darin einen Versuch, Millionen Bürger als „völlige Tiere“ darzustellen. Aufführungen führten zu Demonstrationen und Unruhen; Städte in acht Bundesstaaten verboten den Film. Besonders anstößige Szenen wurden zensiert oder entfernt. Griffiths gekürzte Fassung von 1921 erwähnte den Klan nicht mehr. Der Film trug nach Darstellung des Artikels maßgeblich zur Neugründung des Ku-Klux-Klans bei: William Joseph Simmons ließ ihn nach dem Erfolg des Films wiederauferstehen; der neue Klan soll Mitte der 1920er Jahre rund drei Millionen Mitglieder gehabt haben und nutzt den Film bis heute als Rekrutierungsinstrument.
Die technische Bedeutung wird auch von späteren Kritikern anerkannt, die zugleich die politische Botschaft verurteilen. Rotten Tomatoes verzeichnete bei fast 40 Kritiken eine Wertung von 98 Prozent; der Konsens nennt den Film einen „zutiefst fehlerhaften filmischen Meilenstein“, dessen technische Leistungen durch rassistische Bilder untergraben werden. 1992 wurde er in das National Film Registry aufgenommen. Die ungeschnittene Fassung dauert 186:32 Minuten, eine gekürzte Fassung 180:24 Minuten. In Deutschland wurde der Film erstmals am 26. März 1966 im NDR-Fernsehen gezeigt. Alle bedeutenden schwarzen Rollen wurden von weiß geschminkten Schauspielern dargestellt; dieses Blackfacing, die rassistische Handlung und die Wirkungsgeschichte gehören zu den zentralen Gründen für die anhaltende Kontroverse.