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Deutsche Währungsgeschichte

Die Inflation 1914 bis 1923 nahm bis zur Hyperinflation 1923 unaufhaltsam so stark infolge der Reparationsforderungen zu, dass auf Mark lautende Banknoten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und einheitliche Mark
  2. 2. Erster Weltkrieg, Inflation und Stabilisierung
  3. 3. Reichsmark, Krieg und Zusammenbruch
  4. 4. Deutsche Mark in Westdeutschland
  5. 5. DDR-Mark, Währungsunion und Euro
  6. 6. Entwicklung der Notenbanken

Überblick und einheitliche Mark

Die deutsche Währungsgeschichte seit der Reichsgründung 1871 ist durch die Einführung einer einheitlichen Währung und mehrere Währungsreformen geprägt. Auf die goldgedeckte Mark folgten nach zwei Weltkriegen und schweren Inflationen die Rentenmark, die Reichsmark, die Deutsche Mark in Westdeutschland und die Mark der DDR in Ostdeutschland. 1990 wurde die Deutsche Mark zur gemeinsamen Währung beider deutscher Staaten; 1999 beziehungsweise 2002 folgte der Euro.

Nach der Gründung des Deutschen Reichs am 1. Januar 1871 beschloss der Reichstag am 4. Dezember 1871 das erste Reichsmünzgesetz. Es führte die Mark als einheitliche Reichswährung ein. Eine Mark bestand aus 100 Pfennigen und war durch Gold gedeckt. Offiziell hieß sie Mark; die Bezeichnungen Goldmark oder Reichsgoldwährung dienen vor allem zur Unterscheidung von späteren Währungen. Zuvor hatten die deutschen Staaten – mit Ausnahme Bremens – vor allem Silberwährungen in Talern oder Gulden verwendet.

Das zweite Reichsmünzgesetz vom 9. Juli 1873 regelte Silber- und Kleinmünzen genauer und vereinheitlichte ihre Gestaltung. Kleinmünzen zeigten den Nennwert und den Reichsadler. Bei Münzen zu 2, 3, 5, 10 und 20 Mark war eine Seite reichseinheitlich, während die andere Seite das jeweilige Land darstellte. Bis 1918 besaßen alle deutschen Teilstaaten das Münzrecht. Umlaufmünzen prägten insbesondere Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt und Hamburg; kleinere Staaten gaben meist nur Gedenkmünzen heraus.

Nach Berechnungen anhand der Verbraucherpreise entspräche 1 Mark von 1873 etwa 8,10 Euro, von 1900 etwa 8,60 Euro, von 1913 etwa 6,70 Euro und von 1918 etwa 2,20 Euro. Solche Werte zeigen nur die durchschnittliche Kaufkraftentwicklung. Andere Preisindizes oder einzelne Waren führen zu anderen Ergebnissen; auch der Wandel des allgemeinen Wohlstands bleibt unberücksichtigt. Nach ihrem Goldgehalt hätte die Mark, gemessen am im Artikel zugrunde gelegten Goldpreis, einen Wert von 42,91 Euro.

Erster Weltkrieg, Inflation und Stabilisierung

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs stellte das Deutsche Reich den Umtausch von Geld in Gold ein. Ab dem 4. August 1914 wurden verstärkt Reichskassenscheine und Reichsbanknoten ausgegeben. Da auch Silbermünzen aus dem Umlauf verschwanden, entstand faktisch die Papiermark und der Goldstandard wurde aufgegeben. Ab 1915 führten Kriegswirtschaft und die nahezu unbegrenzte Finanzierung des Staates durch neues Geld zu Inflation. Münzen bestanden zunehmend aus billigeren Metallen wie Eisen, Zink und Aluminium. Gebietskörperschaften und Großbetriebe gaben außerdem Notgeld aus.

Der amtliche Preisindex stieg von August 1914 bis November 1918 ungefähr im Verhältnis 1:3. Diese Zahl erfasst jedoch weder die sinkende Qualität vieler Waren noch Rationierung, Warenkarten und deutlich höhere Schwarzmarktpreise vollständig. Die Inflation verschärfte sich weiter und erreichte 1923 eine Hyperinflation, also eine extrem schnelle Geldentwertung. Banknoten und Guthaben in Mark wurden fast wertlos; Mitte November 1923 rechnete man bereits in Billionen Papiermark.

