Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Pfennig
Der Pfennig (Abkürzungen: Pf, Pfg oder Dpf, Symbol ₰) war eine deutsche Währungseinheit, die seit Karl dem Großen bis zur Einführung des Euro als Bargeld …
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und Grundzüge
Der Pfennig (Abkürzungen Pf, Pfg oder Dpf; Symbol ₰) war eine deutsche Währungseinheit von Karl dem Großen bis zur Euro-Bargeldeinführung 2002. Im Lauf der Jahrhunderte wurde er zur kleinsten Scheidemünze, also zu einer Münze, deren Metallwert geringer als ihr aufgedruckter Geldwert sein kann.
Der Name wurde auch für verschiedene regionale Pfennigarten verwendet, etwa leichte, gute oder Zollpfennige. Aus dem Pfennig gingen zahlreiche Münznamen hervor, darunter Groschen, Heller, Witten, Rappen und Schwaren. Er war zudem ein altes Silbergewicht von 1/256 Silber-Gewichtsmark. Im mittelalterlichen Apothekergewicht entsprach phenninc einem Quentchen, also 1/8 einer Apotheker-Unze.
Der Begriff kann auch Wertmarken bezeichnen, die kein Geld im engeren Sinn sind: Brotpfennige konnten Bedürftigen in Notzeiten den Broteinkauf verbilligen; andere Marken gehörten zum Trucksystem.
Pfennig im Mittelalter
Karl der Große bestimmte im karolingischen Münzfuß, dass aus einem karolingischen Pfund Silber 240 Münzen geprägt werden sollten, etwa 1,7 g Silber je Münze. Diese Münzen hießen lateinisch Denarius und im Althochdeutschen bereits phenninc. Im englischen Raum entstand zugleich der Penny; das Kürzel d für den alten britischen Penny bezog sich auf denarius und blieb dort bis 1971 gebräuchlich.
Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert war der Pfennig aus hochwertigem Silber, neben bloßen Rechnungseinheiten das einzige Währungsnominal und deshalb kaufkräftig. Diese Epoche heißt in der Münzkunde Pfennigzeit. Halbpfennige wurden nur selten geprägt und hießen auch Obole oder Scherfe. Um 1200 war der Pfennig das größte und einzige deutsche Silber-Kurantmünzen-Nominal; kleinere Werte erzeugte man durch Halbieren oder Vierteln der Münzen. Bei größeren Zahlungen musste häufig das Gesamtgewicht einer festgelegten Zahl gleichartiger Pfennige stimmen. Das förderte unterschiedliche Kurse zwischen kleinen und größeren Nominalen.
Da das Münzregal regional ausgeübt wurde, unterschieden sich Pfennige stark in Raugewicht und Silberfeingewicht, auch Schrot und Korn genannt. So entstanden regionale Pfennige mit verschiedenen Wechselkursen. Kupferzusätze machten viele Stücke dunkel: Man unterschied weiße Pfennige wie Wißpfennig, Albus oder Silberpfennig von schwarzen Kupferpfennigen. Der Haller Pfennig entwickelte sich zum Heller; in Bayern galten noch im 19. Jahrhundert zwei Heller für einen Pfennig.
In der Schinderlingszeit wurden ab 1457 vor allem in Österreich und Bayern Schwarzpfennige fast ohne Silber geprägt; die Bösen Halser bestanden im Wesentlichen aus einer Kupfer-Zinn-Legierung. 1460 endete diese Periode mit fünflötigen Pfennigen. Wichtige Formen waren einseitig geprägte Hohlpfennige und Brakteaten sowie der seit 1374 geprägte, konkave Schüsselpfennig. Ein Freipfennig aus Erfurt war ein feinsilberner Hohlpfennig zur Zahlung einer Abgabe an den Erzbischof von Mainz.
Kaufkraft und historische Umrechnungen
Preisbeispiele aus dem sächsisch-thüringischen Raum zeigen die damalige Kaufkraft: 1324 kostete ein Huhn 2 Pfennige und ein Lammbauch 8 Pfennige. Vor 1382 kostete ein Mastschwein 360 Pfennige, ein junges Schwein 180 Pfennige. 1382 wurden für ein Schock Eier 10 Pfennige, für acht Ellen Leinentuch 54 Pfennige, für einen Hafen Butter 40 Pfennige und für ein Stück frische Butter 3 Pfennige genannt. 1395 kosteten sechs Hühner 48 Pfennige. Gewöhnlich handelte es sich um Münzen der Landeshauptmünzstätte Freiberg.
