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Deutschnationalismus
Begründet wurde der politische Zusammenschluss mit der Zugehörigkeit dieser Gebiete zum einstigen Heiligen Römischen Reich (bis 1806) und zum Deutschen Bund ( …
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Grundidee und Bedeutung
Deutschnationalismus bezeichnet eine politische Strömung in Österreich. Sie entstand aus dem deutschen Nationalismus der Deutschösterreicher, also aus einem Nationalismus deutschsprachiger Gruppen in Österreich. Im Zentrum stand die Vorstellung, die geschlossenen deutschsprachigen Siedlungsgebiete der österreichischen Reichshälfte eng an das Deutsche Reich anzubinden. Damit griff die Strömung die großdeutsche Lösung von 1848/49 wieder auf, also die Idee eines deutschen Nationalstaats unter Einbeziehung Österreichs beziehungsweise deutschsprachiger österreichischer Gebiete.
Begründet wurde diese politische Verbindung mit der früheren Zugehörigkeit dieser Gebiete zum Heiligen Römischen Reich bis 1806 und zum Deutschen Bund von 1815 bis 1866. In beiden hatte das alte Österreich eine führende Position. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde „deutschnational“ in Österreich vor allem für Personen verwendet, die eine politische Annäherung Österreichs an die Bundesrepublik Deutschland forderten. Das stand in Ablehnung zur österreichischen Nation und im Gegensatz zur offiziellen österreichischen Abgrenzungspolitik.
Entwicklung bis 1945
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Deutschnationalismus in mehrere Gruppierungen zersplittert. Gemeinsame Grundideen waren antiklerikale, antisemitische und großdeutsche Vorstellungen. Antiklerikal bedeutet gegen den politischen Einfluss der Kirche gerichtet; antisemitisch bedeutet judenfeindlich; großdeutsch meint hier die Orientierung auf einen Zusammenschluss deutschsprachiger Gebiete mit Deutschland.
Eine wichtige Grundlage war das Linzer Programm von 1882, das in Linz unter anderem von Victor Adler, Karl Lueger und Georg von Schönerer erarbeitet wurde. Ab 1882 trat die deutschnationale Bewegung zunehmend alldeutsch und antisemitisch auf. Schon 1885 kam es zum Bruch zwischen den Anhängern Georg von Schönerers und den traditionellen Großdeutschen, nachdem Schönerer das Programm überarbeitete und einen Arierparagraphen hinzufügte. Ab Ende der 1880er Jahre wurde das Linzer Programm nur noch von Schönerers Anhängern hochgehalten.
Deutschnational eingestellt waren außerdem Anhänger mehrerer Parteien und Gruppen, etwa der Vereinigten Deutschen Linken, der Deutschen Volkspartei, der Deutschen Agrarpartei, der Deutschen Arbeiterpartei und der Deutschradikalen Partei, einer Abspaltung von den Schönerianern. In der Zwischenkriegszeit entstand 1920 in Salzburg die Großdeutsche Volkspartei (GDVP) als Zusammenschluss von 17 deutschnationalen Gruppierungen. Ihr „unverrückbarer Leitstern“ war der Anschluss an Deutschland. Zusammen mit dem kleineren Landbund wurde sie als dritte Kraft neben Sozialdemokratie und Christdemokratie wahrgenommen. Daraus entstand der Begriff „Drittes Lager“, der heute oft als Synonym für das deutschnationale Lager verwendet wird.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 kam es von 1938 bis 1945 faktisch zu einer Deckungsgleichheit von NSDAP und deutschnationalem Lager.
Nachkriegszeit und FPÖ
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Begriff Deutschnationalismus durch das NSDAP-Regime diskreditiert. Viele Vertreter des deutschnationalen Lagers waren ehemalige Nationalsozialisten. Da frühere NSDAP-Mitglieder bis 1949 von jeder politischen Tätigkeit ausgeschlossen waren und kein Wahlrecht hatten, wurde Deutschnationalismus zunächst zur Ideologie von Außenseitern.
Der VdU und später die FPÖ wurden von Personen getragen, die aus dem deutschnationalen Lager und dessen Organisationen kamen, besonders aus schlagenden Studentenverbindungen. Im Grundsatzprogramm der FPÖ von 1956 war allgemein und unverbindlich von einer Zugehörigkeit zur „deutschen Kulturgemeinschaft“ die Rede. Zugleich übernahm die Partei in bestimmten Punkten auch einen Österreich-Patriotismus, der besonders nach 1945 als Gegenposition zum Deutschnationalismus galt.
Trotzdem rekrutierte die FPÖ lange viele ihrer Politiker aus dem deutschnationalen Lager. Dazu kam eine stark abwehrende Haltung gegenüber nicht-deutschsprachigen Minderheiten wie den Kärntner Slowenen, sichtbar etwa im Ortstafelstreit, später auch gegenüber Migration und europäischer Integration. Das deutschnationale Korporationswesen erlebte in den 1950er- und 1960er-Jahren einen Aufschwung, ging aber mit der Öffnung und Demokratisierung der Universitäten zurück. Als Beispiel nennt der Artikel den Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), der bei den ÖH-Wahlen von 32 % im Jahr 1953 auf 2 % im Jahr 1987 fiel. Heute stellt der Deutschnationalismus nur 17 % der Kernwähler der FPÖ, weil sich die Partei seit dem Aufstieg Jörg Haiders Mitte der 1980er Jahre stärker zu einem österreichbezogenen Rechtspopulismus entwickelte.
Vergleich mit völkischem Nationalismus
Der Artikel unterscheidet den österreichischen Deutschnationalismus vom völkischen Nationalismus in Deutschland. Der österreichische Deutschnationalismus zielte zunächst vor allem auf den Zusammenschluss der „Deutschen“ innerhalb und außerhalb bestehender Reichsgrenzen. Der völkische Nationalismus in Deutschland, der aus dem Deutschnationalismus entstand, zielte dagegen stärker auf den Ausschluss aller „Nichtdeutschen“. „Völkisch“ bezeichnet dabei eine nationalistische Denkweise, die Zugehörigkeit stark über Abstammung und eine angeblich einheitliche Volksgemeinschaft definiert.
Nach der Reichsgründung 1871 stützte sich der völkisch geprägte Nationalismus in Deutschland auf unterschiedliche Gruppen. Dazu gehörten antiliberale großbürgerliche Kräfte, etwa in der Deutschkonservativen Partei, die aristokratische Vorrechte und Protektionismus bewahren wollten. Dazu kamen kleinbürgerliche Gruppen, die sich gegen die Emanzipation benachteiligter Gruppen stellten. Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, seit 1893, war eine völkisch-antisemitische Angestellten-Gewerkschaft. Er richtete sich nicht nur gegen jüdische Emanzipation, sondern auch gegen die Emanzipation der Frauen.
Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich Konservative beider Lager in der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zusammen. Die DNVP lehnte die Weimarer Republik im Grunde ab, beteiligte sich aber dennoch an mehreren Regierungen mit der Deutschen Volkspartei und dem Zentrum. Im März 1933 bildete sie eine Koalition mit der NSDAP und wurde wenige Monate später aufgelöst.