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Kameraperspektive
Als Kameraperspektive bezeichnet man im Sinne eines Betrachtungswinkels den Standort der Kamera auf ein Objekt. Dies ist nicht mit den Einstellungsgrößen zu …
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Grundbegriff und Funktion
Eine Kameraperspektive ist der Standort der Kamera zu einem Objekt, also der Betrachtungswinkel. Sie ist nicht dasselbe wie die Einstellungsgröße, denn diese beschreibt nur den Bildausschnitt. Manche Perspektiven hängen aber praktisch mit einem Mindest- oder Maximalabstand zum Objekt zusammen.
Die Kameraperspektive bestimmt, welchen Standpunkt die Zuschauenden einnehmen und welcher Teil des Filmsets im Bild erscheint. Ihre Wahl kann dramaturgische Gründe haben, also eine bestimmte Wirkung auf das Publikum erzielen, oder technische Gründe. Eine Perspektive kann schon im Drehbuch festgelegt werden. In der Vorproduktion können daraus Storyboards entstehen, die bei den Dreharbeiten helfen. Manche Filmstudios verlangen jedoch sogenannte master scripts ohne solche Kameraanweisungen; dann entwickeln Regisseur und Kameramann die Perspektiven später.
Untersicht und extreme Untersicht
Die Untersicht, auch Low-Angle-Shot, zeigt Objekte aus einer niedrigen vertikalen Kameraposition. Sie kann ein Objekt größer, höher oder mächtiger wirken lassen und beim Publikum Ehrfurcht oder Erregung auslösen. Außerdem kann sie Akteure räumlich trennen, Kompositionslinien verzerren, eine erzwungene Perspektive herstellen, den Horizont aus dem Bild entfernen oder unerwünschten Vordergrund ausblenden.
In Point-of-View-Einstellungen kann eine Untersicht Dominanz zeigen: Eine Figur wirkt aus der Sicht einer anderen überlegen. Technisch ist die Untersicht auch bei Nachdrehs nützlich, weil der Hintergrund teilweise oder ganz ausgeblendet werden kann. So können etwa Außenszenen ergänzt werden, ohne das ganze Filmset wieder aufzubauen. Wird eine Untersicht mit einem Weitwinkelobjektiv gefilmt, kann leicht eine karikierende Wirkung entstehen.
Die Froschperspektive ist eine extreme Untersicht. Die Kamera steht sehr niedrig und nimmt das Objekt vertikal auf. Eine Sonderform zeigt das Objekt im 90°-Bereich von unten; bei einem Menschen müsste dieser dafür zum Beispiel auf einer Glasscheibe stehen, sodass die Kamera auf die Schuhsohlen blickt. Dieser Effekt ist selten und gilt meist eher als Spielerei, kann aber mit Lichtwirkungen eine bedrohliche Stimmung oder eine Gefahr von oben erzeugen.
Normalsicht als natürliche Wahrnehmung
Bei der Normalsicht befindet sich die Kamera auf gleicher Höhe mit dem gefilmten Objekt; bei einer handelnden Person meist auf Augenhöhe. Sie versucht im Allgemeinen, die natürliche perspektivische Wahrnehmung nachzuahmen.
Trotzdem kann eine scheinbar normale Sicht bei bestimmten Motiven als Untersicht oder Aufsicht wirken. Bei sehr hohen Objekten, etwa dem Eiffelturm, ist ein Blick in gerader Linie auf die Mitte nicht automatisch Normalsicht, wenn natürliche Wahrnehmung gemeint ist. Umgekehrt kann eine Aufsicht natürlich wirken, wenn eine Figur von einem erhöhten Standpunkt hinabblickt. Dann entsteht die Perspektive aus der Situation und nicht unbedingt aus einer dramaturgischen Absicht.
Aufsicht, Vogelperspektive und Top-Shot
Die Aufsicht, auch Obersicht oder High-Angle-Shot, ist eine erhöhte vertikale Kameraperspektive, die auf das Objekt herabblickt. Sie kann die Umgebung einer Figur wie eine Karte zeigen, eine Szene mit vielen Akteuren etablieren, zum Beispiel ein Fußballspiel oder eine Schlacht, oder die Unterlegenheit und Ohnmacht einer Figur und ihrer Situation ausdrücken.
Für schnelle Aktionen wie ein Rennen ist eine Aufsicht auf Dauer weniger geeignet, weil mit größerer Entfernung auch das Gefühl für Geschwindigkeit abnimmt. Die Perspektive kann die Sicht des Überlegenen oder Stärkeren zeigen. Menschen wirken aus dieser Perspektive eher einsam, armselig oder erniedrigt.
Die Vogelperspektive ist eine extreme Aufsicht: Die Kamera steht hoch und blickt sehr schräg von oben auf das Objekt. In der Filmtechnik spricht man meist erst dann von Vogelperspektive, wenn der Bildausschnitt das relevante Objekt vollständig zeigt und die Kamera entsprechend weit entfernt ist.
Der Top-Shot ist eine Sonderform der Aufsicht. Das Geschehen wird von oben in etwa einem 90°-Winkel zum Objekt aufgenommen. Bei einem Menschen sieht man dabei vor allem die Oberseite des Kopfes und die Schultern. Als Stilmittel soll der Top-Shot Kollektivität, Unwichtigkeit und Untergebenheit ausdrücken.
Schrägsicht und ihre Wirkung
Bei der Schrägsicht, auch gekippte Kamera oder Dutch Angle, steht die vertikale Achse der Kamera in einem Winkel zur vertikalen Achse des Objekts. Dadurch erscheint das Bild auf der Leinwand schräg und verliert seine Balance.
Diese Perspektive wird oft aus dramaturgischen Gründen eingesetzt, um Verwirrung, Andersartigkeit, Gewalt oder die Instabilität einer Situation oder Figur auszudrücken. Weil sie vom eigentlichen Geschehen ablenken kann, wird sie nur selten verwendet. Besonders wirksam kann sie sein, wenn sie auf eine Normalsicht folgt, etwa wenn eine chaotische oder gewalttätige Szene plötzlich in eine ruhige Situation einbricht.
In der Werbung werden Schrägsichten häufig genutzt, um schnell geschnittenen Einzelbildern mehr Dynamik zu geben und gewöhnliche Abläufe kraftvoller erscheinen zu lassen. Eine Schrägsicht wird gewöhnlich mit einer Untersicht gefilmt. In Kombination mit anderen Perspektiven, Kamerabewegungen und Kamerafahrten kann ein surrealer Eindruck entstehen.