Die Wertverhältnisse waren zeit- und regionalabhängig. Häufige Beziehungen waren: 1 Pfennig = 2 Heller oder Scherf; 1 Kreuzer, Witten, Stüber oder Groten = 4 Pfennig; 1 Schilling = 12 Pfennig, im Mittelalter teilweise nur 6 Pfennig. Ein Guter Groschen entsprach 12 Pfennig, ein Mariengroschen 8 Pfennig und ein sächsischer Neu-Groschen 10 Pfennig.
Bei größeren Einheiten änderten sich die Relationen mehrfach: Ein Reichstaler entsprach 1571 24 Groschen = 288 Pfennig. Der preußische Taler galt ab 1821 als 30 Silbergroschen = 360 Pfennig. Ein Vereinsgulden entsprach 60 Kreuzern = 240 Pfennig. In England galt 1 Pound bis 1970 als 20 Shilling = 240 Pence (d), danach als 100 New-Pence (p).
Vom Kupferpfennig zur Mark
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Pfennig zur Kupferscheidemünze. Im 18. Jahrhundert prägten einige Herrscher Kupfer- und Billonpfennige parallel; Billon ist eine Silber-Kupfer-Legierung. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts nahm der Anteil der Billonprägungen ab. Die letzten deutschen silberhaltigen 1-Pfennig-Münzen mit der Schreibweise „Pfenig“ wurden 1808 bis 1811, mit Jahreszahl 1808, im Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld geprägt.
Bis 1821 bestanden in den preußischen Provinzen verschiedene Kleinmünzensysteme. Die Reform von 1821 vereinheitlichte sie: Das neue Nominal hieß „Pfenning“, und 1 Taler entsprach 360 statt zuvor 288 Pfennigen. In süddeutschen Staaten war der Pfenni(n)g von 1506 bis 1871 auf 1/240 Gulden festgelegt: 1 Gulden = 60 Kreuzer, 1 Kreuzer = 4 Pfenningen und 1 Pfenning = 2 Heller.
Mit der Goldmark, eingeführt durch Gesetz vom 4. Dezember 1871, und dem zweiten Reichsmünzgesetz vom 9. Juli 1873 galt die Dezimalteilung 1 Mark = 100 Pfennig. Sie blieb bis zur Euro-Einführung die kleinste Währungseinheit der deutschen Mark-Währungen. Der letzte bundesdeutsche 1-Pfennig bestand aus beidseitig kupferbeschichtetem Stahl, hatte 16,5 mm Durchmesser, 1,38 mm Dicke und 2,00 g Gewicht. In der DDR bestanden die letzten Pfennig- und bis 2 Mark lautenden Münzen überwiegend aus Aluminium; ausgenommen waren das 20-Pfennig-Stück aus Messing und das bis 1956 umlaufende 50-Pfennig-Stück aus Aluminium-Kupfer-Legierung. Mit der Abschaffung der Deutschen Mark und der Einführung des Euro ist der Pfennig kein gültiges Geldzeichen mehr.
Sammlerstücke, Sprache und Zeichen
Einige Pfennigmünzen haben hohen Sammlerwert. Dazu gehört das 50-Pfennig-Stück von 1950 mit der Umschrift „Bank deutscher Länder“. Die Prägestätte Karlsruhe, Kennbuchstabe G, prägte irrtümlich 30.000 Stück mit dieser Inschrift statt „Bundesrepublik Deutschland“. Wegen ihrer Seltenheit wurden solche Münzen auch gefälscht. Gesucht sind außerdem 1-Pfennig-Münzen von 1948 und das 2-Pfennig-Stück der Prägestätte Hamburg (J) von 1969 aus Kupfer, das nicht magnetisch ist.
In Redensarten steht der Pfennig weiterhin für kleine Geldbeträge, etwa in „Auf Heller und Pfennig“ oder „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Ein gefundener Glückspfennig gilt im Volksmund als Glückszeichen.
Als altes Pfennigzeichen diente vor allem ein in deutscher Kurrentschrift geschriebenes „d“ mit einem Abkürzungsschwung nach unten. Es wurde bis nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet und wird bei Transkriptionen wegen seiner Form manchmal fälschlich als „ch“ gelesen. Das Zeichen ₰ hat den Unicode-Codepunkt U+20B0 und die Unicode-Bezeichnung „german penny sign“. In Korrekturen kann ein ähnliches Zeichen auch deleatur („es werde getilgt“) bedeuten und zu löschenden Text markieren.