Am 15. November 1923 wurde die Papiermark im Verhältnis 1.000.000.000.000 zu 1 auf die Rentenmark umgestellt. Diese Übergangswährung stoppte die Hyperinflation. Sie hieß Rentenmark, weil ihre Deckung auf Rentenerträgen aus Grundstücksbeleihungen beruhte, und wurde von der Rentenbank unter dem Dach der Reichsbank ausgegeben. Billionen-Mark-Scheine blieben noch bis zum Sommer 1924 im Umlauf. Das geplante 1-Billion-Mark-Stück der Provinz Westfalen war bei seiner Ausgabe 1924 bereits kein Zahlungsmittel mehr, sondern ein Erinnerungsstück.

Am 30. August 1924 ergänzte die Reichsmark die Rentenmark im Verhältnis 1:1. Eine vollständige Ablösung fand praktisch nicht statt: Spätere Rentenmarkscheine kleiner Werte und Rentenpfennigmünzen blieben neben der Reichsmark bis 1948 gültig. Beide Währungen wurden erst durch die Währungsreform von 1948 endgültig ungültig.

Reichsmark, Krieg und Zusammenbruch

Die Reichsmark konnte 1924 eingeführt werden, weil wieder ausreichende Goldreserven für den internationalen Zahlungsverkehr vorhanden waren. Bis zur Weltwirtschaftskrise von 1929 blieb sie relativ stabil. Während des Nationalsozialismus finanzierte der Staat Aufrüstung, Krieg und weitere Projekte jedoch mit großen Mengen ungedeckten Geldes, unter anderem durch Mefo-Wechsel. Dadurch entstand eine verdeckte oder rückgestaute Inflation: Staatliche Preis- und Lohnvorgaben verhinderten zunächst, dass die Geldentwertung offen sichtbar wurde. 1943 war die Reichsmark auf dem internationalen Devisenmarkt bereits nicht mehr konvertierbar.

Nach Kriegsende trat die Entwertung offen hervor. Viele Güter waren rationiert und nur mit Bezugsmarken erhältlich; auf dem Schwarzmarkt lagen die Preise deutlich über den amtlichen Preisen und stiegen ab Mai 1945 bis 1948 besonders stark. Deshalb ist auch die rechnerische Kaufkraftangabe von 4,70 Euro für 1 Reichsmark von 1944 nur sehr begrenzt aussagekräftig. Für andere Jahre nennt der Artikel folgende Vergleichswerte: 1 Reichsmark von 1924 entspräche 5,10 Euro, von 1929 4,40 Euro, von 1933 5,70 Euro und von 1939 5,30 Euro.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg gaben die Alliierten zusätzlich die Alliierte Militärmark aus. Sie galt in Deutschland bis 1948 neben der Reichsmark und durfte bei der Begleichung von Mark-Schulden nicht anders behandelt werden. Die bereits 1944 in den USA und von der sowjetischen Staatsdruckerei Goznak hergestellten Scheine reichten von 0,50 bis 1000 Mark. Amerikanische Ausgaben waren in der Verzierung durch ein englisches „F“ für die Firma Forbes erkennbar. Daneben gab es Zinkmünzen zu 1, 5 und 10 Pfennig. Ihre Gestaltung entsprach weitgehend früheren Münzen, doch an die Stelle des Hakenkreuzes unter dem Adler traten dessen Schwanzfedern.

Deutsche Mark in Westdeutschland

In den drei westlichen Besatzungszonen begann am 20. Juni 1948 die Währungsreform. Die zuvor in den USA gedruckten und in der geheimen Operation „Bird Dog“ über Bremerhaven eingeführten Banknoten ersetzten die Reichsmark grundsätzlich im Verhältnis 10:1 durch die Deutsche Mark, kurz DM. Für unterschiedliche Geldbeträge galten allerdings gestaffelte Regeln; jeder Bürger durfte bis zu 1000 Reichsmark im Verhältnis 10:1 umtauschen. In West-Berlin wurden die neuen Scheine zunächst durch einen Stempelaufdruck gekennzeichnet.

Die Deutsche Mark war nicht durchgehend wertstabil: Bis zu ihrem Ende verlor sie ungefähr drei Viertel ihrer Kaufkraft. Besonders in den 1970er Jahren und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre waren die Inflationsraten erhöht. Bis Anfang der 1970er Jahre war die DM über das Bretton-Woods-System indirekt durch ihre Bindung an den goldgedeckten US-Dollar abgesichert.

Auch die Münzen veränderten sich. 1975 verschwand das als „Silberadler“ bekannte 5-Mark-Stück aus Silber aus dem Umlauf, weil der Silberpreis stark gestiegen war. Es wurde danach aus Magnimat, einem Kupfer-Nickel-Werkstoff, hergestellt. Ab 1979 bestanden auch die 5-DM-Gedenkmünzen aus Magnimat; 10-DM-Gedenkmünzen wurden weiterhin aus 625/1000 Silber geprägt. Goldmünzen waren in Deutschland seit 1918 nicht mehr ausgegeben worden.

DDR-Mark, Währungsunion und Euro

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden am 23. Juni 1948 zunächst Reichsmarkscheine mit Klebemarken versehen. Am 24. Juli 1948 ersetzte die Deutsche Mark der Deutschen Notenbank die Reichsmark im Verhältnis 10:1. Ein zweiter Geldschnitt folgte am 13. Oktober 1957, um überschüssiges Bargeld aus dem Umlauf zu nehmen. Nur 300 DM (DDR) konnten unmittelbar getauscht werden; weiteres Geld ließ sich bei der Deutschen Notenbank gutschreiben. Insgesamt wurden 267,5 Millionen DM aus dem Bargeldumlauf entfernt.

1964 erhielt die Währung den Namen Mark der Deutschen Notenbank, abgekürzt MDN. Nach der Gründung der Staatsbank der DDR hieß sie ab dem 1. Januar 1968 Mark der DDR mit der Abkürzung M. Die DDR-Münzen bestanden überwiegend aus Aluminium. Ausnahmen waren das 50-Pfennig-Stück von 1950 und das ab 1969 ausgegebene 20-Pfennig-Stück aus Messing. Es gab Münzen zu 1, 5, 10, 20 und 50 Pfennig sowie zu 1 und 2 Mark. Gedenkmünzen zu 5, 10 und 20 Mark wurden aus Tombak, Neusilber und in kleinen Auflagen auch aus Silber hergestellt; Probeprägungen gab es ebenfalls in Gold.

Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in Kraft. Die Deutsche Mark wurde damit noch vor der staatlichen Wiedervereinigung zur gemeinsamen Währung; die Deutsche Bundesbank übernahm die Zuständigkeit für die DDR, während die Staatsbank der DDR aufgelöst wurde.

Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als Buchgeld eingeführt, also zunächst für bargeldlose Zahlungen und Konten. Seit dem 1. Januar 2002 ist er auch als Bargeld im Umlauf. Der feste Umrechnungskurs betrug 1 Euro = 1,95583 DM.

Entwicklung der Notenbanken

Notenbanken sind die zentralen Einrichtungen für die Ausgabe und Steuerung einer Währung. Am 1. Januar 1876 wurde die Reichsbank als Nachfolgerin der Preußischen Bank gegründet. 1924 wurde sie von politischen Entscheidungen unabhängig. 1935 endete das Recht der Privatnotenbanken zur Banknotenausgabe; 1939 wurde die Deutsche Reichsbank verstaatlicht.

In Westdeutschland entstand am 1. März 1948 in Frankfurt am Main die Bank deutscher Länder als Nachfolgerin der Reichsbank. 1951 wurde sie von den Weisungen der Alliierten unabhängig. Am 26. Juli 1957 folgte ihr die Deutsche Bundesbank, die mit den eigenständigen Landeszentralbanken der westdeutschen Länder verbunden war.

In der sowjetischen Besatzungszone wurden im Februar 1947 in fünf Ländern eigene Emissions- und Girobanken gegründet. Im Mai 1948 entstand als Zentrale die Deutsche Emissions- und Girobank, die am 20. Juli 1948 in Deutsche Notenbank umbenannt wurde. Im März 1950 gingen die fünf Landesbanken in ihr auf. Seit dem 1. Januar 1968 trug sie den Namen Staatsbank der DDR.

Mit der Währungsunion vom 1. Juli 1990 wurde die Deutsche Bundesbank für ganz Deutschland zuständig. Am 1. Juni 1998 wurde in Frankfurt am Main die Europäische Zentralbank (EZB) als Nachfolgerin des Europäischen Währungsinstituts gegründet.

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